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24MÄRZ 2009
REISE
 SPECIAL 
Ein Interview mit Jürgen Klimke(60), Bundestagsabgeordneterder CDU und Sprecher im Aus-schuss für Tourismus sowie Mit-glied im Ausschuss für wirt-schaftliche Zusammenarbeit undEntwicklung, über Reisen undMenschenrechte
gab-Magazin:
In 85 Staaten derErde ist gleichgeschlechtlicheLiebe strafbar. In mindestens sie- ben islamischen Ländern drohtsogar die Todesstrafe. Was kanndeutsche Politik hier ausrichten?
Jürgen Klimke:
Wenn wir
 Kontakte in diese Länder haben,
können wir an die Entwicklungs-
zusammenarbeit bestimmte Be-
dingungen knüpfen. Dazu gehören
 auch Fragen wie die Einhaltung
 Verantwortung übernehmen
 Was Politik mit dem Sommerurlaub zu tun hat
   F  o   t  o  :    i  s   t  o  c   k  p   h  o   t  o .  c  o  m
der Menschenrechte und die
Akzeptanz sexueller Minder-
heiten.
gab-Magazin:
Das heißt: Cashnur gegen Menschenrechte?
Jürgen Klimke:
Wenn man sowill, ja. Wir nennen das offiziell
Budgethilfe. Die Frage der Akzep-
tanz von Minderheiten ist hier inder Vergangenheit nicht immeroben auf der Agenda gewesen.
gab-Magazin:
Wie lässt sich dasändern?
Jürgen Klimke:
Es gibt bei-spielsweise die Länderberichte
des Auswärtigen Amtes, die jeder
 lesen kann, der sich für ein be-stimmtes Ziel interessiert. Bei-
spiel: Sie möchten nach Sri Lanka
 reisen und wollen wissen, wasdort los ist. Da gibt es bestimmteReisewarnungen, bloss weil esAufstände in einer Region gibt,oder die Warnungen vor Strän-den bei Dunkelheit. Unserer Auf-
fassung nach sollte hier auch
 dezidiert auf die Situation vonHomosexuellen aufmerksam ge-macht werden.
gab-Magazin:
Deutschlandwird aber seine Beziehungen zuReiseländern wie Polen oderÄgypten nicht gefährden, bloss
weil dort die Menschenrechts-
situation für Homosexuelle pro- blematisch ist?
Jürgen Klimke:
Man kann dassogar noch weiterspinnen undsagen: dann machen wir dieGrenzen zu Dänemark dicht, weildie Dänen uns beim UN-Men-schenrechtsrat in Genf auf dasThema angesprochen haben: Dä-nemark hat uns einen Missstandin Deutschland vorgehalten, weiles hier Übergriffe auf Schwulegibt und Homosexuelle nicht diegleichen Rechte haben. Die Dä-nen mischen sich also auch beiuns ein - und das ist ja auch inOrdnung! Und mit dem gleichen
Recht können wir auch gegenüber
 Polen oder Ägypten auftreten.
gab-Magazin:
Und wenn sichdie entsprechenden Länder auf religiöse oder kulturelle Traditio-nen berufen?
Jürgen Klimke:
Wir bemühenuns, nicht mit dem erhobenenZeigefinger aufzutreten und dielokale Identität zu respektieren.Wenn man unter Entwicklungs-gesichtspunkten in den Touris-mus eines Landes investiert,kann man nicht gleich von nullauf hundert gehen und von heuteauf morgen die gesamte Gleich-stellung erwarten. Wir müssendie Situation von Schwulen undLesben ansprechen und sagen: dahabt ihr Defizite, die unsere künf-tige Zusammenarbeit betreffen.
gab-Magazin:
Gilt das auch beim Thema Sextourismus?
Jürgen Klimke:
Es ist wichtig,Sextouristen, egal ob schwul
oder hetero, immer wieder zu
 sagen: Es ist falsch und es wirdstrafrechtlich verfolgt, wenn esum Sex mit Minderjährigen geht.Das muss intensiv angeprangertwerden. Ich fordere hier auch
mehr Verantwortung der Reise-
industrie.
gab-Magazin:
Wie kann die aus-sehen?
