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Peter Artmann ist Biologe,promoviert an derMedizinischen HochschuleHannover, arbeitet alsWissenschaftsjournalist undals Webdesigner.Artscience.de
 
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20.12.07
·
10:09 Uhr
Wer schützt die Kinder vor demKinderarzt?
Kategorie:Kultur
·
Medizin
·
Politik· Kommentare: 50
Gestern trafen sich die Spitzen der Großen Koalition zumKindergipfelin Berlin. Sieforderten eine "Kultur des Hinsehens". Das klingt nett, bedeutet in erster Linie jedochzusätzlichestaatliche Zwangsmaßnahmen für Eltern: verbindliches Einladewesen, kürzereIntervalle bei Vorsorgeuntersuchungen und mehr Kompetenzen für Jugendämter.Nicht alle Erziehenden dürften die staatlich verordneten Termine als Verbesserungauffassen. Am ärgerlichsten ist jedoch die unangefochtene Aufwertung der Kinderärzte. Alsletztgültige Kontrollinstanz verlieren sie jeden zweifelhaften Anstrich und dürfen künftigjeden blauen Fleck beim Jugendamt melden.Aber wer hindert die Kinderärzte künftig daran massenhaft Kinder per chemischer Peitschezu verstümmeln?In jüngster Zeit gab es häufiger Spekulationen, dass derrapide gestiegene Verbrauch vonRitalin, Concertaund anderen Methylphenidat‐Arzneien, auf massive Werbemaßnahmen derPharmaindustrie (auf Kinderärzte) zurückzuführen sei.Allesamt Arzneien, die gewiss nie ohne Nebenwirkungen daherkommt, aber möglicherweiseüberhaupt keine therapeutische Wirkunghaben.Was erwartet man von einem Arzt, der Hautrötungen entdeckt? Was machen Eltern, wennder Arzt sagt, es gibt auch andere Wege, wie Kinder gehorchen: Versuchen Sie es mal mitdiesem Rezept.Gibt es jemanden, der Kinder, die früher mit Ohrfeigen bestraft wurden, vor derZwangsabhängigkeit durch Psychostimulanzien schützt?Abhängigkeiten, die in der Grundschule geschaffen werden und frühestens in der Pubertät
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 , .Oder anders gefragt: Wenn die heutigen Erwachsenen die Wahl hätten zwischen jeweils dreiOhrfeigen für nicht gemachte Hausaufgaben und sechs Jahre lang Psychopharmakaschluckenmit ungewissen Folgen für die Gehirnentwicklung– wie würden sie entscheiden?Das soll jetzt kein Plädoyer fürs Kinderschlagen sein, aber wenn Leute ernsthaft einekörperliche Unversehrtheit für Kinder fordern, die sie sogarins Grundgesetz schreiben wollen, dann sollten sie auch mal über eine chemische Unversehrtheit nachdenken.Denn was auf den ersten Blick als saubere Tablettenlösung daherkommt – und sogar vomKinderarzt verschrieben wird – muss nicht unbedingt die beste Lösung fürErziehungsaufgaben sein. 
Autor: Peter Artmann
·
50 Kommentare
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Kommentare (50)
 Chris
·
20.12.07
·
11:16 Uhr
Mal das Thema Kinder schlagen außen vorgelassen (meinst Du das wirklich ernst, was Du dageschrieben hast?):Hier wird den Kinderärzten nur der schwarze Peter in die Schuhe geschoben!Jugendämter sind vollkommen überlastet und unterbezahlt. Wenn jetzt ein Kind verhungert,verdurstet oder sonstwas gefunden wird, dann sind nicht die Gesellschaft, die Nachbarn oderdie Behörde (die Eltern sowieso nicht) die Schuldigen. Nein, jetzt ist der behandelnde Arztder Sündenbock. Denn er/sie hätte es ja sehen müssen.... die guten wissen ja eh nicht,wohin mit ihrer Zeit (ACHTUNG, das war Ironie!).
