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 Nr. 182, 51. KW, 19.12.2008, Seite 1
 Inhaltsverzeichnis
 
Editorial (Rohmert)
1
JLL meldet sich aus derFinanzwelt zurück in derImmobilienwelt (WR)
2
Nullzins in den USA: Liqui-dity Trap oder stabilisiertsich das System? (WR)
6
2000 Jahre zurück: Schonzur Römerzeit kriselte eswegen Immobilien auf Pump
7
IPD: Großbritanniens Ge-werbeimmobilien-Crash auf Rekordkurs (Rohmert)
10
Steuerrückblick 2008: Fis-kus brachte viel Bewegung(Kracht)
12
Fondsrückblick 2008: Ge-winner und Verlierer (Gotzi)
20
5 Thesen zum Hotelmarkt:Auswirkungen der Rezession(Fidlschuster)
23
Vermögensverwalter: Nur jeder Dritte ist qualifiziert(Döbel)
25
Adlon: 07/08 die besten Jah-re der Hotelgeschichte (WR)
26
Fachmärkte: Das Auge kauftmit (Rohmert)
29
Impressum
32
Die britische Wirtschaft undder Immobilienmarkt
30
IVG sieht Liquiditätsproble-me, Existenzsicherung imVordergrund (Rohmert)
11
Impressum
2
in einer globalisierten Welt ist man nirgendwo zu Hause.
Das ist dem Menschenebenso wesensfremd wie der Eigentumsverzicht des Kommunismus. Ein wieder neu-er Megatrend wird sich daraus ergeben:
Auf die Globalisierungswelle folgt eine Re-nationalisierungswelle.
„Buy British“, „Rettet deutsche Arbeitsplätze“, „Kampf denMultis“ u. v. m. werden wir wieder hören. Manche von uns könnten sogar darübernachdenken, dass in der Krise die DM beruhigender war als der Euro.Bewegend war der Vorschlag der Woche,
ein Prognoseverbot für Auguren einzu-führen.
Die wurden auch schon mal im alten Rom verboten. Fragt sich, ob ein Verbotvon Aktienanalysten nicht volkswirtschaftlich sinnvoller wäre. Ansonsten entspricht einPrognose-Verbot der
Außerbetriebnahme eines Tsunami-Warnsystems.
DenChancenlosen verdirbt ein Warnsystem zwar die Stimmung, aber anderen ermöglichtes die Flucht. Die letzten Minuten werden „ohne“ zwar schöner, aber viel mehr. Beun-ruhigend: Auf solche Ideen kommt nur jemand, der keine Fluchtchancen mehr sieht.Theoretisch ist ein Prognoseverbot natürlich sinnvoll. Ebenso wie in einer Aufwärtssi-tuation bahnbrechende Entwicklungen völlig überschätzt werden, werden sie in derfolgenden Konsolidierungsphase völlig unterschätzt (Rohmert/Böhm,
Gabler
2001).Bei
bahnbrechenden Flops
verhält es sich mit umgekehrten Vorzeichen genauso.Wir sehen z. Z. einen Prognosen-Abfahrtslauf. Liest man die
FTD
am Morgen, kannman nicht mehr arbeiten, liest man die FTD am Abend, kann man nicht schlafen.Wenn sich das System nicht bald findet, kann niemand die Konsequenzen wirklichabschätzen. Unterstellt man aber, dass die Kreditwirtschaft, die diesmal anders als2002 kein Ventil im Investmentbanking oder im Ausland mehr hat und am selben Flie-genfänger wie die Wirtschaft hängt, sich wieder fängt,
wird sich das Beharrungsver-mögen einer reifen Volkswirtschaft als überraschend stabil herausstellen.Die Fed steuert auf Nullzins zu.
Die EZB wird sich nur graduell dem Zins-Wettbewerb entziehen können. Damit startet ein volkswirtschaftliches Experiment vonnie dagewesenem Ausmaß:
Der Test der „Liquidity Trap“-Theorie
.
(S. 6)Blick auf 2009:
Zum ersten Mal in meinem „Prognostiker-Leben“ mit vielen veröffent-lichten Versuchen, die Wirtschaft zu verstehen, habe ich 2008 keine Vorstellungen,Vergleichswerte oder Statistiken. Ich halte es hier eher mit dem bekannten Prognosti-ker
René Goscinny,
der seinen Helden Asterix in dem bahnbrechenden Werk „DerSeher“ sagen ließ: „Auf Regen folgt Sonnenschein.“
Dennoch habe ich zum erstenMal Angst vor der Grenzenlosigkeit menschlichen Erfindungsgeistes.
Ähnlichesmüssen die Zeitgenossen der ersten Atombombe gefürchtet haben.
„Jede Gegenwart resultiert aus der Geschichte“ (Richard von Weizsäcker,
irgendwann in meiner Schulzeit).
 
