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 Nr. 178, 44. KW, 31.10.2008, Seite 1 von 25
 Inhaltsverzeichnis
 
Editorial (Rohmert)
1
Nachgedacht! Banken ver-stehen die Konsequenzenvon non recourse nicht
2
Nachgedacht! Haben wirwirklich 10 Jahre Flautevor uns? (Rohmert)
4
Offene Fonds machen dicht
5
TSO: Vergangenheitsver-gleich relativiert US-Drama
6
Empirica: Wohnungsmie-ten in Ballungsräumensteigen weiter (WR)
11
IVG: Vertrauen auf demNullpunkt (Ries)
14
Immobilien AGs leckenihre Wunden: Heilungnicht in Sicht (AE)
16
Ideenkapital: Hines kaufterstmals in Frankfurt
16
Impressum
28
DIP-Büromarkt: Mittel-städte profitieren (WR)
16
Preisverfall bei Büro-/ Industrie weckt Investoren
17
Berlin: Aufwind für Pots-dam und Berlin - Subprimebeendet Investorenträume
20
Einzelhändler blicken posi-tiv in die Zukunft (WR)
18
Brockhoff: Centereröff-nung in Hameln machtFußgängerzone leer
17
Impressum
25
JLL: Büroimmobilienuhrim dritten Quartal 08
23
Hotelforum: FrankfurterHotel gewinnt (Escher)
20
DB Research: TürkischerImmobilienmarkt
18
Strukturierte Finanzie-rung: Wurzel allen Übels?
9
Geld ist mit Vertrauen bedrucktes Papier.
 
Was bleibt, wenn das Vertrauen weg-fällt? Papier!
Sicherheit bedeutet nicht nur das Kappen von Risiken, sondern auchvon Chancen. Das war der Nachteil der Immobilien in der Zertifikate-Ära. Für jedeGroßmutter war es attraktiver, auf Empfehlung ihres „Beraters“ mit Zertifikaten gegenLehman auf den DAX zu wetten. Risikolos natürlich! Das ist zunächst vorbei. Bis ges-tern, bis zum möglichen
System-Ende des Offenen Fonds als Synonym für gleich-zeitige Sicherheit und Liquidität, stand die deutsche Immobilienwirtschaft voreiner großen Chance.
Speziell in der privaten Kapitalanlage hatte die Immobilie seitetwa 1993 ihren Sex verloren. Wir hatten als einzige positive Wirkung der aktuell wei-ter heraus geschobenen Grenzen menschlichen Erfindergeistes im Schießen von Ei-gentoren gehofft, dass die erstmalige generelle Verunsicherung der Geldgläubigenseit der Nachkriegszeit zu der Überlegung führen würde, dass eine
Altersvorsorgeauf dem Grundbuch doch besser steht als auf Papierbergen.
 
