Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Save to My Library
Look up keyword
Like this
1Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
DDR-Verschwörung - Aids aus dem Labor

DDR-Verschwörung - Aids aus dem Labor

Ratings: (0)|Views: 5 |Likes:
Published by dotto2822

More info:

Published by: dotto2822 on Feb 01, 2013
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

10/05/2013

pdf

text

original

 
07.12.12DDR-Verschwörung: Aids aus dem Labor - SPIEGEL ONLINE1/4einestages.spiegel.de/external/ShowAlbumBackgroundPrint/a25017.html
AP
EINESTAGES - 7. Dezember 2012 21:59URL: http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/25017/1/das_propaganda_virus_des_kgb.html
AIDS-VERSCHWÖRUNG
Das Propaganda-Virus des KGB
 "Nimm es, oder lehn es ab!" Stefan Heym machte sich nicht einmal die Mühe, diplomatisch zu sein. DieBotschaft war klar: Entscheide dich jetzt. Arno Widmann, damals Kulturredakteur der "taz", zögerte nureinen Moment. Dann griff er zu und steckte das Manuskript des hochdekorierten DDR-Schriftstellers in dieTasche. Dass sowohl "Zeit" und SPIEGEL es zuvor bereits abgelehnt hatten, scherte ihn wenig. "Es istbesser, einen Heym im Original im Blatt zu haben als keinen", verteidigte Widmann seine folgenreicheEntscheidung später.Was er mit nach Hause nahm, war, wie es die "taz" Jahrzehnte später formulierte, die wohl "heißesteHysterieware, die die Welt damals zu bieten hatte: Aids". Heym hatte ein Gespräch mit einememeritierten Ost-Berliner Biologieprofessor aufgezeichnet, der eine skandalträchtige These vertrat: DasHI-Virus stamme nicht, wie bisher angenommen, aus Afrika, sondern aus dem US-Militärlabor Fort Detrickin Maryland. Amerikanische Gen-Ingenieure hätten das Virus 1979 für die biologische Kriegsführungkreiert. Durch reine Schlampigkeit sei der Erreger in Umlauf geraten. Ein Laborunfall US-amerikanischerMilitärforscher also.Am 18. Februar 1987 druckte Widmann das Interview unter dem Titel "Aids - man-made in USA" in der"taz" ab. "Es schlug ein wie eine Bombe", erinnert sich Kuno Kruse, damals bei der Zeitung fürWissenschaftsthemen verantwortlich. Vor allem die linke Szene der Bundesrepublik sog die wilde Aids-Theorie auf. Endlich war der Schuldige für die grauenhafte Seuche, die seit Anfang der Achtziger für Angstund Schrecken sorgte, ausgemacht! Und passenderweise handelte es sich um den viel beschimpftenErzfeind USA. Über Nacht war dank seiner Aids-These auch der Ost-Berliner Professor im Westenberühmt: Jakob Segal, ehemaliger Leiter des Instituts für allgemeine Biologie an der Humboldt-Universität.
Im Namen des KGB
 
Stammt Aids aus US-Militärlabors? Vier Jahre lang geisterte diese Theorie weltweitdurch Zeitungen. Obwohl Wissenschaftler sie als Quatsch abtaten, war derImageschaden für die USA enorm. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurdendie wahren Drahtzieher der Verschwörungstheorie entlarvt.
Von
 
 Johanna Lutteroth
 
07.12.12DDR-Verschwörung: Aids aus dem Labor - SPIEGEL ONLINE2/4einestages.spiegel.de/external/ShowAlbumBackgroundPrint/a25017.html
Weder Widmann noch die linke Szene in der BRD ahnten zu diesem Zeitpunkt, dass sie einem perfidenPropagandacoup des russischen Geheimdienstes auf den Leim gegangen waren. Denn die Aids-Theoriewar keine Erfindung Segals. Sie stammte aus der Denkfabrik des "Dienst A der Ersten Hauptverwaltungdes russischen KGB", wie die Agenten Wassili Nikititsch Mitrochin und Oleg Gordijewski unabhängigvoneinander Anfang der neunziger Jahre enthüllten. Deckname der Desinformationsaktion: "Infektion".Seit 1983 arbeiteten die KGB-Agenten daran, ihre Aids-Theorie weltweit zu verbreiten - und so das Imageder USA weltweit in den Schmutz zu ziehen.
einestages gefällt Ihnen? 
 
