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28MÄRZ 2009
Es zucke die Tucke!
Der Regenbogensitzung Stage-Report
Die Oberbürgermeisterin tanzt, Gaines Hallsingt barfuß, Bäppi kommt unter die Haubeund das Publikum feiert drei Tage im Süd- bahnhof unter dem Regenbogen. Crystel Coxschlich sich in den Elferrat und berichtet vonder Bühnenaction:Die Regenbogensitzung ist zurück und mitihr die bissigen Sprüche der großen Bäppi.Hauptgrund für die letztjährige Pause: derHessische Rundfunk ist nicht mehr dabei,was die Crew 2008 vor unlösbare technischeProbleme stellte. Ob die Absage nun wirk-lich an Bäppies nacktem Arsch im Fernse-hen lag, bleibt allerdings ein Geheimnis. Im-merhin: eine zukünftige Zusammenarbeitmit dem hr ist trotzdem nicht ausgeschlos-sen. Gerüchte türmten sich in der einjähri-gen Pause genauso wie der Zündstoff fürBäppis Bühnenmoderation, die kein Augetrocken ließ: angefangen bei Papst Benedikt,Angela Merkel und natürlich seine PetraRoth-Parodien. Die OB war persönlich amAltweiber-Donnerstag in erster Reihe anwe-send und wagte mit Bäppi, verkleidet alsperfektes Roth-Double, ein kleines Tänzchenauf der Bühne. Auch unser Prinzenpaar warvor Ort und heizte mit frischen Fassenachts-songs dem Publikum ein.Mikroausfall, ungewollt hörbare Unterhal-tungen aus dem Backstage und müde Witzegehören immer dazu, genau wie die Tatsa-che, dass eine Regenbogensitzung im "Wet-ten dass...?"-Stil immer Überlänge hat. DemElferrat wird übrigens außer Äppelwoi der
Alkohol verwehrt, was allerdings ein Meenzer
 Meedsche wie mich natürlich nicht ab-schreckt; eine heimlich organisierte Pipelinezur Bar versorgte mich unauffällig mit Sekt -mein Glas wurde nie leer!
Ansonsten war eigentlich alles erlaubt.Gaines Hall strippte barfuss, Marion Scholz
aus Köln erforschte lesbisches Paarungs-verhalten, die Homoristen befragten die
 Heteros nach ihrem Outing, Stephen Folkerskam mit Harekrishna Charme und die RosaBembel Böckchen spreizten die Beine wienie zuvor.
Am dritten und letzten Abend wackelteder Südbahnhof mit dem besten und lautes-
ten Gay-Publikum wie zu den besten
Club78-Zeiten. Die Überraschung des Abends
 bekam Bäppi von Babsi Heart und mir mitder Choreo zu Beyoncés "Single Ladies" -schließlich blieb es nicht verborgen, dassBäppi dieses Jahr unter die Haube kommt.Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr,wenn es wieder heißt: "Da zucke die Tucke!"
- oder vielleicht auch unter dem neuem
Motto: "Da ficke die Zicke!" Helau! (cc)
Regenbogensitzung 2010 voraussichtlich Mi, 10.2. -Fr, 12.2. 2010, VVK startet im Mai/Juni 2009, checktregenbogensitzung.de
 THEMA 
FRANKFURT 
REGENBOGENSITZUNG
   F  o   t  o  s  :   c  c ,    W  a  n  g  o   D  e   l   i  g   i  a  n   i  s ,    J  e  n  s   S  c   h  n  e   i   d  e  r
 
1
Schwule stolzieren ja gerne
 mal als Drag durch dieNacht - wie ist das eigent-lich bei den Lesben?
 
 
In der
Lesbenszene gibt es einige Frauen,
 die gerne Ihre maskuline Seitehervorheben und auch männli-cher erscheinen als mancherMann selbst. Ich persönlichschaue mir lieber die weiblichen
Frauen an und auch die schillern-
de und glamouröse Welt der DragQueens gefällt mir besser. Fürmich kommt das Spiel mit dem
Geschlechterwandel nicht in
 Frage. Ich bin gerne eine Frau.
2
 
