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Die Krise der Arbeitsgesellschaft

Die Krise der Arbeitsgesellschaft

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Published by Max Kehm
Die immer um weiter um sich greifende Schulden und Finanzsystemkrise, ausgehend vom crash des US Immobilienmarktes im Jahr 2008 bis hin zur Eurokrise, stellt zunehmend die Frage auf nach den Gründen für die zunehmende wirtschaftliche Instabilität. Es hat den Anschein das die dogmatische Theorie zu folge der die freien und unregulierten Finanzmärkte Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle schaffen ohne dabei Eingriffe durch den Staat notwendig zu machen, durch die Realität der Krise widerlegt wird. In diesem Essay möchte ich deshalb die Ursachen sowie mögliche Auswege aus der derzeitigen Krisendynamik erörtern. Als Grundlage werde ich einen Ausschnitt aus dem Buch des Ökonomen und Wirtschaftsethikers Ulrich Thielemann „System Error, warum der freie Markt zur Unfreiheit führt“ heranziehen. Im speziellen konzentriere ich mich dabei auf Kapitel 6 “Die unverstandene Rolle des Kapitals“ (Thielemann 2009:188-214). Dazu werde ich Thielemanns Argumentation zuerst zusammenfassen und analysieren um sie in einem zweiten Schritt um weitere Ansätze zu ergänzen, und schließlich folgen einige Anregungen für mögliche Lösungsvorschläge.
Die immer um weiter um sich greifende Schulden und Finanzsystemkrise, ausgehend vom crash des US Immobilienmarktes im Jahr 2008 bis hin zur Eurokrise, stellt zunehmend die Frage auf nach den Gründen für die zunehmende wirtschaftliche Instabilität. Es hat den Anschein das die dogmatische Theorie zu folge der die freien und unregulierten Finanzmärkte Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle schaffen ohne dabei Eingriffe durch den Staat notwendig zu machen, durch die Realität der Krise widerlegt wird. In diesem Essay möchte ich deshalb die Ursachen sowie mögliche Auswege aus der derzeitigen Krisendynamik erörtern. Als Grundlage werde ich einen Ausschnitt aus dem Buch des Ökonomen und Wirtschaftsethikers Ulrich Thielemann „System Error, warum der freie Markt zur Unfreiheit führt“ heranziehen. Im speziellen konzentriere ich mich dabei auf Kapitel 6 “Die unverstandene Rolle des Kapitals“ (Thielemann 2009:188-214). Dazu werde ich Thielemanns Argumentation zuerst zusammenfassen und analysieren um sie in einem zweiten Schritt um weitere Ansätze zu ergänzen, und schließlich folgen einige Anregungen für mögliche Lösungsvorschläge.

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Published by: Max Kehm on Jul 26, 2012
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Universität BaselMax Kehm max.kehm@stud.unibas.chInstitut für SoziologieProseminar: Wirtschaftswachstum - Ende eines Paradigmas?Essay
Die Krise der Arbeitsgesellschaft und Marktwirtschaft
Die immer um weiter um sich greifende Schulden und Finanzsystemkrise, ausgehend vomcrash des US Immobilienmarktes im Jahr 2008 bis hin zur Eurokrise, stellt zunehmend dieFrage auf nach den Gründen für die zunehmende wirtschaftliche Instabilität. Es hat denAnschein das die dogmatische Theorie zu folge der die freien und unreguliertenFinanzmärkte Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle schaffen ohne dabei Eingriffedurch den Staat notwendig zu machen, durch die Realität der Krise widerlegt wird. In diesemEssay möchte ich deshalb die Ursachen sowie mögliche Auswege aus der derzeitigenKrisendynamik erörtern. Als Grundlage werde ich einen Ausschnitt aus dem Buch desÖkonomen und Wirtschaftsethikers Ulrich Thielemann „System Error, warum der freieMarkt zur Unfreiheit führt“ heranziehen. Im