Jürgen Klimke:
Das könnenzum Beispiel Filme sein, die inden Flugzeugen gezeigt werdenund die deutlich machen, dassdas Thema nicht nur eine straf-
rechtliche und eine ethische
 Relevanz hat, sondern das Ge-samte miteinander betrifft. Esmuss auch in Katalogen nichtausdrücklich darauf hingewie-sen werden, dass Hotels direktneben einem Vergnügungsviertelliegen. Länder, die auf Sextouris-
mus setzen, schöpfen damit
 vielleicht drei Prozent ihres tou-ristischen Potenzials aus. Mit
Sextourismus machen die Verant-
wortlichen ihre Länder kaputt.(sm)
   F  o   t  o  :    C   D   U
 
Im Osten geht die Sonne auf 
Leserreise zum CSD nach Krakau
 Jedes Wochenende zieht KrakauHunderte von Schwulen undLesben aus ganz Polen an, umsich in den Bars und Diskothe-ken der Stadt zu vergnügen. Am16. Mai werden es Tausende sein,wenn zum fünften Mal der Kra-kauer CSD "Marsz Tolerancji"stattfindet.Die historische Metropole imSüden Polens ist für die polni-schen Gays sogar wichtiger alsWarschau. Samuel Nowak, derals Vorsitzender der "StiftungKultur für Toleranz" die Paradeseit Jahren mitorganisiert, fasstes so zusammen: "Krakau ist dieeinzige Stadt in Polen, alle ande-ren sind Dörfer". Während sichdie Situation in Polen insgesamtnoch anfühlt wie in Deutschlandvor 20 Jahren, konnte sich in Kra-kau eine schwule Szene etablie-ren. Ein lebendiges Nachtlebenhatte Krakau auch schon vor demErwachen der Schwulen undLesben. In der historischen Alt-stadt reihen sich Bars und Clubsdicht aneinander, von denen sichdie meisten als gay friendly prä-sentieren und andere wie Kokonoder das LAF offensiv schwul-lesbisch sind.
Homosexualität wurde in Polen
 im Gegensatz zu Deutschland niestrafrechtlich verfolgt. Was nichtsein durfte, gab es offiziell auchnicht und musste demnach auchnicht verboten werden. Schwu-les blühte im Verborgenen, wassich bis heute nicht wesentlichgeändert hat. Jegliches öffentliche Auftretenvon Schwulen und Lesben er-zeugt ein ungewöhnlich intensi-ves Echo. Die Widerstände sei-tens der katholischen Kirche undreaktionärer Gruppen sind stark.Krakau ist die Stadt von Karol
Woytila, dem späteren Papst
 Johannes Paul II. Im Jahr 2005musste der geplante zweite Tole-ranzmarsch abgesagt werden,weil Woytila damals seinen Be-such ankündigte und alles Lust-treiben deshalb vorsorglich ver- boten wurde. Heute, zur fünftenParade in sechs Jahren, werdenrund 2000 Teilnehmer erwartet.Das ist im Vergleich zu Hamburg,
Berlin, Köln oder München
nied-
lich, aber von erfrischender
Authentizität. Die Emanzipationist noch jung, die Ziele noch sehrpolitisch und die Szene noch
nicht in Gruppen und Marketing-
interessen zersplittert.Gefahr, wie Volker Beck einstin Moskau angegriffen zu wer-den, besteht für Besucher heutenicht mehr. Die schwarz geklei-deten Herren nationaler Gesin-nung bekommen CSD-Besuchervermutlich dennoch zu sehen -ein groteskes Schauspiel. Siehüpfen am Rande der Paradehinter der Polizeiabsperrung un-ermüdlich auf und ab und skan-dieren dazu: "Wer nicht hüpft istschwul!". Vor sechs Jahren warenes noch 1000 hüpfende Glatzen,im letzten Jahr noch schätzungs-weise 100. Rechtsradikale versu-chen aber auch andere Veranstal-tungen wie zum Beispiel denWeltfrauentag am 8. März zustören. Generell rechnet in Kra-kau jeder Veranstalter, der fürProgressives eintritt, mit einerGegendemo der Skinheads. Angst
hat indes niemand "die Gegen-
demos sind Straßentheater. Wo
es keine Öffentlichkeit gibt,
 tauchen die Glatzen auch nicht
auf" meint Radek Oliva, Chef-
redakteur des Gay-Portals innas-trona.pl. "In den Clubs herrschtjedenfalls Ruhe". (cle)
CSD-Reise Krakau
Publigayte-Leser haben die Möglichkeit,
zum CSD nach Krakau zu reisen. Der Reise-
veranstalter Bird Service bietet ein viertägi-
ges Programm vom 14. bis 17. Mai an.
