Nordische Zeitung 3, 73. Jg. / 3805 n. St.
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die Vögel als Geleittier des Heldenbeim Zuge in die andere Welt und alsÜberbringer des Lebenswassers hervor-treten
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.Im Zusammenhang damit findet sichhäufig die Andeutung eines
Brunnens
an den Wurzeln des Baumes (Bild 2).Auch in diesem Motiv wird die Überlie-ferung sichtbar, die für den Ursprungder Darstellungen in der Volkskunst diegleiche ist wie für die Erzählung in derEdda, in der es von der Esche Yggdrasilheißt: immergrün steht sie am Urdbrun-nen
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.Die am stärksten in Erscheinung tre-tende Ausgestaltung des einfachen Mo-tives, das nur das Menschenpaar amBaum zeigt, erfolgt durch die Hinzufü-gung der
Schlange
, die zumeist amStamm des Baumes angebracht wird(Bild 2). Dadurch tritt, rein äußerlichgesehen, eine Veränderung des Motivesein. Aus dem Menschenpaar, das sonstnur als solches erschien, wird jetzt
Adam und Eva
. Der Baum aber, dersonst ein Sinnbild lebensspendenderKraft ist, dessen Früchte Jugendfrischeund Fortbestand gewähren
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, wird zu ei-nem Giftgewächs. Der Genuß seinerFrucht bedeutet Verdammnis und Ver-treibung aus dem Paradies, der altenHeimat. Das Gesamtmotiv erscheint alseine Darstellung des Sündenfalles.Es ist durchaus fraglich, ob diese Dar-stellung des Sündenfalles in der gedank-lichen Vorstellung der Verfertiger derbetreffenden Gegenstände das alleinMaßgebliche gewesen ist, oder ob nichtdoch noch andere Vorstellungen in demMotiv zum Ausdruck kommen.Zunächst erscheint es unwahrschein-lich, daß ein Motiv, das einen ausge-sprochen negativen Inhalt wie den desSündenfalles hätte, die weite Ausdeh-nung im Gesamtbereich der Bauern-kunst hätte finden können, die dieseDarstellung des Menschenpaares amBaum bis in die Gegenwart einnimmt.Ganz unmöglich wäre es aber gewesen,daß eine Verfallserscheinung wie derSündenfall ausgerechnet unter demsinnbildhaften Gebäck der Weihnachts-zeit
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eine bevorzugte Stellung einge-nommen hätte, da gerade dieses Fest ei-nen ausgesprochen lebensbejahendenSinn hat. Desgleichen hätten die jungenMädchen ihre Stickmustertücher
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kaummit dem Motiv versehen, wenn sie ihmnur die Bedeutung des Sündenfallesbeigemessen hätten.In diesen Darstellungen der Schlangemuß noch etwas anderes zur Geltunggekommen sein. Auf bäuerlichenStühlen ist sie häufig zu finden und bil-det dort allein (Bild 3) oder paarig dieRückenlehne
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. Vielfach trägt hier dieSchlange einen kronenartigen Drei-sproß auf dem Kopf. In der gleichen Artfinden wir sie auch an den Toren west-fälischer Bauernhäuser
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.Es ist absolut undenkbar, daß die Bau-ern Haus und Gerüst mit einem Tier ge-schmückt hätten, wenn die mit diesemTier verknüpfte Bedeutung unheilvollgewesen wäre. Die Schlange muß viel-mehr einen durchaus positiven Sinn ge-habt haben. Dies entspricht auch demWesen der sonst an diesen Stellen ange-brachten Sinnbilder. Trägt die Schlangesogar einen Dreisproß, wird ihre Be-deutung als Träger und Mittler der Le-benskraft besonders wahrscheinlich. Indiesem Sinn gewinnt sie auch in der Ver-bindung mit dem Baum, zu dessen Sei-ten das Menschenpaar steht, besondereBeachtung. Die „Paradiesszene“ fandeben deshalb die häufige Darstellung,weil hier eigentlich Dinge behandeltwurden, die in der völkischen Überlie-ferung verankert waren. Der Baum alsSinnbild des sich ewig erneuernden Le-bens und als Schicksalsbaum, das Men-schenpaar als Träger des Lebens unddie Schlange mit der Lebensfrucht fü-gen sich zu einem wesensgleich aufge-bauten Motiv zusammen, das erst in derchristlichen Umdeutung seiner Einzel-bestandteile einen anderen, einen nega-tiven Sinn erhält.Im Rahmen dieses Gesamtmotives fälltdie Heraushebung einer Umgrenzungdes Ganzen auf, die vierseitig
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oder, dermeist flächigen Zeichnung entspre-chend, nur auf der Vorderseite erfolgt.Dadurch wird zum Ausdruck gebracht,daß ein besonderer Bezirk abgegrenztist, eine andere Welt als die gewöhnli-che, in deren Mittelpunkt der Baumsteht. Im Sinn der „Paradiesszene“ istdies natürlich das Paradies, im Sinne derÜberlieferung der Schicksalsgarten.Die Darstellung auf einem bemaltenSchrank aus dem Gudbrandstal in Nor-wegen (Bild 4) kennzeichnet die Ge-schlossenheit dieses besonderen Bezir-kes deutlich und hebt in der Umgren-
Bild 4: Tür eines bemalten Schrankes aus demGudbrandstal in Norwegen.(In den Sandvigschen Sammlungen zu Lillehammer, Norwegen.) Bild 6: Hölzerne Backform aus Celle.(Bomann-Museum, Celle.) Bild 5: Kopfkissenbezug aus den Vierlanden. (Niedersächsisches Volkstumsmuseum, Hannover.)
umbruch_3/05 05.07.2005 23:14 Uhr Seite 50
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