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 Nr. 80, 02. KW, 09.01.2009, Seite 1
Meiner Meinung nach…
Ein frohes neues Jahr allen Lesern des Fondsbriefs! Mit den Knallern und Raketender Silvesternacht ist der Startschuss gefallen. Nachdem spätestens im Oktober ver-gangenen Jahres die Mehrzahl der Initiatoren und Vertriebe in unfreiwilligen, vorzeiti-gen Winterschlaf verfielen, soll 2009 alles besser werden. Alle Hoffnungen ruhen aufden kommenden zwölf Monaten.Lohnt es sich, eine Prognose für 2009 zu geben? Ich glaube, dass sich die Weltwirt-schaft im Laufe des Jahres erholt, dass auch die Fondsbranche wieder Land sieht.Doch das wird nicht ohne schmerzhafte Einschnitte gelingen.
MPC
entlässt gerade55 Mitarbeiter und trifft Vorkehrungen, in diesem Jahr bereits ab 300 Millionen Eurovermitteltem Eigenkapital kostendeckend arbeiten zu können. Daher glaube ich auch,dass nicht jeder Fondsinitiator das Ende des Jahres erleben wird.Eines jedoch scheint klar: Wenn auch nicht die gesamte Branche sofort durchstartet,so wird es immer den einen oder anderen geben, der mit neuen Geschäftsfeldernseine Chancen nutzen wird.
Jamestown
zum Beispiel verstärkt seine Aktivitäten imBereich der Green Buildings.Steuerlich steht 2009 unter einem guten Stern. Das meint unser Fachmann RobertKracht. Er listet auf, wo geschlossene Fonds in diesem Jahr punkten können. An an-deren Stellen drückt die Steuerschraube. Beispiel dafür ist der Turbinen-Fonds von
LHI
. Noch rechnen die Steuergutachter dort hin und her, doch wahrscheinlich wirddie Rendite für Zeichner ab 2009 um 25 Prozent sinken.Das Steuerspar-Modell muss wieder her! Schreit schon wieder mancher. Fonds mithohen Verlustzuweisungen und laufenden Ausschüttungen braucht die Welt. Oderbesser, brauchen die Fondsvertriebe. Damit sie endlich wieder Steuervorteile zuteilenkönnen. Ein Vorschlag, den der
Verband Geschlossene Fonds
sofort in den Papier-korb versenkt hat. Glücklicherweise.Wer nachlesen will, was in der Vergangenheit aktuell war, findet archivierte Ausga-ben des Fondsbriefs, Fonds-Checks aus der
Financial Times Deutschland
, sonsti-ge Artikel und Video-Beiträge nun auch auf der Seite www.markusgotzi.de.
Nr. 80 02. KW/09.01.2009 ISSN 1860-6369 kostenlos per E-Mail
 Inhaltsverzeichnis
 
Editorial
1
Fonds-Check: BVT setztauf Schatten von Wal Mart
2
Hamburg Trust: Stoppfür Australien-Fonds
2
Dr. Ochl-Gruppe: Fonds-Premiere geplatzt
3
Fonds-Check: Steuerkeuletrifft LHI-Turbinen
4
Dilettantischer Vorstoß fürVerlustzuweisungsmodelle
7
Steuern: Frohe Botschaftenfür die Fondsbranche
10
Jamestown: Kölner kaufenGreen Street Properties
10
Zweitmarkt: Schiffskurseum 30 Prozent gesunken
12
Auf ein Wort: Erich Seegergeht optimistisch in 2009
14
Lloyd Fonds: 2008 endetmit roten Zahlen
14
Schiffsfonds: Anbietererwarten besseres Geschäft
15
Leistungsbilanz: HGACapital löst US-Probleme
16
Personalia
17
Recht einfach
18
Impressum
18
Viel Spaß beim Lesen
Markus Gotzi
ChefredakteurDer Fondsbrief
 
