Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Save to My Library
Look up keyword
Like this
2Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
jw-2012-01-18-0

jw-2012-01-18-0

Ratings: (0)|Views: 37 |Likes:
Published by jWbackup

More info:

Published by: jWbackup on Aug 29, 2012
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

09/10/2013

pdf

text

original

 
Ratingpolitik
Nach der jüngsten Herabstufung wirdder Ruf nach »unabhängiger«europäischer Agentur lauter
Agentenposse
Venezuela schließt Konsulat in Miaminach US-Kampagne gegen Diplo-matin. Von André Scheer
Drogeriekehraus
Schlecker schließt bis Februar 600 Filia-len. Beschäftigungssicherung nochbis Juni. Von Mirko Knoche
Tetiltrojaner
Träger der Modemarke Gerry Weberkönnten neuerdings elektronischgeortet werden. Interview
2 54
 Blender wird Präsident
Sozialdemokrat Martin Shulz an die Spitze des EU-Parlaments gewählt. Mehrheit derLinksfraktion GUE/NGL setzte Verziht auf eigenen Kandidaten durh.
Von Uli Schwemin
K
ennen Sie Jerzy Buzek? Mahtnihts. Der polnishe Kon- servative war bis gestern EU- Parlamentspräsident. Von sih redengemaht hat er niht. Das soll sih jetztändern. Denn der neue heißt MartinShulz und war bisher Vorsitzenderder Fraktion der SozialdemokratishenPartei Europas (SPE). Er wurde amDienstag in Strasbourg mit 387 von 670gültigen Stimmen gewählt.Martin Shulz maht immer von sihreden. Das ist das, was er am bestenkann. Shon als der damals junge Buh- händler in Würselen, im Dreiländerekzwishen Deutshland, Belgien und denNiederlanden, einen Laden aufmahte,war das niht anders. »Ih kannte oftnur die Klappentexte, mußte aber sotun, als hätte ih shon das ganze Buhvershlungen«, kommentiert er heutelaut
Tagesspiegel
seine Überzeugungs- arbeit gegenüber potentiellen Kunden.Von solher Qualität sind auh dieoft mit rhetorisher Shärfe vorgetra- genen Reden des neoliberalen Blendersim Europäishen Parlament. Jetzt hater angekündigt, den Einfluß des EU- Parlaments auf Gipfeltreffen zu erhö- hen. Konkret heißt das, er will mit amTish sitzen, wenn Merkel und Sarkozyihre Beshlüsse gegen die Völker Eu- ropas fassen. Seine Vorgänger durftendas niht.Die Absiht von Martin Shulz, dersih selbst als »zuspitzender Sozialist«bezeihnet, niht mehr den Grüßau- gust spielen zu wollen, hat bei einerVielzahl von Linken in Brüssel so vielBegeisterung ausgelöst, daß sie eineneigenen Kandidaten für den Posten desParlamentspräsidenten gar niht erstaufgestellt hatten. Dabei gab es einenBewerber: Willy Meyer von der links- gerihteten spanishen Izquierda Unida(IU). Im
neuen deutschland 
begrün- dete Thomas Händel, einer der beidenSpreher der aht Mitglieder zählendenLinke-Delegation im EU-Parlament denVerziht auf einen eigenen Kandida- ten mit dem voraussihtlih shlehtenErgebnis, das dieser eingefahren hätte.Zum anderen, so Händel, habe Shulz»bei mir den Eindruk erwekt, daß erfür diese Stärkung des Parlaments derrihtige Mann wäre« und daß er »fürdieses Parlament ein guter Präsidentsein könnte«.Ähnlih hatte sih zuvor bereits Hän- dels Kollege Jürgen Klute aus Hernegeäußert. Zusätzlih warf dieser in derWohenzeitung
Freitag
die Frage auf,was denn die »gemeinsamen linkenPositionen« wären, die die Minderheitder Linksfraktion GUE/NGL durh ei- nen eigenen Kandidaten vertreten las- sen wollte. Damit hat er en passant dieGrethenfrage gestellt und sie gleihdarauf selbst beantwortet: »Die Linkenin Europa haben es bis heute niht ge- shafft, ihr Verhältnis zur EU zu klärenund eine gemeinsame Position zur EUzu formulieren.« Soweit der Offenba- rungseid. Wie kann man linke Politikbetreiben, wenn man niht die geringsteIdee hat, worin diese bestehen könnte?Die Antwort wurde gestern gegeben:Man delegiert die Aufgabe an die Sozi- aldemokratie.Die Minderheit will dabei weiter stö- ren. Sabine Wils, ebenfalls Abgeord- nete der Linken kommentierte: »DasEuropa des Neoliberalismus und dermilitärishen Aggression hat einen neu- en Vertreter bekommen. Am heutigenDienstag ist Martin Shulz zum neu- en Präsidenten des EU-Parlaments ge- wählt worden. Meine Stimme habe ihihm niht gegeben!« Und ihre KolleginSabine Lösing fordert, in einer Zeit, »inder die ›Agenda 2010‹ in alle europäi- shen Länder exportiert werden soll,sih niht an deren sozialdemokratisheErfinder zu ketten, sondern die eigenenPositionen dagegen« zu vertreten.
u
Siehe Seiten 6 und 8
Bei Heideldruck drohen Massenentlassungen
Die Krise ist beim Weltmarktführer angekommen: 2 000 Stellen stehen auf dem Spiel