Lesarion, Facebook, My-
Space - wie viele Profile braucht Frau von heute?
 Interessante Frage. MeinerMeinung nach hängt dies vonvielen Faktoren ab. Wenn jemandschüchtern ist, mag es zunächsteinfacher sein, im Chat Men-
schen zu kontakten. Ich kenne
 einige Frauen, die ihre Partnerin
über Internet kennen gelernt
 haben und auch glücklich sind.Auf der anderen Seite gibt es
Frauen, die gleich mehrere Profile
 
mit unterschiedlichen Nicknames
 haben, um ihre Chancen zu stei-gern. So etwas stößt mich eherab. In einer Stadt wie Frankfurtist es doch eigentlich leichtGleichgesinnte zu treffen. Das
Party- und Locationangebot bietet
 mittlerweile viele Möglich
kei-ten. Ich hatte noch kein Profil auf einer der Datingseiten und lernte
meine Freundinnen eher im priva-
ten Umfeld kennen. Letztendlichmuss aber jede Frau ihren eige-nen Weg zum Glück finden...
3
Du bist immer so quirlig -wie hälst du dichfit?
 Ich nehme mir
schon regelmäßig meine Aus-
Gabbing about
Fünf Fragen an Katja Rosenbecker vom PRINZ-Magazin
zeiten und genieße mein Leben.Viel Schlaf, gutes Essen, leckerWeinchen und eine fantastischeBeziehung gehören für michdazu. Auch durch meine Arbeitkomme ich in den Genuss, inte-ressante Menschen zu treffenund bleibe offen für neue Erfah-rungen. Joggen und Yoga helfenmir körperlich und geistig fit zu bleiben (Gramyo, you´re the best!)
4
 
Wie war dein erstes Mal?
 Ausbaufähig würde ichsagen! Ich war 17, lebte
noch bei meinen Eltern und meine
 Mutter erwischte uns.
5
 
Was magst du an Frankfurt- was geht dir auf die Ner-
ven? 
 
Die Kombination
aus Großstadt und dörflicherIntimität finde ich wunderbar.Die Vielzahl unterschiedlicherkultureller Veranstaltungen ge-fällt mir. Ich liebe den Äpplerund die Apfelweinwirtschaften.Im Sommer am Main auf derWiese liegen und chillen istherrlich.... In der Szene störtmich das ewige Gemeckere unddie negative Grundhaltung ge-genüber Neuem. Die Communi-
ty sollte sich doch unterstützen!Was mir richtig auf die Nervengeht ist die Politik vor Ort. DieVerantwortlichen in einer multi-kulturellen Stadt wie Frankfurtmüssten sich endlich zu einemoffeneren Umgang, auch mitSchwulen und Lesben, beken-nen.
 Vita:
 
Katja Rosenbecker (geb. 30.Mai 1972 in Bad Nauheim) lebtseit 2004 in Frankfurt und arbei-
tet beim PRINZ-Magazin als
An-zeigenleiterin. (bjö)
 SZENE
  
FRANKFURT 
 
KOLUMNE
   F  o   t  o  :    J  u   l   i  a   K  r  o   h
29MÄRZ 2009
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9
x
in Frankfurt
 