 
Kosten: 199 EUR (bei eigener Anreise).
 Darin enthalten sind 3 ÜF im guten Mittel-klassehotel, Begrüßungsempfang mit Wod-ka, geführte Radexkursion durch Krakauund Umgebung, Radmiete, geführtes Club-
bing durch das Krakauer Nachtleben.
 Komplettes Programm und Anmeldung auf queer.bird.pl. Veranstalter Maciej Zimowskispricht deutsch und gibt auch gerne telefo-nisch Auskunft.Das Programm beginnt in Krakau. Einegünstige Reisemöglichkeiten bietet dieneue Air-Berlin-Verbindung von Tegel nachKrakau mit Zubringerflügen ab München,
Frankfurt und Köln. Lufthansa und Lot fliegen
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25MÄRZ 2009
 
26MÄRZ 2009
REISE
  
 SPECIAL 
  
REISETYPEN
Partys und Shoppen als Urlaubsziel? Auch das geht: Knud (38) aus Frankfurt geht amliebsten in Berlin und London auf Tour. "Beide Städte sind wunderbar schnelllebig undman bekommt genau den richtigen Level an Reizüberflutung mit den neuesten Ein-drücken der Entwicklung von Mode und Nachtleben." Am liebsten würde Knud jedeWoche losziehen, aber letztendlich ist er ungefähr alle zwei Monate in Sachen Partyund Fashion unterwegs. Das Traumziel ist Los Angeles: "Da will ich ganz dringend zumFeiern hin! Bei ‚Shits and Giggles' sind die am grellsten geschminkten Club Kids undbei ‚Moustache Monday', der eigentlich eher ‚Club Makeup' heißen müsste, ist dieTanzfläche ein Catwalk! Shoppen kann man hier aber nicht. Dafür ist Kopenhagen dasZiel, um die tolle Hendrik Vibskov Boutique zu sehen und hoffentlich viele tolle neueDesigner zu entdecken." Pauschalurlaube kommen für Knud nicht in Frage: "Das löstbei mir Beklemmungen aus. Kreuzfahrtschiffe und Cluburlaube machen mir Angst. Soeine Urlaubsdiktatur wäre für mich eine Strafe. Einsame Strände sind was anderes. Diesind super, wobei ich einsame Seen in Finnland bevorzuge. Hier entspanne ich imSommer regelmäßig mit meinen Eltern, meiner Schwester und ihrer Familie." (bjö)
Seit der Frankfurter Michael am Strand von Miami die Ozeanriesen hat auslaufen sehen,
 ist er selbst zum Seereise-Fan geworden. Er liebt das Gleiten über die Weite desMeeres und ist zwei bis drei Mal pro Jahr unterwegs. Besonders gefällt ihm die Viel- falt eines Kreuzfahrt-Urlaubs: "Es gibt Ruhe und Entspannung, aber auch Kultur undSightseeing. An Bord gibt's Aktivitäten wie Sport, Theater, Restaurants, man kannschwimmen, faulenzen oder Partys feiern. Außerdem begegnen sich auf dem Mikro-kosmos Schiff auf relativ kleinem Raum manchmal Gäste aus mehr als 50 Nationen.Wo sonst findet man das?" Transatlantik-Cruises gehören zu seinen Favoriten. Auchan zwei Gay Cruises hat er teilgenommen: "Die hätten unterschiedlicher nicht seinkönnen: die erste auf einem Gulet, einem traditionellen, einfachen türkischenHolzboot, zusammen mit 12 Männern. Sehr entspannt, sehr relaxt. Dann gab es in2007 in der Karibik ‚The biggest Gay Cruise in History' - 