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Herrscher oder Diener (Patterson, S. E.)

Herrscher oder Diener (Patterson, S. E.)

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Published by Viktor Ott
Der Sitz der Vollmacht
Der Sitz der Vollmacht

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11/09/2014

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Der Sitz der Vollmachtinnerhalb der adventisti-schen Organisation
von Stanley E. Patterson
Israel wollte einen König – wie dieumliegenden Völker. Doch Machtmi-ssbrauch, Versklavung und untreueFührer waren die Folge. Wie wirwissen war das zentralistische Regie-rungsprinzip einer königlichen Machtnicht nach dem Plan Gottes. Dennochverlangte das Volk immer wiederFührer, die jene Macht übernehmensollten, die der Vater eigentlich ihnenzugedacht hatte. Gott korrigiertedies häug, indem er eingri und dieMacht umverteilte (urm zu Babel,Zerstreuung Israels, Gründung derchristlichen Kirche und die protestan-tische Reormation).Die Geschichte der Urgemeindeist gekennzeichnet von einer stetenEntwicklung von einem dezentralenFührungsmodell hin zur Führung durch einen einzigen Bischo. DieseEnternung der Handlungsvollmachtvon einer Gruppe von Gläubigen, dievon einem dienenden Führer geleitetwurde, war kein plötzlicher Vorgang. Als die Kirche zahlenmäßig und anpolitischem Einuss wuchs, wurdedie Handlungsvollmacht einemBeruspriestertum übertragen. Damitverschwand die Rechenschatspichtdes Einzelnen. Es entstand ein Sys-tem von Führern, die ür sich bean-spruchten, im Besitz der Macht zusein. Sie verstanden sich nicht mehrals Haushalter einer Bevollmächti-gung, die ihnen von der Versamm-lung der Gläubigen übertragenwurde. Die Kirchenührer leitetenihre Handlungsvollmacht von einerdirekten Folge von Verantwortungs-trägern ab, die ihre Ordinationslinieau den Apostel Petrus zurückührte.[1] So wurde eine produktive Hand-lungsvollmacht von einem autori-tären Regierungssystem abgelöst. Auseiner Autorisierung ür den Dienstwurde die Macht zu herrschen.In der Urgemeinde lag die Hand-lungsvollmacht nicht bei den Ver-antwortungsträgern, sondern bei der
Herrscher oder Diener?
gesamten Gemeinde. Sie hatte die Ver-antwortung ür die Haushalterschat.Und sie nahm diese Verantwortung sowahr, wie es der Botschat und demVorbild des Meisters entsprach. Wie sieht dies aber in der Adventge-meinde aus? Wo bendet sich inner-halb unserer Organisationsstruktur dieHandlungsvollmacht? Vermeiden wirdie Fehler anderer Organisationen?Die Adventgemeinde ist nach einemModell augebaut, das davon ausgeht,dass die Macht bei den Gliedern liegt.Diese wiederum sind nach einemrepräsentativen Führungsmodell orga-nisiert. Die Handlungsvollmacht wirdso au Personen übertragen, die vonder Gemeinde beautragt werden, inden verschiedenen Bereichen Verant-wortung zu übernehmen. Alle Verant-wortungsträger erhalten ihre Hand-lungsvollmacht mit dem Verständnis,dass sie der Gemeinde und letztlichGott Rechenschat schulden. Auch Ellen White bekannte sich zudieser Verknüpung von göttlicherund menschlicher Vollmacht. Bezüg-lich der Weihung zweier Missionareder Urgemeinde schrieb sie: „Sowohl
 
