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William Morris: Kommunismus

William Morris: Kommunismus

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Vortrag von William Morris: Kommunismus, 1893
Vortrag von William Morris: Kommunismus, 1893

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07/04/2013

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1
 Kommunismus
William Morris
 
23
 Kommunismus
Während ich der Meinung bin, dass die Hoffnung auf die Neugeburt der Gesell-schaft sicher im Wachsen und im schnellen Wachsen ist, muss ich gestehen, dass ichwas die Mittel zur Erlangung dieses Zieles betrifft, die man jetzt hauptsächlich imAuge hat, einigermaßen verwirrt bin, und dass ich in Bezug auf einige jener Maß-nahmen, die, wie ich glaube mit aller Ehrlichkeit der Absicht und oftmals mit viel
Geschick befürwortet werden, zweie, ob sie uns auf dem direkten Wege zu einer
wirklich neugeborenen Gesellschaft, der einzigen Gesellschaft, die eine Neugeburtsein kann, nämlich einer Gesellschaft wirklicher Gleichheit, wirklich weiter vorwärtsbringen können. Um keine Geheimniskrämerei zu betreiben: ich meine, dass all das,was die meisten Nichtsozialisten wenigstens augenblicklich für Sozialismus halten, mirlediglich als ein
 Maschinenwerk 
des Sozialismus erscheint, dessen sich der Sozialismusim Stadium des Kampfes wahrscheinlich bedienen
muss
und das er auch einige Zeit,nachdem er praktisch durchgeführt wird, noch brauchen
mag 
, aber es macht für mirnicht sein Wesen aus. Zweifellos ist etwas Gutes an den Vorschlägen, die eine zweck-mäßige Verwaltung im Interesse der Bevölkerung an die Stelle der durch Zwang aufrecht erhaltenen und durch reichlich Korruption geschmierten Wigh-Schlampereisetzen wollen, die, während sie ganz und gar den Interessen erfolgreicher Geschäfts-
leute diente; einst für eine wunderbare Erndung gehalten und auch sicherlich der
beste Zement der Gesellschaft, so wie sie seit dem Tode des Feudalismus beschaffen ist.Der Londoner Grafschaftsrat zum Beispiel ist nicht nur eine nützlichere Körperschaftfür die Verwaltung der öffentlichen Anliegen als das frühere Metropolitan Board of Works, er ist auch von einem ganz anderen
Geist 
durchdrungen, und schon sein all-gemeines Vorhaben, den Bürgern nützlich zu sein und auf ihre Wünsche zu achten,enthält in sich ein Versprechen besserer Tage und hat schon etwas dazu beigetragen,in den Reihen eines bestimmten Teils der Bevölkerung Londons und bis herab zubestimmten Klassen die Würde der Lebenshaltung zu heben.Nochmal, wer kann etwas gegen die Versuche haben, den Schmutz der gegenwärti-gen Zivilisation durch das Anlegen öffentlicher Parks und anderer freien Plätze, durch
Anpanzen von Bäumen, Gründung öffentlicher Lesehallen und ähnlicher Dinge er
-träglicher zu machen? Es ist vernünftig und richtig von Seiten der Öffentlichkeit auf solche Verbesserungen zu dringen; aber wir alle wissen sehr gut, dass ihr Nutzen dieeinzelnen sehr ungleich trifft, dass sie weit mehr bestimmten Teilen der Mittelklassenals den Arbeitern zu gute kommen. Ja, dieses sozialistische Maschinenwerk mag nochzu anderem benutzt werden; es mag für die Arbeiter selbst höhere Löhne und kürzereArbeitszeit erwirken, Produktionszweige könnten von Seiten der Gemeindeverwaltun-gen zum Nutzen der Produzenten wie der Konsumenten betrieben werden, die Häuserder Arbeiter könnten verbessert und den kommerziellen Spekulanten aus den Händengenommen werden. Für die Erziehung der Kinder könnte mehr Zeit aufgewendetwerden usw. usw. In alldem liegt ein großer Gewinn und es freut mich zu sehen, dassdahin gehende Reformen in Angriff genommen werden. Aber so groß auch der Vor-teil sein mag, so würde doch, wie ich glaube, ihr schließlicher Nutzen, die Summe anvorwärtstreibender Kraft, die in solchen Dingen liegen mag, davon abhängig sein,
