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KÖNIGLICHE MUSEEN ZU BERLIN
BESCHREIBUNG
DER
GESCHNITTENENSTEINE
IM ANTIQUARIUM
VON
ADOLF FURTWÄNGLER
MIT 71 LICllTDRUCKTAFELN UND 129 TEXTBILDERN
PREIS 35 MARK 
BERLINVERLAG VON W. SPEMANN1896
 
oeit langer Zeit ist ein vollständiges beschreibendes Ver-zeichniss der geschnittenen Steine des Antiquariums als ein dringendesBedürfniss empfunden worden. Tölkens 1835 erschienenes Verzeichnissenthält nur die vertieft geschnittenen Steine mit Ausschluss derCameen. Seitdem ist die Gemmensammlung bis auf den heutigenTag ununterbrochen vermehrt worden, so dass die Ausarbeitungeines neuen Verzeichnisses immer unentbehrlicher wurde. HerrProfessor Dr. Furtwängler hat, nachdem er 1885 die neue Beschreibungunserer Vasensammlung vollendet hatte, diese Arbeit in die Handgenommen und mit Unterstützung der damals am Kgl. Antiquariumbeschäftigten Herren Dr. Scherer, Dr. Hubert Schmidt und ProfessorDr. Winnefeld noch vor seiner im Herbst 1894 erfolgten Uebersiedelungnach München zu Ende geführt. Nur die Drucklegung ist durch denUmzug des Verfassers etwas verzögert worden.Berlin, im März 1896.Der Director des Antiquariums
Curtius.
 
Vorwort
und Geschichte der Sammlung.
Diein dem vorliegenden neuen Verzeichnisse 11872 Nummern umfassende Gemmen- Sammlung hat eine lange Geschichte.Schonim17.Jahrhundert war die Kurbrandenburgsche Sammlung eine recht ansehnliche.DerinjenerZeitgebildeteGrundstock ist in vorliegendem Cataloge durch Zusatz von A. K.B. (Alt-Kurbrandenburgisch)kenntlich gemacht. Was derselbe enthieltzeigenam besten dieschönenFoliobändedesLorenzBeger, die
I<>QÖ—1701
erschienen(L. Begerithesaurus Brandenburgicusselectus) undrihreZeit recht gute und treue Stiche der meisten und besten derdamals vorhandenenGemmenbieten. Das älteste erhaltene handschriftlicheVerzeichniss derSammlung stammt aus demJahre 1713 und ist noch von L.Beger'sHand geschrieben mit Nachträgen vonSchott. Es ist in einem Gemisch von Lateinisch und Deutschabgefasstund beschreibt auf zehn„Tafeln" zusammen75Cameen und30bIntagli („einwärts" geschnittene Steine). Bei einem Theile der Steine wirdangegeben, dasssievonHerrn Hofrath Raben er gekauft seien; weitere Provenienzangaben finden sichnicht. DieAnordnung ist nach„auswärts"und„ein wärts"geschnittenen Arbeiten sowie nach den Materialien (Comiol,Onyx,Chalcedon u.s.f.) gemacht. Daran schliesst sich einVerzeichnissvon zusammen 50 Ringen, die ebenfalls nachdem Material getrennt aufgeführt werden.Im Jahre 1764erfolgtedanndurchFriedrich denGrossen dieErwerbungderberühmten Sammlung des Barons vonStosch (fürden Preisvon 30000 Dukaten). SiefandimAntiken tempelzuPotsdam Aufstellung undwardnurkurzindas InventardesNeuen Schlossesein getragen. Erst 170,8 wurdesieausjenemAntikentempelentferntund vomDirektoriumder Akademie der Wissenschaften übernommen, wobei bemerkt wird,dass „einordentliches Verzeichniss" nicht vorhandenwar.AlsCatalog dientedie1760 erschieneneDeseription des pierres gravees du feuBaronStoschparM.l'abbeWinckelmann.Dieseenthält die Beschreibung von 3444 Nummern. Bei derRevisionTölken's im Jahre1816waren 3442 Stück vorhanden; von Winckelmann'sNummern fehlten fünf (Cl.II698.V220.VIII 54.90; diese fehlen auch jetzt; Cl. II 717,dasebenfalls als fehlendangegebenwird, istdagegen gegenwärtig vorhanden); überzählig fandensichdrei.Die Winckelmann'sche Beschreibung fand Eingang in die Ausgaben seiner gesammeltenWerke und ist ausserdem wiederholt in dem Werke von Schlichtegroll,choix desprincipalespierres gravees de la coli, qui appartenait autrefois au Baron deStoschetqui setrouve maintenant dans le cabinet du RoidePrusse. Nuremberg1792—1805. Noch 1826erschien eine abgekürzte deutsche Bearbeitung der Winckelmann'sehen Beschreibung als „Verzeichnissder geschnittenen Steine in dem Kgl. Museum zu Berlin. I.Ehemaligevon StoschischeGemmensammlung".Tölken hatessehr wahrscheinlich gemacht (inder VorredeseinesVerzeichnisses S.XIV
fl'.),
dass Winckelmann bei der Beschreibung nurSchwefelabdrücke,nicht die Originalevor sich hatte und dass er auf Grundeinesalten Sto.schischenCatalogesarbeitete,dessen Benennungen vielfach für ihn massgebend waren.So erklärensichdieauffallend vielenIrr- thümer und verkehrten Benennungen in Winckelmann's Beschreibung.
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