Hier können Sie Fan bei Facebook werden.
Ein wichtiger Handlanger für die Verbreitung in Westdeutschland war die "Abteilung X" des DDR-Auslandsnachrichtendienstes, wie Günter Bohnsack, damals Oberstleutnant, gleich nach der Wendeoffenherzig ausplauderte. Erhebliche Zweifel daran äußerte der deutsche Genetiker Erhard Geißler, dersich schon 1986 intensiv mit Segals Aids-Theorie beschäftigt hatte: Die Stasi sei nicht Täter sondernlediglich Beobachter gewesen. Fest steht, dass Widmann, wie vermutlich auch Heym, ahnungsloseErfüllungsgehilfen waren, die bereitwillig dafür sorgten, dass die Aids-Theorie auf so große Akzeptanzstieß.Ungehört blieben die vielen kritischen Stimmen aus Ost und West, die das KGB-Machwerk alswissenschaftlich unhaltbar einstuften und es als das abstempelten, was es war: eine Aids-Lüge. Dazuzählten unter anderem der Virologe Reinhard Kurth und der Direktor des renommierten MoskauerIvanovsky-Instituts, Victor Zhdanow, der angesprochen auf das Thema äußerst bissig reagierte: "DieTheorie ist lächerlich. Vielleicht waren es ja die Marsmännchen?"Und selbst die "taz" veröffentlichte wenige Tage nach dem Heym-Interview einen Artikel, in dem derLeiter der Abteilung Virologie beim Robert Koch-Institut in West-Berlin klare Worte fand: Die Theorie seiein "übles, scheinwissenschaftliches politisches Machwerk". Hauptargument aller Kritiker war, dass das HI-Virus nachweislich lange vor 1979 zum ersten Mal in einer Blutprobe gefunden worden war.
Schlüsselfigur der Operation "Infektion"
 Angefangen hatte die üble Kampagne mit einem Leserbrief in der indischen Zeitung "Patriot" im Jahr1983, in dem sich ein angeblich amerikanischer Anthropologe zu Wort meldete und die "Fort-Detrick"-These zum ersten Mal aufstellte. Wie der Historiker Thomas Boghardt nach einer eingehenden Analysedes Textes feststellte, stammte dieser Brief aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls aus den KGB-Denkfabriken.Doch niemand nahm damals Notiz davon, Aids war in Indien noch kein Thema. Zwei Jahre später starteteder KGB den nächsten Anlauf. In der russischen "Literaturnaya Gaseta" erschien ein Artikel, der sich mitdem Thema Aids beschäftigte und sich auf jenen Leserbrief bezog. Washington wurde sofort hellhörig undargwöhnte, dass dies der Auftakt einer weltweiten Desinformationskampagne sein könnte. Zu Recht.Denn kurz darauf kam Segal ins Spiel. Ob er direkt vom KGB eingespannt wurde oder als Trittbrettfahrerdie Thesen der "Literaturnaya Gaseta" aufgriff, ist bis heute ungeklärt. Sein Leben lang bestritt er, dieTheorie vom KGB in die Feder diktiert bekommen zu haben. Vieles spricht dennoch dafür. Nachweislich
 