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Das Ideal einer demokrati-schen Gemeindestruktur
„Die Delegierten, die von der Verei-nigung ausgewählt wurden, wählenden Vorstand des Verbands, unddie Delegierten, die vom Verbandausgewählt wurden, wählen den Vorstand der Generalkonferenz.So hat jede Vereinigung, jede Insti-tution, jede Gemeinde und jedeseinzelne Gemeindeglied entwederdirekt oder durch Repräsentanteneine Stimme in der Wahl jener Per-sonen, die die Hauptverantwortungin der Generalkonferenz tragen.“(Ellen White, T8, 236f.)
chenleitung und die Organisations-struktur, die es trägt, sind jedochbedroht durch Gleichgültigkeit undadministrative Praktiken. Das Wachs-tum der Adventgemeinde verursachtlogistische und nanzielle Herausor-derungen an den Erhalt des repräsen-tativen Leitungssystems. Der Abstandzwischen den Verantwortlichen au der Vereinigungs-, Verbands-, Divi-sions- und Generalkonerenz-Ebeneeinerseits und der Gliederbasis derGemeinde andererseits hat sich sosehr vergrößert, dass das durchschnitt-liche Gemeindeglied ür die Verant-wortlichen au diesen Ebenen kaumnoch Verantwortung verspürt. Dabeischulden diese Verantwortlichen denGemeindegliedern gegenüber Rechen-schat. In gleicher Weise verspürendie Verantwortlichen oberhalb derVereinigungs-Ebene kaum eine Ver-pichtung, den Gemeindegliederngegenüber Rechenschat abzulegen.Das kommt deutlich in den Ver-änderungen des Jahres 1987 zum Ausdruck. Damals wurde die Zusam-mensetzung der Delegiertenver-sammlungen bei Verbandssitzungenverändert. Vor dieser Veränderung berichteten die Verantwortlichen desVerbands an die gesamte Prediger-schat des Verbands sowie die Dele-gierten, die aus den beteiligten Vereini-gungen entsandt waren. Dabei legtendie Verantwortlichen des VerbandesRechenschat ab über die Vollmacht,die ihnen erteilt worden war. Vor derVeröentlichung der GC Working Policy im Jahr 1987-88 wurde dieZahl der Delegierten verkleinert: DieGruppe der eingesegneten Predigerwurde stark reduziert. So wurden der Wahlvorgang und die Geschätssitzung verschlankt. Zugleich wurde so aberauch der Einuss der Prediger au denLeitungsprozess geschmälert.In dem Maße, wie sich die Enternung zwischen Verantwortungsträgern undPaulus als auch Barnabas hatten ihren Autrag bereits von Gott erhalten. DieZeremonie des Handauegens ügtekeine neue Gnade oder Qualizierung hinzu. Sie gab dem Werk Gottes ledig-lich das Siegel der Gemeinde – eineanerkannte Form der Bestimmung ür die Beruung in ein Amt und die Anerkennung einer Bevollmächtigung ür dieses Amt.“[2] Diese Verbindung zwischen der Ermächtigung vonseitender Gemeinde, die Beruung Gottesanzuerkennen sowie der Ernennung von Predigern und Verantwortungs-trägern ist der biblische Maßstab undzugleich der Standard ür die Bevoll-mächtigung in der Adventgemeinde.Das repräsentative Modell der Kir-
„Ungeachtet der Tatsache, dass Paulus persönlich von Gott unterwiesen war, hatteer keine überspannte Vorstellung von individueller Verantwortung. Auch wenn erin Bezug auf eine unmittelbare Führung auf Gott blickte, war er jederzeit bereit, die Vollmacht anzuerkennen, mit der die Versammlung der Gläubigen, die in kirchlicherGemeinschaft vereint war, ausgestattet war. ... Ebenso wie Petrus lehrte er, dass alle Verantwortungsträger der Gemeinde ‚einander untertan sein sollten‘.“ (Ellen White,
 Acts of the Apostles
, 200)„Die adventistische Form der Kirchenverfassung ist repräsentativ. Dadurch wird an-erkannt, dass die Vollmacht bei den Gliedern liegt. Dies wird durch entsprechendeWahlen auf allen Ebenen und Exekutivverantwortlichkeiten zum Ausdruck gebracht,die repräsentativen Organen und Vorstandsmitgliedern für die Leitung der Kircheauf den verschiedenen Ebenen übertragen werden.“ (SDA Church Manual, 28)
 