B
eim angeshlagenen HerstellerHeidelberger Druk drohenharte Einshnitte. Bis zu 2 000Stellen sollen weltweit gestrihen wer- den, 1 500 davon in Deutshland, teil- te das Unternehmen am Dienstag mit.Hier verfügt der Weltmarktführer überrund 10 500 Beshäftigte. Der Stel- lenabbau ist Teil eines im Novemberangekündigten sogenannten Effizienz- programms, mit dem der Vorstand denDrukmashinenkonzern wieder kon- kurrenzfähig mahen will.Besonders hart trifft es aller Voraus- siht nah die Standorte am Firmensitzin Heidelberg und im nahe gelegenenWiesloh. Hier können laut dem Vor- standsvorsitzenden Bernhard Shreierbis zu 800 Stellen wegfallen. Der Ab- bau sei noh niht konkretisiert undsolle in der kommenden Wohe mitdem Betriebsrat besprohen werden,sagte Shreier. Weiterhin plant Heidel- druk Kapazitätsreduzierungen in derProduktion und eine Senkung der Ver- triebs- und Serviekosten. Durh dasProgramm »Fous 2012« sollen im Ge- shäftsjahr 2013/14 Einsparungen von180 Millionen Euro erzielt werden. DasProgramm soll vor allem eine Reaktionauf die veränderten Marktbedingungensein. Die Kapazitäten in der Produkti- on will der weltgrößte Hersteller vonDrukmashinen um 15 Prozent redu- zieren. Zudem sollen die Vertriebsak- tivitäten gebündelt und Einzelmärkterestrukturiert werden.Die gesamte Drukbranhe hat un- ter anderem wegen der zunehmendenDigitalisierung mit Shwierigkeiten zukämpfen. Der Konkurrent Manrolandhatte erst im November Insolvenz an- gemeldet. Hier ist noh unklar, ob alledrei deutshen Werke des drittgrößtenDrukmashinenherstellers in Augs- burg, Offenbah und Plauen mit ins- gesamt 6 500 Beshäftigten erhaltenbleiben oder ob es zu einer Zershla- gung kommt. Derzeit deutet sih einBieterwettstreit um Manroland an. Dasgrößere Heideldruk, das selbst im Jahr2009 nur mit Krediten in Höhe von 1,5Milliarden Euro gerettet werden konn- te, will hier allerdings niht mitbieten.»Ih sehe für uns keinen Bewegungs- spielraum«, teilte Shreier mit.
(dapd/jW)
4 198625 90130030003 >
 junge Welt
wird herausgegeben von 1 199Genossinnen und Genossen
(Stand 12. Januar 2012)
.
Informationen: www.jungewelt.de/lpg
jungeWelt
Die Tageszeitung
 www.jungewelt.de
Mythos vom langen Arm
Israels Geheimdienst Mossad soll Wis-senschaftler im Iran ermordet haben.Teherans Atomprogramm wird durchTerroranschläge weder verhindertnoch verzögert. Von Knut Mellenthin Seiten 10/11
Gegründet 1947 
·
 Mittwoch, 18. Januar 2012
·
Nr. 15 · 1,30 Euro ·
PVSt A11002
· Entgelt bezahlt
Verfahren gegenUngarn eröffnet
S
trabourg
.
Die EU-Kommission hatgegen Ungarn ein Verfahren wegenVerletzung von EU-Reht eingelei- tet. Dies teilte EU-Kommissions- präsident José Manuel Barroso amDienstag in Strasbourg mit. Dabeigeht es unter anderem um einGesetz, das den Einfluß der Regie- rung unter Ministerpräsident Vik- tor Orbán auf die Zentralbank desLandes stärkt. Die Kommissionverlangt in diesem ZusammenhangAufklärung über die Unabhängig- keit der ungarishen Zentralbank,der Justiz und der Datenshutzbe- hörde. Die shriftlihe Aufforde- rung zu einer Stellungnahme istder erste Shritt eines Verfahrenswegen Vertragsverletzung, das miteiner Klage vor dem EuropäishenGerihtshof und Geldstrafen endenkann.
(AFP/jW)
u
Siehe Seiten 10/11
Niebel streicht Hilfenfür Nicaragua
b
erlin
.
EntwiklungshilfeministerDirk Niebel (FDP/Foto) will dieHilfen für Niaragua kürzen. Dieskündigte er am Dienstag in Berlinals Reaktion auf die Wiederwahlvon Präsident Daniel Ortega an.»Das niaraguanishe Regimemuß nun die Konsequenzen seinerzunehmend autokratishen Regie- rungsweise tragen«, sagte Niebel.Die Kürzungen würden jedoh»mit Augenmaß« vorgenommen.Wahlbeobahter der EU undder Organisation AmerikanisherStaaten (OAS) hatten bei der Prä- sidentshaftswahl im NovemberUnregelmäßigkeiten festgestellt,das Ergebnis jedoh niht in Fragegestellt.Der Grünen-Bundestagsabge- ordnete Thilo Hoppe kritisierte,Niebel messe »mit zweierlei Maß«.So habe er die aktuelle Regierungin Honduras rash anerkannt, die»unter sehr zweifelhaften Um- ständen in einer von Putshistenbeeinflußten Wahl an die Mahtgekommen« sei. In diesem Fall seidie Entwiklungshilfe sogar ausge- weitet worden.
(dapd/AFP/jW)
9
Sozialdemokrat mit Heiligenschein: Martin Schulz darf ab jetzt das EU-Parlament vertreten
   J   E   A   N  -   M   A   R   c   L   O   O   S   /   R   E   U   T   E   R   S   J   U   A   N   c   A   R   L   O   S   U   L   A   T   E   /   R   E   U   T   E   R   S
 