speziellen konzentriere ich mich dabei auf Kapitel 6 “Die unverstandene Rolle des Kapitals“ (Thielemann 2009:188-214). Dazu werdeich Thielemanns Argumentation zuerst zusammenfassen und analysieren um sie in einemzweiten Schritt um weitere Ansätze zu ergänzen, und schließlich folgen einige Anregungenfür mögliche Lösungsvorschläge.Anfangs kritisiert Thielemann, dass das politische Dogma, dass um jeden Preis Arbeitsplätzegeschaffen werden müssen, im Grunde zerstörerisch ist. Da so zunehmend prekäre undschlecht entlohnte Arbeitsplätze sowie ein Abbau des Sozialsystems, gerechtfertigt werden;Hauptsache die Menschen werden in Arbeit gebracht.Thielemann zu folge dienen der Abbau der sozialen Sicherungssysteme sowie der Aufbauvon Druck und Sanktionen gegen Arbeitslose dazu, den Reservationslohn zu senken. Der Reservationslohn ist ein Begriff der Mikroökonomie, der den minimalen Lohn angibt, zudem ein Arbeitnehmer noch bereit ist zu arbeiten. Durch Hartz4 wurde somit der Reservationslohn herabgesetzt um die “Anreize“ für Arbeitslose, auch einer schlecht bezahlten Arbeit nachzugehen, zu erhöhen. Nach Thielemann ist die Schaffung neuer Arbeitsplätze um jeden Preis das Ziel der derzeitigen Politik. Um dieses Ziel zu erreichen, wird auch in Kauf genommen, dassManagereinkommen weiter ansteigen, während die Reallöhne der durchschnittlichenArbeitnehmer sinken, solange dies nur zu international konkurrenzfähigen Arbeitsplätzenführt.Thielemann stellt hier die These auf, dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze letztendlich zur Zerstörung bestehender Arbeitsplätze führen wird, da die neuen Arbeitsplätze insbesondere,wenn sie von prekärer Natur sind, in ein Konkurrenzverhältnis zu bestehenden treten unddiese so verdrängen. Insgesamt sinkt also die Arbeitslosigkeit durch Maßnahmen wie Hartz4nicht sondern wird nur verlagert in zunehmend schlechter bezahlte Arbeitsverhältnisse.Die einzige Möglichkeit, neue Arbeitsplätze zu schaffen, besteht darin, dass Firmen neueProdukte und Innovationen entwickeln, um so neue Einkommensquellen zu erschließen.Dies ist aber nur durch die Unterstützung des Kapitals möglich, denn dieses muss vorabinvestiert werden, um die nötigen Vorbereitungen zu finanzieren, bevor ein neues Produktauf den Markt gebracht werden kann. Das neue Unternehmen braucht also Kapitalgeber,Banken oder private Investoren, welche Betiligungen kaufen. Die Kapitalgeber unterstützendas Unternehmen darin, sich gegenüber möglicher Konkurrenz durchzusetzen und so dieGewinninteressen zu realisieren. Das Kapital ist hier gegenüber der Arbeit im Vorteil, denn
 
Kapitalbesitzer können, wenn sie über genügend Mittel verfügen, ein hohes Einkommengenerieren, ohne selbst dafür arbeiten zu müssen. Gleichzeitig treibt das Kapital dieBeschäftigten ständig in einen Konkurrenzkampf um ihre Arbeitsplätze.Gleichzeitig wird das Kapital von der Politik hofiert um Arbeitsplätze im eigenen Land zuschaffen. Wenn also in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen werden, so kann es sein, dassdiese in anderen weniger wettbewerbsfähigen Ländern zerstört werden. Ein möglichesBeispiel hierfür könnte meiner Ansicht nach der wirtschaftliche Niedergang von Spanien undGriechenland sein, da diese Volkswirtschaften dem direkten Wettbewerb mit denwirtschaftlich starken Ländern Kerneuropas innerhalb eines gemeinsamen Währungsraumesnicht standhalten können. In Folge dieser Entwicklung verlieren die Staaten zunehmend anSouveränität, da sie untereinander gezwungen sind, um die Gunst des Investitionskapitals zukonkurrieren. Die Finanzmärkte übernehmen schleichend die Kontrolle über die Politik.Politische Entscheidungen werden somit zunehmend alternativlos von den Interessen der Finanzmärkte vorgeschrieben. Die freien Märkte führen somit zu einem Ende der politischenFreiheit, da sich die Politik der Disziplinierung durch den Markt fügen muss. Der Marktersetzt zunehmend die demokratische Politik. Thielemann zitiert hier den ehemaligenVorsitzenden der US-Notenbank Alan Greenspan “
