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1.Prolog 
1.1
Der Analyserahmen des Irak-Krieges 2003
Im „Physiologus“, einer um 200 nach Christus in einheitlicher Form redigiertenSammlung von 48 symbolisch-narrativen „Tier“-Darstellungen, findet sich dieErzählung eines Vogels, Phönix genannt, der alle fünfhundert Jahre nach Heliopolisfliegt, sich dort selbst verbrennt, innerhalb dreier Tage wieder heranwächst, zu seinemHeimatort zurückkehrt, um fünfhundert Jahre später wiederzukehren.
1
 Viele Indiziensprechen dar, daß der „Phoenix wieder fliegt“, der „Knoten von Ursachen
2 
wiederkehrt und die Kriege im zivilisatorischen Altersstadium der Staaten, de„sterblichen Götter“
3
, starke Parallelen zu den Kriegen der nfhundert Jahrezurückliegenden frühen Neuzeit, der Entstehungsphase der Staaten, aufweisen.Das 16. Jahrhundert war ebenso eine Zeit des Umbruchs, gekennzeichnet durch dieAuflösung der mittelalterlichen Sozialstruktur, den Niedergang der Universalmächte desKaiser- und Papsttums, den Wandel der Raumordnung, Religionskriege und den Kampf um überseeische Räume.
4
Staatliche Souveränität - Ausschließlichkeit der Staatsgewaltim Inneren, Unabngigkeit nach außen - hatte sich aufgrund kirchlichen undimperialen Universalismus´ auf der einen und feudalen und urbanen Partikularismus´ beziehungsweise Territorialismus´ auf der anderen Seite noch nicht herausgebildet. Erstder Zusammenbruch der Universalmächte des Mittelalters und das Erwachen einer neuen Gläubigkeit, die den Einzelnen ohne Vermittlung der Kirche in eine unmittelbareBeziehung zu Gott setzte,
5
 gestattete auch dem Fürsten analog den Durchgriff auf deneinzelnen Untertan.
6
 
1
Vgl.
 Zimmermann
2004, S. 1
2
 Nietzsche
1990, Also sprach Zarathustra, Der Genesende, S. 303
3
Vgl.
 Hobbes
1965, S. 137. Die Titelseite der ersten englischen Ausgabe des Leviathan von1651 trägt noch unter dem magnus homo, dem Leviathan, das aus dem Buche Hiob übernommeneMotto „non est potestas super terram quae comparetur ei“, vgl. Schmitt 1995 L, S. 25
4
Vgl.
Grewe
1988, S. 269
5
Vgl. Ebd., S. 202
6
Vgl.
Weber 
1992, S. 12
1
 