07.12.12DDR-Verschwörung: Aids aus dem Labor - SPIEGEL ONLINE3/4einestages.spiegel.de/external/ShowAlbumBackgroundPrint/a25017.html
unterhielt Segal enge Kontakte zum "Genossen Berater", wie die sowjetischen Verbindungsoffiziere zurStasi hießen. Und auch Mitrochin erwähnt Segal als eine der vom KGB in Position gebrachtenSchlüsselfiguren der Operation "Infektion".Mehrfach hatte Segal seit 1985 in Vorträgen die vom KGB designte Aids-Theorie ausgeführt. ImSeptember 1986 veröffentlichte er schließlich ein 52-seitiges Manuskript, in dem er gemeinsam mit seinerFrau Lilly, die Immunologin war, detailliert darlegte, wie die Kampfstoffforscher des US-Militärs das Virusangeblich künstlich hergestellt hatten. Laut Segal handelte es sich beim HI-Virus um die Kombinationzweier Viren, die seit Jahrzehnten bekannt waren: Dem Maedi-Visna-Virus und dem T-Zellen-Leukämie-Virus Typ 1. Lange Zeit ging man davon aus, dass Segal seine These auf dem Gipfeltreffen derblockfreien Staaten Anfang September 1986 in Harare in Zimbabwe vorstellte. Neuesten Erkenntnissenzufolge hatte er aber lediglich einen Manuskript-Entwurf an afrikanische Journalisten geschickt, die darauseine Buchbesprechung machten und unter dem Titel "Aids: USA – Home-Made Evil" im ZimbabwerMagazin "Social Change and Development" veröffentlichten.
Ost-Berlin zieht sich raus
 Die Buchbesprechung alarmierte die gesamte Welt. Der "Sunday Express", der "Daily Telegraph", die"Times" und viele andere britische Zeitungen verbreiteten im Herbst 1986 das Märchen von denUS-Wissenschaftlern, die das Aids-Virus erschufen. Der Imageschaden für die USA war gewaltig. Der KGBrieb sich die Hände. Denn je mehr Zeitungen berichteten, desto glaubhafter wurde die Hypothese für dieLaien. Das Interview in der "taz" war letztlich nur der krönende Abschluss - die Saat war auch inWestdeutschland aufgegangen. In über 80 Ländern, 25 Sprachen und 200 Zeitungen war zu diesemZeitpunkt bereits über das HI-Virus aus dem Geheimlabor des Pentagon berichtet worden.Dass Segals These wissenschaftlich nicht haltbar war, wusste auch Ost-Berlin. Deshalb durfte Segal in derDDR nichts zum Thema Aids veröffentlichen. Kurt Hager, damals für Wissenschaft und Medizinzuständiges Politbüro-Mitglied, schrieb im September 1986 an den Leiter der Abteilung Gesundheitspolitikim Zentralkomitee: "Da Genosse Segal selbst von einer Hypothese spricht, müssten eventuelleVeröffentlichungen in offiziellen Publikationen der DDR vermieden werden. Wie weit seine Vermutungen inentsprechenden Zeitschriften des Auslandes veröffentlicht werden können, weiß ich nicht. Sie müsstenselbstredend von Genosse Segal als Wissenschaftler selbst verantwortet werden."Im Herbst 1986 zeigte die Stasi trotzdem noch ein großes Interesse daran, Segals Thesen im"nichtsozialistischen Währungsgebiet" zu verbreiten, wie es intern hieß. Ein paar Monate später stellte sichdie Lage aber schon anders dar. Denn im Stasi-Hauptquartier in der Normannenstraße blieb nichtunbemerkt, dass Segal aus Fachkreisen flächendeckend nur Kritik erntete. Zu viele DDR-Experten hattenklar zum Ausdruck gebracht, dass "die Behauptung Segals wissenschaftlich und medizinisch nicht haltbarist". Darunter befand sich auch der Aids-Spezialist Niels Sönninchsen, der sich zuletzt im November 1987im SPIEGEL zu Wort meldete: "Was Segal sagt, ist eine Hypothese, übrigens keine originelle. EineHypothese ist eine unbewiesene Meinung." Die Sache wurde zu heikel.
Gorbatschow entschuldigt sich
 

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->