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Inhalt
Inmitten eines ruhigen, verlassenenLandstrichs erstreckt sich – so weitdas Auge reicht – eine leere Auto-bahn. Seit ihrem Bau vor mehrerenJahren ist sie unbenutzt gebliebenund verfällt langsam. Am Rande desAsphalts, nur wenige Meter von der Einzäunung entfernt, befindet sich eineinsames Haus mit einem kleinenGarten. Hier wohnt eine Familie:Marthe und Michel, ihre zwei Töchter und ihr Sohn. Der Sommer beginnt,die Bauarbeiten werden aufgenom-men. Die Autobahn soll eröffnet wer-den...Bald schon setzt der Verkehr ein undintensiviert sich aufgrund des Som-mer- und Urlaubsbeginns. Doch dieFamilie bewahrt, trotz stark einge-schränkter Bewegungsmöglichkeitenund genervt von Lärmbelästigungen,eine positive Grundhaltung. Fastunmerklich aber verändert sich der Tagesablauf der Gemeinschaft durchdie neuen Lebensbedingungen. Die jüngere Tochter beginnt, sich auf zunehmend obsessive Art mit demProblem Umweltverschmutzung zubefassen. Ihre ältere Schwester scheint die Geschehnisse wie Mutter Marthe zu ignorieren, haut dann aber ohne Erklärung einfach ab.Der Vater, Michel, entschliesst sichangesichts des immer grösser wer-denden Drucks, die Fenster des Hau-ses zuzumauern. Diese radikale Ent-scheidung zwingt schliesslich alle,einen Umbruch und Aufbruch zu wa-gen.
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Anmerkungen zum Film
Fast einhellig haben Kritikerinnen undKritiker «Home» als einen der gelun-gensten Schweizer Filme der letztenzehn Jahre bewertet. Das nach langer Entwicklungszeit entstandene Werkverbindet reale mit sinnbildlichenElementen. Dabei wirkt es nie schwer und ist fern jeder Zeigefinger-Menta-lität.Die Regisseurin Ursula Meier hat ihr Talent und Können bereits in Kurzfil-men sowie im Fernsehfilm «Desépaules solides» (2002) bewiesen, inwelchem sie eindrücklich den Trai-ningsaufwand eines jungen Athletenverbildlichte und so zeigte, was «andie Grenzen gehen» bedeuten kann.In «Home», ihrem ersten Kinofilm,weitet Ursula Meier das Thema«Grenzerfahrungen» aus, ohne es jedoch überzustrapazieren.In «Home» gefällt die künstlerischeVerbindung von realistischen undrealitätsnahen Szenen – die geprägtsind von unserer «westlichen», ratio-nalen Weltanschauung – mit einemFantasiereichtum, wie man ihn ausFabeln oder Märchen kennt.
 
Langspielfilm
Schweiz/Frankreich/Belgien 2008
 Regie:Ursula Meier
 
Darstellerinnen und Darsteller: Isabelle Huppert (Marthe)Olivier Gourmet (Michel)Adélaïde Leroux (Judith)Madeleine Budd (Marion)Kacey Mottet Klein (Julien)Verleih Schweiz: Filmcoopi ZürichFranzösische Originalversionmit deutschen UntertitelnDauer:1 h 35Altersempfehlung:Ab 14Festival de Cannes 2008:Semaine de la critique
Pädagogisches Dossier 
HOME
Kinostart Deutschschweiz: 19. Februar 2009
 
