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Humboldt-Universität zu BerlinMusikwissenschaftliches InstitutHauptseminar Musik und Bedeutung im 19. JahrhundertSommersemester 2008Verfasser: Joachim Klein, Matrikel-Nr. 500811Gutachter: Prof. Dr. Christian Kaden
Felix Mendelssohns Psalmvertonungen als Beispiel desintegrativen Charakters seines Werks
(Hausarbeit)
 
 2GliederungA. EinleitungB. HauptteilI.
 
Einführung in Mendelssohns Kirchenmusik1)
 
Probleme der Terminologie: Kirchenmusik vs. religiöse Musik2)
 
Zu Mendelssohns Bedeutung für die Kirchenmusik der ersten Hälfte des19.Jh.3)
 
Probleme der Werkerfassung: Zeitpunkt der Veröffentlichung,Autorisierung durch Mendelssohn, Überblick über den Bestand anPsalmvertonungenII.
 
Analysen1)
 
115. Psalm („Non nobis Domine“ Vulgata/ „Nicht unserm Namen, Herr“)für Soli, gemischten Chor und Orchester, op. 312)
 
42. Psalm („Wie der Hirsch schreit“) für Soli, gemischten Chor undOrchester, op. 423)
 
43. Psalm („Richte mich Gott“) für achtstimmigen gemischten Chor, op.78/2III.
 
Ästhetische Einordnung1)
 
Zwischen Hegel und E.T.A. Hoffmann: Vokalmusik als musikalischesUrbild oder als defizienter Modus der symphonischen Instrumentalmusik2)
 
Die Debatte um Mendelssohns jüdische IdentitätC. Schluss
 
 3
A. Einleitung
Felix Mendelssohn Bartholdy, oder nur Felix Mendelssohn? Mit der Frage, wie maneinen unserer wichtigsten deutschen Komponisten nennen soll, ist man schon mittenin den Problemen, die sich in der Beschäftigung mit seinem Leben und Werk auftun.Bartholdy. Sein Vater, Abraham Mendelssohn Bartholdy, nahm diesen deutschenNamen an, als Ausdruck seiner Emanzipation und Assimilation an das deutsche Volk.Es war sein ausdrücklicher Wunsch, dass seine Kinder diesen Namen tragen sollten.Als Felix in die Öffentlichkeit trat, gab es darüber einen großen Disput (Werner 1980,59ff.). Der junge Mann bestand darauf, auch den Namen seines Großvaters Mosesweiter zu tragen, für seinen Vater verwies der Name Mendelssohn auf seine jüdischeHerkunft, von der er Felix nicht weiter belastet sehen wollte. Doch anstatt ganz auf den Namen Mendelssohn zu verzichten, wie vom Vater gewünscht, verzichtete Felixstattdessen im angelsächsischen Sprachraum später auf den Namen Bartholdy, imdeutschsprachigen Raum behielt er den Doppelnamen bei. So kommt es, dass heute inenglischsprachiger Literatur häufig nur noch der Name Felix Mendelssohn zu findenist.Der Konflikt um den Nachnamen des Komponisten verweist symbolartig auf diegroßen Fragen, die Felix Mendelssohn Bartholdys Leben überwölbt haben und die bisheute die Forschung bewegen. War er ein deutsch-jüdischer Komponist, oder eingenuin deutscher Komponist? War er Christ, Jude, oder gar Judenchrist, wie manchefrühere Forscher und auch aktuelle religiöse Gruppierungen (Stern 2007, 76) ihn gernsehen möchten? Oder war ihm das alles egal, und man tut gut daran, die Fragen seinerReligiösität und Sozialisation beiseite zu lassen, wenn man sich mit seiner Musikbeschäftigen möchte?Mit einigen dieser Fragen soll sich diese Arbeit über Mendelssohn BartholdysPsalmvertonungen auseinandersetzen. Seine orchestralen Vertonungen biblischerPsalmen, jüdisch-hebräischer wie zugleich christlicher Literatur, können alsBrennglas dienen, als Kristallisationspunkt, in dem sich sein Verhältnis zu seinerHerkunft, zu seinem deutschen Mutterland wie auch sein Ort in denkirchenmusikalischen und ästhetischen Debatten seiner Zeit zeigen.
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