Mittwoch, 18. Januar 2012, Nr. 15
 junge Welt
2p o l i t i k
»So ein Chipübersteht dreiWaschgänge«
Träger der Modemarke Gerry Weber könntenneuerdings elektronish geortet werden.
Ein Gespräch mit Rena Tangens
Rumänien: Neuer alter Job für Staatssekretär
b
ukareSt
.
Raed Arafat, dessen Entlas- sung in Rumänien Massenproteste her- vorgerufen hatte, erhält nah Angabender Regierung seinen Posten als Vize- staatssekretär im Gesundheitsministe- rium zurük. Regierungshef Emil Bosagte am Dienstag, er habe darüber mitPräsident Traian Basesu gesprohen.Arafat wird Bo zufolge einem Exper- tenteam angehören, das einen neuenText für eine Gesundheitsreform aus- arbeiten soll. In Rumänien sind seitDonnerstag Zehntausende Menshenaus Protest gegen die Kürzungen imSozialbereih auf die Straße gegangen.
(AFP/jW)
Zahlreiche Tote beiKämpfen in Südsudan
 J
uba
.
Bei einem erneuten Angriff Be- waffneter auf ein Dorf im Südsudansind mindestens 51 Menshen ums Le- ben gekommen und 22 weitere verletztworden. Der Gouverneur des Bundes- staates Jonglei, Kuol Manyang, sagteam Dienstag, er rehne mit weiterenVerletzten. Die Attake ereignete sihdemnah am Vorabend in dem Dorf Duk Padiet, das von Angehörigen derDinka bewohnt wird. In der Regiontoben seit einigen Wohen blutigeKämpfe zwishen verfeindeten Bevöl- kerungsgruppen, die sih gegenseitigViehdiebstahl und Entführungen vor- werfen. Die Regierung erklärte Jongleizum Notstandsgebiet.
(AFP/jW)
Bahnen haften für Unfällebei Glatteis auf Stationen
k
arlSruhe
.
Kommt ein Reisender auf ei- nem von Shnee oder Glatteis niht ge- räumten Bahnsteig zu Fall, haftet dafürdas jeweilige Bahnunternehmen, beidem der Reisende seine Fahrkarte ge- kauft hat. Die bundesweit knapp 400Eisenbahnbetriebe dürfen Betroffeneniht an die Deutshe-Bahn-TohterDB Station & Servie AG verweisen,der die Bahnhöfe bundesweit gehören,wie der Bundesgerihtshof (BGH) ineinem am Dienstag verkündeten Ur- teil entshied (Az X ZR 59/11). Damitwurde das Klagereht von Betroffenenerleihtert, weil ihre Forderung nihtmehr von der DB Station & ServieAG an Subunternehmen abgeshobenwerden kann, die sie mit dem Winter- dienst beauftragt hat.
(AFP/jW)
Reichsbahner scheitertmit Rentenklage
e
rfurt
.
Ehemalige Reihsbahner habenkeine Ansprühe auf eine zusätzliheRente aus der betrieblihen Altersvor- sorge der DDR-Staatsbahn. Das ent- shied das Bundesarbeitsgeriht amDienstag in Erfurt. Geklagt hatte einsolher ehemaliger Beshäftigter. Sei- ner Ansiht nah war der Rahmenkol- lektivvertrag in Bundesreht überführtworden. Der Unternehmerverband derMobilitäts- und Verkehrsdienstleisterhatte dagegen argumentiert, die An- sprühe seien in die gesetzlihe Ren- tenversiherung überführt worden. DerVerband vertrat die Deutshe Bahn.
(dapd/jW)
N
achrichteN
W
er in Kleidung derModemarke GerryWeber unterwegsist, könnte neuerdings elektro-nisch geortet und identifiziertwerden, ohne es zu merken.Möglich machen das soge-nannte RFID-Chips, die in dieTextilien eingenäht sind. Wozusetzt das Unternehmen dieseTechnik ein?
Die Tehnik ermög- liht eine bessere Wa- renverfolgung in derLogistikkette und eineshnellere Inventur,weil man dazu nurnoh mit dem Lesege- rät durh den Ladengehen muß. Das allesist siher shön undnützlih, allerdingskümmert sih GerryWeber niht darum,was mit den chips nahdem Verkauf der Klei- dung passiert. An derKasse werden diese nämlih nihtdeaktiviert, sondern lediglih ausdem Warenbestand ausgetragen. Diechips bleiben aber aktiv und sendenweiterhin ihre weltweit eindeutigeProdukt- und Seriennummer aus.
