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25 Jahre Barrikadentage

25 Jahre Barrikadentage

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Hamburg Hafenstraße
25 Jahre Barrikadentage
Nach den ersten "stillen" Besetzungen leerstehender Wohnungen in der St.Pauli-Hafenstraße und in der Bernhard-Nocht- Straße im Herbst 1981 und jahrelangen zähen Kämpfen um die Häuser, eskalierte die Situation im Jahr 1987 erneut.
Hamburg Hafenstraße
25 Jahre Barrikadentage
Nach den ersten "stillen" Besetzungen leerstehender Wohnungen in der St.Pauli-Hafenstraße und in der Bernhard-Nocht- Straße im Herbst 1981 und jahrelangen zähen Kämpfen um die Häuser, eskalierte die Situation im Jahr 1987 erneut.

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08/10/2012

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25 Jahre Barrikadentage
Nach den ersten "stillen" Besetzungen leerstehender Wohnungen in der St.Pauli-Hafenstraße und in der Bernhard-Nocht-Straße im Herbst 1981 und jahrelangen zähen Kämpfen um die Häuser, eskalierte die Situation im Jahr 1987 erneut.(Chronologie)
 
Die Hafenstraße teilt die Stadt in zwei Lager. Der Senat setzt mehrheitlich auf die Tabula-rasa-Variante, die Bewohner_innenreagieren 1987 auf Wohnungsräumungen mit der Wiederbesetzung. Die Springerpresse, zusammen mit der CDU-Opposition und der "Betonfraktion" der SPD, will die "Chaotenhochburg" räumen lassen. Auf der anderen Seite setzten sichKulturschaffende, Prominente und Politiker_innen für eine friedliche und "entstaatlichte Lösung" ein. Doch der KulturmäzenJan Philipp Reemtsma blitzt bei Klaus von Dohnanyi mit dem Vorschlag ab, die Hafenstraße für einen symbolischen Preisvon einer Mark zu kaufen. Es beginnt ein mehrmonatiger Nervenkrieg.
 
Hunderte Menschen aus der ganzen Bundesrepublik und anderen Ländern eilen im November 1987 nach Hamburg, um denHafenstraßenbewohner_innen zur Seite zu stehen . In der Nacht zum 12. November werden Barrikaden errichtet. 10.000Polizist_innen werden in den nächsten Tagen nach Hamburg gerufen und positionieren sich mit schweren Räumgeräten undRäumpanzern in der City. Hubschrauber-Kommandos des Bundesgrenzschutzes sowie die Anti-Terroreinheit GSG 9 werdenzum Angriff über die mit Stacheldraht gesicherten Dächer geordert.Halb Hamburg und ganz St.Pauli wird in Geiselhaft genommen, die Polizei tritt auf wie eine Besatzungsarmee in einemfremden Land.
 
Bürgermeister Klaus von Dohnanyi wirft seine persönliche Zukunft in die Waagschale. Er gibt sein "Ehrenwort" und"verpfändet sein Amt", indem er den Bewohner_innen einen Pachtvertrag zusichert, wenn diese mit dem Abbau derBefestigungen beginnen. Das Hafenstraßen-Plenum willigt ein, "das Wunder von Hamburg" geschieht. Dohnanyi, bestimmtkein Sympathisant der Hafenstraße, zweifelsohne aber einer der klügeren Köpfe der Gegenseite, war klar, dass einegewaltsame Räumung der Hafenstraße bürgerkriegsähnliche Zustände auslösen könnte und zu einer noch größerenEntfremdung der Hamburger Bürger von der SPD führen würde, als sie ohnehin schon durch die alles plattwalzendeSelbstherrlichkeit dieses Senats entstanden war.
 
Die Hafenstraßenbewohner_innen und ein großes Umfeld solidarisch handelnder Menschen hatten einen Sieg errungen, derzwar noch nicht das Ende der Kämpfe um die Hafenstraße bedeutete, aber doch weit mehr war als ein bloßer Etappensieg.Mit großer Entschlossenheit und Militanz auf der einen und viel Witz und klugem politischen Handeln auf der anderen Seite,gelang es, die Räumung der Hafenstraße zu verhindern und das nahm dem Hamburger Senat die Möglichkeit, durchProvokationen und inszenierte Zwischenfälle vollendete Tatsachen zu schaffen.Das Besondere an diesem Ereignis war sicherlich die Vielfalt der Personen und Gruppen, die im Kampf um die Häuser ihreureigensten Interessen vertraten und die Möglichkeit wahrnahmen, jenseits ideologischer Positionierungen im konkretensolidarischen Handeln zusammen zu finden.2010 schrieb eine Bewohnerin der Hafenstraße:"Die Protagonist_innen des Kampfes um die Hafenstraße übernahmen für einen Wimpernschlag der Geschichte die»intellektuelle und moralische Führung« eines neuen »historischen Blocks«, der die Hegemonie des traditionell führendenBlocks der Bourgeoisie in der Zivilgesellschaft erfolgreich herausforderte. Wer in diese Ereignisse involviert war, bekamzumindest eine flüchtige Ahnung vom menschlichen Potenzial für Solidarität und Veränderung."
 
Ein Ereignis in der Geschichte der Kämpfe um ein freies und selbstbestimmtes Leben, das nicht vergessen werden sollte,oder wie Herbert Marcuse sagte:"Die Erinnerung an die Vergangenheit kann gefährliche Einsichten aufkommen lassen, und die etablierte Gesellschaftscheint die subversiven Inhalte des Gedächtnisses zu fürchten."
 

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