wie
 und in welchem Geiste solche Reformen ins Werk gesetzt wurden; oder davon, wassonst geschah, während dieses Reformwerk vor sich ging, um die Menschen Gleichheitder Bedingungen ersehnen zu machen, ihnen den Glauben an die Möglichkeit und
Ausführbarkeit des Sozialismus einzuössen, ihnen den Mut zu verleihen, für ihn zu
kämpfen und zu arbeiten, und all dies für eine so große Menge von Menschen, umdie nötige Stosskraft für das Hinwegfegen aller Privilegien zu erhalten.Denn wir dürfen die sehr offenkundige Tatsache nicht aus den Augen verlieren,dass diese Verbesserungen im Leben der großen Menge nur auf Kosten eines Teilsder Freiheit und der Vermögen der besitzenden Klassen verwirklicht werden können.Sie sind, wenn echt, samt und sonders Angriffe auf “Freiheit und Eigentum” dernicht arbeitenden oder nutzlosen Klassen, was einige aus diesen Klassen klar genug erkennen. Und ich stimme soweit zu: dass, wenn die Summe dieser Verbesserungengroß und weitreichend genug werden sollte, um den nützlichen oder arbeitendenKlassen genügend Verständnis zu geben, sich ein Leben in Gleichheit und Genos-senschaftlichkeit vorzustellen; Mut genug, dieses Ziel anzunehmen und das zu seinerDurchführung nötige Geschick zu entfalten; sowie Kraft genug, den Dummen undden heute Bevorteilten seine Annahme aufzuzwingen – dass der Klassenkampf dannsehr schnell mit dem Sieg der nützlichen Klasse enden würde, um dann die neueGesellschaft der Gleichheit zu werden.Verständnis genug zu begreifen, Mut genug zu wollen, Kraft genug zu zwingen!Wenn unsere Ideen von einer neuen Gesellschaft etwas mehr als ein Traum sind, somüssen diese drei Eigenschaften die erforderliche effektive Mehrheit der Arbeiterbevöl-kerung in Bewegung setzen, und dann, sage ich, wird die Sache gemacht werden. 
Genug 
Verständnis, Mut und Kraft. Und dieses
Genug 
hat eine sehr große Bedeu-tung. Die effektive Mehrheit der Arbeiter müsste so groß sein wie eine wirkliche zah-lenmäßige Mehrheit; denn die nicht arbeitenden Klassen (vergesst nicht, mit ihreneingeschworenen Sklaven und Parasiten; Menschen, die ohne sie nicht leben können)sind auch an Zahl sehr stark und noch stärker dadurch, dass sie über neun Zehntel desGesetzes, den Besitz nämlich, verfügen; sie werden, sobald sie merken, dass ihr Vor-recht, d.h. ihr Lebensunterhalt, ernsthaft bedroht ist, es ziemlich einmütig verteidigenund zu diesem Zweck alle Macht die sie besitzen in Anwendung bringen. Diese nötigeMehrheit an Verständnis, Mut und Kraft zustande zu bringen, ist daher eine so großeSache, dass eine lange Zeit darüber hingehen wird, und es liegt auf der Hand, dassall diejenigen, die daran arbeiten dieses Ziel zu erreichen, so wenig Zeit und Kraftals möglich damit verschwenden dürfen, bei der Überzeugung der Arbeiter zu einemleidenschaftlichen Streben nach einer auf Gleichheit beruhenden Gesellschaft mehrFehler zu begehen als unvermeidlich ist.Die Frage betreffs all jener oben erwähnten Teilreformen ist demgemäss meinerMeinung nach nicht so sehr die, welche Vorteile sie zur Stunde der breiten Öffent-lichkeit oder besonders den Arbeitern bringen, sondern eher die, welche Wirkung sie
 
