Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Save to My Library
Look up keyword
Like this
1Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
Sensationelle Erkenntnisse

Sensationelle Erkenntnisse

Ratings: (0)|Views: 29 |Likes:
Published by Erik Van Goor

More info:

Published by: Erik Van Goor on Oct 16, 2012
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as TXT, PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

01/23/2013

pdf

text

original

 
SensationelleErkenntnissezumVerhältnisdesgriechischengegenüberdemhebräischenTextdesAltenTestamentsMußderchristlich-jüdischeDialogaufeineneueBasisgestelltwerden?VorvielenJahrendurfteichaufEinladungeinerBonnerStudentenverbindunganeinemDiskussionsabendteilnehmen,beidemderjüdischeGelehrteProf.PinchasLapideseinebekanntenThesenvoneinemangeblichfalschenTextdesNeuenTestamentsvortrug:DieEvangelistenhättenhebräischbzw.aramäischgedacht,abergriechischgeschrieben,unddabeiseienihnenschwereFehlerinderfürsiefremdsprachlichenVersionunterlaufen.DieseThesevertritteru.a.inseinemBestseller„IstdieBibelrichtigübersetzt?“(jetztGütersloh2004);ineinerArtikelseriederKirchlichenUmschauhabeichmichimJahre2005mitdiesenFragenauseinandergesetzt.Dr.Heinz-LotharBarthDermittlerweileverstorbeneProfessorLapidehatsichohneZweifelineinerHinsichtgroßeVerdiensteumdieErforschungderWahrheiterworben:InseinembekanntenBuch„RomunddieJuden–PapstPiusXII.unddieJudenverfolgung“(2Ulm1997)verteidigteerdenrömischenPontifexgegendieimmerwiedererhobenen,vorallemvondemDramatikerRolfHochhuthindieWeltgesetztenVorwürfe,erhabeohneNotdenJudenseineUnterstützungversagt:Lapidekonntedokumentieren,daßderVielgescholtenemindestens700.000,wahrscheinlichsogar800.000JudendasLebengerettethatte(a.O.188);spätereArbeitenvertieftenunderweitertennochdiesePerspektiveeinesrömischenPontifex,derbisandenRanddessengegangenist,wasernachdenGesetzenderLiebeundderKlugheittunmußteundkonnte.1PinchasLapidesfalscherAnsatzDieexegetischeKompetenzdesProfessorserwiessichalswenigerglänzend.DennseineThesestellteinegeradezuklassische„petitioprincipii“dar.D.h.Lapidepostuliertebestimmteoriginale,hebräischebzw.aramäischeWorteJesuundversuchtevondortaus,denvorliegendengriechischenTextzuzensierenundihmFehlernachzuweisen.HiermitzusammenhängendlauteteseinezweiteThese,diegriechischeÜbertragungdesAltenTestamentsweicheinunzulässigerWeiseöftervonderhebräischenVorlageabundenthaltenichtwenigeMängel.DiesichandenVortraganschließendeDiskussiondrohteausdemRuderzulaufen,alsichmichzurVerteidigungderJungfräulichkeitMariensmitdemheiligenMatthäus(Mt1,23)aufdasAlteTestamentberief,woesinJes7,14heißt:„Seht,dieJungfrauwirdschwangersein(bzw.empfangen)undeinenSohngebären,undsie(oder:man;SeptuagintaundMt)wirdihmdenNamenEmmanuelgeben.“GläubigeKatholikenkennendieseStellesichergut,z.B.ausdenadventlichenRorate-Ämtern,wosieinderLesungbegegnet,sowieausderzweitenLesungvomQuatembermittwochinderAdventszeit.LapidebezichtigtemichderUnkenntnis:AnderJesaias-Stelleseivonkeiner„Jungfrau“(hebräisch:betulah),sonderneinfachvoneiner„jungenFrau“(hebräisch:almah)dieRede.Ichkonzedierteihm,daßmandenhebräischenTextsoverstehenkönne-inWahrheitmaginalmadurchausauchschoneinebiologischeKomponentemitschwingen,zumalesjaimselbenVersausdrücklichheißt,daßGottein„Zeichen“,spricheinWunderwirkt-,daßesindergriechischenVersiondesAltenTestaments,derSeptuaginta,aberausdrücklich„Jungfrau“(parthénos)undnicht„jungeFrau“(neânis)heiße.2Alsderriff„Septuaginta“fiel,wurdederProfessorgeradezuzornigundbestrittvehement,daßdasJudentumjedieseÜbersetzungalszuverlässigenTextderjüdischenBibelanerkannthabe.VielmehrseiderTag,andemderLegendenachjeneÜbertragungfertiggestelltwordensei,inderAntikeals„diesater“,alsTrauertagbegangenworden.Ichk
 
