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 Humboldt-Universität zu Berlin Musikwissenschaftliches Institut  PS Afro-amerikanische Musik, Seminarnummer WS 2006/07  Joachim Klein, Matrikelnummer 500811 Dozent: Prof. Dr. Peter Wicke
Hausarbeit:Ragtime – ein musikalisches Phänomen
Hausarbeit Ragtime - Seite 1 von 15
 
Der Ragtime ist ein musikalisches Phänomen, über dessen Momente und Sinnzusammenhängenachzudenken es sich lohnt. Informationen über seine Entstehung sowie die Konstituierungunterschiedlicher Ausprägungen des Ragtime sollen gegeben werden. Dabei nehme ich in der Frageüber die angebliche Konstituierung des Ragtime als musikalische Gattung, wie es gelegentlich postuliert wird
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, eine kritische Stellung ein. Denn wenn der Ragtime eine eigene musikalischeGattung konstituiert haben soll, dann setzt dies eine formelle Norm voraus, wie sie in der europäischen Kunstmusik etabliert ist, mitnichten jedoch in einer Musik, die weithin vonImprovisation und unnotiertem, ja über weite Strecken unnotierbarem Musizieren geprägt ist.Deshalb bevorzuge ich, von einem musikalischen Stil zu sprechen, der sich innerhalb desSpektrums afro-amerikanischer Musik herausgebildet hat und dabei nochmals stilimmanenteVerästelungen erfahren hat.
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Vgl. z.B. Hunkemöller, Jürgen,
 Ragtime
, in:
 Die Musik in Geschichte und Gegenwart - Allgemeine Enzyklopädieder Musik begründet von Friedrich Blume – Zweite, neubearbeitete Ausgabe herausgegeben von Ludwig Finscher 
,Sachteil Bd.8, Kassel 1998, Spalte 58: „Die Koppelung von
rag 
und
time
[…] tritt in dem Augenblick auf, als sieeine musikalische Bezeichnungsfunktion hat. Sie wird vor allem zur Gattungsbezeichnung (
 Hervorh. durch denVerf.)
herangezogen, kann aber auch das […] Einzelstück der Gattung bezeichnen.“
Hausarbeit Ragtime - Seite 2 von 15
 
Der Ragtime als musikalischer Stil entstand zuerst in der Ausprägung des sogenannten
Country- Ragtime
als instrumentale Begleitung eines afro-amerikanischen Tanzens, dem
 Patting 
oder auch
 Rag 
,
 Jig 
oder 
 Juba
.
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Dieser Tanz, tradiert durch die sudanesischen Populationen in den ländlichenRegionen Nordamerikas, beruhte auf einem stampfenden Tanzen ohne Raumchoreographie und war wohl eine Retention des sudanesischen
tap dancing 
, bei dem hartes Schuhwerk getragen wurde. Er wies eine gewisse Ähnlichkeit zum irischen Holzschuhtanzen auf. Die rhythmischen Eigenheitendieses musikalischen Prototyp des Ragtime sind weitgehend unerforscht.Der Country-Ragtime bildete eine ansatzweise formale Geschlossenheit aus
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, ausgeführt vor allemdurch Klein-Ensembles, bestehend aus Fiddle oder Violine, Banjo oder der Gitarre,Mundharmonika und Perkussionsinstrumenten. Mit der Emanzipation setzte zunächst zaghaft, dannmassenhaft um 1890 eine Binnenwanderung der schwarz-amerikanischen Bevölkerung in dieBallungszentren des industrialisierten Nordens sowie in die Städte des Südens ein. Dort passte sichder Country-Ragtime den urbanen Ghetto-Gewohnheiten als
Urban-Ragtime
an. Hier liegt eineenge Verflechtung mit der frühen Geschichte des Jazz vor. Repäsentanten dieser frühen Ragtime-Formen waren daher einerseits schwarze Jazz-Ensembles, andererseits diverse afro-amerikanischePianisten wie Tony Jackson (1876-1921) und Jelly Roll Morton (1885-1941) in New Orleans, TomTurpin (1873-1922) und Louis Chauvin (1881-1908) in Saint Louis, James Scott (1886-1938) inKansas City und James P. Johnson (1891-1955) in New York. Die Geschichte dieses schwarzen,schriftlosen Ragtime ist größtenteils ohne Dokumentation, der Urban Ragtime scheint sogar vollkommen ausgestorben zu sein
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. Ein wichtiges Element dieses frühen Ragtime war die Verbindung zum
Coon-Song 
, einem schlager-
2
Hunkemöller, Jürgen,
 Ragtime
, in:
 Die Musik in Geschichte und Gegenwart - Allgemeine Enzyklopädie der Musik begründet von Friedrich Blume – Zweite, neubearbeitete Ausgabe herausgegeben von Ludwig Finscher 
, SachteilBd.8, Kassel 1998, Spalte 59
3
ebd., Spalte 59
4
ebd., Spalte 60
Hausarbeit Ragtime - Seite 3 von 15

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