Internetversion 1.3Wolfram Pfreundschuh
Gibt es einen "Kampf der Kulturen"?
Am 11. September 2001 hat eine ungeheuere Terrorattacke auf die USAdie Welt erschüttert. Der Rauch aus den Trümmern des World-Trade-Centers hatte sich noch nicht verzogen, da wurde schon von der gesamtenMedienwelt des Westens verbreitet, dass der Terroranschlag “uns allen”gelten sollte, unserer Lebensweise, unseren Lebenszielen, unserer Kultur.Die Erklärung für das Ereignis lagen längst parat, in den Schubladen derPressebüros, vorbereitet von den Kriegsstrategen und zielten auf eineglobale Antwort auf den Fall X, weil die Aktion Y eben längst fällig ist. Jetztist das Gefühl da, mit dem zur Tat geschritten werden kann: Wir sollenzerstört werden und müssen deshalb zerstören, was uns angreift. Das sindnicht einfach Terroristen. Es ist die fremde Kultur des Isalm schlechthin.Schon wieder mal fühlt sich das Abendland bedroht und rüstet zumKulturkampf. Wir kennen den Begriff ja schon aus den dreißiger Jahren(1).Immer wenn die Sache, um die es geht, im Dunkel bleiben soll, da wird dieSeele zur Sache: Die Gefühle, die Geisteskräfte, die Lebensweise, dasAussehen, die Art und Weise des Handelns und Reagierens. Und dann wirdauch alles gesammelt und zusammengefaßt, was dazu taugt, einemGegner den Anschein eines Monsters zu verleihen. Oft ist es dabei nichtmal wichtig, ob das Scheinbare auch wirklich dem Gegner zuzuordnen ist,denn der Angriff allein spricht für sich und ein angreifendes Monster sollalle Waffen und Bündnisse aktivieren, durch die es vernichtet werdenkann. Das bedrohte Ich braucht das böse Du und nutzt seineSelbstgerechtigkeit für einen Kampf, der nur noch ungeheuerliche Feinde,aber keinen Grund zu haben scheint.Die Vernichtung wird durch solche Rechtfertigung total und allseitig.Reaktion wird Aktion bis zum Ende. In einem solchen Moment sollte derVerstand einsetzen. Was oder wer ist bedroht? Was ist wirklich geschehenund was geschieht überhaupt? Die Kriege, die geführt werden, sind voller Terror. Ein Krieger zeigt sich nicht, wenn er schießt. Auch Hunger undZerstörung zeigen ihre Ursache nicht offensichtlich. Alle zwei Stundensterben mehr Menschen an Hunger, als durch den Terroranschlag auf dasWorld-Trade-Center umgekommen sind und es müsste kein Mensch Hungerleiden, wenn die Rüstungsausgaben zur Versorgung der Menschen und dieEntwicklung von Arbeitsstrukturen zur Verfügung stünden. Geld undKapital gibt es im Übermaß, aber es gehört nur ein paar wenigen, obwohles von vielen be- und erwirtschaftet wird.Ein Terroranschlag ist ein schlimmer Angriff, nicht nur für die unmittelbarbetroffenen Menschen. Aber ein solcher Angriff auf die Symbole der US-Wirtschaftsmacht zeigt doch auch, worum es geht. Und das war wohl der Treffer. Die Reihen waren schneller geschlossen als der Verstand. Und wasformuliert wurde, spricht für sich: Ein Angriff auf das Zentrum desWelthandels und des amerikanischen Militärs gilt als ein Angriff auf unsereKultur! Der ist nicht einfach ein Verbrechen oder eine grausame Attacke,
Leave a Comment