onterte,dasseieinespätereEntwicklunginAblehnungderChristengewesen,diesichjameistaufdengriechischenTextberufenhätten,ursprünglichhabemansogarauchinjüdischenKreisenverbreiteteinFreudenfestausDankbarkeitfürdieFertigstellungderSeptuagintagefeiert.3LeiderwarabdiesemAugenblickdieDiskussionvergiftet,derAbendwärebeinaheimEklatgeendet.Wasistdie„Septuaginta“?WiesehendennnundieFaktenaus?ZunächstsindsicherlichfürunsereLesereinigeBemerkungenzujenemgriechischenTextimUnterschiedzurhebräischenFassungdesAltenTestamentsangebracht.BenanntistdieSeptuaginta(lateinisch:70)nachjenen72(dieZahlwurdefürdenNamendesTextesabgerundet,aberauch70kommtdirektinderTraditionvor)jüdischenMännern,dieinZusammenwirkenmitdemägyptischenKönigPtolemaiosII.PhiladelphosMittedes3.vorchristlichenJahrhundertsinAlexandriadieÜbersetzungangefertigthabensollen.DieForschungderletztenJahrzehntehatentgegendemantikenAristeas-Brief,einerwichtigenQuelleaushellenistischerZeit(2.Jh.v.Chr.?)zurSeptuaginta,wahrscheinlichgemacht,daßdieInitiativezudiesemUnternehmenvonjüdischerSeiteselbstausging.4Allerdingsdürftederägyptisch-hellenistischeKönigirgendwiemitgewirkthaben;denndieserhattewohlauchselbstInteresseaneinersolchengriechischenFassungderjüdischenSchriften,wennersieinseinegroße,universaleBibliothekeingliedernwollte.5DieDiaspora-JudenbenötigtendamalsjedenfallsoffenbarmangelssoliderhebräischerSprachkenntnissejenegriechischeVersion.BesagteArbeitumfaßteoffenbarzunächsteinmalnurdenPentateuch,alsodiefünfBücherMose.AndereTeiledesAltenTestamentskamendann,teilweiseerheblichspäter,hinzu,wurdenabernacheinerbestimmtenhistoriographischenbzw.legendärenAusformungauchjenen70(bzw.72)Männernzugewiesen,sodaßsichderName„Septuaginta“fürdiegesamtegriechischeFassungdesAltenTestamentseingebürgerthat.6EinStrangderErzählungenüberdasZustandekommenjenergriechischenBibelberichtetnun,jederderÜbersetzerseiineineigenesHausgesetztwordenundallehättendannunabhängigvoneinanderdieselbeVersionvorgelegt,waseineindeutigesZeichenfürdiegöttlicheEingebungdesTexteswäre.AberdieAnnahmeübernatürlichenEinwirkensaufdieSeptuagintawarschoninderAntike,washeutegerneübersehenwird,nichtunbedingtvomGlaubenandieZuverlässigkeitjenerz.B.beiPhilogreifbarenLegendeabhängig,obgleicheinesolcheÜberzeugungdieLehrevonderInspirationzugegebenermaßenstarkförderte.7SotratOrigenesfürdenübernatürlichenEinflußaufdiegriechischeVersionein,lehnteaberdielegendenhaftenElementeihrerangeblichenEntstehungab.8DieJudenselbst,oderzumindesteinnichtunerheblicherTraditionsstrangbeiihnen,hattenursprünglichdiegriechischeFassungihrerBibelsogarfürinspiriertgehalten.NochzuPhilosZeitenwurdederTagderSeptuaginta-Übertragungfestlichbegangen.Späterwandelteman,wieschonerwähnt,jenesDatumjedochineinenFast–undBußtagum.ZutreffendhatAlfonsFürstdiedanngängigeAbneigunggegendieSeptuagintasobeschrieben:„DasJudentumhingegen,derSchöpferdiesesaufSpracheundDenkeninOrientundOkzidentungeheuereinflussreichenMonuments,distanziertesichinrabbinischerZeitzunehmenddavon;talmudischenGelehrtengaltdieÜbersetzungderToraindasGriechischealsebensoschlimmesUnglückwiedieHerstellungdesgoldenenKalbes,dennesseiunmöglich,dieToraangemessenzuübersetzen.“9Griechisch-hellenistischePrägungdesantikenJudentumsUnddochhattedieSeptuagintadieGrundlageeinergriechisch-jüdischenKulturgebildet,dievom3.Jh.vorbiszum2.Jh.nachChristuswährteundihrerseitsdenMutterbodenfürdasChristentumhergab.10JeneKulturbeschränktesichkeineswegsaufÄgyptenoderdassonstigeAusland,sondernauchdasjüdischeMutterlandwar,wievorallemSaulLiebermannundMartinHengelgezeigthaben,ingewissemMaßezweisprachig.11DieForschunggeradederjüngerenZeithatstarkeIndiziendafürbeibringenkönnen,daßGriechischzurZeitJesuinPalästinaebensowievondenJudenderDiasporaingroßemUmfangverwendetwurde.12Wiesolltemanessonsterklären,daßca.70%d
 
