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Belozwetoff Das Glocken Wunder. Eine Erzählung

Belozwetoff Das Glocken Wunder. Eine Erzählung

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Published by Freddy Kokke
Dezember 1946
Erzählung
Dezember 1946
Erzählung

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01/16/2013

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text

original

 
Das
Glockenwunder
Von
Kicolai
Eelozwetoff
Dezember1946
Herrn
und
FrauDr.
AntonRennen
in
treuer
Freundschaft
gewidmet
.
Das
einsame
stille
Kloster
im
Dickicht
des
Waldes
wurde
von
einem
furcht
baren
Unglück
heimgesucht.
Das
fromme,arbeitsame
und
ein
tönige
Leben
seiner
andächtigen
Mönche
hatte
ein
plötzliches
Endege
runden.Die
feierlichen
Gesänge
der
Messen
ertönen
nicht
mehr.
Keine
andächtigen
Beter
strömen
durchdas
geöffnete
Tor
in
den
Hof
der
Klosterkapelle.
Vor
dem
altersdunkien,braunen
Antlitz
einer
wunder
tätigen
Muttergottesikone
brennen
keine
Kerzen
der
Andacht
und
Liebe.
Dochwas
das
Schlimmste
ist:auch
die
wunderbare
Glocke
des
Klosters
ist
verstummt;
ihre
klare,tiefe,vibrierende
Stimme
ertönt
nicht
mehr.
Und
noch
unlängst
riefen
diese
nächtigen-Laute
die
Herzen
der
Bmern
und
bewogen
siemitunwiderstehlicherGewalt,zurressp
eilen.
Ihr
rythmischerKlang,in
de-
der
Herzschlag
des
orthodoxen
Glaubens
lebte,offenbarte
das
Geheimnis
der
russischen
Kirche,deren
Bewusstsein
schläft,deren
Leib
untätig
im
Schlafe
ruht,während
ihr
Herz
mit
ihren
ewigenRythnus
der
alltäglichen
T'esse
halbbewusst,doch
unermüdlich
wei.terschlägt
,den
ruhenden
Leibe
Leben
verleihend.
Gleich
feierlichen
Pilgern
schritten
ihre
tiefen,vibrierenden
Schgeliber
vieler
und*viesendes
unabsehbaren
russischen
Landes,die
Kunde
von
der
frendIren
Auferstehung
indie
"Ferne
tragend
und
das
christliche
Ge«n.c,senerweckend.Ganze
Generationen
von
Glockengiessern
™ussh-en
ihre
Kunst
^ben,bis
ein
Grosser
unter
ihnen
erstand,der
das
"runder
vollbrachte
und
das
tote
Erz,
aus
dem
toten
S^einder
~rde
ge
schürft,zu
singen
und
j?u
reden
veranlasste.
Mit
einen
innerenunfehlbaren
Gehör
vereinigtedieser
unbe
kannt
gebliebene
freister
eine
vollkommene
Fertigkeit
des
Plandwerkes,
Daher
vermochte
er
auch,aus
demstummenFvTetall
die
Stimme
der
verbor
genen
Sehnsucht,den
warmen
i'on
des
Glaubens
hervorzulocken.
So
verlieh
er
dem
toten
2rzdie
erhabene
Fähigkeit,mit
lauter
und
klarer
Stimme
von
Gott,
seinemSchöpf
er,
zu
künden.Darin
(a.ber^beTtalia")das
eigentliche
wunder
dieser
Glocke,dass
sie
den
Glauben
in
den
Menschenherzen
er
weckte,weilesdasTote
der
Erdewar,daszusingen
und
zulobenbegann.
Und
so
lange
die
^oukenrihr
Bekenntniszu
Gott
in
die
Ferne
des
unab
sehbaren
Landes^önen
ftfee-,lebteauch
der
Glaubeim
russischen
Volke.
L'un
ist
aber
die
Glocke
verstummt^denn
auch
die
Stille
des
friedlichen
Klosterlebens
wurde
endlich
vom
aligemeinen
russischen
Un
heil
getroffen.Sines
Tages
erschienen
sie,die
finsteren
Träger
dieses
Unheils
-
mit
schwarzen
Lederjacken
und
einem
Colt
an
der
Seite,mit
Jagdhunden
und
Maschinengewehren
und
bemächtigten
sich
des
Keiligtunes.
Die
T'ön-
che
wurden
aus
ihren
Zellen
hinausge
tri
eben,
erbarmungslos
ermordet,
und
erschossen.Kur
wenige
von
ihnen
konnten
dem
Tode
entgehen,indem
sie
sich
in
die
benachbarten
Wälder
flüchteten.
Das
kostbare
Kirchengerät
und
die
Ikonen
wurden
beschlagnahmt
und
abtransportiert,das
Kloster
selbst
in
ein
Museum
der
Gottlosen
verwandelt
und
mit
Lautsr>recher
 