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darauf ausüben werden, die Arbeiter zu einem Verständnis und leidenschaftlichemBegehren nach dem Sozialismus zu gewinnen, ich meine nach einem wahren undvollständigen Sozialismus, was ich Kommunismus nennen würde. Denn wenn esauch für sich genommen nichts Unbedeutendes ist, eine große Anzahl von armenLeuten (oder auch nur wenige) irgendwie behaglicher gestellt, etwas weniger elendzu machen, so würde dies doch ein schweres Übel sein, wenn es dazu beitrüge, dieAnstrengungen der ganzen Arbeiterklasse zur Schaffung einer Gesellschaft von wirk-licher Gleichheit einzuschläfern. Und hier komme ich wieder auf jene Zweifel undUnsicherheiten, von denen ich anfangs sprach. Denn ich möchte wissen und euch zuder Betrachtung auffordern, wie weit die Verbesserung der Lage der Arbeiterklassegehen und zuletzt stehenbleiben mag, ohne irgend einen Fortschritt in der
direkten
 Richtung zum Kommunismus gemacht zu haben? Kurz gesagt, ob nicht die unge-heure Organisation der bürgerlichen Kommerzgesellschaft mit uns Sozialisten Katzeund Maus spielt? Ob nicht die auf Ungleichheit beruhende Gesellschaft das obenerwähnte quasi-sozialistische Maschinenwerk annehmen und in Gang setzen werde,um vermittels seiner diese Gesellschaft zwar vielleicht in etwas geschorener, aber inum so gesicherterer Gestalt fortzuerhalten. Das scheint mir möglich und bedeutet dieandere Seite des Bildes: Statt dass die nutzlosen Klassen von den nützlichen hinwegge-fegt werden, würden so die nutzlosen Klassen etwas von der Nützlichkeit der Arbeitervereinnahmen und so ihr Vorrecht befestigen. Die Arbeiter würden besser behandeltwerden, besser organisiert sein, würden einen Anteil an der Regierung selbst haben,aber ohne größeren Anspruch auf Gleichheit mit den Reichen, noch einer stärkerenHoffnung auf Erreichung einer solchen wie bisher. Aber wenn dies möglich wäre, sonur deshalb, weil die Arbeiter aufgehört hätten, den wirklichen Sozialismus zu verlan-gen, und sie sich mit einem ihm äußerlich ähnelnden und mit einem solchen Mehr anWohlstand verbundenen Zustand zufrieden gäben, der genügen würde, das Verlangenvon Menschen zu befriedigen, die nicht wissen, welches die Freuden des Lebens seinkönnten, wenn sie ihre eigenen Fähigkeiten und die Hilfsquellen der Natur zu demZweck und in der Erwartung, ihr Glück herzustellen, vernunftgemäß anwendeten.Natürlich könnte das dann nicht möglich sein, wenn, wie wir hoffen, eine wirklicheNotwendigkeit für die Entwicklung einer neuen Gesellschaft aus unseren gegenwärti-gen Bedingungen heraus vorläge. Aber auch diese Notwendigkeit vorausgesetzt, kannund wird das Eintreten dieser Änderung außerordentlich langsam vor sich gehen,wenn die Arbeiter sich nicht von der Bedeutung dieser Notwendigkeit durchdrungenzeigen und von dem Verlangen nach der Umgestaltung erfasst werden und ihm Aus-druck geben. Und außerdem wird die Umgestaltung nicht nur langsam eintreten, siekann in diesem Falle auch nur nach einer Periode großen Leidens und Elends überden Ruin unserer gegenwärtigen Zivilisation hinweg kommen, während vernünftigeMenschen sicherlich hoffen müssen, dass, wenn der Sozialismus notwendig ist, seinKommen sowohl schnell sein wird, als auch vom kleinsten Maß von Leiden und vonnicht völligem Ruin begleitet sein möge. Worauf wir daher zu hoffen