Schon wieder KanAm!
Mit der Aussetzung der Anteilsrücknahme einer Domino-Reihe Offener Immobilienfonds hat die Krise auch die Immobilie öffentlichkeitswirksamereilt.
Vorab: Daraus entstehen erst einmal überhaupt keine Anlegerrisiken, son-dern nur miese Presse!
Die kann aber Kleinanlegerflucht schüren. Im Moment sindes vor allem Dachfonds, die oft erst vor Wochen „langfristig“ angelegt hatten, die über-all aus Geldnot ihre Anteile zurückgeben müssen. Die institutionellen Anleger bleibenals langfristig orientierte Profis wohl überwiegend ruhig. Schon
2005/2006 hatte Ka-nAm
neue, wettbewerbsbetonte Spielregeln in den bis dahin eher ruhigen Bereich derOffenen Fonds gebracht, die öffentliche Diskussion zum Thema Seriosität angeheiztund
zum ersten Mal in der Geschichte der Branche einen Fonds schließen müs-sen.
Die Deutsche Bank zog damals in einem intellektuell eher überraschenden Aktvöllig überflüssig nach. Das machte das Image-Desaster vollständig.
Diesmal war KanAm (wahrscheinlich) sogar schuldlos.
Die Kombination ausschnellen Anleger-Reaktionen auf den Dollar-Anstieg und das Desaster der Dach-fonds traf sie schneller und härter als die in Euro notierten Fonds. Gerade eine Wochevorher hatte KanAm allerdings bei der Flucht aus dem Opernturm-Kauf noch mit Milli-arden-Liquidität geprahlt.
So etwas schafft kein Vertrauen und gibt MahnungenNahrung, dass KanAm geschäftspolitisch eine echte Gefährdung der Branchedarstelle.
Aber auch die bislang weniger betroffenen alten Fonds-Schlachtschiffe wer-den ihre zum Teil Milliarden schwere Liquidität aus Immobilienverkäufen und Mittelzu-flüssen nun doch nicht so dringend in Immobilien investieren müssen, wie dies bisherals wichtige Marktstützungsmaßnahme angesehen wurde.
Damit wird der Immobi-lienmarkt illiquider
und auch Core-Immobilien könnten härter getroffen werden alserhofft. Das könnte eine Bewertungs-Spirale in Bewegung setzen.Für die Branche und den Gesetzgeber sind jetzt zumindest zwei Dinge zu bedenken.Die Gefahr von „Runs“ ist zurück. Damit ist der dauernde Seiltanz offener Fonds, lang-fristige Investments mit täglich fälligem Geld zu finanzieren nicht mehr zu vertreten.Geschäftspolitisch zu überlegen, ob institutionelle Einlagen z. B.von Dachfonds mit gleichgelagertem, kumulativem Abzugsrisikonicht besonderen Regeln unterworfen werden müssen.Die heutige Ausgabe wurde möglich durch unsere Partner
CatellaReal Estate AG
,
DEGI GmbH, Deka Immobilien Investment,Fairvesta, Garbe Group, Ideenkapital AG, RA Klumpe Schroe-der & Partner, UBS Real Estate KAG
sowie den Partnern von der
"Der Fondsbrief"
.
Nr.: 178
44. KW / 31.10.2008Kostenlos per E-Mail
ISSN 1860-6369
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
Werner Rohmert, Herausgeber
 
 Nr. 178, 44. KW, 31.10.2008, Seite 2 von 25
Nachgedacht! - Konsequenzen der non recourse Finanzie- rung von Banken immer noch nicht verstanden 
Werner Rohmert, Herausgeber „Der Immobilienbrief“Immobilienspezialist „Der Platow Brief“
Gespräche auf der Expo Real machten deutlich, dass die Crux der non recourse Fi-nanzierung immer noch nicht realisiert ist. Die meisten Banker halten non recourseFinanzierung, eine Finanzierung ohne direkte Haftung des Kreditnehmers, die aus-schließlich auf der Objektbonität aufgebaut ist, immer noch für eine innovative US-Idee. Da ergibt sich wohl ein kindlicher Bedarf nach eigenen Erfahrungen, die ich sel-ber in Zusammenhang mit dem
DAL
-Desaster 1983 sammeln durfte.
Non recourse Finanzierung hat Preis-, Risiko- und Verhaltenswirkungen.
 Preiswirkungen ergeben sich daraus, dass bei der Preisfindung der negative Aspektder wahrscheinlichen Verläufe abgeschnitten ist. Damit ist allein schon mathematischein höherer Preis möglich. Einfach formuliert:
Kein vernünftiger Mensch würdeInvestitionen tätigen bzw. Preise zahlen, die nur gut gehen können, wenn allepositiven Annahmen eintreffen.
 
