Dr. Joachim Pfeiffer MdB
Bürgerversicherung ist nurein Potemkinsches Dorf und löst keine Probleme
Rems-Murr 11/2011 >>> Seite 3
Arbeitnehmer entlasten und dafürUnternehmen und Steuerzahler zurKasse bitten. Auch für die privaten Krankenversicherung (PKV) solles Adieu heißen - so sieht es der Leitantrag zur Gesundheitspolitikder SPD vor, den sie beim Gesundheitskongresses am 17.10.2011vorstellte. Dieses Konzept ist per se nicht wirklich neu und auchnicht wirklich ausgereift. Nach den Plänen der SPD soll die Kran-kenversicherung in Deutschland zu einer „Bürgerversicherung“umgebaut werden - zumindest verspricht dies der Name. Was da-hinter steckt, sind allerdings:•ausnahmslose Zwangsmitgliedschaft,•mehr staatliche Bevormundung,•beschränkter Leistungskatalog für alle,•weniger Selbstbestimmung und•weniger Wettbewerb.Keine Lösung bietet die „Bürgerversicherung“ der SPD dagegenfür die eigentlichen Herausforderungen: die Sicherung einer gu-ten medizinischen Versorgung und die Bewältigung der steigen-den Kosten (bedingt durch den medizinischen Fortschritt und diealternde Gesellschaft). Stattdessen erhöht sie die Beiträge undBelastungen.
Warum die Bürgerversicherung nicht funktioniert:
1.Die Bürgerversicherung kann das Versprechen nicht halten, alleBürgerinnen und Bürger in die gesetzliche Krankenversiche-rung einzubeziehen. Dies wirft einerseits verfassungsrechtlicheProbleme auf, da das Grundgesetzkeine Eingriffe in bestehende privateVersicherungsverhältnisse zulässt. Anderer-seits bedarf es umfangreicher Übergangsreglungen, da privateVersicherungen nicht von heute auf morgen abgeschafft wer-den können. Die Mehrkosten über Jahrzehnte hinweg tragenwiederum die Steuerzahler.2.Die SPD fordert, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer künftigdie gleiche Summe in die Krankenversicherung einzahlen. Dasbringt keine unmittelbare Entlastung, sondern führt zu einerUmverteilung der Belastungen. Die dafür geplante Abschaf-fung der Bemessungsgrenze für den Arbeitgeberanteil geht auf Kosten von qualifizierten, innovativen Arbeitsplätzen. Das ver-nichtet Arbeitsplätze und bremst die künftige Lohnentwick-lung, da die Kosten für den Arbeitgeber enorm steigen.3.Die Bürgerversicherung soll Jahr für Jahr Staatszuschüsse vonmehr als 15 Milliarden Euro erhalten. Das belastet den Steuer-zahler um das Sechsfache im Vergleich zu heute! Zudem erhöhteine zunehmend steuerfinanzierte Bürgerversicherung denEinfluss des Staates - damit droht eine Gesundheitsvorsorgenach Kassenlage.Das zeigt: Der Weg in die Einheitskasse und ein staatlich zentra-listisches Gesundheitssystem gehen in die falsche Richtung. Nurder Wettbewerb der Krankenversicherungen gewährleistet Viel-falt, Effizienz und Qualität der Versorgung. Dafür setzt sich diechristlich-liberale Koalition ein. <<<
>>> Aus dem Kreisverband
Liebe Freundinnenund Freunde,
die Volksabstimmung am 27. Novemberzu Stuttgart 21 wird uns die nächsten Wo-chen begleiten. Wie wir sicher fast alle,setze ich mich ausdrücklich für Stuttgart 21ein und muss daher, etwas irritierend, beider Abstimmung mit „Nein“ stimmen. Ichbin ziemlich sicher, dass wir von der Unionnicht allein so abstimmen, sondern diegroße Mehrheit der Baden-Württember-ger ebenso denkt und votiert.Zu deutlich sind in den letzten Monatendie Alternativen geworden: Entweder wirinvestieren rd. 800 Mio. Euro Landesanteilin ein Jahrhundertprojekt, ermöglichenunserer Landeshauptstadt eine Riesen-chance für Verkehr, Wirtschaft und Stadt-entwicklung - und bekommen den Rest derInvestitionskosten vom Bund und derBahn. Oder wir lehnen diese Mittel ab, ha-ben im Endeffekt nichts in der Hand außereinem überalterten und sanierungsbedürf-tigen Kopfbahnhof - und zahlen dafür auchnoch bis zu 1,5 Milliarden Euro Strafe. Manmuss kein Schwabe sein, um zu erkennen,was hier vernünftig ist.Zwei Sorgen treiben mich in diesem Zu-sammenhang aber noch um: Zum einenfürchte ich ernsthaft, dass die Grünen inBaden-Württemberg ihr gefährliches Spielmit Halb- und Unwahrheiten bis zur Ab-stimmung fortsetzen werden. Trotz desklaren Schlichterspruchs von Heiner Geiß-ler, trotz des bestandenen Stresstests ha-ben die Grünen keine Hemmungen, dieBürger zu verunsichern und Äpfel und Bir-nen munter in einen Topf zu werfen. Daskomplette Neubauprojekt steht z.B. gera-de nicht in Konkurrenz zu anderen Bahn-projekten, sondern ist geradezu die Vor-aussetzung für bessere Verbindungen imSüdwesten.Zum anderen habe ich ernste Problemedamit, die Haltung der Sozialdemokratennachzuvollziehen. Das ganze Herumgeeie-re erinnert mich stark an ein Zitat von KarlValentin: „Mögen hätt’ ich schon wollen,aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“Die SPD istmehrheitlichfür Stuttgart21, darf dasaber nicht lautsagen, um den Koalitionspartner nicht zuverärgern. Erst recht darf man sich nicht ineinem breitem gesellschaftlichen Bündnisfür die eigene Überzeugung beteiligen,das hat der Ministerpräsident verboten.Für dessen Partei, die Grünen, gilt dasselbstverständlich nicht, die kämpfen in ei-nem Bündnis mit der Linkspartei, demDGB, Umweltverbänden und dem Stutt-garter Aktionsbündnis munter gegen das Jahrhundertprojekt. Die CDU wird sich anvielen lokalen Bündnissen für Stuttgart 21beteiligen und ich kann die SPD nur ein-dringlich auffordern, sich dem Diktat derGrünen nicht zu unterwerfen, sondern fürdie eigenen, richtigen Überzeugungenauch zu kämpfen!
Norbert Barthle MdB
Zur Volksabstimmung zu Stuttgart 21:
Die Gegner müssen bei der Wahrheit bleiben!
Auf den
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gebracht
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