Immobilien auf Pump lähmten schon vor über 2000Jahren die Weltwirtschaft. Wir schreiben das Jahr 66 v. Chr. …
(S. 7)
 Die Weihnachtsausgabe wurde möglich durch unsere Partner
Catella Real Estate AG, DEGI GmbH, Deka Immobilien Invest-ment, Fairvesta, Garbe Group, Ideenkapital AG, RA KlumpeSchroeder & Partner, UBS Real Estate KAG
sowie den Part-nern von "Der Fonds Brief".
Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen Ihr Team von„Der Immobilienbrief“. Und denken Sie daran
„Es wird alles wieder gut“
 
51. KW / 19.12.2008Kostenlos per E-Mail
ISSN 1860-6369
Sehr geehrte Damen und Herren,
Werner Rohmert, Herausgeber
Sonderausgabe 2008
Der Immobilienbrief Nr. 182Der Fondsbrief Nr. 79
 
 Nr. 182, 51. KW, 19.12.2008, Seite 2
JLL- Jahrespressekonferenz - meldet sich aus der Finanzwelzurück in der Immobilienwelt 
Werner Rohmert, Herausgeber "Der Immobilienbrief",Immobilienspezialist "Der Platow Brief"
Die traditionell erstklassig besuchte Jahrespressekonferenz von
Jones Lang LaSalle
 (JLL) brachte die neue Erdung der deutschen Immobilienwelt zum Ausdruck. Stattvirtualisierter Immobilienmärkte dominierten die nicht nur harten, sondern auchschmerzhaften Zahlen und Ausblicke, die der scheidende JLL-Deutschland-Chef
Christian Ulbrich,
der in genialem persönlichem Timing unter Mitnahme der deut-schen Investmentwelle jetzt neuer
EMEA
-Chef wird, vorstellte.
O-Ton Ulbrich:
Die Immobilienwirtschaft ist schon seit Monaten mit der fehlendenLiquidität in den Refinanzierungsmärkten konfrontiert. Das Transaktionsvolumen isteingebrochen. Trotz tapferer Versuche der Verkäufer, die damit natürlicherweise ver-bundene Preisentwicklung auszusitzen, entwickeln sich die Renditen nach oben. Diegroßen Investoren der Jahre 2006 und 2007 stehen vor gewaltigen Abschreibungen.In vielen Fällen ist das eingesetzte Eigenkapital längst aufgezehrt.
Die Banken wer-den wirtschaftlich erneut zu den größten Immobilienbesitzern,
auch wenn siebislang in den meisten Fällen den eigentlichen Kreditnehmer noch gewähren lassen,um nicht selbst in die Verantwortung zu kommen. Dies wäre alles längst genug, abernatürlich schlägt sich die einbrechende Konjunktur absehbar beschleunigt auf dieMietpreise und die Leerstandsentwicklung nieder. Damit wird der Druck auf die Be-standshalter noch größer. Zusätzlich werden wir mit einer Reihe weiterer Entwicklun-gen konfrontiert, die voll auf die Immobilienwirtschaft durchschlagen – vor allem imZusammenhang mit Fragen zum Klimaschutz. Die klimapolitischen Debatten werdennahezu ausschließlich im Blick auf die technische, nicht aber auf die wirtschaftlicheMachbarkeit geführt.
Manche en passant Bemerkungen
von
Christian Ulbrich
machen die tatsächlichbescheidene Einschätzung des Marktes noch deutlicher als das Zahlenwerk. Diemeist langjährig tätigen Immobilienjournalisten sahen teilweise noch deutlichere Ne-gativszenarien. Allerdings verweist Ulbrich darauf, dass in der jetzigen Stimmungsla-ge die negativen Entwicklungen leicht überschätzt würden.
Düsseldorf:
 