und
Lineeinrichtungversehen.
V/as
aber
diewundertigeGiockeanbe
langt,so
wurde
sie
vom
Kirchturm
heruntergeholt
und
auf
denHofge
stelltem
in
eine
Kanone
umgegossenzu
werden.
Grosswar
die
Verzweiflung
und
Trauer
der
Bevölkerung
alier
benachbarten
Dörfer,als
sie
davonKunde
erhielt.Tiefe
Kacht
senkte
sich
in
alle
Seelen.
Und
diese
Tracht
schien
um
sodunklerzu
sein
gegendie
klaren
und
warmen
Sommertage
und
die
heitere,
fruchtbare
Katur'die
dieses
Geschehen
umrahmte
.*
DerTagdesUnheilswer
bereits
verstrichen.
7ie
Häufenge
spaltenen
Holzes
liegen
blutige
Leichen
neben
der
Glocke
auf
dem
Hofe.
Betrunkene,freche,blutdürstigeTschekisten,von
ihrer
Arbeiterdet,
erholen
sich,indem
sietrinken
oder
fjarteifspielen.Einige
von
ihnen[die
besonders
betrunken
sind,singen
inder
Kapelle
Revolutionslieder.
Der
älteste
von
ihnen,derTschekistSmirnoff,nimmtkeinenAnteilan
d'en
Belustigungen
seiner
Genossen.
Dieser
düstere,habere
Mensch
mit
bittere^
verbissenemGesichtsausdruck,isteinehrlicher
und
überzeugter
Gegner
Gottes.BrkämpftgegenGottaus
ideellen,uneigennützigenGründen-
weil
er
denGlauben
als
Opium
empfindet,welches
dasVolkverp-i+'tet
un*
ver
dirbt.
Tarnstun-
feierlich
tötet
er
seine
nächsten
-im
Kamen
der
Devolution,die
er
anbetet.
Das
Treiben
seiner
ausgelassenenGenossen
missbilligt
er.
Thr.
scheint
,dass
ihre
Sache
nicht
"ernst
genug
genommen
-7ird.
Kein,er,Smirnoff,hat
keine
Schwächen!
Bin
asketischer
Diener
der
Revolution,verwirft
er
wie
den
"'einso
auch
dieFrauen.
Das
einzigp
was
er
sich
erlaubt
,womit
er
sich
in
denwenigenStunden,
der
Kussebe
be
schal
tigt,ist
dasnigliche
Spiel.
Diesem
Spiel
ist
er
mitganze-.
Herzenergeben.Esberauscht
ihn
wie
der
stärkste
'.Voin
und
schläfert
sein
unruhigesGewissen
ein.
dennsonst,wenn
er
nicht
spielte
undn^cht
über
KfitffrY*frffffirrfMiS
Kombinationennachzudenken
hätte,
-sonstwären
diese
schlaflosen
Dächtemit
ihrer
Finsternis,in
weicher
die
blutigen
gestaltender
Ermordeten,
-odieseveniuehten,-spukend,zu
langTzu
entsetzlich.
.
......
„I!ie
Schwierigkeitbestelltnur
darin,dass
eskeinen
ihm
ebenbürtigen
opieier
in
dieser
C-egend
gibt.
Allerdings
solelt
seinGehiir»
-epoii
auch
Schach
-aberseinSpiel
ist
nittelnässig
und
nichtspann-
w
+?*?U?
m
Srnlrno:£'r-
Auch
a"diesen
Abend,
nach
diesen
erntenden
Blutbad
des
Tages,sitzensie
bei
der
Üblichen
Abend^arti»
url
zw?'
1n
der
Zexie
des
Trobstes
,v-0
siedie
Macht
verbringensollen
Der
Propst,ein
hagerer,starkknochiger
J'enschmit
ianceir.
kastanienbraunemBart
und
einer
unerschütterlichen
Ruhe
in
den°scnarfen
Adleraugen,sitzt
nebenden
Spielenden
und
beobachtet
schweigend
ihr"
Spiel,Br
ist
dereinzigeVerlebende
im
Kloster.
Tan
hat
ihne^nst
weilenverschont
um
ihn
erst
zuverhören.
Ist
esdoch
woM
-«P-ilch
'**<**
7.^
v]*G**n*™*l*e
von
den
rächenrechtzeitigverstecktworden'sin-
Jetztsoll
der
Breast
den
Ortangeben,wo
das
Versteck
s<
ch
hef1n*"+
Allerdings
war
dasVerhör
ergebnislos,denn
der
verfluchte
Konch
über
hörte
,-jede
Drohung.Br
versicherte
sogar,es
sei
ihnnur
angenehmzu
sammen
mitseinen
Brüdern
zu
sterben.
Katürlich
lügt
er.
Bnd
doch!
Jedenfallshat
man
ihm
versichert,dass
er
bei^
Anbruch
des
kommenden
Tages
erschossen
™1
r*.Allerdingshat
er
dieseVersicherungr.it
"einem
^ast
gemütlichen
Vr
che
In
entgegengenommen.-
"renn
es
aber
so
weit
sein
wird,dannwird
er
vielleicht
dennoch
*zs
Gewünschteangeben.So
sitzt
er
denn
da
,geduldig,ruhig,fast
behaglich
und
beobachtet
^s
^PieL.
Langes
^ch^eigen^as
Plötzlich
unterbrochen
wird:"Kach'drei
Zügen
ist
Ihr
Läufer
verloren.>r
i'um
Ihres
Gegners
durchbrioht
Ihre
 
