Nr. 80, 02. KW, 09.01.2009, Seite 2
Hamburg Trust
Kommando zurück I
Drei Monate nach Vertriebs-start hat
Hamburg Trust
den Vertrieb seines Austra-lien-Fonds „Shopping Editi-on“ eingestellt. Grund sei, nawas wohl, die „extreme Zu-rückhaltung der Anleger in-folge der weltweiten Finanz-marktkrise“, so das Emissi-onshaus. Für Hamburg Trustkein ganz billiges Vergnü-gen. Die Anleger kommenunbeschadet aus der Sacheheraus, und die Vermittler dürfen ihre Provision behal-ten. Das lässt den Schluss zu,dass sich nicht allzu vieleInvestoren für den Fondsentschieden haben. DieRückabwicklung zeichnetesich ab. Im Verkaufsprospektsteht ein Passus, nachdemHamburg-Trust-Haupt-gesellschafter und gleichzei-tig Verkäufer des DandenongPlaza bei Melbourne, dasaustralische Unternehmen
GPT Group,
die Notbremseziehen kann, sollte bis MitteDezember 2008 nicht ein bestimmter Teil Eigenkapitaleingesammelt sein. Vorgese-hen war, insgesamt rund 160Millionen Dollar bei privatenAnlegern zu akquirieren. Dasentspricht rund 100 Millio-nen Euro.
Fonds gestoppt.
Das DandenongPlaza bei Melbourne.
Fonds-Check
Schatten-Existenz in der Nähe von Wal Mart
BVT setzt bei US-Fonds auf Zugkraft des weltweit größten Einzelhändlers
Beteiligungen an US-Immobilien kommen bei Anbietern und Vertrieben geschlosse-ner Fonds schlecht weg. Sie erwarten im ohnehin aktuell schwierigen Geschäft keinegesteigerte Nachfrage bei potenziellen Anlegern. Das war ein Ergebnis einer
Feri
-Umfrage unter Branchenteilnehmern Ende des vergangenen Jahres. Mit besonderenKonzepten können US-Fonds dennoch lohnen. Initiator
BVT
aus München setzt beiseinem Angebot auf die Zugkraft des Supermarkt-Riesen
Wal Mart
. Der Fonds
„Retail USA Portfolio Fund“
finanziert ein Portfolio aus mehr als 30 Einzelhandels-Objekten im Schatten des Konsum-Giganten verteilt auf 14 Staaten der USA.
Objekte:
Der Verkaufsprospekt spart nicht mit beeindruckenden Zahlen. Täglich kau-fen 15 Millionen Amerikaner bei Wal Mart ein. Seit 1988 wurde kein einziger der mehrals 2.500 Märkte wieder geschlossen. Mit mehr als zwei Millionen Angestellten istWal Mart der größte Arbeitgeber derWelt. Alles imposante Aussagen, abersie betreffen den Fonds nur am Rande.Denn Investoren beteiligen sich ab15.000 Dollar plus fünf Prozent Agionicht an den Wal-Märkten, sondern anGeschäften in deren Schatten. „ShadowAnchored Center“ heißen diese Immobi-lien daher auch im Fachjargon. Gemeintsind Geschäfte in unmittelbarer Nähevon Anchor-Mieter Wal Mart. Der Fondsspekuliert darauf, dass Besucher desSupermarktes einige Meter weiter Sa-chen einkaufen, die sie dort nichtbekommen.
Bei Wal Mart
kaufen täglich 15 Millionen Amis ein.
Mieter:
Typische Nutzer der Schatten-Geschäfte sind landesweite Ketten wie derBilligheimer
Dollar Tree
, der Schuhladen
Payless
und der Computerspiel-Laden
Ga-me-Stop.
Der BVT-Fonds finanziert ein Portfolio aus 34 Supercentern mit 310 Miet-einheiten. Die Vermietungsquote liegt bei 94 Prozent, wobei manche Center komplettausgebucht sind, andere dagegen zu einem Drittel leer stehen. Keine Angaben fin-den sich über die restlichen Laufzeiten der Mietverträge. Auf Nachfrage nennt BVT imSchnitt rund fünf Jahre. Der Fonds hat rund 13 Jahresmieten bei Einnahmen vonknapp 9,5 Millionen Dollar für die vergleichsweise jungen Objekte gezahlt. Drei Viertelder Immobilien sind erst drei Jahre alt. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass sie imZuge der allgemeinen Krise inzwischen günstiger zu bekommen wären.
Kalkulation:
Die Gesamtinvestition summiert sich auf knapp 136 Millionen Dollar.Rund drei Viertel davon finanziert der Fonds über Fremdkapital. Das ist vergleichs-weise viel. Die Zinsen sind für den Löwenanteil der Kredite mit 5,86 Prozent bis März2016 festgeschrieben. Bei der Tilgung spart der Fonds. Sie beginnt erst 2011 mitrund einem Prozent. Anleger sind inklusive Agio mit insgesamt 36 Millionen Dollardabei. Der US-Partner
Schostak
schießt 3,4 Millionen Dollar zu. Es wird im Prospektals „eines der größten und am breitesten gefächerten Unternehmen für US-Immobilien im US-Staat Michigan“ vorgestellt. Schostak verwaltet die Fondsobjekte.
Prognose:
Deutschen Zeichnern sollen nach Abzug aller Kosten jährliche Ausschüt-tungen von sieben Prozent bleiben, die auf acht Prozent steigen. Inklusive des kalku-lierten Verkaufserlöses rechnet BVT über die Laufzeit von zehn Jahren mit einemGesamtrückfluss vor Steuern in Höhe von 242 Prozent. Nach Steuern verdoppelnAnleger mit 208 Prozent ihren Einsatz ungefähr. Dabei geht der Initiator davon aus,dass er die Immobilien zum 12,5-fachen der späteren Jahresmiete verkaufen kann.
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