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“Ich bin hundertprozentig für eine Revolution!” Die Sozialistische LinksPartei beim neuwal Sommergespräch 2012

“Ich bin hundertprozentig für eine Revolution!” Die Sozialistische LinksPartei beim neuwal Sommergespräch 2012

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Published by: neuwal. Politik- und Wahljournal on Sep 05, 2012
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neuwal
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neuwalSommergespräch
“Ich bin hundertprozentig für eineRevolution!”Die Sozialistische LinksPartei beimneuwal Sommergespräch 2012
 
Stefan Egger im Gespräch mit Sonja Grusch
 Neuwal: Heute bei uns im Studio: Sonja Grusch von der Sozialistischen Linkspartei,herzlich willkommen. Wir möchten heute gemeinsam fokussieren auf neue Ideen undpolitische Veränderungen, euren Fahrplan zur Nationalratswahl 2013 und den Wahlen,die bis dahin sonst am Tapet stehen und die Themen und Vorstellungen, bei denenihr politisch mitgestalten möchtet. Die Sozialistische Linkspartei ist laut Wikipediaeine marxistische Partei in Österreich. Was heißt denn das genau und wie seht ihr dasGanze?
 Sonja Grusch (SLP): Drehen wir die Frage um: Kapitalismus funktioniert nicht, das sehen wir spätestens seit dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise, eigentlich überall. Wir haben quer durch Europa Wirtschaften, die zusammenkrachen. Wir haben in Griechenland die Situation,dass Kinder im Turnunterricht teilweise in Ohnmacht fallen, weil sie unterernährt sind. Wo sichdie Leute absichtlich mit HIV infizieren, damit sie Sozialhilfe bekommen, weil sie sonst gar nichts mehr haben. Da zu behaupten, dass dieses System funktionieren würde, ist offensichtlicheine Lüge oder ein Selbstschutz einer gewissen Gruppe.
 
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Neuwal: Und die Alternative dazu ist der Marxismus?
 Grusch: Der Marxismus ist eine Wissenschaft, insofern ist nicht der Marxismus die Alternative,sondern die Alternative dazu ist ein Gesellschaftssystem, in dem nicht Profite von einer ganzkleinen Gruppe im Zentrum stehen, sondern die Bedürfnisse von uns allen: Nach einemsicheren Job, nach einem ordentlichen Auskommen, einer Pension, einem ordentlichenBildungssystem, einer Wohnung, auch der Möglichkeit, mich ein bisschen kulturell oder sportlich oder sonst irgendwie betätigen zu können... das sind eigentlich Grundbedürfnisse, diewir alle haben. Die wären eigentlich möglich aufgrund des Reichtums, der auf der Welt herrscht,dass jeder Mensch das hat. 
Neuwal: Das klingt für mich ja nicht sehr marxistisch. Wo ist da jetzt der Konnex zur Wissenschaft?
 Grusch: Die eigentlich Frage ist: Kann ich so ein System, wo alle Menschen das bekommen,was sie brauchen, diese Basics, kann ich das im Rahmen einer kapitalistischen Wirtschafterfüllen? Ich sage: Nein, das ist nicht möglich! Deswegen ist es notwendig, den Kapitalismus zustürzen und durch ein gerechtes Gesellschaftssystem, ich würde es ein sozialistisches nennen,zu ersetzen. Und das ist es jetzt, was man als marxistisch titulieren kann. Ich glaube, dass dashäufig ein Kampfbegriff ist, der gegen uns verwendet wird. Eigentlich geht es darum, so eineGesellschaft zu errichten. Gar nichts Abartiges! Eigentlich das, was jeder haben möchte. 
Neuwal: Es sind trotzdem so Begriffe, über die man etwas stolpert. So wie auch, dassdie SLP dem trotzkistischen Spektrum zuzuordnen ist. Wie geht es euch mit diesenZuordnungen? Sind die falsch, sind die übertrieben, sind das Gegner, die euch dapositionieren wollen – oder fühlt ihr euch eh ganz wohl damit?
 Grusch: Ich vermute mal, dass ein Großteil der Leute, die sich das Anschauen, mit dem Begriff Trotzkismus relativ wenig anfangen wird, deswegen würden wir uns auch selber nicht sobezeichnen. Trotzki war ein wichtiger Anführer in der Russischen Revolution, die ja heuer 95- jähriges Jubiläum hat, das erste Mal, das in einem ganzen Land die Menschen versucht haben,so ein sozialistisches System zu errichten. In diesem Sinne hat Trotzki was das angeht, aber auch im Kampf gegen Rassismus und Faschismus, eine ganz ganz wichtige Rolle gespielt undviel Wichtiges und Richtiges gesagt. Aber das Wesentliche sind die sozialistischen Grundideen,und da ist es mir relativ wurscht, welches Etikett da jemand draufpickt. 
Neuwal: Wenn man es ohne die beiden Begriffe beschreiben möchte: Was ist die SLP,wofür steht sie, wo kommt sie her?
 
