Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Save to My Library
Look up keyword
Like this
1Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
"Motel One: Kein Stern, der diesen Namen trägt", Kolumne von Marco Nussbaum in Hotel&Technik 6/12

"Motel One: Kein Stern, der diesen Namen trägt", Kolumne von Marco Nussbaum in Hotel&Technik 6/12

Ratings: (0)|Views: 44 |Likes:
Published by Marco Nussbaum
Dieter Müller sagt, der Trend geht weg von den Sternen. In Zukunft will er mit seiner Marke Motel One auf die Einstufung nach dem renommierten Raster verzichten. Der Gründer und CEO von Motel One geht oftmals seinen eigenen Weg. Sind aber Sterne wirklich verzichtbar? Offizielle Klassifizierung gegen Markenpower und Bewertungen? „Blödsinn!“, sagt Hotel&Technik-Kolumnist Marco Nussbaum. „Nur gemeinsam ist man stark.“
Dieter Müller sagt, der Trend geht weg von den Sternen. In Zukunft will er mit seiner Marke Motel One auf die Einstufung nach dem renommierten Raster verzichten. Der Gründer und CEO von Motel One geht oftmals seinen eigenen Weg. Sind aber Sterne wirklich verzichtbar? Offizielle Klassifizierung gegen Markenpower und Bewertungen? „Blödsinn!“, sagt Hotel&Technik-Kolumnist Marco Nussbaum. „Nur gemeinsam ist man stark.“

More info:

Published by: Marco Nussbaum on Dec 21, 2012
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

12/21/2012

pdf

text

original

 
Hotel&Technik 06-2012 11
I
n gewohnter Manier (einer schreitet vor-an mit den Fähnchenträgern im Geolge)
kommen dann auch die Kommentare selbst
ernannter Experten: „Die Hotelklassizierung
nach Sternen sei nicht mehr zeitgemäß!“
Ehrlich gesagt, auch wir hatten mit unsermHotel Prizeotel Bremen-City das Problem mit
der Zertizierung, allerdings wohl weniger aus
der Klassizierung heraus, als am damaligenStarrsinn des Dehoga Bremen und ihrer wenig
über den Tellerrand hinausschauenden Betrach-
tungsweise. Die damalige „Bereisungskommis-sion“ kam schlicht und ergreiend mit unserem
Produkt nicht klar, konnte das nicht bewertenund hat es am Ende auch nicht verstanden.Man wollte uns damals nicht als Zwei-Sterne-
plus-Hotel klassizieren, sondern als Ein-Stern-
Hotel, vergleichbar mit den Kategorien wie beim
Etap-Hotel (jetzt Ibis Budget). Das anden wirnatürlich nicht so witzig. Wir haben dann zu-
nächst au die Sterne verzichtet, ein cooles Vi-deo gedreht und uns das Gleiche gedacht, was
Hotel&
Marketing
Klar, wir waren ja auch nagelneu, gerade ersterönet, sprachen von Design und so weiter.
Das Resultat gab uns zu denken:
 C
 die Kunden dachten, wir sind ein Drei- oderVier-Sterne-Hotel,
C
 die Kunden anden den Preis passend (was
mir heute noch den kalten Schauer den Rü-
cken runterlauen lässt. Man hat sich au
niedrige Durchschnittspreise in Deutschlandeingestellt),
