14MÄRZ 2009
AKTUELL
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POLITIK
Katholische Chaostage
Mit Personalentscheidungen stärkt der Papst homo-feindliche Linie
Fast konnte er einem Leid tun:Noch nie stand Papst BenediktXVI. während seines Pontifikatsso sehr in der Schusslinie seinereigenen katholischen Kirche wieheute. Schuld daran sind zweikurz nacheinander getroffene,
äußerst umstrittene Entscheidun-
gen. Erst hob er die Exkommuni-
kation der drei zur abgespaltenen
Pius-Bruderschaft gehörendenBischöfe auf und ebnete der fun-damentalistischen (und homo-feindlichen) Gliederung damitden Weg zurück in die Amtskir-
che. Dann versuchte er, den
umstrittenen (homo-feindlichen)Dorfpfarrer Gerhard Wagner alsWeihbischof von Linz durchzu-drücken. Massenweise Kirchen-austritte waren die Folge.
Besonderer Schutz vor Homosexuellen nötig
Vor allem an Pius-Bischof
Richard Williamson erhitztensich die Gemüter. Der bestrittrundheraus, dass es so etwas wieeinen Holocaust und Gaskam-mern jemals gegeben habe. Auchin Fragen der Homosexualitätfährt die Pius-Bruderschaft eineeinmütig knallharte Linie, die siewiederum mit dem Papst teilt.So rief der Münchner Ableger anMariä Himmelfahrt im August2007 zu einer Sühneandacht an
der Mariensäule vor dem Rathaus.
Dort war wenige Tage zuvor die
CSD-Parade vorbeigezogen - Grund
genug, Zeugnis gegen die "öffent-liche Missachtung der GeboteGottes" abzulegen. "Die Grün-dungsväter der BundesrepublikDeutschland waren sich sehrwohl bewusst, dass der Staat vonVoraussetzungen lebt, die ernicht selber schaffen kann, näm-
lich die Ehe und Familie. Zu
deren besonderem Schutz wurdedaher die Ausübung der Homo-sexualität als ein Straftatbestandgewertet. So war es bis 1969",
dozierte Pius-Prior Pater Andreas
Mählmann vor etwa 150 Gläubigen.
"Und heute sehen wir, wie öf-fentlich auf der Straße das Ausle- ben dieses Lasters sogar als einRecht eingefordert wird."
Homo-Heiler doch nicht Bischof
Eine weitere umstrittene Perso-nalie: am 31. Januar ernannte derPapst den seit 20 Jahren in derGemeinde Windischgarten am-tierenden Pfarrer Gerhard MariaWagner zum neuen Weihbischof für die Diözese Linz und setztesich damit über die drei Vor-schläge des Diözesanbischof Ludwig Schwarz hinweg.Der heute 54-jährige streng auf Vatikan-Linie getrimmte Dorf-pfarrer hatte sein Studium inRom absolviert und später denDoktortitel in katholischer Dog-
matik erworben. In der Alpen-
republik hatte er mit höchst
umstrittenen Ansichten die Me-dien aufgemischt. So rückte er"Harry Potter" in eine Reihe mitdem Satanismus. Der Hurrikan
Katrina sei eine Strafe Gottes
gewesen. Immerhin habe er nicht
nur alle Nachtclubs und Bordelle,
sondern auch alle fünf Abtrei- bungskliniken von New Orleansvernichtet. Im Interview mit demNachrichtenmagazin "Profil" be-kamen auch Schwule und Les- ben ihr Fett weg. Ob er dennHomosexualität für behandel-und damit heilbar halte, fragteihn das Nachrichtenmagazin
"Profil". Wagner antwortete:
"Dafür gibt es genügend Beispiele,
nur davon spricht man nicht."
Damit wollte die grüne National-
ratsabgeordnete Ulrike Lunaceknicht leben. Der kommendeWeihbischof "schlägt einem Teil
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Nicht alle gläubigen Katholiken vermögendie Entscheidungen des Papstesnachzuvollziehen
der Gläubigen und bekannterma-ßen auch des Klerus direkt insGesicht, wenn er die wissen-schaftlich und gesellschaftlichvöllig unhaltbare Forderung auf-stellt, Homosexuelle müsstengeheilt werden", so die lesbischePolitikerin. "Der 'Läuterung' undBehandlung bedürfen nicht Les- ben und Schwule, sondern jene,die unheilbar von solchen Vorur-teilen infiziert sind."
Die Diözese verhängte ein Inter-
viewverbot, doch der Schaden
war nicht mehr zu reparieren.
Einige österreichische Bischöfemachten ihrem Unverständnis
über die Wahl Roms unverhohlen
Luft. Derweil stapelten sich die
Kirchenaustritte. Zunächst er-
klärte der Pfarrer noch, die Kritik
pralle an ihm ab. Dann aber
erklärte Pfarrer Wagner am 16.Februar zwar seinen Rückzug,allerdings hat er bisher nurmündlich den Verzicht auf dasWeihbischofsamt geäußert, be-richtete der ORF drei Tage später.Um wirklich wirksam zu wer-den, müsste er das Gesuch schonschriftlich und eigenhändig un-terschrieben in Rom einreichen.Da schossen Gerüchte ins Kraut,der Geistliche halte sich womög-lich noch für ein Bischofsamt bereit, dann allerdings nicht inder Heimat, sondern in Rom.Gerhard Maria Wagner blieb zu-nächst für alle Rückfragen uner-reichbar ... (to)
Österreichische Grünen-PolitikerinUlrike Lunacek
F o t o : G r ü n e Ö s t e r r e i c h
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