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Sem & Antisem Sekundärer Antisemitismus in der Medienkultur (2004)

Sem & Antisem Sekundärer Antisemitismus in der Medienkultur (2004)

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An essay in German, on "antisemitism" as a self-replicating structure in modern media culture. Including chapters on Tottenham Hotspurs football fans, Martin Walser, Juergen Moellemann und Michel Friedman, Hohmann.
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An essay in German, on "antisemitism" as a self-replicating structure in modern media culture. Including chapters on Tottenham Hotspurs football fans, Martin Walser, Juergen Moellemann und Michel Friedman, Hohmann.

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Published by: Martin Lindner on Jan 21, 2009
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Martin Lindner (Innsbruck)
SEM UND ANTISEM.Sekundärer Antisemitismus als Zeichen- und Sprachspiel in derNeuen Medien-Kultur.Steckt uns da nicht die Analogie der Sprache mit dem Spiel ein Lichtauf? Wir können uns sehr wohl denken, dass sich Menschen auf einerWiese damit unterhielten, mit einem Ball zu spielen, so zwar, dasssie bestehende Spiele anfingen, manche nicht zu Ende spielten,dazwischen den Ball planlos in die Höhe würfen, einander im Scherzmit dem Ball nachjagen und bewerfen, etc. Und nun sagt Einer: Dieganze Zeit hindurch spielen die Leute ein Ballspiel, und richten sichdaher bei jedem Wurf nach bestimmten Regeln. Und gibt es nichtden Fall, wo wir spielen – und ‚make up the rules as we go along’?Wittgenstein,
Philosophische Untersuchungen
, Nr. 83
 
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1.rgen Klinsmann is a Jew
Chim chimmery, chim chimmery, chim chim charoo,Klinsmann was a Nazi but now now he's a jew.
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Mit diesem Lied, gesungen nach einer Melodie aus dem Musical
Mary Poppins
, wurde 1994 der deutsche Fußball-Nationalstürmer rgenKlinsmann empfangen, als er nach London zu den Tottenham Hotspurswechselte. Dahinter steckt nicht nur eine skurrile Geschichte, sonderneine überaus vertrackte semiotische Struktur.Erstens wird hier zwar auf die nationalsozialistische Verfolgung undVernichtung der Juden angespielt, aber eigentlich spielen die Juden dabeigar keine Rolle. Seit etwa 1970 werden alle Fans und Spieler der Spurs als„jewsoder „yidsverspottet. Sie funktionierten dann selbst dieseBezeichnung schnell zum Abzeichen und Ehrennamen um. Noch heutenennt sich der harte Kern der Tottenham-Fans stolz „Yid Army“ und führtisraelische Davidstern-Flaggen mit.Zweitens wird hier „nazigleichgesetzt mit „german“: Dass Klinsmannselbst ein ziviler und eher nachdenklicher Repräsentant derdemokratischen Bundesrepublik ist, spielt dabei keine Rolle. Es scheintzwar, dass „Klinsmann was a Nazi“ eher die von gegnerischen Fans (hier:des FC Chelsea) gesungene Version war, während die eigenen Fans dasfreundlichere „Jurgen was a german“ bevorzugten, aber im Prinzip machtedas kaum einen Unterschied.Drittens verbirgt sich dahinter eine weitere Opposition: „german vs.british“. Die Briten sind der eigentliche Gegenpol der Deutschen: Es sinddiejenigen, die singend den Ankömmling ihrem Sprachspiel unterwerfen,während ein entscheidendes Merkmal des „german“ die verkrampfteHumorlosigkeit ist. Dabei zerfallen die Briten selbst in „jews“ und „non-jews“: Die Annger der Tottenham Hotspurs und die Annger deranderen Vereine. Die einen übernehmen in diesem antisemitischen Spieldie Rolle der Juden, die anderen die Rolle ihrer Peiniger.
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Und viertens sind natürlich, obwohl ihnen keine eigene Rolle zustandenwird, in diesem Spiel dennoch auch die Briten jüdischer Herkunft bzw.jüdischen Glaubens präsent: Als primärer Stein des Anstoßes für denAntisemitismus, der hier spielerisch aufgegriffen wird, aber auch alsjüdische Fußballfans, die auch dann, wenn sie auf der Seite von Tottenhamsind, die Identifikation der anderen Fans mit den „jews“ eher skeptischbetrachten.
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Dem durchaus selbstironisch gepflegten britischen Klischee zufolge ist„der Deutsche“ im Grunde immer ein „Nazi“, d.h. ein heiser bellender,stocksteifer und vor allem völlig humorloser Militarist, der noch deutlichdie Merkmale des „Preußen“ aus dem Ersten Weltkrieg aufweist. DasStereotyp geht nicht nur auf die seit den 1950er Jahren beliebtenWeltkriegs-Filme zurück, in denen coole Briten immer neu die deutschenNazis besiegten, sondern vor allem auf britische Comedians, die seit den1960er Jahren immer wieder mit diesem Lieblingsklischee spielten. Sokreierte der populäre BBC-Comedian Harry Enfield 1995 die Figur despolitisch korrekten, humorlosen „Jurgen The German“, der als typischerVertreter der bundesdeutschen Nachkriegsgeneration auftritt. Er gleichtdabei äußerlich dem „Golden Bomber“ Klinsmann („sporting croppedblonde hair – looking the true aryan“) und entschuldigt sich permanent aufaufdringlich selbstgerechte Weise dafür, Deutscher zu sein. Als seinjeweiliger britischer Gesprächspartner in jedem Sketch aufs Neue diesesThema umgehen und herunterspielen will, wird Jurgen immer aufgeregter:JURGEN I am German.BRITISH Oh, right.JURGEN I hope you do not find zis
sickening
. [slight pause] […] I amnamed Jurgen.BRITISH Oh! Like Klinsmann. [slight pause as JURGEN's good humourdeserts him]
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Jim Duggan (Betreiber der Fan-Site www.topspurs.com
 
), zitiert nach der Websitedes R 
hetoric of Race
 
, Abruf 10/2003).

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