SPECIAL
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MÖBEL
"Schmeiß den Dreck raus!"
Einrichtungs-Profi Axel Schiermeyer verrät Tipps und Kniffe
Irgendwann stehst du vor fast der gleichen
Kommode wie im Magazin gesehen, nur
kostet sie dann ein Fünftel von dem, was duursprünglich für das Original hinblätternsolltest. Ich persönlich liebe Kram von derStraße. Sachen, die man eigentlich nicht in
die Wohnung packt - hier lass ich jedemseine persönliche Interpretation, was das
bedeutet.
gab-Magazin:
Doch wie kann ich dafür
sorgen, dass die Wohnung auch zu meinerPersönlichkeit passt?
Axel Schiermeyer:
Ganz wichtig: Finger wegvon fertigen Bildern! Motiv mit Rahmen 14,99Euro - furchtbar. Eine Wand nur mit alten Post-karten und Fotos sagt mehr über dich als eine bedruckte Leinwand mit fünf Steinen drauf.
Füll deine Wohnung nur mit Dingen, diedu wirklich magst, und mach nicht zu vieleKompromisse. Wenn du Besuch hast unddich für jedes zweite Teil mit den Worten"Ich hab noch nichts Besseres gefunden"entschuldigst, dann läuft was falsch. Das isteine faule Ausrede. Schmeiß den Dreckraus.
gab-Magazin:
Klingt gut, ist aber auch eineFrage des Geldes. Muss eine "gute" Einrich-tung auch notwendigerweise teuer sein?
Axel Schiermeyer:
Das ist abhängig davon,wie du "gut" definierst. Wenn "gut" cool,schick, gemütlich oder "geil" bedeutet, dannmuss sie nicht teuer sein, wenn du aber "gut"mit hochwertig, komfortabel, funktionelloder edel gleichsetzt, wirst du nicht umhin-kommen, ein wenig tiefer in die Tasche zugreifen.Tolle Materialien sind meistens teurer alsder Standard. Es gibt Unterschiede, und diekosten. Aber: Meiner Meinung nach sinddie meisten Leute "in Sachen Einrichtung"zu geizig. Für Kosmetik und Kleidung gebenwir jährlich Unsummen aus. Schuhe vonunseren liebsten Designern kosten mittler-weile bis zu 500 Euro, aber ein Sofa, auf demwir fünf Jahre und länger sitzen, uns erholen,schlafen und sonstige Dinge machen, darf nicht mehr als drei Paar Schuhe kosten? Dastimmen die Relationen nicht.
gab-Magazin:
Gibt es "Einrichtungs-Fallen",die man auf alle Fälle vermeiden sollte?
Axel Schiermeyer:
Es gibt keine Regeln!Ein einfacher Tipp: Treib es nicht zu bunt!Bleib in einer Farbgruppe, benutz eine Sorte
Holz und lass deinen Sachen Platz zum
Atmen. Bunte Räume und vollgestopfte Räu-me haben auch ihren Charme, sind aber we-sentlich schwieriger zu gestalten. Letztend-lich ist der Erfolg einer schönen Einrichtungaber auch abhängig von den Räumen. Es istmeistens nicht ein einzelner Gegenstand,sondern eher das Gesamte, das Raumgefühl,was einem zusagt. Das einzufangen ist dieKunst und das Talent. Doch lebst du in einerScheißwohnung, dann helfen auch schöneMöbel nicht. Umziehen!
axelschiermeyer.comWer sich dauernd für seine Einrichtungentschuldigt, sollte sie besser gleichentsorgen, sagt Axel Schiermeyer
F o t o : A x e l S c h i e r m e y e r
Einst verhalf er an der Seite von Barbara
Becker und Eric Schmidt-Mohan seinen Real-Life-Probanden bei Pro Sieben zu "New Life- Mein neues Leben", und auch bei Sat1 war
er gesichtet. Axel Schiermeyer vereinigtviele Talente in sich, er arbeitet als Raum-
gestalter, Interior-Stylist, Event-Dekorateurund beherrscht Werbung, Fotostyling und
Visual Merchandising. Der Berliner Profi
verrät, wie jeder zu seinem persönlichen Stilfinden kann.
gab-Magazin:
Wie bist du selbst zur Innen-einrichtung gekommen? Ist das ein Talent,das dir in "die Wiege gelegt wurde"?
Axel Schiermeyer:
Meine Mutter ist Architek-tin. Mit 14 Jahren habe ich mein erstes Prakti-kum bei einer Innenarchitektin, einer Freundineiner Mutter, gemacht. Das war das erste Mal,dass ich "Kontakt" zu Grundrissen, richtigenFilzstiften, Farbfächern, etc. hatte. Danachfand ich über Modedesign, Theater und Event-Ausstattung zu meinem heutigen Job.
gab-Magazin:
Sein eigenes ästhetisches
Gespür zu entwickeln, ist das eine, aber wie gehst
du vor, wenn du einem Kunden helfen willst?
Axel Schiermeyer:
Ichmuss den Kunden kennenlernen, am besten beiihm zu Hause. Sehen,
wie er bereits wohnt.
Was er für ein Typist und was ihm wichtig ist. Lebt er bereits"gemütlich" mit viel Textilien wie Teppi-chen, Kissen, Vorhängen etc., kann ich mir
schon sicher sein, dass er sich nicht über
einen lackierten Betonfußboden freuen wür-
de. Die Einrichtung eines Objekts ist eingemeinsam erarbeiteter Prozess. Es gibt
Wünsche, Vorschläge, Änderungen, neueWünsche, neue Vorschläge, neue Änderun-gen und ... irgendwann hat man ein Baby ge- boren, über das sich beide freuen.
gab-Magazin:
Aber wenn man sich keinenInneneinrichter leisten kann, wie sollte manvorgehen?
Axel Schiermeyer:
Ideen klauen und ko-pieren! Es gibt tausende von Einrichtungs-magazinen - gute und sehr viele schlechte.Aber auch Cafés, Kneipen, Restaurants ha- ben oft wunderbare Ideen und Lösungen.Such dir ein Interieur aus, in dem du wohnenmöchtest, und analysiere es nach Materia-lien oder Lichtquellen. Dann fängt die Arbeiterst an: Du musst die Sachen finden! Unddas bedeutet für den Laien, von Laden zuLaden, von Flohmarkt zu Flohmarkt, vonBaumarkt zu Baumarkt zu stürzen. Das istwirklich zeitaufwändig, aber nichtaufgeben!
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