xront!ertontdie
tiefe
Stimme
desProtestes,"an
Ihrer
Stelle
würde
ich
aulden
,eu*?rn
verzichten."
»Was
sagst'du
da?'rue
lieber
Busse
für
deine
Sünden
und
störe
nicht
unserSpiel«;
fährt
ihnPepoifanunzu-
frieden,erstaunt
und
hnischzugleich.
Doch
Smirnoffhorchtaufüber
prüit
das
Spiel
und
scbaut
verwundert
den
Probst
an.
'
"Spielen
Sie
dennSchach?""Ein
bisschen
-
zur
Unter
haltung".
"Mir
scheint,dassSiegutspielen
müssen
-Si*haben
meinen
Plan
soiort
und
ganz
richtig
durchschaut.'VollenSieeine
Parti-
mit'
mirversuchen?"
"
"Untereiner
Bedingung:
sollte
ichgewinnen,so
müssen
Siemir
mein
Leben
schenken."
"Das
darf
ich
nicht
tun,meinLieber,dann
würde
ich
handelnwie
ein
Konterrevolutionär.Aberich
kann
Ihnen
einenanderenVorschlag
machen-
S-ie
dürfensolangeleben,bisSieeine
Partie
gegen
mich
verlieren.
Da
durchwirdthnen
einiger
Aufschubgegeben,miraberderGenuss,mit"einem
richtigen
Spieler
zukämpfen.
Und
dann
diese
Spannung,dieses
Risiko
für
beide
Seiten!
-
Sind
Sie
einverstanden?"
"Gemacht"!
"Dann
rasch
an
das
Spielfdie
Zeit
vergeht,
bald
wird
der
borgen
grauen1.
Säume
ihndeinen
Platz,Bopoff!"
Mit
finsterer,unzufriedener
Kiene
fo^gt
Popoff
dem
Befehl,er
verlässt
das
Zimmeraund
das
Spiel
beginnt.
Langsam
schiäfft
der
Probst
ein
Kreuzzeichen
und
macht
fest
und
sicher
die
ersten
Züge.
Ernst
und
streng
v/ird
der
Ausdruck
seines
vorher
•&«-
liV
JUKI
VMU/'.«JVI
M
ÜU
T
\+
•»-
V-*.
*.<•»»-.»**
.•.
.^
w-i.«j.-^.
—————j-j-
__
_-
__^
Spannend
undverzweifeltistderKampfdieserSpieler,vondenender
eine
fürseinLeben,deranderefür
seine
Ehrekämpft."NunhabenSie
IhrenLäufer
verloren!"
triumphiert
Smirnoffmiteinem
bösencheln.
"Vlerm
Gottes
v/ili^"
erwidertderProbstgelassen.
"Undjetztfolgt
ihmder
Turm!IhreSachestehtschiecht,meinLieber!"
"Wenn
Gottes
will"
v/iderholt
derProbstmit
derselben
unerschütter
lichen
Ruhe.
"7/as
mchen
Sil«
denn?
Sie
verlieren
IhreKöniginunddamit
thr
Leben!"fährtSmirnoffauf.
Doch
anstatt
zu
antworten,lächeltderProbstnur.
"Dafür
erreicht
mein
Bauer
Ihre
Etappe,und
wi$fs(
zur
neuen
Königin.
c.
.„
feuernfront.
Kit
Kilfe
dieserbeiden
Bauern,die
Ihren
König
einsperren
und
dieses
drittenBauern,dersoeben
zurKöniginwurde,wird
Ihr
König
'
nachdrei
Zügen
matt
gesetzt.KitGottesHilfehabeich
das
Spiel
ge
wonnen,Genosse!"Und
v/ieder
schlägtderProbstdasZeichendesKreuzes.
Gleich
einem
Hahn,vor
dessen
Schnabel
ein
Kreidestrich
gezogen
ist,
starrt
Smirnofffassungslos
und
verwirrtaufdasSchachbrett.
"Stimmt!"
brummt
er
endlich.
"Sie
habenmich
überlistet
.Sie
sind
ein
ausgezeichneterSpieler,
Genosse
Projbst.
Ich
möchte,
dass5ie
noch
am
Leben
blieben,
damit
ich
mit
Thnenspielen
könnte."
"Kit
Gottes
Hilfe,Genosse,
mit
Gottes
Hilfe."
"Jetzt
aber
sind
5ieverpflichtet
zu
spielen,bis
Sie
verlieren."
Der
Probst
zieht
seine
Augenbrauenzusammen."UntereinerBedingung
spieleIchnoch
einmal:ich
habe
meinLeben
nur
deshalbgewonnen,un
es
auf
das
Spielzusetzen.
*7enn
ich
verliere,könnenSie*mich
sofort
töten,
sollteich
aber
bis
zu-
Korgengranengewinnen,bin
ich
ebenfalls
bereitzu
sterben,doch
unter
einer
Bedingung,die
Sie
erfüllen
müssen:
ne

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