Das Bild der verkehrsfreien, stillenAutobahn ist symbolstark. Man er-kennt das Geheimnisvolle, die Kraftund Macht des Strassenzugs, der wieein Tor zu einer unbekannten Weltwirkt. Am Anfang des Films deutetnoch wenig darauf hin, dass dasWohnen an einem anderen Ort für dieFamilie angenehmer sein könnte: Dieleeren Fahrbahnen wirken wie eineArt bequemer Sicherheitsgurt, wel-cher die kleine Gemeinschaft vor Gefahren und überraschenden Ereig-nissen schützt.Ursula Meier zeigt eine gerade Auto-bahn, die sich zum Horizont erstreckt.Doch sie öffnet auch den Blick auf Querverbindungen die Familienmit-glieder überqueren die Strasse auf dem Weg zur Schule etc. – undschafft so neue, andere Bezugspunk-te. Die Regisseurin scheut zudem dasstilistische Wechselspiel zwischenernsthaften und burlesken Szenennicht. Das ist eine Qualität des Werks,es erhält eine innere Spannung undlebt von Überraschungsmomenten:Man ist als Zuschauer nie ganz si-cher, ob etwas tatsächlich so ist, wiees im ersten Moment scheint.Die moderne «Robinson»-Familie imHaus neben der Autobahn hat sichzwar von der Welt zurückgezogen,von anderen Menschen abgesetzt,befindet sich allerdings nicht auf ei-nem fundamentalistischen Gesund-heitstrip; so wird munter geraucht,und Sport dient primär der Zerstreu-ung mit Spassfaktor. Man hat auchkeine Eile, den geplanten Swimming-pool fertig zu stellen… Man kümmertsich nicht gross um die Welt, wirdaber schliesslich von ihr – bzw. vonden Geschehnissen – eingeholt.«Home» ist eine Fabel über die Su-che nach dem Glück: Jede Person imFilm ist damit beschäftigt, auf dieneue Situation zu reagieren, damitzurechtzukommen, sich mit ihr zuarrangieren, die entstehenden Gefah-ren in den Griff zu bekommen. Dar-über hinaus ist «Home» eine Ode andie Freiheit und transportiert ein StückUtopie: Diese Familiengemeinschaftfernab von den Blicken hellhöriger Nachbarn will sich ihr eigenes StückFreiheit mit allen Mitteln erhalten.«Home» ist als Film raffiniert angelegtund bietet keine Patentrezepte zur Lösung von Problemen. Ursula Meier plädiert vielmehr für eine unvoreinge-nommene Auseinandersetzung mitBegriffen wie «Bei-sich-sein» oder «Home Sweet Home» und mit Fragenwie derjenigen nach der Lebensquali-tät in der modernen Gesellschaft.
 
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Mögliche Zielsetzungen und Aufgabenstellungen
Argumentations- und Interpretati-ons-Kriterien entwickeln.
Verständnis wecken für die Wech-selwirkung zwischen dem Lebens-raum und den Menschen, die ihnbewohnen.
Was sind Kriterien für das Wohler-gehen und die Lebensqualität der Menschen?
Wie erkennt man die Widersprüch-lichkeit zwischen dem schädlicheEntwicklungen in Kauf nehmendenFortschrittsdenken und der Be-kämpfung der daraus resultieren-den Risiken?
«Home» liefert gute Beispiele dafür,wie im Film ein Sachverhalt auf denersten Blick klar scheint, aber danndurch die Raffinesse der Handlungin ein anderes Licht gerückt wird.Wo zum Beispiel?
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Fächer und Themen
Allgemein:
Argumentation und Debatte:Wie und mit welchen Argumen-ten lässt sich über den Film«Home» – eine moderne Fabel – debattieren?
Lebenskunde/Staatskunde:
Die Familie: sicheres Nestoder Gefängnis?
Wie ist ein Zusammenlebenohne Verletzungen möglich?
Rivalität und Komplizenschaftzwischen Brüdern undSchwestern.
Das Leben im eigenen Mikro-kosmos: ein zeitgemässes,unabwendbares Schicksal?
Ist ein autarkes Leben eineUtopie?
Rückzug aus der Welt, um einglückliches Leben zu führen?
Geografie:
Zerstückelung des Lebens-raumes durch Strassen: Wel-chen Einfluss hat das auf unse-ren Bezug zur Welt und wiewerden zwischenmenschlicheBeziehungen beeinflusst?
Medien- und Filmkunde:
Welchen Stellenwert, welcheBedeutung haben Szenerieund Ausstattung in «Home»,in Filmen generell?
Gemeinsamkeiten mit undUnterschiede zu dem klassi-schen Filmgenre Roadmovie?
Begrenzte Handlungsräume,offene Handlungsräume: Wel-che Inszenierung wann undwarum?
Im Film sind Radio-Verkehrs-durchsagen zu hören. Wielässt sich dieser News-Flussvon oft banalen Informationeneinordnen? Was ist ihr Sinn?
 