Wir haben das Glück, dass die politischen Beschlüsse in den USA dank der Globalisierung größtenteils durch weltweite Marktwirkung ersetzt wurden. Mit Ausnahme des Themas der nationalen Sicherheit spielt es kaum eine Rolle, wer der nächste Präsident wird. Die Welt wird durch Marktkräfte regiert 
“ (Greenspan:2007).Thielemann äußert sich hier sehr kapitalismuskritisch und meint, diese Entwicklung seilediglich für die Kapitalbesitzer ein “Glück“, wirklich freie Gesellschaften seien unter der Herrschaft der freien Märkte somit nicht möglich.Meiner Ansicht nach ist Thielemanns Argumentation durchaus schlüssig undnachvollziehbar. Das Internationale Streben um jeden Preis Arbeitsplätze zu schaffen hatdazu geführt das zunehmend Steuern für Unternehmer gesenkt werden, die Notenbanken dieZinssätze senken um die Finanzmärkte mit billigem Geld zu versorgen und somitInvestitionen anzukurbeln welche Arbeitsplätze schaffen sollen während gleichzeitig dieReservationslöhne gesenkt werden. Diese Entwicklung ist laut Thielemann einer der Gründefür das Entstehen der derzeitigen Finanzkrise. Weiter beschreibt er, dass mittlerweile der Wert der Summe aller Derivate den Wert der jährlich gehandelten realwirtschaftlichen Güter und Dienstleistungen um das mehr als zehnfache übersteigt. Thielmann führt alsHauptursache die Entstehung einer gigantische Blase an den Finanzmärkten an. Das Kapitalhat sich so in den Händen weniger konzentriert, dass mehr Anlage suchendes Kapitalvorhanden ist, als die Realwirtschaft an Investitions- möglichkeiten bietet. Die Folge: die zuerwartenden Zinsen sinken somit, das Profit suchende Kapital strömt zunehmend inüberbewertete Anlagen wie Aktien oder Derivate. Die Situation ähnelt somit der Zeit vor der großen Weltwirtschaftskrise von 1929. Es scheint deshalb absehbar, dass die gigantischeBlase früher oder später platzen muss.Um das Problem zu lösen, schlägt Thielemann vor, das überschüssige Kapital durch einehöhere Besteuerung zu vernichten. Dies setzt eine Abkehr von der Marktgläubigkeit voraussowie die Bereitschaft der Staaten sich die Bedingungen ihrer Wirtschaftspolitik nicht länger vom Kapital diktieren zu lassen.Insgesamt kann ich den Aussagen von Thielemann weitgehend zustimmen. Seine Analyseder derzeitigen ökonomischen Entwicklung scheint mir sehr fundiert zu sein und einen gutenErklärungsansatz für die derzeitige weltweite Krisendynamik zu liefern. Dennoch möchte icheinige Aspekte tiefergehend betrachten, welche in Thielemanns Ausführungen keineweitergehende Beachtung gefunden haben. Als besonders wichtig erachte ich hierbei die
 
Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Thielemann führt an, dass der verstärkteKonkurrenzkampf der Marktteilnehmer untereinander zunehmend zu einer schädlichenEntwicklung auf dem Arbeitsmarkt und somit Senkung des Reservationslohnes führen. Dasmag sicherlich richtig sein, jedoch lässt Thielemann leider die technische Entwicklung außer Betracht, welche diesen Effekt weiter verstärkt.Die Unternehmen sind untereinander im Konkurrenzkampf nicht nur dazu gezwungen, dieLöhne soweit wie möglich zu senken und ihren Mitarbeitern den maximalen Arbeitseinsatzabzuverlangen, sondern sie müssen in technischen Entwicklungen investieren, um so ihreProduktivität zu