Non recourse macht’s möglich!
Unser Vertrauenauf die Bodenhaftung von Banken, die sich auch im Boom über die Kreditprüfungzur Abstinenz hätten entscheiden können, ist derzeit nicht groß. Da schlummernnoch viele Milliarden Bankrisiken, die in den Konjunkturbetrachtungen noch gar nicht angekommen sind.
Gleichzeitig reduziert non recourse für den „Investor“ das Investment und dieaus formalen Gründen notwendige „due diligence“ auf den Abgleich von Zah-lungsströmen
und wird so bei minimalen positiven Überschüssen durchführbar. Risi-ken spielen keine Rolle mehr, so dass lepröse Wohnungsportfolios in demographi-scher Diaspora zu Investmentrennern wurden.
„Nicht reingucken, dealen!“
war dieDevise, die alle Beteiligten zur Maxime erkoren. „Due Diligence“ nannte man dasneudeutsch und hielt Vorträge über die besondere Qualität der Prüfung und dasKnow how, in kurzer Zeit große Portfolien zu bewerten. Über die Bewertung des Im-mobilienvermögens in den neuen Bundesländern bei der Strategieentwicklung für die
TLG
, bei der 
Telekom
-Immobilienbewertung und einigen anderen Großprojekten inden 90ern durfte ich „wertvolle Erfahrungen sammeln“, von denen ich Ihnen mitSchmunzeln schon mit Bezug auf aktuelle Portfoliobewertungen schon berichtete.
Übrigens:
Die Bindung von non recourse finanzierten Private-Equity-Unternehmenan ihre Unternehmensbeteiligungen, die entweder nicht wie geplant in der Krise funk-tionieren werden oder bei denen das Eigenkapital längst in Form von Unternehmens-krediten an die Private-Equity-Gesellschaft zurückgezahlt worden ist, ist im Übrigenauch überschaubar. Diese Unternehmen in die Pleite gehen zu lassen, wäre gleich-falls unverantwortlich. Hier werden sich manche Banken nach ihren Kreditvorgabe-richtlinien fragen lassen müssen.
Der einzige, der bei non recourse Finanzierungen eine tatsächliche Immobilien-investition durchführt, ist die Bank
und die ist traditionell doch nicht so gut auf Im-mobilien spezialisiert, wie sie selbst annimmt. Der Ausweg des Bankensystems lagdarin, die Risiken über Verbriefung auf noch Ahnungslosere zu übertragen. Dass diesdazu führte, dass Akteure manchmal derselben Banken an anderer Stelle, diese Risi-ken spekulativ und durch Strukturierung verteuert, gebündelt, durch US-Risiken er-gänzt und hoch geleveraged wieder zurückkauften, um an Zins- und Fristendifferen-zen schnelles Geld zu verdienen, war vielleicht nicht bedacht worden.
Es ist aberevident, dass Risiken durch Strukturierung nicht verschwinden, sondern nurverteuert und verlagert werden können. (Vgl. Artikel „Strukturierte Finanzierung – Die Wurzel allen Übels?“, Eberhard S. ?)
Bonn:
 
Andrea Wöge
(42),zuletzt glücklos in der Leich-nitz-Ära für IVG-Kommuni-kation zuständig, verlässt die
IVG
. Der „Er-folg“ der Wö-ge-Strategie, unter Umge-hung der Fachpresse sichannähernd ausschließlich auf die Aktienanalysten zu fo-kussieren, lässt sich am IVG-Kurs-verlauf ablesen. OhneFachpresse haben Aktienana-lysten weniger Vertrauen indas schwer beurteilbare Im-mobiliengeschäft. Die IVGwurde trotz Historie, Größeund qualifiziertem Bestandvon der Börse stärker abge-straft als viele Story-Ballonsdes Booms. In der Zusam-menarbeit mit der Fachpressewollte sich Wöge auf wenige„große Stories“ O-Ton be-schränken. Unterdessen ist
Dr. Gerhard Niesslein
(55)zum Sprecher des Unterneh-mens ernannt worden. Vor-her war Niesslein bei
De-TeImmobilien
. (siehe auchRies-Artikel
„IVG - Vertrau-en auf dem Nullpunkt“)
München:
Aufsichtsrat undVorstand der 
Hypo RealEstate
haben weitere Maß-nahmen zur Neuordnung der Führungsstruktur des Unter-nehmens beschlossen.
CyrilDunne
, bisher COO und seitSeptember 2008 zusätzlichCEO der 
DEPFA Bank plc
,wird sich künftig vollständigauf die Rolle des CEO der DEPFA Bank konzentrieren.
Frank Krings
(36) ist mitsofortiger Wirkung vom Auf-sichtsrat in den Vorstand der Hypo Real Estate bestelltworden und übernimmt diePosition des CEO.
 Personalien
Auffahrt zu „Haus Aussel“, Radaktionssitz
 
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