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Sieben Thesen zum Leistungsschutzrecht: Eine Stellungnahme zum zweiten Referentenentwurf

Sieben Thesen zum Leistungsschutzrecht: Eine Stellungnahme zum zweiten Referentenentwurf

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von Till Kreutzer, iRights.info, 6.8.2012
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Sieben Thesen zum Leistungsschutzrecht:Eine Stellungnahme zum zweiten Referentenentwurf
von Till Kreutzer, iRights.info, 6.8.2012
1. Der neue Entwurf bringt Vorteile, lässt aber Fragen offen
Im Grundsatz ist es zu begrüßen, dass der Anwendungsbereich desLeistungsschutzrechts für Presseverleger (LSR) stark verengt und Journalisten undUnternehmen nun nicht mehr betroffen sein sollen. Ebenfalls zu begrüßen ist, dassdie Rechtsunsicherheit, zu der das LSR zumindest hinsichtlich der Nutzerdenitiongeführt hätte, verringert wurde.
Es ist dennoch darauf hinzuweisen, dass damit nicht alle Fragen hinsichtlich derLizenzpichtigen ausgeräumt sind. Der Begriff der Suchmaschinen ist nicht klardeniert und kann angesichts der dynamischen Entwicklung auf dem Gebiet derOnline-Informationsdienstleister auch nicht eindeutig deniert werden. Unklar istzum Beispiel, ob Aggregatoren wie Rivva, Google News oder ob Online-RSS-Readerbeziehungsweise moderne Varianten von News-Aggregatoren wie Flipboard„Suchmaschinen“ im Sinne des Entwurfs sind.
2. Presseverleger müssen vor Suchmaschinen nicht geschützt werden
Der neue Entwurf macht in aller Deutlichkeit klar, dass es für ein LSR – vor allemsoweit es sich gegen Suchmaschinenanbieter richtet – keine Rechtfertigung gibt. DerGesetzesentwurf wird damit begründet, dass Verleger einen Schutz vor derAusbeutung ihrer Leistungen benötigen, ähnlich eines Schutzes vor Raubdrucken.Dieser Schutz sei aber nur gegenüber Suchmaschinen erforderlich, weil derenGeschäftsmodell besonders darauf basiere, „auf die verlegerische Leistungzuzugreifen.
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Suchmaschinen übernehmen weder die Leistungen von Verlagen oder anderenContent-Anbietern im Internet. Erst recht beuten sie diese nicht aus. Sie sind vielmehrelementarer Bestandteil der Infrastruktur des Internets, indem sie die Informationen, dieim Netz vorhanden sind, strukturieren und aufndbar machen.
Suchmaschinen und Contentanbieter bilden eine Symbiose: Ohne Content-Anbieterwären Suchmaschinen überüssig, ohne Suchmaschinen wären Online-Angeboteinsgesamt nicht mehr nutzbar, da es unmöglich wäre, sie systematisch aufzunden.
Content-Anbieter und Suchmaschinen-Betreiber wirken freiwillig zusammen. DieSuchmaschinen indexieren Online-Inhalte „diskriminierungsfrei“ also ohne Rücksicht aufderen Inhalt, Anbieter oder Herkunft. Die Content-Provider sorgen wiederum dafür,dass ihre Inhalte möglichst gut indexiert und möglichst häug in Suchmaschinen zunden sind. Wollen sie dies verhindern, besteht die Möglichkeit, Webinhalte mittelseinfacher und allseits bekannter Kodierung für Suchmaschinen unaufndbar zu machen.Hiervon wird jedoch kein Gebrauch gemacht (schon gar nicht von kommerziellenAnbietern wie Presseverlagen), da erst über Suchmaschinen nennenswerte Reichweitenerreicht werden können, die wiederum wesentliche Grundlage für dasHauptgeschäftsmodell im Internet (Werbeeinnahmen) sind.