3600 Schwule, von der Muscle Queen über den Rentner bis zum jungen Hundefrisör. Das war eine WocheKarneval, CSD und Love Parade in einem. Danach war ich urlaubsreif!" Einem Ruck-sack- oder Outdoorurlaub ist Michael aber auch nicht abgeneigt: "Mit den richtigenLeuten ist das sicher auch ein Vergnügen" meint der 46-jährige. (bjö)Kai (36) aus Frankfurt möchte in seinem Urlaub etwas erleben! Mit seinem Rucksackbereist er exotische Länder und lernt fremde Kulturen kennen. Südostasien gehört zuseinen beliebtesten Zielen: "Hier habe ich mittlerweile fast alle Länder bereist. Mich fasziniert die Kultur rund um den Buddhismus, der Weltfrieden, der hier gepredigt undgelebt wird, das Essen, das sich komplett von dem unterscheidet, was in Deutsch-land als asiatisch verkauft wird, und nicht zuletzt die Echtheit der Menschen und ihreGastfreundschaft. Myanmar hat mich besonders begeistert." Zwei Mal pro Jahr geht
er auf Tour, nach Möglichkeit fünf bis sechs Wochen am Stück. "Ich schätze das
Gefühl, den ‚deutschen Alltag' hinter mir zu lassen, was mir inzwischen auch immer besser gelingt." Nach Asien soll nun der afrikanische Kontinent erobert werden. Ein
Pauschalurlaub kommt für Kai nicht in Frage: "Wenn ich mir vorstelle, morgens in
einem Bettenbunker aufzustehen, zum typisch deutschen Frühstücksbuffet zu
dackeln um anschließend den ganzen Tag am Strand zu liegen und mir anzuhören,dass hier ja so gar nichts wie in Deutschland ist - das würde ich niemals aushalten!Und was hat ein Pauschaltourist am Ende seines Urlaubs zu erzählen? Nichts - reingar nichts!" (bjö)
Stefan (30) aus Mainz ist ein Kulturfan und reist zu Zielen, an denen kulturelle
 Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt stehen. "Vor allem Paris und Wien sind sehr 
hübsche Orte", schwärmt er. Diese Kulturhauptstädte besucht er regelmäßig.
 Besonderes Interesse hat Stefan an der Zeit des Barock, hat auch schon mehrereSchlösser an der Loire besucht, und Prag durfte auch nicht fehlen. In Paris schlägtStefan sein Quartier in unmittelbarer Nähe des Schlosses von Versailles auf. Dieehemalige Residenz von Sonnenkönig Ludwig XIV hat es ihm angetan. Er ist sogar 
Mitglied der Freundes- und Fördergesellschaft geworden. "Ich habe jetzt einen
 eigenen Baum, denn ich besuchen kann" erklärt er. Alle Prachtstädte des Barock
kennt Stefan aber noch nicht: "St. Petersburg möchte ich unbedingt einmal
 besuchen." Aber nicht nur Museen und Schlösser sind ihm wichtig. "Meistens sindmehrere Sachen damit verbunden, die Abwechslung bieten. Ich kann auch einfachnur gemütlich im Café sitzen und dies genießen." Ein reiner Party- oder Shopping-urlaub wäre allerdings nichts für ihn: "Höchstens ein Badeurlaub zur Entspannungist für mich drin." (cos)
Der Kreuzfahrer 
Unterwegs mit Sack und Pack 
Der Party-ShopperDer Kultur-Liebhabe
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