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Das Experiment - Acht flogen über das Kuckucksnest -

Das Experiment - Acht flogen über das Kuckucksnest -

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10.12.12Das Experiment -- Acht flogen über das Kuckucksnest - NZZ Folio 09/02 - Thema: Märkte1/2nzzfolio.ch/www/…/4d51a9bb-0a09-401f-9f5d-8aa7a5027d34.aspx
NZZ Folio 09/02 - Thema: MärkteInhaltsverzeichnis
Das Experiment -- Acht flogen über das Kuckucksnest
Wie lange wird ein Gesunder in einer Nervenklinik behalten? David Rosenhan hat es 1968 ausprobiert.Von Reto U. Schneider 
DIE VORBEREITUNGEN für sein Experiment waren immer dieselben: David Rosenhan, Professor für Psychologie an der StanfordUniversity, putzte sich mehrere Tage lang die Zähne nicht. Er wusch sich auch nicht und liess das Rasieren bleiben. Dann zog er schmutzige Kleider an, vereinbarte telefonisch unter dem falschen Namen David Lurie einen Termin in einer psychiatrischen Klinik undliess sich von seiner Frau vor dem Haupteingang absetzen.Im Aufnahmebüro klagte er, Stimmen gehört zu haben, die, soweit er sie habe verstehen können, «leer», «dumpf» und «hohl» gesagthätten, und bat um Aufnahme in die Klinik. Der untersuchende Psychiater konnte nicht wissen, dass Rosenhan diese Symptomesorgfältig ausgewählt hatte, weil es in der wissenschaftlichen Literatur keinen Fall gab, der zu ihnen passte. Nach der Einweisung hörteRosenhan sofort auf, die Symptome zu spielen. Er verhielt sich völlig normal, redete mit Patienten und Personal und wartete. Wie langewürde es dauern, bis er als geistig gesund entdeckt und entlassen würde? Das Resultat brachte die traditionelle Psychiatrie in ernsthafteSchwierigkeiten.Rosenhan war 40 Jahre alt, als er 1968 die Frage klären wollte, ob es «Normalsein und Irresein» gibt und wie man beidesunterscheiden kann. «Die Frage ist weder überflüssig noch selbst irrsinnig», schrieb er später in seinem berühmt gewordenen Artikel«Gesund in kranker Umgebung». «Sosehr wir auch persönlich davon überzeugt sein mögen, dass wir normal von anormal abgrenzenkönnen, die Beweise sind schlicht nicht zwingend.»Das Handbuch für Diagnostik der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung teilte Patienten zwar nach Symptomen in Kategorien ein,die eine Unterscheidungvon Geisteskranken und Gesunden ermöglichen sollten. Doch bei Rosenhan war die Überzeugung gewachsen,dass eine psychische Krankheit weniger eine Sache objektiver Symptome sei als der subjektiven Wahrnehmung des Beobachters. Er glaubte, diese Frage liesse sich klären, indem man prüfte, ob normale Menschen, die nie an den Symptomen einer schwerenpsychischen Störung gelitten hatten, in einer psychiatrischen Klinik als gesund auffielen und, falls ja, wodurch.In den Jahren 1968 bis 1972 liessen er und sieben seiner Seminarteilnehmer sich unter falschen Namen und mit denselben gespieltenSymptomen in insgesamt zwölf psychiatrische Kliniken einliefern. Unter den Scheinpatienten waren ein Psychologiestudent, dreiPsychologen, ein Kinderarzt, ein Psychiater, ein Maler und eine Hausfrau, die alle die Aufgabe hatten, aus eigener Kraft aus der Klinikherauszukommen, indem sie das Personal von ihrer Gesundheit überzeugten. Sie zeigten sich kooperativ, hielten sich an alle Regeln der Station und nahmen die verschriebenen Medikamente ein - zum Schein wenigstens: Rosenhan hatte sie vor der Einlieferung gelehrt, wieman Tabletten unter die Zunge klemmt, anstatt sie zu schlucken. Insgesamt erhielten sie 2100 Tabletten, darunter unterschiedlichstePräparate - alle für genau die gleichen Symptome.Welchen Gefahren sich die Scheinpatienten aussetzten, wurde Rosenhan erst klar, als das Experiment schon am Laufen war. Einigebefürchteten etwa, vergewaltigt oder geschlagen zu werden, und Rosenhan merkte, dass er keine Möglichkeit hatte, die Leute notfallsherauszuholen. Von da an war ein Rechtsanwalt auf Abruf bereit. Da kaum jemand vom Experiment wusste, hinterlegte Rosenhan auch Anweisungen für den Fall seines Todes. Alle Scheinpatienten befürchteten, sofort enttarnt zu werden. Zu Beginn führten sie ihr Forschungstagebuch im Geheimen. Mit einemausgeklügelten System wurde dieses Material täglich aus der Station geschmuggelt. Doch bald stellte sich heraus, dass keineVorsichtsmassnahmen nötig waren: Das Personal achtete gar nicht darauf.Kein einziger der Scheinpatienten wurde entlarvt. Zwar wurden schliesslich alle wieder entlassen, aber durchschnittlich erst nach dreiWochen und nicht etwa als geheilt, sondern in den meisten Fällen mit der Diagnose «Schizophrenie in Remission». Rosenhan warteteeinmal sogar 52 Tage auf seine Entlassung. «Mann, war das eine lange Zeit», erinnert er sich heute, «aber ich hatte mich schon richtigan das Anstaltsleben gewöhnt.»Ironischerweise waren es die anderen Patienten, die das Spiel durchschauten. Während der ersten drei Klinikaufenthalte äusserte einDrittel von ihnen den Verdacht, dass die Scheinpatienten gar nicht krank seien, einige von ihnen mit grosser Treffsicherheit: «Sie sindnicht verrückt. Sie sind ein Journalist oder ein Professor. Sie überprüfen das Krankenhaus.»Das Experiment sprach für die Macht des Schubladendenkens in der Psychiatrie. Nachdem ein Scheinpatient bei der Eintrittsuntersuchung als schizophren diagnostiziert worden war, konnte er tun, was er wollte, das Stigma wurde er nicht mehr los. DieKrankengeschichte wurde unabsichtlich so verzerrt, dass sie zur Diagnose passte. Die Klassifizierung als geistig Kranker bewirkte auch,dass normales Verhalten übersehen oder fehlinterpretiert wurde. Über einen Scheinpatienten, der sein Forschungstagebuch führte,hiess es in einem Pflegebericht: «Patient ist mit seinen Schreibgewohnheiten beschäftigt.»Rosenhan und die anderen Scheinpatienten machten auch kleine Versuche mit dem Personal. So baten sie Pflegerinnen und Ärzte vonZeit zu Zeit um Erlaubnis, hinauszugehen, und beobachteten, was dann geschah. Die häufigste Reaktion war eine kurze Antwort im 

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