 Vor diesem Hintergrund ist es allgemein üblich, professionell erstellte Webseiten mittelsSuchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimisation – SEO) so zu programmieren,dass sie in Suchmaschinen besonders gut gefunden und gelistet werden. Darüberhinaus haben Webseitenbetreiber neben dem Opt-Out (Suchmaschinen aus)ausdifferenzierte Optionen, die Funktion der Suchdienste zu beeinussen. Durchentsprechende Webseitenprogrammierung ist es möglich, in den Suchergebnissen nureinen „nackten“ Link auf den jeweiligen Inhalt anzeigen zu lassen. Zudem kann mandafür sorgen, dass das Suchergebnis nur die Überschrift und/oder einen kurzenAnreißer (Snippet) enthält. Bei Google ist es möglich, die Suchergebnisse in derallgemeinen Suche anders erscheinen zu lassen (mit/ohne Snippets) als in GoogleNews. Die Einstellung kann sogar bei jedem einzelnen Artikel variiert werden.
Dies zeigt, dass Presseverleger die Leistungen von Suchmaschinen-Anbietern freiwillig,kostenlos und ausgiebig in Anspruch nehmen. Hiermit entfällt jegliche Rechtfertigungdafür, einem Marktteilnehmer (Presseverleger) Ansprüche gegen den anderenMarktteilnehmer (Suchmaschinenbetreiber) einzuräumen.
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3. Das Leistungsschutzrecht ist ein willrlicher und systemwidriger Eingriffin die Marktwirtschaft
Eine solche Regelung trifft willrliche Wertungen. Um nicht gegenGleichheitsgrundsätze zu verstoßen, müsste man im selben Zuge ein Recht inumgekehrter Richtung einführen. Mit der gleichen Begründung könnte auchKinobetreibern ein Recht eingeräumt werden, mit dem sie Taxifahrer verbieten können,Menschen zum Kino zu fahren und für eine Erlaubnis Entgelte zu verlangen. Da auch dieKinobetreibern von den Taxifahrern protieren, nnte man die Wertung ebenso gutumdrehen.
In einer Marktwirtschaft ist es keineswegs unerwünscht, „für die eigene Wertschöpfungauf die Leistung anderer „zuzugreifen“ (so die Entwurfsbegründung). Ebenso wenig istunerwünscht, dass ein Marktteilnehmer von einem anderen protiert, noch dazu, wenndie Vorteile wechselseitig sind.
Im Gegenteil: Dass Marktteilnehmer voneinander protieren, ist ein wesentliches Prinzipder Marktwirtschaft. Im Wettbewerb ist es notwendig, zulässig und gewünscht, auf denLeistungen anderer aufzubauen. Selbst die unmittelbare Leistungsübernahme einesMitbewerbers oder die Nachahmung eines Produkts ist nach dem Wettbewerbsrechtgenerell erlaubt, es sei denn, sie wäre unlauter. Dass im Verhältnis zwischen Verlag undSuchmaschinenbetreiber kein unlauteres Verhalten vorliegt, hat der Bundesgerichtshofbereits 2003 in der Paperboy-Entscheidung geklärt.
 Vor diesem Hintergrund entsprechen die Wertungen, die hinter dem Entwurf für ein LSRstehen, eher sozialistischen Vorstellungen von einer Staatswirtschaft. Mitmarktwirtschaftlichen Prinzipien ist er unvereinbar.
4.Das Leistungsschutzrecht schränkt die Informationsvielfalt ein
Das LSR hätte (wie jedes Immaterialgüterrecht) zur Folge, dass die Suchmaschinen-Betreiber Presseerzeugnisse bis auf weiteres aus den Suchindexen ausschließen oderhierauf nur noch in Form nackter Links hinweisen müssen. Ausschließlichkeitsrechtebedingen, dass der Nutzer vor jeder Nutzungshandlung eine Genehmigung einholt,also einen Lizenzvertrag schließt. Nutzungshandlungen ohne Genehmigung sindRechtsverletzungen.
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