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Das Mobilfunk-Risiko aus ärztlicher Sicht --- Prof. Dr. Dr. Kappos, BÄK -
Ärzteinitiative Bamberger AppellBamberg, den 10.01.09Dr. med. C. Waldmann-SelsamKarl-May-Str. 4896049 Bamberg, Tel. 0951-12300Mail:peter.selsam@t-online.de
 
An alle Ärztinnen und Ärztein den Bayerischen Gesundheitsämtern
 
Das Mobilfunk-Risiko aus ärztlicher Sicht - Prof. Dr. Dr. Kappos, BÄKBitte um Aufklärung der Öffentlichkeit über Vorsichtsmaßnahmen
 
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
 
ein aktueller Artikel von Prof. Dr. Dr. A. Kappos, Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses fürGesundheit und Umwelt der Bundesärztekammer, mit dem Titel „Das Mobilfunk-Risiko ausärztlicher Sicht" in der Zeitschrift Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 3, 17. Jg.,Dezember 2008, erscheint uns sehr wichtig für die Gesundheit der Bevölkerung. Daher möchtenwir Ihnen Auszüge hieraus zugängig machen.
 
Auszug:
 
2- Würdigung der Ergebnisse des DMF
S. 31: Wie auch die bewertende Stellungnahme der Strahlenschutzkommission aufführt, bestehenallerdings nach wie vor Wissenslücken und damit weiterer Forschungsbedarf. Insbe-sondere dieFrage nach möglichen athermischen Wechselwirkungsmodellen, die Frage nach individuellspezifischer Elektrosensibilität bestimmter Personen oder Personengruppen und die Möglichkeitvon Langzeitwirkungen ist weitgehend ungeklärt.
Die Ergebnisse des DMF können somit nichtals Beleg für die Nichtexistenz athermischer Wirkungen der elektro-magnetischen Felderinterpretiert werden.
Seit der Beobachtung des sogenannten „Radiowellen-Syndrom" durch ErwinSchliephake 1932 (Schliephake 1932) wurde, wie oben angedeutet, eine große Zahl von Arbeitenpubliziert, die funktionelle Gesundheitsstörungen im Zusammenhang mit der Exposition durchhochfrequente elektromagnetische Strahlung beschreiben.
Ebenso existieren plausiblepathophysiologische Erklärungsmodelle nicht-thermischer Wirkungen auf die komplexenRegulationsmechanismen des menschlichen Organismus. Diese sind nicht ohne Weiteres vonder Hand zu weisen.
Eine umfangreiche Zusammenstellung aus alternativmedizinischer Sichtfindet sich z.B. bei Hecht (2008).
 
3- Der präventionsmedizinische Aspekt
Der erste Aspekt ist der der Prävention. Er betrifft die ärztliche Verpflichtung, Leben undGesundheit des Menschen zu schützen und eine hohe Lebensqualität zu gewährleisten. In
 
Anbetracht der vielen noch offenen wissenschaftlichen Fragen bezüglich der gesundheitlichenBedeutung einer möglicherweise lebenslangen Exposition mit hochfrequenten elektro-magnetischenStrahlen kann der Arzt nur zur Vorsicht mahnen.
Ärztlicherseits ist zu fordern: Bevor dieUnbedenklichkeit der lebenslangen Exposition nicht evident ist, sind alle technischen undorganisatorischen Möglichkeiten zu nutzen, um die Emission elektromagnetischer Strahlenim Umfeld des Menschen zu minimieren. Mit anderen Worten ist zu fordern, dass Mobil- undDECT-Telefone sowie drahtlose Computer-einrichtungen möglichst strahlenarm arbeiten undmit Vorrichtungen versehen sind, die sie automatisch abschalten, wenn sie nicht in Gebrauchsind.
...
Kinder und Jugendliche sind besonders zu schützen.
 
4- Das Phänomen der Elektrosensibilität
S. 32: Der zweite Aspekt der ärztlichen Beschäftigung mit gesundheitlichen Wirkungenelektromagnetischer Strahlung ist der klinisch-kurative.
Er betrifft die Verpflichtung des Arztes,Kranken ihr Leiden zu mildern und nach bestem Wissen alles zu tun, um Ge-sundheit undLebensqualität wiederherzustellen....Die für die Beschwerden als Ursache angesehene elektromagnetische Strahlung ist dabeimeist in einem Dosisbereich weit unterhalb der behördlicherseits vorgegebenen Grenzwerte.
 
