Vorwort
und Geschichte der Sammlung.
Diein dem vorliegenden neuen Verzeichnisse 11872 Nummern umfassende Gemmen-
Sammlung hat eine lange Geschichte.Schonim17.Jahrhundert war die Kurbrandenburgsche
Sammlung eine recht ansehnliche.DerinjenerZeitgebildeteGrundstock ist in vorliegendem
Cataloge durch Zusatz von A. K.B. (Alt-Kurbrandenburgisch)kenntlich gemacht. Was derselbe enthieltzeigenam besten dieschönenFoliobändedesLorenzBeger, die
I<>QÖ—1701
erschienen(L. Begerithesaurus Brandenburgicusselectus) undfürihreZeit recht gute und
treue Stiche der meisten und besten derdamals vorhandenenGemmenbieten.
Das älteste erhaltene handschriftlicheVerzeichniss derSammlung stammt aus demJahre 1713 und ist noch von L.Beger'sHand geschrieben mit Nachträgen vonSchott.
Es ist in einem Gemisch von Lateinisch und Deutschabgefasstund beschreibt auf zehn„Tafeln" zusammen75Cameen und30bIntagli („einwärts" geschnittene Steine). Bei einem
Theile der Steine wirdangegeben, dasssievonHerrn Hofrath Raben er gekauft seien;
weitere Provenienzangaben finden sichnicht. DieAnordnung ist nach„auswärts"und„ein
wärts"geschnittenen Arbeiten sowie nach den Materialien (Comiol,Onyx,Chalcedon u.s.f.)
gemacht. Daran schliesst sich einVerzeichnissvon zusammen 50 Ringen, die ebenfalls nachdem Material getrennt aufgeführt werden.Im Jahre 1764erfolgtedanndurchFriedrich denGrossen dieErwerbungderberühmten
Sammlung des Barons vonStosch (fürden Preisvon 30000 Dukaten). SiefandimAntiken
tempelzuPotsdam Aufstellung undwardnurkurzindas InventardesNeuen Schlossesein
getragen. Erst 170,8 wurdesieausjenemAntikentempelentferntund vomDirektoriumder
Akademie der Wissenschaften übernommen, wobei bemerkt wird,dass „einordentliches Verzeichniss" nicht vorhandenwar.AlsCatalog dientedie1760 erschieneneDeseription des
pierres gravees du feuBaronStoschparM.l'abbeWinckelmann.Dieseenthält
die Beschreibung von 3444 Nummern. Bei derRevisionTölken's im Jahre1816waren
3442 Stück vorhanden; von Winckelmann'sNummern fehlten fünf (Cl.II698.V220.VIII 54.90;
diese fehlen auch jetzt; Cl. II 717,dasebenfalls als fehlendangegebenwird, istdagegen
gegenwärtig vorhanden); überzählig fandensichdrei.Die Winckelmann'sche Beschreibung fand Eingang in die Ausgaben seiner gesammeltenWerke und ist ausserdem wiederholt in dem Werke von Schlichtegroll,choix desprincipalespierres gravees de la coli, qui appartenait autrefois au Baron deStoschetqui setrouve
maintenant dans le cabinet du RoidePrusse. Nuremberg1792—1805. Noch 1826erschien
eine abgekürzte deutsche Bearbeitung der Winckelmann'sehen Beschreibung als „Verzeichnissder geschnittenen Steine in dem Kgl. Museum zu Berlin. I.Ehemaligevon StoschischeGemmensammlung".Tölken hatessehr wahrscheinlich gemacht (inder VorredeseinesVerzeichnisses
S.XIV
fl'.),
dass Winckelmann bei der Beschreibung nurSchwefelabdrücke,nicht die Originalevor sich hatte und dass er auf Grundeinesalten Sto.schischenCatalogesarbeitete,dessen
Benennungen vielfach für ihn massgebend waren.So erklärensichdieauffallend vielenIrr-
thümer und verkehrten Benennungen in Winckelmann's Beschreibung.
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