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Hegel _ Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften

Hegel _ Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften

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02/15/2013

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Vorrede zur ersten Ausgabe
 Das Bedürfnis, meinen Zuhörern einen Leitfaden zu meinen philosophischenVorlesungen in die Hände zu geben, ist die nächste Veranlassung, daß ich diese Übersicht desgesamten Umfanges der Philosophie früher ans Licht treten lasse, als mein Gedanke gewesenwäre.Die Natur eines Grundrisses schließt nicht nur eine erschöpfendere Ausführung der Ideenihrem
Inhalte
nach aus, sondern beengt insbesondere auch die Ausführung ihrer systematischen Ableitung, welche das enthalten muß, was man sonst unter dem
Beweise
verstand und was einer wissenschaftlichen Philosophie unerläßlich ist. Der Titel sollte teils den Umfang eines Ganzen, teilsdie Absicht anzeigen, das Einzelne dem mündlichen Vortrage vorzubehalten.Bei einem Grundrisse kommt aber dann mehr bloß eine
äußerliche Zweckmäßigkeit 
der  Anordnung und Einrichtung in Betrachtung, wenn es ein schon vorausgesetzter und bekannter Inhalt ist, der in einer absichtlichen Kürze vorgetragen werden soll. Indem gegenwärtige Darstellungnicht in diesem Falle ist, sondern eine neue Bearbeitung der Philosophie nach einer Methodeaufstellt, welche noch, wie ich hoffe, als die einzig wahrhafte, mit dem Inhalt identische an erkanntwerden wird, so hätte ich es derselben dem Publikum gegenüber für vorteilhafter halten können,wenn mir die Umstände erlaubt hätten, eine ausführlichere Arbeit über die anderen Teile der Philosophie vorangehen zu lassen, dergleichen ich über den ersten Teil des Ganzen, die
Logik 
,dem Publikum übergeben habe. Ich glaube übrigens, obgleich in gegenwärtiger Darstellung dieSeite, wonach der Inhalt der 
Vorstellung 
und der empirischen Bekanntschaft näherliegt, beschränktwerden mußte, in Ansehung der Übergänge, welche nur eine durch den
Begriff 
zu geschehendeVermittlung sein können, so viel bemerklich gemacht zu 
haben, daß sich das Methodische desFortgangs hinreichend sowohl von der nur 
äußerlichen Ordnung 
, welche die anderenWissenschaften aufsuchen, als auch von einer in philosophischen Gegenständen gewöhnlichgewordenen
Manier 
unterscheidet, welche
ein Schema voraussetzt 
und damit die Materien ebensoäußerlich und noch willkürlicher, als die erste Weise tut, parallelisiert und, durch den sonderbarstenMißverstand, der Notwendigkeit des Begriffs mit Zufälligkeit und Willkür der Verknüpfungen Genügegeleistet haben will.
 
Dieselbe Willkür sahen wir auch sich des Inhalts der Philosophie bemächtigten, auf Abenteuer des Gedankens ausziehen und dem echtgesinnten und redlichen Streben eine Zeitlang imponieren,sonst aber auch für eine selbst bis zur Verrücktheit gesteigerte Aberwitzigkeit gehalten werden.Statt des Imposanten oder Verrückten ließ der Gehalt eigentlicher und häufiger wohlbekannteTrivialitäten, sowie die Form die bloße Manier eines absichtlichen, methodischen und leicht zuhabenden Witzes barocker Verknüpfungen und einer erzwungenen Verschrobenheit, sowieüberhaupt hinter der Miene des Ernstes Betrug gegen sich und gegen das Publikum erkennen. Auf der andern Seite sahen wir dagegen die Seichtigkeit
den Mangel an Gedanken
zu einem sichselbstklugen Skeptizismus und vernunftbescheidenen Kritizismus stempeln und mit der Leerheit anIdeen in gleichem Grade ihren Dünkel und Eitelkeit steigern. – Diese beiden Richtungen desGeistes haben eine geraume Zeit den deutschen Ernst geäfft, dessen tieferes philosophischesBedürfnis ermüdet und eine Gleichgültigkeit, ja sogar eine solche Verachtung gegen dieWissenschaft der Philosophie zur Folge gehabt, daß nun auch eine sich so nennendeBescheidenheit über das Tiefste der Philosophie mit- und absprechen und demselben dievernünftige Erkenntnis, deren Form man ehemals unter 
den Beweisen
begriff, abzuleugnen sichherausnehmen zu dürfen meint.Die erste der berührten Erscheinungen kann zum Teil als die jugendliche Lust der neuenEpoche angesehen werden, welche im Reiche der Wissenschaft wie in dem politischenaufgegangen
ist. Wenn diese Lust die Morgenröte des verjüngten Geistes mit Taumel begrüßteund ohne tiefere Arbeit gleich an den Genuß der Idee ging und in den Hoffnungen und Aussichten,welche diese darbot, eine Zeitlang schwelgte, so versöhnt sie leichter mit ihren Ausschweifungen,weil ihr ein Kern zugrunde liegt und der oberflächliche Dunst, den sie um denselben ausgegossen,sich von selbst verziehen muß. Die andere Erscheinung aber ist widriger, weil sie die Ermattungund Kraftlosigkeit zu erkennen gibt und sie mit einem die philosophischen Geister aller Jahrhunderte meisternden, sie und am meisten sich selbst mißkennenden Dünkel zu bedeckenstrebt.Um so erfreulicher ist aber wahrzunehmen und noch zu erwähnen, wie sich gegen beides dasphilosophische Interesse und die ernstliche Liebe der 
höheren Erkenntnis
unbefangen und ohneEitelkeit erhalten hat. Wenn dies Interesse sich mitunter mehr auf die Form eines
unmittelbarenWissens
und des
Gefühls
warf, so beurkundet es dagegen den inneren, weitergehenden Triebvernünftiger Einsicht, welche allein dem Menschen seine Würde gibt, dadurch am höchsten, daßihm selbst jener Standpunkt nur als
Resultat 
philosophischen Wissens wird, somit dasjenige vonihm als
Bedingung 
wenigstens anerkannt ist, was es zu verschmähen scheint. – Diesem Interesseam
Erkennen der Wahrheit 
widme ich diesen Versuch, eine Einleitung oder Beitrag zu seiner Zufriedenheit zu liefern; ein solcher Zweck möge ihm eine günstige Aufnahme verschaffen.Heidelberg, im Mai 1817

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