 Nr. 80, 02. KW, 09.01.2009, Seite 2
Hamburg Trust
 
Kommando zurück I
Drei Monate nach Vertriebs-start hat
Hamburg Trust
 den Vertrieb seines Austra-lien-Fonds „Shopping Editi-on“ eingestellt. Grund sei, nawas wohl, die „extreme Zu-rückhaltung der Anleger in-folge der weltweiten Finanz-marktkrise“, so das Emissi-onshaus. Für Hamburg Trustkein ganz billiges Vergnü-gen. Die Anleger kommenunbeschadet aus der Sacheheraus, und die Vermittler dürfen ihre Provision behal-ten. Das lässt den Schluss zu,dass sich nicht allzu vieleInvestoren für den Fondsentschieden haben. DieRückabwicklung zeichnetesich ab. Im Verkaufsprospektsteht ein Passus, nachdemHamburg-Trust-Haupt-gesellschafter und gleichzei-tig Verkäufer des DandenongPlaza bei Melbourne, dasaustralische Unternehmen
GPT Group,
die Notbremseziehen kann, sollte bis MitteDezember 2008 nicht ein bestimmter Teil Eigenkapitaleingesammelt sein. Vorgese-hen war, insgesamt rund 160Millionen Dollar bei privatenAnlegern zu akquirieren. Dasentspricht rund 100 Millio-nen Euro.
Fonds gestoppt.
Das DandenongPlaza bei Melbourne.
Fonds-Check 
Schatten-Existenz in der Nähe von Wal Mart
BVT setzt bei US-Fonds auf Zugkraft des weltweit größten Einzelhändlers
Beteiligungen an US-Immobilien kommen bei Anbietern und Vertrieben geschlosse-ner Fonds schlecht weg. Sie erwarten im ohnehin aktuell schwierigen Geschäft keinegesteigerte Nachfrage bei potenziellen Anlegern. Das war ein Ergebnis einer
Feri
-Umfrage unter Branchenteilnehmern Ende des vergangenen Jahres. Mit besonderenKonzepten können US-Fonds dennoch lohnen. Initiator
BVT
aus München setzt beiseinem Angebot auf die Zugkraft des Supermarkt-Riesen
Wal Mart
. Der Fonds
„Retail USA Portfolio Fund“
finanziert ein Portfolio aus mehr als 30 Einzelhandels-Objekten im Schatten des Konsum-Giganten verteilt auf 14 Staaten der USA.
Objekte:
Der Verkaufsprospekt spart nicht mit beeindruckenden Zahlen. Täglich kau-fen 15 Millionen Amerikaner bei Wal Mart ein. Seit 1988 wurde kein einziger der mehrals 2.500 Märkte wieder geschlossen. Mit mehr als zwei Millionen Angestellten istWal Mart der größte Arbeitgeber derWelt. Alles imposante Aussagen, abersie betreffen den Fonds nur am Rande.Denn Investoren beteiligen sich ab15.000 Dollar plus fünf Prozent Agionicht an den Wal-Märkten, sondern anGeschäften in deren Schatten. „ShadowAnchored Center“ heißen diese Immobi-lien daher auch im Fachjargon. Gemeintsind Geschäfte in unmittelbarer Nähevon Anchor-Mieter Wal Mart. Der Fondsspekuliert darauf, dass Besucher desSupermarktes einige Meter weiter Sa-chen einkaufen, die sie dort nichtbekommen.
Bei Wal Mart
kaufen täglich 15 Millionen Amis ein.
 
