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Dies ist eine leicht korrigierte Fassung meiner Magisterarbeit, die ich am Institut für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt geschrieben habe. Wegen der Aktualität des Themas habe ich mich entschlossen, sie in voller Länge als PDF-Datei zu veröffentlichen.
Die Kombination zwischen politikwissenschaftlicher Untersuchung und dem Usul al fiqh zeigt mir im nachhinein, dass Mustafa Abdul Raziqs Ansicht richtig war, dass Usul al fiqh den Grundstein für die islamische politische Philosophie darstellt.
Diese Ansicht ist leider nie beachtet worden. In Wirklichkeit haben Muslime politische Philosophie nie richtig vorangetrieben, zum größten Teil deswegen, weil Freiheit des Denkens, der Forschung und der Meinungsäußerung sehr eingeschränkt sind.
Mostafa Abdul Raziq war der erste Professor für Islamische Philosophie an der Universität von Kairo und wurde 1937 emeritiert. 1944 hat er das Manuskript seiner Vorlesung in einem Buchformat mit dem Titel " Einleitung zu der Geschichte der islamischen Philosophie" herausgegeben, in dem er die Geschichte der praktischen Philosophie mit der Entwicklung des Usul al Fiqh erklärt hat. Mstafa Abdul Raziq ist der Bruder des Autors des Buches "System des Regierens im Islam" Aly Adul Rasiq. Darmstadt, 28. 01.2009
Vorwort der Arbeit
Ob die Einführung der Demokratie im Irak gelingt, bleibt abzuwarten. Ich gehe davon aus, dass dies nicht der Fall sein wird. Diese realistische oder pessimistische Sicht hat mehrere Gründe, vor allem, dass die Araber keine Demokraten sind. Wie sollten sie auch welche sein?
Sie haben die Demokratie so gut wie nie erlebt. Und in der kurzen Zeit, in der die Demokratie in manchen Ländern eingeführt wurde, war diese mit der Teilung und Kolonialisierung der arabischen Welt nach dem ersten Weltkrieg verbunden.
Die westlichen Demokratien entstanden nach Jahrhunderten langen Kämpfen und Konflikten in der europäischen Gesellschaften. Die Hauptkonfliktlinien waren die zwischen Staat und Kirche, zwischen Agrarwirtschaft und Industrie und schließlich zwischen Zentrum und Peripherie.
Im Islam gibt es keine Institution Kirche. Eine industrielle Revolution fand nicht statt. Die Gegensätze zwischen Zentren und Peripherien haben nicht zu vergleichbaren Konflikten, wie sie in Europa entstanden sind, geführt. Es konnte sich auch keine theoretische demokratische Idee entwickeln. Und die Praxis der Muslime war alles andere als demokratisch.
Grade diese politische Praxis macht aus der Einführung der Demokratie eine notwendige Bedingung für die Entwicklung der Muslime.
Eine Umwandlung zu demokratischen Systemen kann nur gelingen, wenn die Idee der Demokratie in der Kultur der Muslime, deren Hauptelement der Islam ist, eingebetet wird. Dies wirft die Frage auf, ob die politische Macht im Islam überhaupt demokratisiert werden kann. Diejenigen, die fest davon überzeugt sind, dass die Macht im Islam nicht demokratisiert werden kann (und darf), sind eine so große Mehrzahl, dass einem nichts anderes übrig bleibt, als sie mit der Frage zu konfrontieren: Warum nicht?
Erstens sieht der Islam an sich keine bestimmte Form des Regierens vor. Er hat die Frage der Organisation von Machtausübung völlig offen gelassen.
Zweitens ist die politische Praxis im Frühislam in Bezug auf Machtausübung nicht verbindlich für alle nachfolgenden Generationen.
Drittens gibt es gute Gründ dafür, die traditionelle Organisation von Machtausübung in Frage zu stellen.
Und schließlich fördert der Islam dazu auf, Prinzipien der Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit zu praktizieren, und nicht zu letzt macht er das Praktizieren der Schura zur Pflicht.
Schura bedeutet Beratung und Beschlussfassung. Dies regt den Gedanken an, ob nicht die deliberative Demokratie geeignet wäre, die Macht im Islam zu demokratisieren, denn sie ist nach Habermas eine Prozedur der Beratung und Beschlussfassung.
Die Antwort auf diese Frage ist das, was in dieser Arbeit angestrebt wird
164 Pages
Date Added |
01/30/2009 |
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