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Grusch: Die SLP ist eine Organisation, die sagt, wir brauchen ein System, wo nicht der Kapitalismus, nicht die Profite entscheiden, sondern die Bedürfnisse der Menschen. Dafür kämpfen wir mit unseren Möglichkeiten und versuchen, möglichst viele Menschen zugewinnen, mit uns gemeinsam diesen Kampf zu führen. Wir wollen das nicht stellvertretendfür irgendjemand machen, das ist absurd. So kannst du nichts verändern. Du musst dasgemeinsam mit den Leuten, die miese Löhne bekommen, die keine Möglichkeit haben, einen Ausbildungsplatz zu kriegen, die diskriminiert werden aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion,ihres Stempels im Pass oder sonst irgendetwas, tun - mit diesen Leuten gemeinsam für einsolches demokratisches und gerechtes Gesellschaftssystem zu kämpfen! Das ist es, was dieSLP ausmacht. 
Neuwal: Das sind die Grundpfeiler der SLP, die Grundsätze. Gibt’s auch einParteiprogramm oder halten Sie’s da mit den Piraten, die sagen, die Meisten, die einParteiprogramm fordern, haben das noch nie gelesen in ihrem Leben.
 Grusch: Ja, wir haben ein Parteiprogramm, kann man sich auch auf unserer Homepageanschauen. Es gibt eine Kurzform mit ein paar Forderungen, aber auch ein ausformuliertesParteiprogramm und das ist in einem Prozess innerhalb unserer Organisation, wo alle Mitglieder mitdiskutiert haben und mitverändert und –entschieden haben, erarbeitet worden. Wir werdendieses Programm auch immer wieder adaptieren und erneuern, weil sich neue Fragen stellen.Zum Beispiel Punkte wie ACTA, das war vor zehn Jahren, als wir das Parteiprogrammgeschrieben haben, kein Thema. Aber unsere Zeitung, unser gesamtes geschriebenes Materialspiegelt unser Parteiprogramm wider. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, ein Programm zuhaben. Wenn Organisationen wie beispielsweise die Piraten oder andere sagen, man brauchtdas nicht, man kann das irgendwie im Netz finden oder sonst etwas, dann ist das ein Einfallstor,wie man zum Beispiel bei den Piraten in Deutschland, für Rechtsextreme und Neonazis, dieversucht haben, da reinzugehen, sich vermeintlich ein liberales oder sonstiges Fähnchenumzuhängen. Es ist ganz notwendig: Man muss sagen, wofür man steht – und dann nichtirgendwie wirr herumreden! 
Neuwal: Wofür stehen Sie persönlich? Was motiviert Sie, Politik zu machen und sich dazu engagieren?
 Grusch: Ein Blick in die Nachrichten und die Wut darüber, was für Ungerechtigkeiten undSauereien sich abspielen. Wenn in Südafrika 46 Bergarbeiter erschossen werden, weil sie für Löhne streiken, wo sie sagen, wir können nicht von 400 Euro im Monat leben. Wenn ich sehe,wie in Österreich eine Familie 30 oder 40 Milliarden besitzt und gleichzeitig 500.000 Leutemanifest arm sind. Das ist so eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, so eine Sauerei, dassein Typ wie Strache seinen Rassismus im Fernsehen verbreiten kann und dass das der Beginndavon ist, dass Leute auf offener Straße niedergeprügelt werden. Wo ein Graff auf seiner 

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