Warum bereitet Ihnen dasSorgen?
Der chip ist tatsählih mit jedemhandelsüblihen Lesegerät identifi- zierbar. Wo immer ein solhes an- gebraht ist, werden unbemerkbardie Daten der chips ausgelesen undwiedererkannt. Die darauf befindli- he Nummer bezieht sih zunähstnur auf das einzelne Produkt. So- bald man sie aber mit anderen per- sonenbezogenen Daten des Trägersder Kleidung verknüpft, wird esmöglih, ein Bewegungsprofil zuerstellen.
Und wie könnte eine solcheVerknüpfung vonstatten ge-hen?
Wenn man zum Beispiel irgendwomit einer Kredit- oder Ec-Kartebezahlt, könnte mit einem in derNähe angebrahten Lesegerät derRFID-chip in der Kleidung auto- matish mitausgelesen werden. Vonda an kann der chipkennung einName zugeordnet werden, und diebetreffende Person hinterläßt über- all elektronishe Spuren, ohne daßsie davon weiß. Es ist praktish so,als wäre man verwanzt.
Unterstellen Sie also dem Mo-demacher, seine Kunden aus-schnüffeln zu wollen?
Nein. Wir sagen niht, daß GerryWeber seinen Kunden nahspionie- ren will. Uns stört die Sorglosigkeit,mit der es seinen eigenen Nutzenverfolgt, ohne sih um die Gefahrenfür seine Kunden zu sheren. Eskönnte aber sehr wohl im Interesseeiner Modefirma sein zu wissen, woihre Kunden verkehren, was, wie- viel und wie oft sie in ihren Lädeneinkaufen. Daneben kommen nohviele andere Profiteure in Betraht:Kriminelle, Stalker oder auh Er- mittlungsbehörden.
Das Ganze ist also nicht nurScience Fiction?
Wir haben uns solhe Szenarienniht ausgedaht. EinUS-amerikanishesUnternehmen hat sihshon im Jahr 2002 einPatent gesihert, wel- hes das Identifizierenvon Personen anhandder Gegenstände mitRFID-chip, die sie beisih tragen, möglihmaht.
Sie haben vergange-nen Freitag in Biele-feld eine Aktion voreiner Gerry-Weber-Filiale durchgeführt,worüber am Montagabend auch das WDR-Fernse-hen berichtete. Wie haben dieKunden reagiert?
Sie waren sehr erstaunt, zum Teilauh entsetzt darüber, was sihmit der Tehnik anstellen läßt. Diechips lassen sih auf eine Distanzvon aht Metern auslesen. Solh einchip übersteht drei Washgängeund zwei hemishe Reinigungen.Auh die italienishe ModemarkePeuterey setzt RFID-chips ein, oh- ne die Kunden und das Verkaufsper- sonal zu informieren. Sie verstektdie Tehnik sogar als Mittel gegenProduktpiraterie irgendwo shwerzugänglih in den Textilien. Dafürhaben wir der Firma bereits 2011 ei- nen Big-Brother-Award verliehen.
Firmenchef Gerhard Webersoll sich Ihnen gegenüber ziem-lich ahnungslos ob der Tückender Technologie gezeigt haben.Will er denn auch deren Ein-satz überdenken?
Leider hat er sih niht einsihtiggezeigt. Dabei wäre es doh so ein- fah, diese Funketiketten an derKasse zu entfernen, statt sie in derKleidung der Kundinnen zu belas- sen. Gerry Weber ist Vorreiter beimRFID-Einsatz und bemüht sih im- merhin um Information. Andere,viel gewissenlosere Textilunterneh- men werden folgen. Deshalb müs- sen wir jetzt handeln.
Müßte in diesem Fall nicht diePolitik einschreiten?
Wir verlangen von der Textilin- dustrie, die chips beim Kauf zuentfernen. Der FoeBuD setzt sihaußerdem für eine verpflihtendeEU-Gesetzgebung ein, die den Ein- satz von RFID-chips regelt.
