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Lerneinheit 4a: Kommunikationspolitik und Medienrecht in Deutschland bis zur Wiedervereinigung 1989
 
Zum Inhalt dieser Lerneinheit
Was bedeutet eigentlich Kommunikationsfreiheit? Welche Rolle spielt sie für ein demokratisches Gemeinwesen? Wie ist sie zu gewährleisten? Kann esGründe für eine Reglementierung der öffentlichen Kommunikation geben? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Kommunikationspolitik und dasMedienrecht. Und diese Fragen durchziehen auch diese sowie die nächste Lerneinheit.In dieser Lerneinheit soll zunächst einmal geklärt werden, was unter Kommunikationsfreiheit zu verstehen ist. Hier gibt es durchaus unterschiedlicheAuffassungen. Gerade in Deutschland wurden zwei unterschiedliche Varianten von Kommunikationsfreiheit praktiziert: einerseits einmarxistisch-leninistisches Modell in der DDR, andererseits ein bürgerlich-liberales in der Bundesrepublik Deutschland. Im ersten Schritt werden dieunterschiedlichen Auffassungen von Kommunikationsfreiheit erläutert.Im nächsten Schritt soll die Durchsetzung der Prinzipien der Kommunikationsfreiheit nach 1945 geschildert werden. Da unsere heutige Medienstrukturzum großen Teil noch auf die Medienpolitik der Weltkriegsalliierten zurückgeht, interessieren zunächst die maßgeblichen medienpolitischenWeichenstellungen der vier Siegermächte. Dabei wird der Schwerpunkt der Darstellung auf der Medien- und Kommunikationspolitik der Westalliiertenliegen.Im letzten Lernschritt dieser Lerneinheit wird zunächst die föderale Struktur des bundesdeutschen Medienrechts erläutert, um dann die wichtigstenpressepolitischen Entscheidungen sowie die Rundfunkentwicklung bis in die 1970er Jahre hinein zu schildern.
1. Kommunikationsfreiheit
Wenn Sie diesen Lernschritt durchgearbeitet haben, dann sollten Sie die Bedeutung des Begriffs Kommunikationsfreiheit, wie er in der Bundesrepublikaufgefasst wird, verstanden haben. Zudem sollten Sie die Gründe für gänzlich andere Auffassungen von Kommunikationsfreiheit nachvollziehen können.Denn auch die DDR beanspruchte, Meinungs- und vor allem Medienfreiheit durchgesetzt zu haben.
Grundlagenliteratur zum Lernschritt
BAMBERGER (1986), BRANAHL (1992), FECHNER (2000), KEPPLINGER (2000), RONNEBERGER (1978), SCHIWY/SCHÜTZ (1994), TONNEMACHER (1996).
1.1 Was ist unter Kommunikationsfreiheit zu verstehen?
Die Kommunikationsfreiheit nach bundesrepublikanischem Verständnis ist im Grundgesetz
Artikel 5, Absatz 1
festgehalten. Darin steht:
 
Presse zu untersagen. In nationalsozialistischen Zeiten hingegen, aber auch in derDDRwurde die Informationsfreiheit beschränkt. Informationsfreiheit ist nicht nur ein Individualrecht, sondern darüber hinaus wichtig für die freie Meinungsbildung und das Funktionieren einerDemokratie. Denn erst der Zugang zu vielfältiger Information ermöglicht die freie Meinungsbildung des Individuums und in einem zweiten Schritt diegesellschaftliche Willensbildung.
1.4 Was bedeutet Medienfreiheit?
Die dritte Kommunikationsfreiheit neben Meinungs- und Informationsfreiheit, die Medienfreiheit, wird im Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzesfolgendermaßen gefasst: "Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet." Damit sind diePressefreiheit (inkl. Filmfreiheit) und die Rundfunkfreiheit festgelegt.Da aber Medienrechtler unter Rundfunk und Presse nicht das Gleiche verstehen wie Kommunikationswissenschaftler, stellt sich die Frage, was juristischunter Presse und Rundfunk zu verstehen ist.
Was verstehen Juristen unter "Presse"?
Unter den Begriff Pressefallen - so BRANAHL (1992: 22) - medienrechtlich alle
Produkte mit geistigem Sinngehalt
, die
vervielfältigt
werden und fürdie Öffentlichkeit bestimmt sind. Damit sind - aus juristischer Perspektive! - auch Bücher, Broschüren, Flugblätter, Plakate, ja sogar Filme sowiekommerziell vertriebene Videobänder, CDs, CD-Roms oder Disketten als "Presse" aufzufassen. Ihre Herstellung und Verbreitung fällt in den Schutzbereichder Pressefreiheit.
Was verstehen Juristen unter Rundfunk?
Rundfunk wird von FECHNER (2000: 184) definiert als "jede an eine Vielzahl von Personen gerichtete Übermittlung von Gedankeninhalten durchphysische, insbesondere elektromagnetischer Wellen. Maßgeblich ist zum einen die Darbietung für einen
unbestimmten Personenkreis
und zumanderen der
technische Verbreitungsweg
." Die Übermittlung kann sowohl drahtlos oder per Kabel erfolgen. Es ist unerheblich, ob lediglich akustischeSignale (Hörfunk) oder visuell wahrnehmbare Signale übertragen werden (Fernsehen). Das heißt, sowohl Hörfunk als auch Fernsehen fallen unter denBegriff desRundfunks.Darüber hinaus gelten heute auch Übertragungen, die nur mit Hilfe eines zusätzlichenDecodersempfangen werden können, als Rundfunk, d.h. alleFormen desDigitalen Fernsehens, dasPay-TVsowie derVideotext.
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