Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Look up keyword
Like this
1Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
Adorno - Marginalen Theorie Praxis

Adorno - Marginalen Theorie Praxis

Ratings: (0)|Views: 14 |Likes:
Published by Ago Elg

More info:

Published by: Ago Elg on Nov 16, 2012
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as ODT, PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

11/16/2012

pdf

text

original

 
Theodor W. Adorno
Marginalien zu Theorie undPraxis
1
Wie sehr die Frage nach Theorie und Praxis abhängt von der nachSubjekt und Objekt, tut eine einfache historische Besinnung dar.Zur selben Zeit, da die Cartesianische Zweisubstanzenlehre dieDichotomie von Subjekt und Objekt ratifizierte, wurde in derDichtung Praxis erstmals als fragwürdig wegen ihrer Spannung zurReflexion dargestellt. Die reine praktische Vernunft ist bei allemeifrigen Realismus so objektlos wie die Welt, für Manufaktur undIndustrie, zum qualitätslosen Material der Bearbeitung wird, dieihrerseits nirgendwo anders als auf dem Markt sich legitimiert.Während Praxis verspricht, die Menschen aus ihremVerschlossensein in sich hinauszuhren, ist sie eh und jeverschlossen; darum sind die Praktischen unansprechbar, dieObjektbezogenheit von Praxis a priori unterhöhlt. Wohl ließe sich
 
fragen, ob nicht bis heute alle naturbeherrschende Praxis in ihrerIndifferenz gegens Objekt Scheinpraxis sei. Ihren Scheincharaktererbt sie fort auch an all die Aktionen, die den alten gewalttätigenGestus von Praxis ungebrochen übernehmen. Man hat demamerikanischen Pragmatismus seit seiner Fhzeit mit Grundvorgeworfen, daß er, indem er zum Kriterium von Erkenntnis derenpraktische Verwertbarkeit erklärt, sie auf bestehende Verhältnissevereidige; nirgends sonst lasse der praktische Nutzeffekt derErkenntnis sich überprüfen. Wird aber am Ende Theorie, der es umsGanze geht, wenn sie nicht vergeblich sein soll, auf ihren Nutzeffekt jetzt und hier festgenagelt, so widerfährt ihr dasselbe, trotz desGlaubens, sie entrinne der Systemimmanenz. Dieser entwände Theorie sich allein, wo sie die gleichviel wie modifiziertepragmatistische Fessel abstreifte. Daß alle Theorie grau sei, läßtGoethe Mephistopheles dem Schüler predigen, den er an der Naseherumführt; der Satz war Ideologie schon am ersten Tag, Betrugdarüber, wie wenig grün des Lebens Baum ist, den die Praktikergepflanzt haben, und den der Teufel im gleichen Atemzug mit demMetall Gold vergleicht; das Grau der Theorie seinerseits ist Funktiondes entqualifizierten Lebens. Nichts soll sein, was nicht sichanpacken läßt; nicht der Gedanke. Das auf sich selbstzuckgeworfene, durch einen Abgrund von seinem Anderengetrennte Subjekt sei unhig zur Tat. Hamlet ist ebenso dieUrgeschichte des Individuums in dessen subjektiver Reflexion wiedas Drama des im Handeln durch jene Reflexion Gelähmten. DieSelbstentäußerung des Individuums zu dem, was ihm nicht gleicht,
 
spürt es als ihm unangemessen und wird gehemmt, sie zuvollbringen. Wenig später schon beschreibt der Roman, wie es auf  jene Situation reagiert, die durch das Wort Entfremdung falschbenannt ist - so als re im vorindividuellen Zeitalter hegewesen, die doch anders als von Individuierten schwerlichempfunden werden kann: die Tiere sind nach Borchardts Wort»einsame Gemeinde« -; mit Pseudo-Aktivität. Die Narrheiten desDon Quixote sind Versuche der Kompensation fürs entgleisendeAndere, nach psychiatrischer Sprache Restitutionsphänomene. Wasseitdem als Problem der Praxis gilt und heute abermals sichzuspitzt zur Frage nach dem Verhältnis von Praxis und Theorie,koinzidiert mit dem Erfahrungsverlust, den die Rationalität desImmergleichen verursacht. Wo Erfahrung versperrt oder überhauptnicht mehr ist, wird Praxis bescdigt und deshalb ersehnt,verzerrt, verzweifelt überwertet. So ist, was das Problem der Praxishet, mit dem der Erkenntnis verflochten. Die abstrakteSubjektivität, in der der Rationalisierungsprozeß terminiert, kannstrengen Sinnes so wenig irgend etwas tun, wie vomtranszendentalen Subjekt vorzustellen ist, was gerade ihmattestiert wird, Spontaneität. Seit der Cartesianischen Doktrin vonder zweifelsfreien Gewißheit des Subjekts - und die Philosophie, diesie beschrieb, kodifizierte ein geschichtlich Vollzogenes, eineKonstellation von Subjekt und Objekt, in der, dem antiken Toposzufolge, nur Ungleiches Ungleiches soll erkennen können - nimmtPraxis etwas Scheinhaftes an, so als trüge sie nicht über denGraben hinüber. Worte wie Betriebsamkeit und Geschäftigkeit

You're Reading a Free Preview

Download
scribd
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->