Interview: Ralf WurzbacherAnhänger der kommunistisch orientierten Gewerkschaftsfront PAME demonstrieren (Athen, 17.1.2011)
Troika mit Streik empfangen
Griehenland: Widerstand gegen weitere Lohnsenkungen.
Von Heike Schrader, Athen
M
it einem Streik in der pri- vaten Wirtshaft mit dergriehishen Provinz Attikawurden am Dienstag die Vertreter derGläubigertroika aus EU, Internationa- lem Währungsfonds (IWF) und Euro- päisher Zentralbank empfangen. ImGepäk hatten sie neue Forderungen,mit denen diesmal insbesondere dieErrungenshaften der in den Privatbe- trieben Arbeitenden angegriffen wer- den sollen. Damit die im vergangenenOktober in Aussiht gestellten neuenKredite in Höhe von 130 MilliardenEuro fließen, soll die Wettbewerbsfä- higkeit der Wirtshaft über die Sen- kung der Löhne verbessert werden.Konkret wurden dafür eine Herabset- zung des ohnehin kaum zum Lebenreihenden Mindestlohns von 751 Eurobrutto im Monat, langjährige Nullrun- den und die Streihung oder zumindestKürzung des 13. und 14. Monatsgehalts»vorgeshlagen«.Die bereits jetzt von drastishenEinshnitten betroffenen Medienmit- arbeiter des Landes dehnten ihrenStreik auf Mittwoh aus, ebenso wiedie Rehtsanwälte, die shon seit Mittevergangener Wohe im Ausstand sind.Die Arbeitsniederlegung war vonder kommunistish orientierten Ge- werkshaftsfront PAME bereits EndeDezember vorbereitet worden. Regie- rung, EU und das einheimishe Kapitalwürden ihre Angriffe auh 2012 fortset- zen, so die PAME damals. Die sozial- demokratish dominierten Spitzen derbeiden Gewerkshaftsdahverbände inder Privatwirtshaft (GSEE) und imöffentlihen Dienst (ADEDY), dage- gen setzen trotz der seit nunmehr zweiJahren durhgeführten erbarmungs- losen Kürzungspolitik nah wie vorauf Dialog und Sozialpartnershaft.Der Vorshlag der PAME, die gestri- ge Arbeitsniederlegung zu einem lan- desweiten Generalstreik auszudehnenwurde von den Führungen der GSEEund ADEDY abgelehnt. An der Basis jedoh shlossen sih auh solhe Ge- werkshaften dem Arbeitskampf an,die niht von der PAME dominiertsind. Die Dahverbände versuhtendaraufhin, ihre Kampfunwilligkeit mitFeigenblattaktionen zu verdeken. DieADEDY sandte eine Pressemitteilungaus, in der Funktionäre aufgefordertwurden, bei den Kundgebungen Prä- senz zu zeigen. Die GSEE wiederumveröffentlihte bereits am 12. Januareine Unterstützungerklärung für denAusstand. Gleihzeitig gab der Ver- band bekannt, sih am heutigen Mitt- woh mit den Vertretern des griehi- shen Industrie- und Handelskapitalszu Verhandlungen treffen zu wollen.
Die GSEE will die von der Troikaeingeforderte Wettbewerbsfähigkeitdabei über die Senkung der Lohnne- benkosten erreihen – also mit der Ver- lagerung von Sozialabgaben auf diesteuerzahlenden Erwerbstätigen. »Esist eine dreiste Lüge, daß das Kapitalwettbewerbsfähig gemaht werden kön- ne, ohne Löhne und Rehte der Lohn- abhängigen zu zershlagen«, kontertedie Kommunistishe Partei Griehen- lands (KKE). Etwa 20 von der PAMEdominierte Branhengewerkshaftenund regionale Zusammenshlüsse vonEinzelgewerkshaften fordern bereits jetzt die Ausrufung eines neuen Gene- ralstreiks für Anfang Februar.
   R   E   U   T   E   R   S   /   Y   I   O   R   G   O   S   K   A   R   A   H   A   L   I   S
Rena Tangens ist Mitbe-gründerin und Vorstands-mitglied im Datenschutz-und BürgerrechtsvereinFoeBuD
 