Don Quijote
·
20.12.07
·
11:22 Uhr
Obwohl einverstanden mit dem Grundgedanken dieses Posts, finde ich die Dichotomiezwischen Schlagen und Medikamenten gefährlich. Ich denke nicht dass sie sich so stellt. DieEntschärfung "das soll nun kein Plädoyer fürs Kinderschlagen sein" ist nicht überzeugend,weil ein für diese Konstruktion typischen "aber" folgt.Niemand unterstützt heutzutage ernsthaft die (Wieder‐)Einführung der Prügelstrafe inunserem Rechtssystem für
Erwachsene
. Der Grund dafür ist wohl weil man es als eine diemenschlich Würde verletzende Strafe betrachtet. Warum es denn in Ordnung sein soll einuns völlig ausgeliefertes Kind (als normalerweise speziell schutzbedürftig betrachtet) so zubestrafen (oder schlimmer, im auf diese Art etwas einzutrichtern) finde ich inakzeptabel. 
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 Für die medikamentöse Behandlung stellt sich einzig die Frage der Notwendigkeit. Das liegtin erster Linie in der Verantwortung der Ärzte. Weder der Arzt noch die Eltern entscheidenzwischen Medikament oder Prügel.
 Chris
·
20.12.07
·
11:30 Uhr
@Don QuijoteAuch die Frage der Notwendigkeit stellt sich nicht wirklich. Habe jetzt keine Zeit zumSuchen, aber es gibt viele Studien und Artikel, die klar aufzeigen, dass ein Großteil derRitalin‐Verschreibungen vollkommen überflüssig sind. Es ist ein Marketing‐Effekt. Hier hatPeter recht! Und doch, Arzt und Eltern entscheiden sich für Drogen statt Prügel. Die Frageist nur, wer wen mehr dabei beeinflußt.
Don Quijote
·
20.12.07
·
11:48 Uhr
@ChrisIch hab keine Ahnung von den betreffenden Medikamenten und glaube gerne dass sieüberflüssig sind. Ich wollte nicht implizit die Verschreibung gutheissen. Ich wollte nurbetonen dass abstrakt gesehen die Notwendigkeit der Verschreibung die einzige Frage istdie sich wirklich stellt (und kein falsches 'entweder‐oder'). Wenn diese Frage in den meistenFällen schon beantwortet ist um so besser. Dann muss gehandelt werden und nichtgeschlagen.P.S.: Sollte ich allfällige Ironie im ursprünglichen Posting verpasst haben, tut es mirnatürlich leid.
 Peter Artmann
·
20.12.07
·
12:13 Uhr
Ernst ist es mir tatsächlich, das massenhafte Ritalinverschreiben von Kinderärzten(wohlgemerkt nicht von Kinderpsychiatern ‐ die sind vorsichtiger) anzuprangern.Aber das soll kein Freibrief fürs fröhliche Kinderprügeln sein, schließlich führt das auf Dauerauch zu nix.Aber genauso wenig hilft bei der Erziehung eine zwanghaft aufgesetzte Diskussion über"unbedingt einzuhaltende Gewaltfreiheit". Das ist intellektuelle Gedankensülzerei, die in derkonkreten Situation garantiert nicht hilft.Meine persönliche Beobachtung ist(wissenschaftlich nicht belegt), dass vor allem dort woEltern nicht in der Lage sind ihre Autorität einzufordern und Grenzen zu setzen ‐ die meistenMedikamente verschrieben werden.Ob das jedes Mal wirklich nötig ist, bezweifle ich.
 Peter Artmann
·
20.12.07
·
12:22 Uhr
Ach und apropos Prügelstrafe für Erwachsene. Natürlich geht das nicht und das will auchkeiner, würde wahrscheinlich, ohnehin nur zu seltsamen Auswüchsen bei denjenigen führen,die es verdient hätten: "Eyhh, Alter, wieder 50 Schläge kassiert, aber ich kann immer nochgehen und Du?" 
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