PrologIn der gegenwärtigen Phase des Staates treten nun wieder neben der Privatisierungstaatlicher Kernaufgaben zunehmend personale Sonderrechte und Körperschaftenzwischen das vom Staat beanspruchte Rechtsetzungs- und Vollstreckungsmonopol.
7 
Unterschiedliche hoheitliche Inhaber einer „potestas indirecta“, verschiedenenRechtsordnungen verpflichtet, bestimmen das Bild: Zwischenstaatliche Organisationen,multinationale Konzerne, Parteienstrukturen in allen öffentlichen Bereichen und dieVerselbständigung von Verfassungsorganen sind offensichtliche Anzeichen einer Mediavisierung des Staates. Ein weiterer verstärkender Faktor ist die EuropäischeUnion, die partiell an den lockeren Verband vielfältiger geistlicher und weltlicher Territorien des Heiligen Römischen Reiches mit durchlässigen Grenzen erinnert.
8
Auf die staatliche Souveränität
9
wirkt auch die Ausdehnung des globalen Völkerrechts,dessen Regelungsgegenstände rapide anwachsen, zunehmend die eigentlich„interventionsfreie“ „domaine réservée“ der Staaten
und das Individuum selbst sind
 Der umgrenzte, geographische Standort wird mehr und mehr durch Techniken bagatellisiert, die ehemals die absolutistische Ordnung zur Herausbildung einer zentralisierten Staatlichkeit nicht nur im Verwaltungs- und Finanzsystem entwickelte.
12 
Politisch-staatliche Grenzen korrespondieren nicht mehr mit den Aktionsräumeninternationaler Wirtschaftsunternehmen. Ein Kennzeichen, das die Epoche nach 1492charakterisiert und bereits die blühende und übergreifende Geldwirtschaft deRenaissance auszeichnet. Zu jener individualistisch und städtisch geprägten Zeitgehören „schmale Gassen und steile Dächer“
, analog zu den gigantischen Hochbautenmoderner Wirtschaftsmetropolen.
7
Crefeld 
1999, S. 458
8
Vgl.
Grewe
1988, S. 86
9
Souveränität bedeutet nach einer Definition des Ständigen Internationalen Gerichtshofes in Den Haagdas Recht, sich zu Rechtsnormen verpflichten zu können, denen man unterworfen sein will, vgl.
Schmid 
1959, S. 77
10
Vgl.
 Ipsen
1999, S. 37
11
Vgl.
Crefeld 
1999, S. 424
12
Vgl.
Ohler 
2000, S. 11. „Buchdruck, Straßen, Eisenbahnen, Fernmeldeverkehr undSchreibmaschinen, neue Waffensysteme zählen zu den wichtigsten Werkzeugen, mit deren Hilfe der Arm des Staates auch den letzte Quadratkilometer des Gebietes und jeden einzelnen Einwohner erreichte,“
Crefeld 
1999, S. 416
13
Spengler 
1997, S. 665
2
 
PrologDer steigende Einfluß des Stadtbürgertums erschüttert in der Renaissance diegemeinschaftliche Ständeordnung durch das Prinzip des freien Wettbewerbes.
DieStaaten sind auch gegenwärtig gehrdet, nur ble „Agenten der jeweilsdurchsetzungsfähigsten gesellschaftlichen Interessen“
zu werden und sich gegenüber den „technischkonomischen Rationalitätsvorstellungen der transnationalenGesellschaft das Maß an souveräner Unabhängigkeit und Eigenständigkeit“
nicht mehr  bewahren zu nnen. Der durch die Informationsrevolution versrktenInternationalisierung der Märkte stehen Fragmentierung und Refeudalisierung der Staaten und Gesellschaften gegenüber.Unabhängig davon, ob am Ende eine universale, auf der Expansion von Finanz-,Arbeits- und Informationsmärkten beruhende Globalisierung dionysischen Typs oder eine parzellierende, apollinische Regionalisierung die Oberhand belt; beideEntwicklungen wirken sich ähnlich auf die einzelnen Staaten aus.
 GlobaleAntagonismen begleiten die Entwicklung - Rationalismus und Fundamentalismus,Pazifismus und Terrorismus.
 Dem Bedeutungsverlust des Raumes im Zeitalter globaler Transfers und Echtzeitkommunikation folgt eine Aufwertung von Kultus und Religion,den „Maßnahmen gegen die Zeitlichkeit“ in der Illusion der Permanenz.
Kulturell-zivilisatorische Trennungslinien verlaufen plötzlich wieder zwischen westlich-abendländischem Christentum einerseits und dem Islam andererseits. Denn imGegensatz zu den Individualisierungseffekten des technischen Fortschritts stellenReligionen für den Menschen immer noch ein existentielles, geistiges Gut dar undwirken sinnstiftend.
 Verstärkte Migration sowie Kultur- und Zivilisationstransfers zeigen sich insofernimmer konfliktträchtiger und führen zu segregierten Zonen.
 Auf die Durchlässigkeitder im Sinne von „excipere“ ausnehmenden Grenzen droht der grenzenlose
14
Vgl.
Truyol 
1947, S. 15
15
Mayer-Tasch
1986, S. 13
16
Ebd., S. 15
17
Vgl.
Crefeld 
1999, S. 433
18
Vgl.
Vad 
1996, S. 49
19
Sofsky
1996, S. 220
20
Frei nach Salomonis 11,14, wonach ein Volk ohne Religion und Weissagung „wild und wüst“ wird,vgl.
Mayer-Tasch
2000a, S. 42
3
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