erGrabinschriftenJerusalemsausneutestamentlicherZeitingriechischerSpracheverfaßtsind?13DieserBefundillustriertdieAngabederApostelgeschichteüberjeneJudeninJerusalem,dievorwiegendodersogarausschließlichGriechischsprachen(sog.„Hellenistai”,Apg6,1;9,29).14GriechischwarihreSprachebeimGebrauchderHl.Schrift,GriechischverwendetensiesogarimGottesdienst.15EsgibtalsoimwesentlichennichtsimSinneAdolfvonHarnacksimChristentumzu„enthellenisieren“16,weilschließlichdiegöttlicheBotschaftdesNeuenBundesschonineineKulturhineingepflanztwurde,dieineinemgewissenUmfanggriechischgeprägtwar17,soweitsichdiesmitdemGlaubenandeneinenundwahrenGottvereinbarenließ.18NichtohneGrundistjenesGriechischjaauchdieSprachedesNeuenTestaments!LeiderführtegenaudieseTatsache,mitderauchdieVerwendungdesAltenTestamentsdurchdiefrühenChristeninderSprachederHellenenverbundenwar,aufjüdischerSeitezueinergroßenkulturellen(undreligiösen!)Verarmung.DerjüdischeGelehrteEmanuelTov,demmanbestimmtkeinegeistigeEngeundschongarkeinen„Antisemitismus“nachsagenkannunddersichintensivmitderErforschungderSeptuagintabeschäftigt,gibtdieseTatsachefrankundfreizu:„DerreguläreGebrauchvonG(=Septuaginta,H.-L.B.)durchdieChristenveranlasstedieJudendazu,sichvonihrzutrennenundneueÜbersetzungenzuinitiieren.“19DasJudentumgabdann,soweitesdenMessiasundGottessohnJesusnichtannahm,seitdem2.JahrhundertimmerstärkerseinegesamtegriechischeTraditionmehroderwenigerauf,alsobeispielsweiseauchAutorenwiePhilooderFlaviusJosephus.20SeitdemexistiertgegenüberjenemwichtigengriechischenTraditionsstrangeineAblehnunginnichtgeringenTeilendesJudentums.DasRessentimentkonnteimAltertumteilweisesoweitgehen,daßJudendasGriechischstudiumverbotenwurde.21DerMasoretentextdesAltenTestamentsWennmandentheologischenWertderSeptuagintarichtigeinschätzenmöchte,mußmanbedenken,daßaneinigenzentralenStellendermessianischeCharaktergegenüberderhebräischenVorlagedeutlicherist22–jedenfallsnachderForm,wiesieunsheutedurchdenjüdisch-masoretischenTextvomEndedes1.Jahrtausends(!)