27FEBRUAR 2009
SZENE
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FRANKFURT
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KULTUR
Hedwig and the angry inch
Glam Rock, Gummibärchen und eine gescheiterte Geschlechtsumwandlung
Ein Inch entspricht 2,54 Zenti-
meter. Ein "angry inch" bezeichnet
in diesem Fall den schäbigen Resteiner missglückten Geschlechts-umwandlung. Das ist bis jetztnoch nicht viel. "Hedwig and theangry inch" hingegen versprichtein schrill-bizarrer Musical-Ge-nuss zu werden. Erzählt wird dieGeschichte von Hedwig, einstHänsel Schmidt, der im Ost-Berlin vor dem Mauerfall davonträumt, ein Rockstar zu werdenund seine "andere Hälfte" zu fin-den. Ein GI verspricht ihm Liebeund Freiheit in den USA. Umdessen Heiratswunsch zu ent-sprechend unterzieht sich Hänseleiner Geschlechtsumwandlung,die natürlich (siehe oben) buch-stäblich in die Hose geht. In ei-nem Trailerpark gestrandet, vomGatten verlassen und von derWiedervereinigung einigermaßenkonsterniert, erfindet sich Hänselneu als osteuropäische Rock-Göt-tin Hedwig um dann mit anse-hen zu müssen, wie seine neuegroße Liebe mit ihren besten
Songs durchbrennt und eine Solo-
karriere startet.Das Musical wurde 1998 inNew York als Off-Broadway-Show mit großem Erfolg uraufge-führt. Seitdem begeistert es welt-weit eine ständig wachsendeFangemeinde, zu der sich auch
Madonna und David Bowie
zählen. Es ist ein Stück mit gro-ßem Kult-Potenzal und spätes-tens seit der Kino-Adaption, inder Musical-Autor John CameronMitchell selbst Regie führt unddie Hauptrolle spielt, eine festeGröße der Pop-Kultur. Für Frank-furt produziert, inszeniert undspielt der britische SchauspielerNigel Francis "Hedwig" in denRäumen des ehemaligen EnglishTheatre, dem heutigen K52.
gab-Magazin:
Du hast die idea-le Location für diese Produktiongefunden: das alte Theater, dasBahnhofsviertel, der Plüsch...
Francis:
Ich liebe dieses Theaterund ich fühle mich auch nichtfremd hier. Als ehemaliges En-semblemitglied des English The-
ater kenne ich die Stadt und
natürlich auch diese Bühne. Hierhabe ich bei "A slice of saturdaynight" mitgespielt und in "Caba-ret" nach dem Umzug des Eng-lish Theatre.
gab-Magazin:
Deine Companyist eigentlich in London. Bietetdiese Stadt nicht ein viel größeresBetätigungsfeld als Frankfurt?
Francis:
London bietet nicht zu-letzt durch seine Größe ein deut-lich umfangreicheres Angebotfür Schauspieler. Aber die Stadtist natürlich auch voller Künst-ler, und Engagements sind hartumkämpft. Dieses Projekt hier inFrankfurt ist eine große Heraus-forderung für mich und ich freuemich sehr darauf. Das Stück be-sticht durch das Format und dieBotschaft. Es ist kein riesigesMusical-Spektakel mit vorange-gangener TV-Casting-Show undzahlreichen Statisten, sonderneher ein Stand Up Comedy-Mo-nolog, begleitet von einer Band.
gab-Magazin:
Im Film trägtHedwig 41 verschiedene Outfits.Du auch?
Francis:
Nein, die Bühnenshowist konzipiert für nur zwei Klei-der, eines vor der Pause und ei-nes danach. Auch darf man sichdas Stück nicht als Dragqueen-Show vorstellen. Spätestens nachdem zweiten Song hat man ver-gessen, dass auf der Bühne einMann in Frauenkleidern steht.
gab-Magazin:
Das Musical undder Film sind schräg, kultig undtragikkomisch. Was ist HedwigsBotschaft heute?
Francis:
Hedwigs tieferer Sinnist zeitlos. Die Idee, das Ge-schlecht für die Freiheit aufzuge- ben, ist nur ein kleiner Teil vonHedwigs Geschichte. Hedwigmöchte geliebt und gebrauchtwerden, sie sucht ihre "andereSeite" um Liebe und Glück zufinden - wir alle kennen das.Dann erkennt sie, dass sie so gutwie alles mit Hedwig teilt, dennes geht nicht um die Geschlechts-umwandlung, sondern ums Da-sein, verlorene oder gefundeneLiebe und Freunde. Das führtzwangsweise irgendwann zurBesinnung auf die eigene Person;dazu, mit sich selbst im Einklangzu stehen und sich selbst zu ak-zeptieren mit, dem was man istund hat. (los)
"Hedwig and the angry inch", Premiere am
Sa, 14.2., 20 Uhr, K52, Kaiserstr. 52, Frankfurt.
Tickets ab 19 EUR, VVK über ticketsper-post.de und hedwigandtheangryinch.de.Preview-Termin: Fr, 13.2. 20 Uhr, Ticketszum halben Preis. Das Stück läuft ab So,15.2. bis Mitte April jeweils Mi - So um 20Uhr. myspace.com/hedwigffm
F o t o : I n i Z i k u s c h k a
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