5- Eine Fallbeschreibung
S. 33: Als Beispiel für das Phänomen der Elektrosensibilität sei der Fall einer Ärztin berichtet, dieselbst Betroffene ist. Diese Ärztin schildert ihren Leidensweg wie folgt:
 
Anfang September 2004 traten zunächst nur kurzzeitige (wenige Minuten andauernde) „Anfälle" mitUnwohlsein, Angstgefühl, Schwindel, Konzentrationsstörung und dem Gefühl, die Umgebung, „wie durcheinen Nebel" zu sehen, auf. Erstmals kam es zu nächtlichem Aufwachen mit dem oben be-schriebenenBeschwerdebild. Auch wurde ein erhöhter Blutdruck gemessen (150/90 mmHg), der früher nicht bekanntwar. In den folgenden Wochen kam Kollapsneigung, Druckgefühl über dem Brustkorb, Schmerzen vomRücken in die linke Brustseite ausstrahlend und Herzrasen hinzu. Der Blutdruck nahm weiter zu (bis 180/110mmHg). Zusätzlich traten in der Folgezeit Übelkeit, Durch-fälle und Muskelzittern wie bei Schüttelfrost auf.Alle in diesem Kontext denkbaren und bei der Patientin durchgeführten internistischen Untersuchungenwaren ohne pathologischen Befund. Am 3.10.04 kam es zur Notfallaufnahme im örtlichen Krankenhaus. Eswurde der Verdacht auf ein Phäo-chromocytom geäußert. hrend des stationären Aufenthalts zurAbklärung dieses Verdachts besserten sich die Symptome, traten aber nach Rückkehr in das eigene Hausprompt wieder auf. Ende November waren die Beschwerden so stark, dass innerhalb mehrerer Nächtehintereinander lediglich für zwei bis drei Stunden geschlafen werden konnte. Meist war dies nur in einem derKinderzimmer möglich, das in einem anderen Stockwerk des Hauses lag. Bei längerer Abwesenheit von zuHause kam es dagegen immer zu deutlicher Besserung. Anfang Dezember begannen jedoch die Schlaf-störungen immer massivere Ausmaße anzunehmen; „(…) diese veranlassten mich zum Aufsuchen derNeurologin und des Psychotherapeuten. Da ich nicht an eine Depression als Ursache der Beschwerdenglaubte, scheute ich mich davor, mit (einer antidepressiven) Medikation zu beginnen. Im Gespräch mit demPsychotherapeuten wurde mir der psychosomatische Ansatz im Verständnis des Hochdrucks dargelegt.Mögliche Ursachen aus psychischer Sicht für das beschriebene Krankheitsbild aus meiner familiären undberuflichen Situation wurden beleuchtet und zumindest eine Mitverursachung nicht ausgeschlossen. Ichbegann über eine psychotherapeutische Behandlung nachzudenken."Ende Januar 2005 erfährt die Betroffene, eher zufällig, von den Strahlenexpositionen, die von DECT-Telefonen ausgehen sollen. Vom Ehemann daraufhin veranlasste Messungen am Schlafplatz ergaben 400
µ
W/m², nach Ausschalten des Basisgeräts 10
µ
W/m². Das DECT-Telefon war im Hause der Betroffenen seitSommer 2003 in Betrieb. Die Betroffene dazu: „Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich vor meinereigenen Krankheitsgeschichte es für eher unwahrscheinlich hielt, dass überhaupt eine gesundheitlicheGefährdung von Hochfrequenzstrahlung – in Form von Handys und Sende-masten – ausgehen kann. DassSchnurlostelefone nach dem DECT-Standard auf der gleichen Technik beruhen, wusste ich nicht (hatte mirauch nie besonders Gedanken um derartige Dinge gemacht). Als mein Mann mir vorschlug, in dieserHinsicht unseren Schlafplatz untersuchen zu lassen, habe ich mir nicht viel Hoffnung gemacht, dass dies eineLösung meines gesundheitlichen Problems bringen würde, denn ich hatte schon so viele Ansätze verfolgt, die
 
