Der Ragtime als musikalischer Stil entstand zuerst in der Ausprägung des sogenannten
Country- Ragtime
als instrumentale Begleitung eines afro-amerikanischen Tanzens, dem
Patting
oder auch
Rag
,
Jig
oder
Juba
Dieser Tanz, tradiert durch die sudanesischen Populationen in den ländlichenRegionen Nordamerikas, beruhte auf einem stampfenden Tanzen ohne Raumchoreographie und war wohl eine Retention des sudanesischen
tap dancing
, bei dem hartes Schuhwerk getragen wurde. Er wies eine gewisse Ähnlichkeit zum irischen Holzschuhtanzen auf. Die rhythmischen Eigenheitendieses musikalischen Prototyp des Ragtime sind weitgehend unerforscht.Der Country-Ragtime bildete eine ansatzweise formale Geschlossenheit aus
, ausgeführt vor allemdurch Klein-Ensembles, bestehend aus Fiddle oder Violine, Banjo oder der Gitarre,Mundharmonika und Perkussionsinstrumenten. Mit der Emanzipation setzte zunächst zaghaft, dannmassenhaft um 1890 eine Binnenwanderung der schwarz-amerikanischen Bevölkerung in dieBallungszentren des industrialisierten Nordens sowie in die Städte des Südens ein. Dort passte sichder Country-Ragtime den urbanen Ghetto-Gewohnheiten als
Urban-Ragtime
an. Hier liegt eineenge Verflechtung mit der frühen Geschichte des Jazz vor. Repäsentanten dieser frühen Ragtime-Formen waren daher einerseits schwarze Jazz-Ensembles, andererseits diverse afro-amerikanischePianisten wie Tony Jackson (1876-1921) und Jelly Roll Morton (1885-1941) in New Orleans, TomTurpin (1873-1922) und Louis Chauvin (1881-1908) in Saint Louis, James Scott (1886-1938) inKansas City und James P. Johnson (1891-1955) in New York. Die Geschichte dieses schwarzen,schriftlosen Ragtime ist größtenteils ohne Dokumentation, der Urban Ragtime scheint sogar vollkommen ausgestorben zu sein
. Ein wichtiges Element dieses frühen Ragtime war die Verbindung zum
Coon-Song
, einem schlager-
2
Hunkemöller, Jürgen,
Ragtime
, in:
Die Musik in Geschichte und Gegenwart - Allgemeine Enzyklopädie der Musik begründet von Friedrich Blume – Zweite, neubearbeitete Ausgabe herausgegeben von Ludwig Finscher
, SachteilBd.8, Kassel 1998, Spalte 59
3
ebd., Spalte 59
4
ebd., Spalte 60
Hausarbeit Ragtime - Seite 3 von 15
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