I
sraels Mossad ist vermutlih dereinzige Geheimdienst der Welt,der sih gern mehr Verbrehen an- dihten läßt, als er wirklih begangenhat. Den Mythos vom »langen Arm«,dem fast gar nihts unmöglih ist, er- mutigt und pflegt Israel gern durheigene Desinformationen. Für derenVerbreitung sorgen unter anderem derMossad-nahe Online-Dienst Debka- file, israelishe Tageszeitungen, aberauh freundlih gesonnene Journali- sten in aller Welt.Nah der Ermordung eines irani- shen Wissenshaftlers am 11. Januarshwirren wieder einmal die Gerühte.So behauptete die
Sunday Times
amWohenende, sie habe von einer anony- men »israelishen Quelle« erfahren,daß der Bombenanshlag vom Mos- sad organisiert worden sei. »KleineGruppen von Mossad-Agenten« hättenzuvor »sorgfältig Shlüsselgebiete inTeheran observiert«, die für das At- tentat relevant ershienen. Die Über- wahung des Wissenshaftlers sei voneinem »improvisierten Kontrollraumin einem nahegelegenen abgesihertenHaus« aus erfolgt. Der Anshlag seials »Vorläufer, niht als Alternative«zu Militärshlägen gedaht gewesen.Die
Sunday Times
gehört zum Me- dienimperium News corporation.Dessen Gründer und chef ist der Neo- konservative Rupert Murdoh. DasBlatt ist seit Jahren dafür bekannt, daßes Falshmeldungen verbreitet, an de- nen der Mossad und andere israelisheStellen interessiert sind.
Vertraulihe Quellen
Shon am Tag des Anshlags hat- te die konservative französisheTageszeitung
 Le Figaro
behauptet,daß Mossad-Agenten in Kurdistan –gemeint war offenbar der irakisheTeil – aktiv seien, um iranishe »Dis- sidenten« für den Kampf »gegen dasAjatollah-Regime« zu rekrutierenund auszubilden. Der Beriht be- ruhte angeblih auf einer »Siher- heitsquelle in Bagdad«, deren Nameniht genannt wurde. Am selben Tagmeldete der US-amerikanishe Jour- nalist Rihard Silverstein, seine »ei- gene vertraulihe israelishe Quelle«habe ihm »bestätigt«, daß der Mordeine gemeinsame Arbeit des Mossadund der exiliranishen OrganisationMEK, auh bekannt als »Volksmu- dshaheddin«, gewesen sei. DreiTage später berihtete auh das US- amerikanishe Nahrihtenmagazin
Time
unter Berufung auf »westliheGeheimdienstquellen«, daß der Mos- sad für das jüngste Attentat verant- wortlih sei.Den Rahmen der üblihen Gerüh- te und Vermutungen sprengte einArtikel von Mark Perry, der am 14.Januar im Magazin
Foreign Policy
ershien. Der Autor behauptete, daßMossad-Agenten zumindest in denJahren 2007 und 2008 Mitglieder derterroristishen Separatistenorganisa- tion Jundallah, die in der iranishenProvinz Sistan und Baluhestan aktivist, rekrutiert, ausgebildet und unter- stützt hätten. Der eigentlihe Spreng- stoff dieser Story: Die Israelis hättensih gegenüber den Jundallah-Leu- ten als US-Amerikaner ausgegebenund diese Legende unter anderemmit gefälshten Pässen untermauert.Perry behauptete, daß die Geshihteihm von zwei aktiven und vier imRuhestand befindlihen US-Geheim- dienstlern erzählt worden sei. Derdamalige Präsident George W. Bushsei »total in die Luft gegangen«, alser davon erfuhr. Jetzt war die Mel- dung allerdings keiner der beidenSeiten eine offizielle Stellungnahmewert.
Intelligente Strategie