alle keine Besserung gebracht hatten. Noch zu dem Zeitpunkt war meine Einstellung: ‚Schaden kann es janicht, man darf nichts unversucht lassen.' Ich war letztendlich auch sehr verzweifelt!" Als sich dieSymptomatik nach Umstellung der Basisstation des DECT-Telefons besserte, entschließt sich die Familiestatt der DECT-Anlage wieder ein „Schnurtelefon" zu installieren. „Nach einer Woche sistieren dieDurchfälle. Zwei Wochen nach der Umstellung schlafe ich erstmals nachts mit nur kurzen Unterbrechungen.Der Blutdruck lässt sich besser kontrollieren, nach 3 Wochen reduziere ich erstmals die antihypertensiveDosis. Im März schlafe ich erstmals ohne nächtliches Aufwachen. Seitdem bin ich beschwerdefrei. Ich messemehrmals wöchentlich den Blutdruck, der nur selten Werte um 140/80 erreicht."
 
Naturkundlich ausgerichtete Ärzte, vor allem in Süddeutschland, sammeln und publizieren seiteinigen Jahren ähnliche Fälle elektrosensibler Patienten mit dem Ziel, Behörden und Industrie zubewegen, Maßnahmen zur Reduktion der elektromagnetischen Felder zu veran-lassen.
 
6- Studien zur Elektrosensibilität
S. 34
: Trotz des nicht unerheblichen Aufwands hat das DMF mit diesen Untersuch-ungenwenig dazu beigetragen, die Beurteilung eines Falles wie des oben geschilderten zuerleichtern.
...Die Diagnose einer somatoformen Funktionsstörung wie bei der Untersuchung von Dahmen führtebenfalls nicht weiter, da es sich dabei definitionsgemäß um ein psychiatrisches Krankheitsbildhandelt, bei dem die betroffenen Personen angeben, unter körperlichen Symptomen zu leiden, fürdie keine körperliche Ursache gefunden werden kann (Dahmen 2005).S. 35: Die Patienten werden dann eben mit der „Ausschlussdiagnose" somatoforme Störungabgespeist und quasi „psychiatrisiert". Soweit es sich um physikalisch messbare Symptome (wiez.B. die Blutdruckerhöhung bei der obigen Patientin) handelt, wären prinzipiell doppelt-blindangelegte Karenz-Expositionsversuche denkbar....
Es sind deshalb mehr sorgfältig kontrollierte wissenschaftliche Untersuchungen anbetroffenen Einzelpersonen erforderlich.
Dem Verfasser sind dabei durchaus die methodischenProbleme bewusst, die sich aus den unterschiedlichen zu untersuchenden Expositionsbedingungen,der Vielfalt der zu beobachtenden Endpunkte und den möglicherweise komplexen (nicht linearen?)Wirkungsbeziehungen und Latenzzeiten ergeben.
Aber abgesehen von dem wissenschaftlichenInteresse an Erkenntnis, haben klinisch tätige Ärzte das Problem, dass es sich bei denBetroffenen um schwer leidende Menschen handelt, denen therapeutisch geholfen werdenmuss.
 
Ende des Auszuges
 
Die im Fallbeispiel erwähnte Ärztin wurde wieder gesund nach Umstellung auf ein Kabeltelefon.Viele Menschen, auch Ärzte, leiden unter verschiedensten, unerklärlichen Symptomen und ziehen jedoch aufgrund fehlenden Wissens die glichkeit eines kausalen Zusammenhangs mitHochfrequenzexposition gar nicht in Erwägung. Daher unterlassen sie einen Therapieversuch mitExpositionskarenz.Wie viele Menschen könnten beschwerdefrei sein! Viele wissen gar nicht mehr, wie es ist, gesund,tatkräftig und fröhlich zu sein.
 
Im Sinne der gesundheitlichen Prävention bitten wir Sie daher, die ärztlichen Forderungen vonProf. Kappos zur Minimierung der Hochfrequenzbelastung in der Öffentlichkeit bekannt zumachen.Auch das Bayerische Landesamt für Umwelt empfiehlt Schnurlostelefone auszuwählen, derenBasisstation nur während eines Telefongespräches sendet (Zeitungsinterview mit Dr. ThomasHentschel vom 22.12.08). Dr. Hentschel selbst ist mit Kabeltelefon abgebildet!Im Anhang finden Sie zwei Fallbeispiele von Kindern, die durch DECT-Telefone erkrankt bzw.erheblich beeinträchtigt waren.
 

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