Mieter:
Typische Nutzer der Schatten-Geschäfte sind landesweite Ketten wie derBilligheimer
Dollar Tree
, der Schuhladen
Payless
und der Computerspiel-Laden
Ga-me-Stop.
Der BVT-Fonds finanziert ein Portfolio aus 34 Supercentern mit 310 Miet-einheiten. Die Vermietungsquote liegt bei 94 Prozent, wobei manche Center komplettausgebucht sind, andere dagegen zu einem Drittel leer stehen. Keine Angaben fin-den sich über die restlichen Laufzeiten der Mietverträge. Auf Nachfrage nennt BVT imSchnitt rund fünf Jahre. Der Fonds hat rund 13 Jahresmieten bei Einnahmen vonknapp 9,5 Millionen Dollar für die vergleichsweise jungen Objekte gezahlt. Drei Viertelder Immobilien sind erst drei Jahre alt. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass sie imZuge der allgemeinen Krise inzwischen günstiger zu bekommen wären.
Kalkulation:
Die Gesamtinvestition summiert sich auf knapp 136 Millionen Dollar.Rund drei Viertel davon finanziert der Fonds über Fremdkapital. Das ist vergleichs-weise viel. Die Zinsen sind für den Löwenanteil der Kredite mit 5,86 Prozent bis März2016 festgeschrieben. Bei der Tilgung spart der Fonds. Sie beginnt erst 2011 mitrund einem Prozent. Anleger sind inklusive Agio mit insgesamt 36 Millionen Dollardabei. Der US-Partner
Schostak
schießt 3,4 Millionen Dollar zu. Es wird im Prospektals „eines der größten und am breitesten gefächerten Unternehmen für US-Immobilien im US-Staat Michigan“ vorgestellt. Schostak verwaltet die Fondsobjekte.
Prognose:
Deutschen Zeichnern sollen nach Abzug aller Kosten jährliche Ausschüt-tungen von sieben Prozent bleiben, die auf acht Prozent steigen. Inklusive des kalku-lierten Verkaufserlöses rechnet BVT über die Laufzeit von zehn Jahren mit einemGesamtrückfluss vor Steuern in Höhe von 242 Prozent. Nach Steuern verdoppelnAnleger mit 208 Prozent ihren Einsatz ungefähr. Dabei geht der Initiator davon aus,dass er die Immobilien zum 12,5-fachen der späteren Jahresmiete verkaufen kann.
 
 Nr. 80, 02. KW, 09.01.2009, Seite 3
Dr. Ochl Holding
 
Kommando zurück II
Ohne einen einzigen Anteilzu vertreiben, hat die
Dr.Ochl Holding
ihren erstenPublikumsfonds „
Wohn-immobilienfonds Deutsch-land I“
gestoppt. Grund istdie Insolvenz von zwei Be-teiligungen des Unterneh-mens:
Dr
.
Ochl Sales Mana-gement
und
Dr. Ochl AssetManagement
. Grund für dieInsolvenz seien unterschied-liche Auffassungen der Ge-sellschafter hinsichtlich der strategischen und operativenAusrichtung.
 
Die Einnahmen sollen über die Laufzeit um 25 Prozent steigen. Kann sein, muss abernicht. Aus den Einnahmen kassieren deutsche Anleger zunächst acht Prozent. Vonweiteren Gewinnen profitiert US-Partner Schostak überproportional.
Weiche Kosten:
Für Gebühren, Provisionen und sonstige Kosten zahlen Anleger gut14 Prozent ihres Einsatzes inklusive Agio bezogen auf das investierte Eigenkapital.Das ist nicht zu viel.
Anbieter:
BVT ist ein erfahrener Anbieter geschlossener Fonds mit breiter Angebots-palette. Nicht alles lief wie geplant, aber das darf auch niemand erwarten. Bislang hatdas Unternehmen alleine 77 US-Fonds platziert. Das gewichtete Ergebnis aller auf-gelösten Fonds liegt bei umgerechnet jährlich 11,7 Prozent vor Steuern.
Steuern:
Anleger können in den USA einen Freibetrag von aktuell 3.500 Dollar nut-zen. Wer keine anderen US-Fonds gezeichnet hat, kann bei diesem Angebot rund50.000 Dollar investieren, ohne US-Steuern zu zahlen.
Meiner Meinung nach…
In welche Richtung steuert Amerika? Neu-Präsident
Oba-ma
hat inzwischen eine Billion Dollar in das Konjunkturpaket gepackt – nach deut-scher Definition, also tausend Milliarden. Immobilien werden von Monat zu Monatgünstiger, die Autoindustrie ist am Boden, der Konsum bricht ein. Was kommt noch?Kreditkartenkrise? Private-Equity-Krise? Wer weiß es. Eines jedoch ist klar: Die Zahlder Amerikaner steigt kontinuierlich, und essen müssen sie auch. Zwar bereichernsich die Zeichner des BVT-Fonds nicht direkt von Wal-Markt, doch als Anker-Mieterlockt die Supermarktkette zweifellos jeden Tag Millionen an. Dass davon auch dieGeschäfte im Schatten von Wal Markt profitieren, erscheint wahrscheinlich. Schade,dass die Ertragsmöglichkeiten durch das Joint-Venture gedeckelt sind.
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