Die Ermordung iranisher Wissen- shaftler wird in den meisten west- lihen Mainstreammedien als intel- ligente israelishe »Strategie« zur»Verzögerung von Teherans Atomwaf- fenentwiklung« glorifiziert. Sahlihläßt sih dieser Mythos allerdingsniht aufreht erhalten. Seit Beginnder Anshlagserie im Januar 2010 wur- den vier Wissenshaftler ermordet, einfünfter überlebte mit relativ leihtenVerletzungen. Das erste Opfer, der Phy- sikprofessor Masud Ali-Mohammadi,hatte so wenig mit Nuklearphysik unddem iranishen Atomprogramm zutun, daß sofort Gerühte umliefen, ersei von Beauftragten des »Regimes«umgebraht worden, weil er mit derOpposition sympathisiert habe. Am 23.Juli 2011 wurde der ElektronikstudentDariush Rezaei ermordet, der gleih- falls nihts mit dem Atomprogrammzu tun hatte und mögliherweise auf- grund einer Namensverwehslungins Visier der Auftraggeber geratenwar. Der am 11. Januar dieses Jahresgetötete Mostafa Ahmadi Roshanhatte nah iranishen Angaben überÖlwirtshaft promoviert. Er soll zwarals stellvertretender Abteilungsleiterin der Urananreiherungsanlage vonNatanz gearbeitet haben, aber dort nurfür den Einkauf zuständig gewesensein. Es gibt keine Hinweise, daß erNuklearwissenshaftler war. Einzigund allein Fereydun Abbasi-Davani,der am 29. November 2010 durh eineBombe an seinem Auto verletzt wurde,sheint eine bedeutende Stellung imAtomprogramm gehabt zu haben. Erleitet jetzt die Iranishe Atomenergie- behörde.Die Opfer der Anshläge hatten nureine entsheidende Gemeinsamkeit: Al- le waren Dozenten, die regelmäßig vonihrer Wohnung zu ihrem Arbeitsplatzan der Universität fuhren und dadurhleiht auszuspähen und anzugreifen wa- ren. Wer immer die Morde organisierthat: Er entshied nah Bequemlihkeitund Siherheit der Durhführung, nihtnah der Stellung der Zielpersonen imAtomprogramm. Daß dadurh irgendetwas aufgehalten oder verzögert wer- den könnte, werden die Drahtzieherselbst niht geglaubt
haben.
 junge Welt
Mittwoch, 18. Januar 2012, Nr. 15
3s c h w e r p u n k t
r
eaktioNeN
Mord ist einewundervolle Sache
»Ein Wissenschaftler, der im Iran amAtomprogramm mitgearbeitet hat,ist ums Leben gekommen. Ich meine,das ist eine wundervolle Sache, ehrlichgesagt. Ich denke, wir sollten eine klareBotschaft aussenden: Wenn du ein Wis-senschaftler aus Rußland, Nordkoreaoder aus dem Iran bist und du arbeitestan einem Atomprogramm mit, um fürIran eine Bombe zu entwickeln, dann istdein Leben nicht sicher
u
Rick Santorum, christlich-fundamen-talistischer Präsidentschaftsbewerberder US-amerikanischen Republikaner,12. Januar 2012»Ich weiß nicht, wer an dem iranischenWissenschaftler Vergeltung geübt hat.Aber ich vergieße ganz bestimmt keineTräne.«
u
Brigadegeneral Joaw Mordechai,israelischer Militärsprecher, 11. Januar2012»2012 wird voraussichtlich ein entschei-dendes Jahr werden, was die Fortsetzungder (iranischen) Nuklearisierung, dieinneren Veränderungen in der iranischenFührung, den zunehmenden Druck derinternationalen Gemeinschaft und dieDinge, die ihnen auf unnatürliche Weisezustoßen werden, angeht.«
u
Generalleutnant Benny Gantz,Stabschef der israelischen Streitkräfte,11. Januar 2012»Ich glaube, ehrlich gesagt, daß halb-herzige Maßnahmen wie Morde oderSanktionen nur dazu führen, den Aus-bruch der Krise zu beschleunigen. Derbessere Wege, um Iran am Erwerb vonAtomwaffen zu hindern, besteht darin,ihr Atomwaffenprogramm direkt anzu-greifen und ihre Kontrolle über den nu-klearen Brennstoffkreislauf zu brechen.
u
 John Bolton, Botschafter der USAbei der UNO 2005–2006, 11. Januar2012» Selbst den wildesten schiitischenMuslimen, (…) wird es schwer fallen, zuglauben, daß es reiner Zufall ist, wennLeute aus Irans Atomindustrie in die Luftfliegen. Und es sind genau diese Leute,und niemand sonst, die ungefähr allezwei Monaten das Todesschicksal trifft.(…) Die Unklarheit (die diese Mordeumgibt) dient folgendem Zweck: Sievermittelt, daß Israel weiß, wer im ira-nischen Atomprojekt tätig ist, daß Israelweiß, wo und wann sie zu finden sindund wie man sie aus der Gemeinschaftder Wissenschaftler auslöschen kann.«
u
Amir Oren, Kolumnist der libera-len israelischen Tageszeitung
Haaretz
,12. Januar 2012
Beisetzung von Mostafa Ahmadi Roschan am 11. Januar in Teheran