Pädagogische Ansätze
1. Thematische AnalyseA. UNSER LEBENSRAUM
Ausgangslage ist ein Zitat von Mutter Marthe bei einem Picknick mit ihrenKindern auf einem Feld. Sie sagt
: «On ne peut pas vivre dans un pré!»
(«Auf einer Wiese kann man nicht leben!»).Fragen dazu:
Wie lässt sich dieses Zitat – das inZusammenhang mit der Situationder Familie irgendwie verzweifeltklingt – deuten?
An welchen Bedürfnissen und Krite-rien orientiert sich die sesshafteBevölkerung heute?
Was lässt sich an der räumlichenAufteilung unserer Lebensräumeablesen?
Was bedeutet die Eroberung, jaKolonialisierung vieler ländlicher Gegenden durch die Stadtbevölke-rung? Ist es die Sehnsucht nach ei-ner «Home Sweet Home»-Idylle?
Nachdenken über das Phänomendes Pendlerverkehrs, der die Stras-sen extrem belastet und in denStosszeiten zu Staus führt. Man«bezahlt» die Vorteile des Landle-bens mit Nachteilen wie verstopftenStrassen und übervollen Eisenbah-nen, Stress, Zeitverlust und Müdig-keit wegen der langen Fahrten zwi-schen Wohnort und Arbeitsplatz.Warum wird dieses Lebens-Modelltrotzdem als erstrebenswert ange-sehen? Was wären Alternativen?
Welchen urbanen Gegebenheitenwollen die Menschen entfliehen?Kann man den Rückzug in «Schlaf-städte» auch so deuten, dass im-mer mehr Menschen Mühe haben,mit anderen zusammenzuleben?
Wie sieht das Gemeinschaftslebenin der Agglomeration aus, wie auf dem Land? Wo gibt es Unterschie-de zum und Gemeinsamkeiten mitdem städtischen Leben?
Was sind die Vor- und Nachteiledes Lebens weitab von Stadtzent-ren? Für Erwachsene, für Kinder?
B. DIE (IDEALE) FAMLIE
«Home» rückt das Thema Familie insZentrum. Folgende Fragen könnenanhand des Films diskutiert werden:
Welche Bedürfnisse hat man imFamilienverbund ganz allgemein?
Was will die Filmfamilie unter allenUmständen vermeiden, welchenProblemen will sie ausweichen bzw.entfliehen?
Wie kann man die zwischen-menschlichen Beziehungen der Filmfiguren definieren und wie gehtdie Familie mit Dingen um, die über den Lebensraum und das sozialeUmfeld auf sie einwirken?
Was für Bedingungen müssenerfüllt sein, damit man – in der Fa-milie oder ganz allgemein – die ei-gene Persönlichkeit entfalten kann?
Wie unterstützt (oder behindert)unser wirtschaftliches System mitseinen Zwängen das Bestrebennach Persönlichkeitsentfaltung?
Der leichte Zugriff auf Informations-und Kommunikationstechnologien(Massenmedien, Internet etc.)kommt denjenigen entgegen, diesich «in ihr Schneckenhaus» zu-rückziehen wollen. Was kann manin «Home» dazu ablesen?
C. DIE METAPHER
Den Begriff «Metapher» wenn nötigeinführen.
Was ist im Film «Home» als Meta-pher zu sehen? Die Autobahn? DieFamilie? Als Argumentationsgrund-lage lässt sich eine kurze schriftli-che Arbeit denken.
D. UMWELT UND RISIKO
Die Angst vor Vergiftung durch Abga-se treibt die jüngere Tochter beson-ders um. Fragen:
Ist ihr Verhalten gerechtfertigt oder schon wahnhaft?
Gibt es im postindustriellen Zeitalter mit seinen zeittypischen Risikenüberhaupt sinnvolle Verhaltenswei-sen?
Nachdenken über die Paradoxieeiner Gesellschaft, die sich zuwei-len verhält wie der Feuerwehrmann,der zum Brandstifter wird: Man ver-sucht die Auswirkungen der Ent-wicklungen zu stoppen, die manaus Fortschrittsgründen selbst initi-iert hat. Man könnte das Thema et-wa am Beispiel der industriellenNahrungsproduktion mit all ihrenschädlichen Effekten behandeln.
In einer Szene von «Home» schnei-det sich ein Familienmitglied einLoch in den Mundschutz, um eineZigarette rauchen zu können. Wieist das zu bewerten?
Die Film-Crew
Regie:Ursula Meier Drehbuch:Ursula Meier, AntoineJaccoud, Raphaëlle Valbrune,Gilles Taurand, Olivier LorelleKamera:Agnès GodardTon:Luc YersinSchnitt:Susana RossbergTonschnitt:Etienne CurchodTonmischung:Franco PiscopoAusstattung:Ivan NiclassKünstlerische Beratung:PhilippeCarrazAccessoires:Rekha MusaleKostüme:Anna Van BreeMaske:Danièle VuarinErster Regieassistent:MathieuSchiffmanCasting:Brigitte MoidonCasting Kinder:Jeanne Rektorik,Valérianne PoidevinProduktionsleitung:ThomasAlfandariProduzenten:Elena Tatti undThierry Spicher (Box Produc-tions), Denis Delcampe (NeedProductions), Denis Freyd (Ar-chipel 35)
 
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