überliefertist.DerhebräischeText,wieerheutevorliegt(hinzukommenallerdingsfürmancheSchriftenv.a.dieQumran-Funde),heißtmasoretischerText,dasWortistabgeleitetvonmasoret(Überlieferung).DermasoretischeKanonderSchriftendesAltenTestamentsisterstabdem3./4.Jh.n.Chr.nachzuweisen.UrsprünglichwurdedasHebräischenurmitKonsonantengeschrieben.HierinliegteinepotentielleFehlerquelle,eskönnenfalscheVokaletradiertwordensein.Abdem5.Jh.n.Chr.entstanddannzurendgültigenSicherungderÜberlieferungeinTextmitPunktuations–undAkzentsystem(dieVorformderMasora);jeneHilfenwurdenetwazwischen780und930n.Chr.weiterausgebaut.DieältestenvollständigenmasoretischenBibelhandschriftenstammenerstausdem10./11.Jh.n.Chr.;essinddiesderLeningraderCodexausdemJahre1008/9,jetzt„Petropolitanus“genannt,undderCodexAleppo,geschrieben925.23DiegroßengriechischsprachigenHandschriftenfürdasAlteTestamentsindhingegenzwischen500und700Jahreälter.Essinddies:1)CodexVaticanusB(frühes4.Jh.)–2)CodexSinaiticus,auchfrühes4.Jh.(jetztgrößtenteilsimBritishMuseum)und3)CodexAlexandrinus(frühes5.Jh.,ebenfallsimBritishMuseum).24ZwarmüssenältereHandschriftennichtunbedingtdiebesserensein,nachdembekannten,vomitalienischenWilamowitz-SchülerGiorgioPasquali(1885-1925)inseinemBuch„Storiadellatradizioneecriticadeltesto“(Erstauflage1934)25aufgestelltenPrinzip,dasmeistsozitiertwird:„Recentioresnondeteriores“–„DiejüngerenHandschriftensindnichtdieschlechteren.“26BeidieserbesonderenTextgeschichtemußmanallerdingsdamitrechnen,daßsichFehler,aberauchbewußteVeränderungenindiehebräischenWörterundSätzeeingeschlichenhaben,vordenendergriechischeTextbewahrtwordenseinmag.27Andererseitsistnieauszuschließen,daßdiejüdischenÜbersetzerbeiderÜbertragunginsGriechischetrotzallerSprachkompetenz,dieihneninUrsprungs–undZielidiomdurchwegeigengewesenseindürfte,ausverschiedenenGründen,auchaufgrundvonMißverständnissen,vondemihnenvorliegendenhebräischenOriginalabgewichensind.28DaßdiegriechischeTextfassungübrigenseinensehraltenundwichtigenTextzeugendarstelltund,wennauchsichernichtdurchgängig,soaberdochpartielldemMasoretentextüberlegenseinkann,habenQumran-Textebewiesen.Diesgiltz.B.fürdiekürze

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->