 Mythos vom langen Arm
Israels Geheimdienst Mossad soll Wissenshaftler im Iran ermordet haben. TeheransAtomprogramm wird durh Terroranshläge weder verhindert noh verzögert.
Von Knut Mellenthin
W
enn vom »verdektenKrieg« die Rede ist, derdas iranishe Atompro- gramm »um mehrere Jahre zurükge- worfen« habe, tauht regelmäßig dercomputerwurm Stuxnet wieder auf,der in den Jahren 2009 und 2010 seinUnwesen trieb und von Spiegel onlineals »großer Erfolg« gefeiert wurde.Die
 New York Times
bezeihnete denStörenfried am 15. Januar 2011 als»tehnish raffinierteste cyberwaffe,die jemals entwikelt wurde. Stuxnetsei »der größte einzelne Faktor« ge- wesen, der dazu geführt habe, daß sihdie imaginäre Entwiklung einer ira- nishen Atombombe aufgrund »teh- nisher Shwierigkeiten« womöglihum drei Jahre, nämlih bis 2015 verzö- gern werde. Das jedenfalls behaupteteder damalige chef des israelishenGeheimdienstes Mossad, Meir Dagan,in der Knesset.Mit vielen liebevoll ausgeshmük- ten Details, aber ohne eine einzigeüberprüfbare Quelle shilderte die
 New York Times
vor einem Jahr, wieder computerwurm angeblih in mo- natelanger Gemeinshaftsarbeit vonden USA und Israel entwikelt wor- den sei. In einem unterirdishen Bun- ker des israelishen Reaktors Dimonasei sogar die Anreiherungsanlagevon Natanz nahgebaut worden, umden Wurm zu testen. Die angebliheWirkungsweise von Stuxnet ist so,daß er das computerprogramm durh- einander bringt, das die Zentrifugensteuert. Dadurh würden diese ab- wehselnd extrem stark beshleunigtund dann jäh abgebremst. Das zerstö- re die Mashinen shon nah kurzerZeit, erläuterte die Zeitung.Für die wirklihen Auswirkungenvon Stuxnet gibt es jedoh klare An- haltspunkte. Die Urananreiherung inNatanz wird nämlih von der Interna- tionalen Atomenergie-Behörde IAEAständig intensiv kontrolliert – durhrund um die Uhr laufende Monitorenund Messgeräte sowie durh regel- mäßige Inspektionen. Seit dort im Fe- bruar 2007 die Arbeit aufgenommenwurde, lag bei allen Besuhen derInspektoren ein erhebliher Teil derinstallierten Zentrifugen gerade still.Die Zahl der arbeitenden Mashinenshwankte deutlih: zwishen einemMaximum von 4 920 (31. Mai 2009)und einem Minimum von 3 772 (29.Januar 2010). Bei einer Inspektion am16. November 2010 wurde sogar fest- gestellt, daß keine einzige Zentrifugein Betrieb war. Allerdings liefen kurzvorher und kurz nahher rund 4 800Mashinen.Wie weit das aber wirklih demWurm zuzushreiben ist, läßt sihniht genau ermitteln. Das größtetehnishe Problem liegt offenbardarin, daß Iran in Natanz immer nohausshließlih die veralteten, sehrstöranfälligen Zentrifugen im Ein- satz hat, die von der IAEA als IR-1bezeihnet werden und ursprünglihaus Pakistan stammen. Außerdembehauptete selbst die
 New York Times
 lediglih, daß etwa ein Fünftel alleriranishen Zentrifugen vorübergehenddurh Stuxnet lahmgelegt wordensei. Diese Störungen erstrekten sihinsgesamt ungefähr über ein Jahr. Daskann also die iranishe Urananreihe- rung unmöglih »um Jahre zurükge- worfen« haben.Die Entwiklung von Stuxnet wirddie USA und Israel vermutlih, nied- rig geshätzt, mehrere Millionen Dol- lar gekostet haben. Das Ergebnis aberwar letztlih niht viel mehr als politi- she Effekthasherei. Inzwishen hatIran begonnen, die alten Zentrifugendurh zwei neuere Modelle zu erset- zen, die um ein Mehrfahes effektiversind.
Knut Mellenthin
D
ie
 
teuerste
W
urm
 
aller
Z
eiteN
   M   O   R   T   E   Z   A   N   I   K   O   U   B   A   Z   L   /   R   E   U   T   E   R   S

Activity (2)

You've already reviewed this. Edit your review.
1 thousand reads
1 hundred reads

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->