erhöhen.Betrachten wir die Geschichte der kapitalistischen Entwicklung in den letzten 150 Jahren sofällt auf, dass es in dieser Zeit einen rasanten wissenschaftlichen und technischen Fortschrittgegeben hat, wie er in den letzten Jahrtausenden der menschlichen Geschichte noch nievorgekommen ist. Dies liegt meiner Ansicht nach in der seit den 1850er Jahren verstärktauftretenden Marktdynamik und dem Konkurrenzprinzip. Auf einem freien Markt kann jeneFirma am besten bestehen, die es schafft die Produktionskosten für ihre Güter stärker zusenken als ihre Konkurrenz. Zum einen kann dies durch Lohndumping geschehen, dieserreicht aber seine Grenzen, sobald der Reservationslohn erreicht ist. In Zeiten desWirtschaftsbooms und Vollbeschäftigung liegt der Reservationslohn entsprechend hoch.Lohndumping ist für eine Firma somit nicht mehr möglich ohne dass die Arbeitskräfte zueinem anderen Unternehmen, das bessere Löhne bezahlt, abwandern. Um dieProduktionskosten trotzdem weiterhin zu senken, bleibt für das Kapital somit nur die Optiondie Produktivität weiter zu erhöhen. Also in neue Maschinen zu investieren welche beigleicher Zahl von zu entlohnenden Arbeitnehmern mehr Produkteinheiten produzierenkönnen. In der Folge sinken die Kosten für die einzelne Produkteinheit und damit steigt der zu erzielende Gewinn beim Verkauf dieses Produktes. Da alle erfolgreichen Unternehmen intechnische Neuerungen investieren, um so ihren Profit zu erhöhen, entsteht für das einzelneUnternehmen eine Zwangssituation. Wenn viele miteinander in Konkurrenz stehende Firmeninvestieren, um ihre Produktivität zu erhöhen, dann hat das zur Folge, dass langfristig auchEndkundenpreise pro Produkteinheit fallen. Hierdurch lässt sich auch die Dynamik erklären,dass neue Innovative Produkte am Markt anfangs sehr teuer sind aber mit der Zeit immer kostengünstiger werden. Besonders deutlich lässt sich das an den Preisen für Computer erkennen, die seit den 90er Jahren durch zunehmende Automatisierung weitgehend verfallensind. Ein Unternehmer, welcher nicht in produktivitätssteigernde Technik investiert wird,zugrunde gehen, da er mit den sinkenden Marktpreisen für ein Produkt nicht mehr mithaltenkann und ab dem Zeitpunkt, an dem die Marktpreise seine Produktionskosten unterschreiten,Verluste machen wird. Dieser Prozess führt zu einer zunehmenden Verdrängung der menschlichen Arbeitskraft aus dem Produktionsprozess. Besonders deutlich lässt sich dies ander Entwicklung der Landwirtschaft in den letzten 112 Jahren beobachten. Waren um 1900noch 38.2% der deutschen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt so sind es heutenur noch 2.1.“Ein Landwirt erzeugte im Jahr 1950 Nahrungsmittel, um 10 Menschen zu ernähren. Heutesind es etwa 140 Menschen (ohne Futtermittel aus dem Ausland).“ (bmelv, 2010: 16)Ähnliche Dynamiken wirken auch im Industriebereich, wo sich gerade durch die digitaleRevolution völlig neue Möglichkeiten ergeben, durch den Einsatz moderner Robotik Personal und somit Kosten einzusparen. Als Beispiel sei hier die Firma Foxconn genannt,welche in China Computerhardware für Firmen wie Apple herstellt. Im Jahr 2011 verkündetedas Management, das die Lohnkosten in China zu hoch seien und man nun deshalb 1 MillionIndustrieroboter anschaffen wollen, um die Produktkosten weiter senken zu können. (ftd,2011:web)Das bedeutet dass der technische Fortschritt bereits soweit fortgeschritten ist, dass selbst dieschlecht bezahlten Lohnsklaven in den chinesischen Fabriken mit dem Einsatz von Robotik konkurrieren müssen. Da sich die Computertechnik auch weiterhin rasant fortentwickelt, ist

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