Klaus Spanke
 verlässt die
Ideenkapital
umsich neuen beruflichen Her-ausforderungen zu widmen.
Hamburg:
 
JoachimSchmarbeck
, früherer 
Wöl-bern-Invest
-Vorstand, wirdim Januar 2009 in die Ge-schäftsführung der 
ParibusCapital
berufen und dort für den Bereich Produktentwick-lung verantwortlich sein.
Thomas Böcher
bleibt Ge-schäftsführer für Marketingund Vertrieb.
Bonn:
 
Prof. Dr. MartinWeber
, Partner bei
Pricewa-terhouse Coopers
, wechseltim März 2009 in den Vor-stand der 
PPP-Beratungs-gesellschaft Partnerschaf-ten Deutschland
.
 Personalien
Das Team von„Der Immobilienbrief“,„Der Fondsbrief“,der „Handelsimmobilien Report“sowie unsere Partnerwünschen Ihnen ein frohes Weih-nachtsfest und einen guten Rutschin ein erfolgreiches und gesundesJahr 2009
 
 Nr. 182, 51. KW, 19.12.2008, Seite 3
Auf die Frage von
Frank Peter Unterreiner,
wie er sich denn heute zu seiner geradezwei Jahre alten „virtuellen“ Immobilienwelt mit atomisierten Immobilienrisiken stelle,sah sich Ulbrich - vielleicht auch mit etwas Sarkasmus -bestätigt. Schließlich sei die Atomisierung der Risiken ja sogut gelungen. Selbst heute wisse noch niemand, wo siedenn wirklich seien. Das stimmt auch aus
"Der Immobi-lienbrief"-Sicht,
allerdings ging der Zuhörer bei der vonUlbrich positiv dargestellten Atomisierung von Risiken vorzwei Jahren eher von der „Öltropfen im Ozean“-Theorie ausals von der weltweiten Einbringung von Nervengift-Tropfenin die zentralen Finanzströme.Angesprochen auf die Wirkungen eines Negativ-Szenariosauf Immobilienaktiengesellschaften kommentierte Ulbrich,dass
Immobilien AG’s schon bei den vorgestellten Zah-len wohl überwiegend pleite gehen würden.
 Auf unsere alte Frage, wie denn ein
langfristig ausgerich-teter Immobilieninvestor
bei heutigen Renditen, geringenMietentwicklungsperspektiven und bei hohem Leerstand
noch Geld verdienen solle,
meinte Ulbrich, dass er sichdas auch seit langem frage und deshalb von der Bestands-haltung zum Maklergeschäft gewechselt habe. Die Lebens-dauer von Gewerbeimmobilien würde abnehmen. Immobilienrenditen würden die Ri-siken von Immobilien nicht ausgleichen. Zum aktuellen Dubai-Absturz meinte Ulbrich,das habe er mangels Nutz erpotentialen seit langem erwartet und er könne sich nichtvorstellen, wie sich Dubai in absehbarer Zeit je rehabilitieren solle.Sofern sich die Investitionsvolumina wieder auf dem Level vor dem letzten Boom ein-spielen sollten (siehe unten), seien Wirkungen auf den Arbeitsmarkt zu beachten, gabUlbrich weiter zu bedenken. Schließlich habe sich der Personalbestand der Immobi-lienunternehmen in den letzten Jahren fast verdoppelt. Diese Entwicklung würdedann rückgängig zu machen sein. JLL selber habe sich bereits personell an neueErwartungen angepasst. Dies habe er noch durchgeführt, um seinen Nachfolger nichtdirekt mit Freisetzungen starten zu lassen.
JLL werde als Unternehmen gestärkt aus der unvermeidlichen Krise heraus-kommen.
Das Unternehmen sei diversifiziert. Z. B. seien Bewertungsaufträge, diebei JLL in der Vergangenheit zwar angefragt, aber nicht bearbeitet hätten werdenkönnen, an andere Immobilienunternehmen gegangen, die - positiv formuliert - in derVergangenheit nicht als Bewerter bekannt gewesen seien. Jetzt werde wieder um jeden Auftrag gekämpft. Aus der Marktführerposition heraus werde man einbrechen-de Erträge aus dem Investmentgeschäft ausgleichen und die eigene Wettbewerbspo-sition stärken können.
Helge Scheunemann
vom Immobilienresearch machte deutlich, dass man vor einemJahr nicht mit der aktuellen Entwicklung gerechnet habe und sie für das nächste Jahrauch nur bedingt einschätzen könne. Die Investmentmärkte in Europa dürften von2007 mit 244 Mrd. Euro auf ca. 100 Mrd. Euro in 2009 um ca. 60% zurückgehen. InDeutschland gehe das Transaktionsvolumen wohl um über 60% auf die alten Wertebis 2003 zurück. Das Transaktionsvolumen von Büroimmobilien fällt 2008 um mehrals 75%. Der gesamte Investmentmarkt sei nahezu schockgefroren. Kleine Dealsdominieren. Core-Immobilien gewinnen wieder stark an Bedeutung. Die Hälfte derInvestoren kommt 2009 wieder aus Deutschland. 2006 waren es nur 20%. Die Kauf-preise sinken europaweit deutlich. Gegenüber der September-Prognose mussten dieWerte drastisch zurückgenommen werden. Scheunemann erwartet einen rapidenWertverfall, der allerdings noch nicht messbar sei, da derzeit kaum auswertbareTransaktionen stattfinden. Die Nutzeraktivitäten lassen europaweit nach. Das trifftdann die bislang noch stabilen Mietmärkte.Die rückläufige Beschäftigung bremse den Büroflächenumsatz in
Deutschland
umetwa ein Drittel. Wenn das
Deutsche Bank
Szenario mit -4% WirtschaftswachstumRealität werde, sei dieser Wert allerdings noch doppelt zu hoch. Die Nettoarbsorption
 Personalien
Frankfurt:
 
