Dr. Martin Lindner | Wissen im Web | www.wwweblernen.de | martin.lindner@gmail.com
Die Leute sind also nicht gezwungen, in dein Trainingscenter zu kommen und formelleKurse zu belegen, um etwas zu lernen. Die meiste Zeit bleiben sie bei ihrer Arbeit. DasLernen verschmilzt also mit der Arbeit, was bei die weitem wirkungsvollste Methode ist.Es war, glaube ich, Toyota … Sie haben einmal irgendwo eine neue Fabrik aufgebaut unddabei mit zwei Gruppen verschiedene Trainings-Ansätze getestet. Eine Gruppe hatteeinen zweimonatigen Kurs. Die andere Gruppe hatte nur einen Monat formelle Schulung,im zweiten Monat wurden sie schon zur Arbeit geschickt: Also ohne alle die Informa-tionen zu haben, die sie dort brauchen würden, ohne alle Probleme zu kennen, denensie dort begegnen würden. Es war eine Art "learning by doing". Und dieser zweite Ansatzstellte sich dann als weit effektiver heraus, um die Produktion schnell aufzubauen undin Schwung zu bringen.
WIE EINE NEUARTIGE WEITERBILDUNGS-INSTITUTION AUSSEHEN KÖNNTE
Martin Lindner:
Die Schwierigkeit hier ist, dass man ja schon gewisse Strukturenbraucht, um solche Gruppen zu starten. In deinem Beispiel gehst du schon von einerguten Ausgangsposition aus: Es gibt hier schon prinzipiell Zugang zu weiterbildungs-willigen Professionals, die wissen, dass sie untereinander etwas gemeinsam haben.Aber gehen wir einmal von einer schwierigeren Situation aus: Sagen wir, du hastverstreute Leute, die lernen müssen, weil ihr Job unsicher ist oder weil sie keinenmehr haben. Sie fühlen sich auch emotional unsicher. Wie kann man mit solchen Leutenein Lerner-Netzwerk entwickeln? Und nehmen wir dazu an, dass sie nicht besondersgeübt sind im Umgang mit Medien und dem Web. Sagen wir, sie verwenden im Prinzipnur e-Mail und Suchmaschine, die Jüngeren vielleicht auch Chat. Wie können wir denenhelfen?
Teemu Arina:
Das Beste ist, mindestens eine Live-Session zu haben, wenn es irgendwiegeht. Aber wenn die Leute sich dann einmal getroffen haben, macht es wenig Sinn,einfach mit solchen Treffen weiterzumachen. Dann kann man das Training auf neueWeise organisieren.Natürlich wird es sehr verschiedene Kenntnisgrade im Umgang mit digitalen Mediengeben ... Ich würde sagen, es wäre fruchtbar, den physischen Ort der Weiterbildungs-institution, also das Gebäude, als zentrale
Ressource
zu betrachten, und nicht als die
Quelle
, die fertiges Wissen spendet. Dort gibt es dann verschiedene Lerngemeinschaftenund verschiedene Lernprozesse. Eine möglichst interaktive Umgebung, wo du alleRessourcen findet, die du brauchst: Computer, Bücher, intelligente Leute, die dirhelfen, wenn du eine Frage hast.Das Ganze wäre mehr selbstgesteuert. Du könntest an diesen Ort gehen (tatsächlichoder auch virtuell) und ihn eher als eine Art Zugang benutzen, eine anregendeUmgebung, um deine Interessen zu verfolgen und herauszufinden, was du weitervertiefen möchtest. Du wirst anfangs unterstützt, hands-on, bis du selbst loslegenkannst. Wenn du dann vertraut bist mit den Tools, kannst du leicht von Zuhause ausweitermachen. Diese "Ressourcen-Zentren" müssen sehr offen sein und dem Web einewichtige Rolle einräumen: Bloggen, Feeds, Videocasts, Podcasts ... Was die Leute dorttun, und auch was ihnen als Kurs angeboten wird, sollte so offen wie möglich sein, ausmehreren Gründen.
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