Eine Oper im 21. Jahrhundert:
Peter Eötvös' "Angels in America",
 uraufgeführt 2004 in Paris, ba-siert auf dem gleichnamigen,vielfach ausgezeichneten Dramavon Tony Kushner. Im Mittel-punkt der in New York angesie-delten Handlung stehen Men-schen auf der Suche nach ihremGlück: Louis verlässt seinen
Freund Prior, als dieser ihm offen-
 bart, HIV-positiv zu sein. Die Ehevon Joe und Harper zerbricht,weil Joe seine homosexuellenNeigungen auslebt, Roy Cohn hatAids, leugnet aber seine Krank-heit und seine Homosexualität.Die musikalische Leitung unddie Inszenierung der Neuproduk-
tion im Bockenheimer Depot
liegen bei zwei jungen Talenten,die mit "Angels in America"Frankfurts
Kulturlandschaft be-reichern: Erik
Nielsen (31)stammt aus Iowa,
arbeitet seit
der Spielzeit 2002/03 als Solo-repetitor und seit 2008/09 als
 Kapellmeister an der Oper Frank-furt. Johannes Erath (33) erhielt
kürzlich den Götz-Friedrich-Preis
 für junge Regisseure für seine
Sicht auf Massenets "Cendrillon".
gab-Magazin
: Das Drama rech-
net ab mit Fanatismus, Aids-
Hysterie und Diskriminierungender späten 80er Jahre. Was leistetdie Oper von 2004 heute?
Johannes Erath:
Das Stück istuns natürlich näher als andere
Opern, in denen es auch um
Liebe und Tod geht. Im Stückwar es wichtig zu signalisieren,dass Prior mit der Krankheit wei-terleben wird, was damals nocheine Utopie war.
Erik Nielsen:
...und mit demCharakter Roy, den man eigent-lich hassen soll, wird im Stückdiese Utopie real. In seiner Bos-heit bringt er ein Medikamentins Spiel, mit dem Prior weiter-leben kann.
Johannes Erath:
Heute wirdmit dem Thema Aids anders um-gegangen, es wird zunehmendverdrängt oder wieder zum Tabu.Ich habe streckenweise das Ge-fühl, dass es heute wichtiger ist,den Fokus darauf zu lenken, dassman trotzdem Sterben wird.
gab-Magazin
: Ist Aids und dieReaktion der US-Gesellschaft inder Reagan-Ära zentraler Gegen-stand der Oper?
Johannes Erath:
Nein. AuchEötvös hatte nie eine Abhand-lung über Aids zum Thema. Aidsist der Katalysator für diesesStück, der die Handlung ins Rol-len bringt und die Angst vor demTod, vor einer Endgültigkeit vorAugen führt.
Erik Nielsen:
...über diesen Kata-
lysator vernetzen sich die Bezie-hungen der einzelnen Personen,die aber alle auch furchtbar ein-sam sind. Es ist eine bunte Mi-
schung von Menschen mit zeit-
losen Ängsten und Fehlern.
DieseEmotionalität ist eine allge
mein-gültige, egal vor welchem Hinter-grund, sei es Politik oder Aids.
gab-Magazin
: Die Mini-Fern-
sehserie zum Theaterstück wurde
 late night, also zu einer wenig
30MÄRZ 2009
frequentierten Sendezeit, ausge-strahlt, trotz Starbesetzung. Ist
für die Oper mit ähnlichen Akzep-
tanzproblemen zu rechnen?
Erik Nielsen:
Es geht ja nichtprimär um Aids oder Schwule.
Für mich ist es das gleiche
 Thema wie in "La Bohème" oder
"La Traviata". Ob es nun Schwind-
sucht oder Aids ist, es geht umBeziehungen und die gleichenProblematiken.
Johannes Erath:
Wir werdenvielleicht Schwierigkeiten ha- ben, die Leute hinzubekommen,denen etwas mehr Toleranz guttäte, aber man kann sie ja nichtzwingen. Aber es ist gut und not-wendig es anzubieten. (los)
"Angels in America", Oper von Peter Eöt-vös, Premiere 21.3., 19:30 Uhr, Bockenhei-mer Depot, Frankfurt. Weitere Vorstellun-gen 23., 25., 27. + 29. März sowie 1.+ 3.,April, 15 - 50 EUR (zzgl. VVK-Gebühr)
Die Produktion wird begleitet von einer Ausstellung der AIDS-Hilfe Frankfurt e.V..Neben einer Dokumentation zum aktuel-len Sachstand der HIV-Erkrankungen, un- terstützt von der Speyer'schen Hoch-schulstiftung, ergänzen interessanteBeiträge von Reinhard Brodt (Leiter der HIV Infektiologie der Universität Frank- furt), Winfried Hassemer (ehem. Richter am Bundes Verfassungsgericht), MartinDannecker (Institut für Sexualforschungder Universität Frankfurt) und ChristianSetzepfandt, Vorstand der AIDS-HilfeFrankfurt, die Informationstafeln.
 SZENE
FRANKFURT 
KULTUR
 Junge Oper - Junge Talente
"Angels in America" als Oper im Depot
   F  o   t  o  :   c  u   t   j  a   /  p   h  o   t  o  c  a  s  e
Regisseur Johannes ErathKapellmeister Erik Nielsen
   F  o   t  o  s  :    W  o   l   f  g  a  n  g   R  u  n   k  e   l    /   O  p  e  r   F  r  a  n   k   f  u  r   t
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