 C
 man empand die Leistung als zu schlecht ür
ein Haus dieser Kategorie,
 C
 die Bewertungen gingen nach unten.Das ging also erheblich in die Hose und hat uns
gezeigt, dass das Verständnis ür die Sterne-Kategorien in Deutschland noch nicht einheit-
lich ist. Es bedar mehr denn je einer Richtlinie,
einer Orientierung, vor allem bei der steigenden
Anzahl individuell gestalteter Hotels.
Sterne bringen den Auschwung
Für uns hieß das, wir brauchen Hile. Die kam
aus Berlin, denn vielleicht wollten sie es beim
Dehoga Bremen auch nicht verstehen. Au alle
Fälle wollten wir unsere Zwei-Sterne-Superiorhaben. Mit ein wenig „Good Will“ aller Be-teiligten hat es geklappt, wir konnten nachkurzer Zeit die Plakette in Empang nehmenund diese am Eingang unseres Hotels promi-nent platzieren. Somit konnte nun jeder Gast
beim Reinkommen sehen, dass wir ein oziellklassiziertes Zwei-Sterne-Superior Hotel sind.
Witzigerweise konnten wir so unsere Bewer-tungen und die Stimmung bei den Gästen
drehen. Nicht mehr „Bei einem Haus Ihrer Ka-
tegorie erwarten wir dies und das“, sondern„Bei einem Haus Ihrer Kategorie hätten wirdas aber nicht erwartet“. Es olgte unser Tri-
umphzug durch die Bewertungsportale, der unsdie ganzen Experten heute sagen: „Wer braucht
den heute noch die Sterne?“Dann ging das Problem los: Au einmal gingen
unsere Bewertungen nach unten. Tenor war
unter anderem: „Bei einem Haus Ihrer Katego-
rie erwarten wir dies und das.“ Dies und das
war im Übrigen breit geächert: Es ging um das
Frühstücksbüet, die Ausstattung, die Größeder Zimmer, den Service (nein, wir haben kein
Gepäckservice) oder Ähnliches.
Falsche Erwartungshaltung
Somit hatten wir also keine Sterne und schlechte
Bewertungen, extrem uncool. Wir waren zwarin den Portalen mit unseren zwei Sternen gelis-
tet, allerdings spielte das damals keine Rolle.
Also haben wir die Kunden angeruen, kontak-
tiert, beragt. Wir wollten herausfnden, was sie
denn glauben, welche Kategorie wir sind. Vieleantworteten darauhin, dass wir ja mindestens
drei Sterne, wenn nicht sogar vier Sterne hätten.
Ofzielle Klassifzierung gegen Markenpower und Bewertungen?
Motel One: Kein Stern,der diesen Namen trägt
Dieter Müller sagt, der Trend geht weg von den Sternen. In Zukunt will er mit seiner Marke Motel One audie Einstuung nach dem renommierten Raster verzichten. Der Gründer und CEO von Motel One geht otmalsseinen eigenen Weg. Sind aber Sterne wirklich verzichtbar? Ozielle Klassizierung gegen Markenpower undBewertungen? „Blödsinn!“, sagt Hotel&Technik-Kolumnist Marco Nussbaum. „Nur gemeinsam ist man stark.“
Verlässliche Orientierung oder Hindernis bei der Expansion ins Ausland? Motel One will weg vonden Dehoga-Sternen.
   F   o   t   o   :   M   o   t   e    l   O   n   e
 