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den Gemeindegliedern und damitdie Verpichtung zur Rechenschatvergrößert, steigt auch die Versuchung auseiten der Leiter, sich selbst alsultimative Quelle der Handlungsvoll-macht zu sehen, anstatt als dienendeHaushalter. Selbsterhebung undHerrschatsdenken sind laut Bibel die Wurzel der ursprünglichen Sünde. Siekönnen sich auch au die Führung derGemeinde negativ auswirken. Unein-geschränkte Macht korrumpiert. Dashat schon 1887 Lord Acton in einemBrie an Bishop Creighton gesagt:„Macht macht korrupt, und absoluteMacht macht absolut korrupt.“[3] Eingesundes System der Repräsentationschützt gegen solche endenzen.Das Gemeindehandbuch nennt vierFormen der Verwaltungsstruktur:episkopal, päpstlich, unabhängig undrepräsentativ. Die repräsentative Formanerkennt, dass die Vollmacht bei derGemeindeversammlung liegt. Sie ießtvon dort hinau zu den gewählten Ver-antwortungsträgern, die die Gemeindeals Haushalter leiten und verwalten.Diese berichten aber weiterhin an dieGemeindeglieder. „Jedes Gemeinde-glied hat bei der Wahl von Gemein-debeamten eine Stimme“, sagte Ellen White. „Die Delegierten, die vonder Vereinigung ausgewählt wurden,wählen den Vorstand des Verbands,und die Delegierten, die vom Ver-band ausgewählt wurden, wählen denVorstand der Generalkonerenz. Sohat jede Vereinigung, jede Institution, jede Gemeinde und jedes einzelneGemeindeglied entweder direkt oderdurch Repräsentanten eine Stimmein der Wahl jener Personen, die dieHauptverantwortung in der General-konerenz tragen.“ (8, 236.)Die Adventgemeinde hat ein reprä-sentatives Führungsmodell. Dabeigibt es Puer, die die Ausübung vonMacht zwischen den vier Leitungs-ebenen beschränken.[4] Jede Ebeneunterliegt in ihrer Funktion einerVerassung, die Gebiet, Grenzen undFunktion deniert. Die jeweils höhereOrganisationsebene wird in Bezug au ihre Macht über ihre Grenzen hinausbeschränkt. Diese Grenzen bezüglicheiner Machtausübung nach untenhalten die Neigung in Schach, sich zuviel Macht anzueignen, was zu einemSystem des Herrschens, statt desDienens ühren würde. Ellen Whiteunterstützt diese Führungsstruktur:„Es war notwendig, Verbände einzu-richten, damit die Generalkonerenznicht das Geschehen in allen Vereini-gungen diktiert. Die Macht, mit derdie Generalkonerenz ausgestattet ist,soll nicht in der Hand eines Mannesoder zweier Männer und auch nicht inder Hand von sechs Männern ruhen.Es muss über den einzelnen Ebeneneinen Rat von Männern geben.“[5]Die Gemeinde muss der Versuchung widerstehen, sich in der Praxis – undvielleicht sogar auch in ihrer Policy –zu einem episkopalen Führungssystemzu entwickeln.Diese Grenzen werden nicht nur in derPraxis verwischt, sondern allmählichauch im mentalen Führungssystem derGemeinde. Es gibt Belege daür, dasses Mandate au höherer Ebene gibt,die in die verassungsmäßigen Rechteder nachgeordneten Organisationsebe-nen eingreien. Es gibt inormelle und juristische Schritte, die dies in Fragestellen. Dabei geht es um Argumentebezüglich der Vollmacht und relativenEigenständigkeit des adventistischenSystems. In dem Maße, wie das reprä-sentative Modell zerällt, kann mandavon ausgehen, dass es Reaktionenvon Frustration geben wird, und zwarin dem Maße, wie die Gemeindegliederzunehmend an Stimme verlieren unddie „Ohren“ der Organisation immerweniger au die Stimme der Gemeinde-glieder hören. Desinteresse und eil-nahmslosigkeit werden die wahrschein-liche Folge sein.Die Delegiertenversammlungen sindder Ort, an dem angemessene Aus-drucksormen der Macht besonderswichtig sind. Sie sollten eine Atmo-sphäre der Oenheit ür Meinungsäu-ßerungen und Anträge der Delegiertenbieten, indem genügend Zeit gebotenund entsprechende technische Vorkeh-rungen gemacht werden, damit die Ver-sammlung gehört wird. So anerkenntman, dass bei solchen Versammlungen
„Es gibt Belege dafür, dass es Mandate auf höherer Ebene gibt, die in die verfassungs-mäßigen Rechte der nachgeordneten Organisationsebenen eingreifen.“

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