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 Humboldt-Universität zu Berlin Musikwissenschaftliches Institut  PS Musik des Mittelalters - SS 2006  Dozent: Dr. des. Ulrich Scheideler  Student: Joachim Klein, Matrikelnummer 500811
„Formen des Umgangs mit dem gregorianischen Gesang in Guillaume de MachautsMesse de Nostre Dame“
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A. EinleitungDas 14. Jahrhundert ist in der europäischen Musikgeschichte ein Umbruchsjahrhundert.Während in Frankreich mit der Ars nova und der Ars subtilior die französische Tradition der Mehrstimmigkeit, welche die mittelalterliche Musik herausragend geprägt hatte, noch einklassisches Spätstadium durchläuft, durchzieht den italienischen Treccento schon dieDämmerung der Renaissance, wohingegen die englische Musik noch einem relativvolkstümlichen musikalischen Usus verhaftet bleibt und erst im 15. Jh. mit John DunstableAnschluss an das Festland findet.
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Das Werk Guillaume de Machauts steht sicherlich imMittelpunkt der französischen Musik des 14.Jh. und stellt – neben den Organa Perotins – den Höhepunkt der mehrstimmigen französischen Musik des Mittelalters dar. Neben seinenMotetten und weltlichen Liedsätzen besetzt vor allem seine vierstimmigeVertonung desMess-Ordinariums eine in dieser Zeit herausragende und konkurenzlose Position.Anhand der Analyse der isorhythmischen Partien im Kyrie und der simultanenTextdeklamation im Gloria möchte ich Machauts Formen des Umgangs mit demgregorianischen Gesang aufzeigen.
1Eggebrecht, Hans Heinrich,
Musik im Abendland – Prozesse und Stationen vom Mittelalter bis zur Gegenwart,
Originalausgabe
 
München (u.a.) 1991, 5.Auflage 2004, S.177-179.
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B. Hauptteil1)EntstehungshintergrundDie
Messe da Nostre Dame
ist Machauts größtes musikalisches Werk und das einzige mitstrikt liturgischer Funktion. Als zyklische Vertonung des Mess-Ordinariums ist sie dieeinzige ihrer Art im 14. Jh. Bis dahin waren nur einzelne Messteile vertont worden, und erst50 Jahre später kommen auskomponierte Messzyklen mit den Tenormessen der Renaissance-Komponisten auf. Eine Ausnahme stellt die Tournai-Messe da, die alsasukomponierter Messzyklus Machaut als Vorbild gedient haben könnte, von der aber heutefeststeht, dass sie nicht von einem einzelnen Komponisten stammt, sondern ebenfallsnachträglich kompiliert wurde
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.Zur Frage nach dem Zeitpunkt der Entstehung gibt es verschiedene Thesen. Der Machaut-Forscher Daniel Leech-Wilkinson geht aufgrund von stilistischen Kriterien davon aus, dassdie Messe eine von Machauts späteren Kompositionen sein muss, da sie sich z.B. in ihrenharmonischen Abläufen stark auf die Motetten 21-23 bezieht, die 1359-61 geschriebenwurden. Diese These wird gestützt durch das Manuskript MS C, in dem ein früherer Standseines Ouvres enthalten ist. In MS C sind weder die Messe noch die letzten drei Motetten(etwa 1350) enthalten, diese erscheinen erst in der nächsten Hauptquelle MS Vg (und seiner Kopie MS B) um 1370. Die Messe könnte also zwischen 1350 und 1372 geschriebenworden sein.Hinsichtlich der Funktion der Missa da Nostre Dame gibt es die Annahme, dass die Messeals Krönungsmesse für Charles V. fungierte (Reims 19.Mai 1364). Dies erscheint aber unwahrscheinlich, da zwischen dem Tod von John II. und der Krönung von Charles V. nur acht Wochen lagen. Deshalb sollte man sich erinnern, dass große Werke nicht notwendigmit bedeutenden Anlässen korrelieren. Fest steht aber, dass die Messe für den Gebrauch inReims bestimmt war.Der Titel der Messe lautet in der exaktesten Quelle, dem Manuskript MS Vg: „Here beginsthe Mass of our Lady...“. Dies bezieht sich entweder auf den Aufführungsort der Messe, dieKathedrale Notre Dame, oder aber – was mir wahrscheinlicher erscheint – auf denliturgischen Hintergrund als Messe für ein Marienfest.
2 Vgl. Taruskin, Richard,
The Oxford History of Western Music
, Oxford 2005, Bd. I, S. 316.
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