12 Hotel&Technik 06-2012
zwei Holidaycheck-Awards, einen Holidaycheck-
Tophotel-Award, Tripadvisor-Zertikate o Ex-
cellence und viele sehr gute, tausende Bewer-tungen brachte, die noch heute ein Grundstein
des Erolgs sind. Was haben wir daraus gelernt?
Dass es wichtig ist, einen guten Mix zwischender richtigen Sterne-Kategorie und Bewertun-gen zu haben.
Der Gast ist unloyal
Dank der Objektivität der Hotelsterne kann der
Gast den Standard eines Hotels einschätzen.Hotelsterne bieten gerade im Meer subjekti-
ver Meinungen einen objektiven Anker. Damit
erhalten die Gäste eine verlässliche Hile bei
der Auswahl des Hotels – sei es ür den Urlauboder die geschätliche Tagung/Übernachtung.
Hotels sichern und stärken mit den Hotelster-
nen ihr bestehendes Markenprol.
Bewertungen von Gästen wiederum enthüllendie Wahrheit über ein Hotel, weil Kunden dieErahrungsberichte anderer Gäste häug alsGrundlage ür ihre Hotelauswahl nutzen. DieHotellerie ist also geordert, hohe Standardszu gewährleisten und die Erwartungen vonGästen zu erüllen, die sich bereits umassend
inormiert haben, bevor sie buchen.Wie spielt jetzt die Hotelmarke in das alles rein?
Was das Ganze extrem schwierig macht, ist, dassder Bekanntheitsgrad von Hotelmarken nicht ge-
rade hoch ist. Das geben genug Statistiken derGK oder anderen wieder. Bei vielen liegt die„ungestützte Bekanntheit“ sicherlich bei unter
20 Prozent.Es gibt den BMW-Fahrer und den Apple-Jünger,
sowie den Aldi-Fan und den Ikea-Junkie. Dochden treuen Interconti-Schläer, brennenden
Ramada-Fan oder leidenschatlichen nH-Hotels-
Junkie gibt es nicht – außer vielleicht in denWunschträumen der Marketingstrategen. Istman ehrlich zu sich selbst, stellt man die Reali-
tät est: Der Gast von heute ist eher unloyal und
wechselt die vermeintlichen Marken wie seine
Unterwäsche.Bisher wird es den Gästen auch leicht gemacht:
Das Profl der meisten Hotelmarken ist angesichts
ihrer Präsenz und Bekanntheit in der globalisier-ten Welt der Mobilität erstaunlich fach. Zumin-dest die reisenden Menschen kennen Hilton und
Maritim, nH Hotels, Ramada oder Holiday Inn.
Doch kaum einer könnte spontan die Unterschie-de zwischen den einzelnen Marken benennen. IhrImage ist allzu ot austauschbar, verschwommen,
beliebig, rei von Adjektiven und Assoziationen.
Schauen wir uns außerdem noch die Marken-
vielalt an: Accor hat zum Beispiel zwöl unter-
schiedliche Marken, unterteilt in InternationalLuxury, Upscale und Midscale, dazu nocheinmal Sub-Marken zu diesen Einteilungen.Hilton Worldwide hat zehn Hotelmarken, IHGderen neun und Starwood Hotels und Resorts
hat ebenalls neun Marken unter seinem Dach.Schon ist das Chaos komplett. Wer steigt dennda noch durch?
Hotelmarken: Chaos komplett
Sind wir mal ehrlich: Die Qualität innerhalb di-
verser Marken schwankt extrem. Es gibt neue
und alte Hotels einer Marke, es gibt Eigenbetrie-
be und Franchisebetriebe, renovierte und nicht
renovierte. Man kann somit Glück oder Pech bei
einer Buchung haben.Die Herausorderung ist also, dass Hotels kün-
tig einen weltweit einheitlichen Servicestandard
bieten müssen, der gleichzeitig au die lokalenBedürnisse anderer Kulturen mit ihren jeweili-gen Sitten und Gebräuchen abgestimmt ist. Darage ich mich doch: Wie soll das gehen, ganz
ohne Hotelsterne? Was würde wohl ein Ame-rikaner au den ersten Blick denken, der zumBeispiel ein Motel One, das keine Sterne hat,
über booking. com buchen will?
Somit ndet die Diskussion über die ozielleHotelklassizierung überhaupt nicht Ziel üh-rend statt. Sie dient ausschließlich der Eigen-
PR vieler so genannter Branchenexperten oder
der Aufagensteigerung von Fachmagazinen
und -zeitungen.
Sicherlich, Dieter Müller hingegen hat als dererolgreichste deutsche Hotelunternehmer derletzten 15 Jahre die Eigen-PR wenig nötig. Beiihm stecken wahrscheinlich, wie bei allem, waser macht, nanztechnische Fakten dahinter. Erist eben ein knallharter Rechner. Möglicherwei-se möchte er seine Preise erhöhen und kriegtaugrund der in Deutschland niedrigen Durch-schnittspreise die Verbindung zwischen derAkzeptanz seiner gewünschten Preise und der
Klassizierung als Zwei-Sterne Hotel nicht hin.
Wobei ich der Überzeugung bin, dass der Preis
(anders als uns das viele, vor allem die Vertreter
der Buchungsportale, suggerieren wollen) zwareine wichtige, aber nicht entscheidende Rollespielt. Wir haben die Erahrung gemacht, dassder clevere Reisende von heute durchaus bereit
ist, ür ein qualitativ hochwertiges, sauberes und
Keine Sterne, tolle Bewertungen, reicht das ür das internationale Markenimage?Mit den Sternen kam der Erolg: Das Prizeotel in Bremen setzt au einen guten Mix zwischen der richtigenSterne-Kategorie und Bewertungen.
   F   o   t   o   :   P   r   i   z   e   o   t   e    l   M   a   n   a   g   e   m   e   n   t   G   r   o   u   p
Hotel&
Marketing

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->