Sebastiano Fer-rante
und
Dr. Markus Wie-denmann
wurden in die Ge-schäftsführung bei
TishmanSpeyer
berufen und werdenkünftig gemeinsam mit dem bisherigen Geschäftsführer 
Florian Reiff 
das Deutsch-landgeschäft verantworten.
Stefan H. Brendgen
, bishe-riger Sprecher der Geschäfts-führung, verlässt das Unter-nehmen zum Jahresende undwechselt zur 
Allianz Immo-bilien
.
München:
 
Tim Helm
(39)verstärkt die Management- u.Branchenkompetenz im Be-reich Geschlossene Fondsder 
Inter Fonds
.
London:
 
DLA Piper
hat
Dr.Olaf Schmidt
zum Leiter der Praxisgruppe Real Estate für Europa, den Nahen Ostenund Afrika (EMEA) berufen.Er tritt im Januar 2009 die Nachfolge von
David Taylor
 an, der weiterhin Partner inLondon bleibt und den Be-reich Strategic Client Deve-lopment verantworten wird.
Neuburg:
 
Peter Schropp
 erweitert den Vorstand der 
VIB Vermögen
und wirdkünftig den Bereich Immobi-lien verantworten. Der bishe-rige Alleinvorstand
LudwigSchlosser
übernimmt dieFunktion des Vorstandsvor-sitzenden. Sein Amt als Vor-stand der 
BBI BürgerlichesBrauhaus Immobilien
, ander die VIB Vermögen mitrund 82% mehrheitlich betei-ligt ist, wird Peter Schroppauch künftig bekleiden.
Dublin-43,5%Amsterdam-15,2%Madrid-14,0%Barcelona-13,8%London-10,7%Dublin-35,0%London-31,6%Paris-29,6%Barcelona-29,1%Madrid-27,3%Dublin-22,3%London-18,6%Frankfurt/M.-10,6%Barcelona-9,8%Paris-7,2%
 
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