haben, ist, dassdas unvermeidliche Vorrücken einer auf Gleichheit gegründeten Gesellschaft sichschnellstens in dem Bewusstsein der Arbeiter als notwendig fühlbar machen wird unddass sie bewusst und nicht blindlings nach ihrer Verwirklichung streben werden.Dies ist tatsächlich das, was wir unter Erziehung der Arbeiterklasse zum Sozialis-mus verstehen. Und ich meine, wenn dies jetzt unmöglich ist, wenn die Arbeiter esablehnen, irgendwelches Interesse am Sozialismus zu zeigen, wenn sie ihn der Sachenach verwerfen – dass wir dies als ein Zeichen dafür nehmen müssen, dass die Not-wendigkeit einer wesentlichen Änderung der Gesellschaft so weit entfernt ist, dasswir uns kaum darum zu kümmern brauchen. Dies ist der Prüfstein, und aus diesem
Grunde ist es für uns von so tödlichem Ernst, herauszunden, ob jene demokratischen
Tendenzen und die durch sie ins Leben gerufenen neuen Verwaltungspläne wirklichdazu von Nutzen sind, die Bevölkerung vom
direkten
Sozialismus zu überzeugen. Wennsie dies nicht sind, so taugen sie überhaupt nichts, und wir täten besser zu versuchen,ob wir nicht mit intelligenten Tories und wohlwollenden Whigs handelseins werdenkönnen und sie auffordern, ihre Intelligenz und ihr Wohlwollen zu vereinigen, unsso gütig und weise als möglich zu regieren und uns nur mit Maß auszurauben. Sindsie aber von Nutzen, dann lasst uns auch trotz ihrer schmutzigen und abstoßendenEinzelheiten und all des Unbehagens über hinausgeschobene Hoffnungen, das derGebrauch solcher Mittel uns sicher verursacht, sie ausnutzen, so weit sie überhauptnur gehen, und lasst uns nicht enttäuscht sein, wenn sie nicht sehr weit gehen.Das heißt, wenn sie nicht in einem Jahrzehnt eine geeinte Schar von Helden undWeisen aus einer großen Masse Menschen machen, die unter einem so verwickelten
Gesellschaftssystem leben, so dass sie oberächlich betrachtet wie ein durch Zufall
zusammengebrachter Haufen von vielen Millionen bedürftiger Menschen ausschauen,die nicht etwa durch sichtbare Gewalthandlungen und den bösen Willen einzelner,sondern durch ein weitreichendes und tiefsitzendes System tatsächlich und schwerbedrückt sind; dass es Menschen, die so ungebildet sind, dass sie nicht einmal demAbglanz der sogenannten Bildung ihrer Herren entkommen können, sondern nebenihren eigenen Unbilden auch noch mit dem Aberglauben und den Heucheleien deroberen Klassen belastet sind, mit nur spärlichem Wissen der wesentlichsten Überliefe-rungen ihrer eigenen Klasse helfend zur Seite, wohl als das Werk eines Naturgesetzes
erscheinen mag – eine geistige Sklaverei, welche die zwangsläuge Begleitung ihrer
materiellen Sklaverei ist.Dies als große Masse genommen, ist es, womit die Revolutionäre zu tun haben: Einesolche Masse könnte sicher, wie ich glaube, durch irgend einen Funken von Enthusi-asmus, irgend einen plötzlichen aussichtsvollen Anstoß zum Angriff belebt werden,wenn die Notwendigkeit einer plötzlichen Änderung greifbar wäre. Aber ist es das?Es sind zweifellos nicht wenige in diesem Raum, ich vielleicht unter ihnen (ich sage
vielleicht 
, denn das eigene gealterte Ich ist geneigt, in unserem Gedächtnis unklareGestalt anzunehmen) – also etliche von uns, sage ich, glaubten an die Unvermeid-lichkeit eines plötzlich eintretenden und sich schnell vollziehenden Wandels. Das war

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