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hinnerk 
03/0968
reise
Im Osten geht die Sonne auf:
hinnerk 
-Leserreise zum CSD nach Krakau
Jedes Wochenende zieht Krakau Hunderte vonSchwulen und Lesben aus ganz Polen an, um sich inden Bars und Diskotheken der Stadt zu vergnügen.Am 16. Mai werden es Tausende sein, wenn zum fünf-ten Mal der Krakauer CSD „Marsz Tolerancji“ statt-findet.
hinnerk 
-Leser können dabei sein und eine junge schwule Szene entdecken.Die historische Metropole im Süden Polens ist fürdie polnischen Gays sogar wichtiger als Warschau.Samuel Nowak, der als Vorsitzender der Stiftung Kul-tur für Toleranz die Parade seit Jahren mitorganisiert,fasst es so zusammen: „Krakau ist die einzige Stadt inPolen, alle anderen sind Dörfer.“ Während sich dieSituation in Polen insgesamt noch anfühlt wie inDeutschland vor 20 Jahren, konnte sich in Krakaueine schwule Szene etablieren. Beispielsweise der Ko-kon-Klub in einem ehemaligen Kino. Rund 1000 Gäs-te zählt der Club am Wochenende, die zum Teil stun-denlang Auto oder Zug fahren, um hier die Samstag-nacht durchzumachen. Neben zwei Haupttanzflächengibt es auch ruhigere Barräume und einen Darkroom.Janusz Marchwinski, einer der Betreiber, erklärtden Erfolg seines Clubs so: „Schwule brauchen einBiotop, indem sie sich frei bewegen, Partner aus-wählen und anschauen können.“ Entsprechend quir-lig und ungezwungen geht es dort zu. Die geballteslawische Männlichkeit tanzt und flirtet, als gebe eskein Morgen. Montag sind sie wieder in Warschauoder Breslau unter Kollegen, die keine Ahnung ha-ben. Ein Phänomen konservativer Gesellschaften, dieSexualität tabuisieren: Im Verborgenen blüht es umsoheftiger.Ein lebendiges Nachtleben hatte Krakau auchschon vor dem Erwachen der Schwulen und Lesben.In der historischen Altstadt reihen sich Bars und Clubsdicht aneinander, von denen sich die meisten als gayfriendly präsentieren und andere wie Kokon oder dasLAF offensiv schwullesbisch sind. Clubbing ist hierbesonders einfach, weil sich alles auf einem Qua-dratkilometer abspielt und die verschiedenen Barsund Clubs bequem zu Fuß erreichbar sind.Der starke Euro führt bei Reisen nach Polen zuGlücksgefühlen. Bekam man im November noch 3,60Zlotty für den Euro, waren es Ende Februar schon4,60. Das kann sich jederzeit wieder ändern, aber diePreise schwanken für Deutsche zwischen billig undsehr billig. Obwohl eine Clubtour für Polen sehr teuerist, sind die Läden in der Stadt an den Wochenendenbrechend voll. Es sind in der überwältigenden Mehr-heit Einheimische, die hier unterwegs sind. Touristischist die Krakauer Szene noch ein Geheimtipp. MitDeutsch oder Englisch kann man sich aber problem-los verständigen.Homosexualität wurde in Polen im Gegensatz zuDeutschland nie strafrechtlich verfolgt. Was nicht seindurfte, gab es offiziell auch nicht und musste auchnicht verboten werden. Schwules blühte im Verbor-genen, was sich bis heute nicht wesentlich geänderthat. Ausgerechnet die Kirche bietet Schwulen at-traktive Möglichkeiten. Mit der Entscheidung für denPriesterberuf ist man nicht nur versorgt, sondern hatmit dem Zölibat auch gleich ein perfektes Alibi, warumman mit 30 noch nicht unter der Haube ist.Jegliches öffentliche Auftreten von Schwulen undLesben erzeugt ein ungewöhnlich intensives Echo inder Öffentlichkeit. Die Widerstände seitens der katho-lischen Kirche und reaktionärer Gruppen sind stark.
Polnische Party
 
CSD-Reise Krakau
hinnerk 
-Leser haben die Möglichkeit, zum CSD nachKrakau zu reisen. Der Reiseveranstalter Bird Ser-vice bietet ein viertägiges Programm vom
14. bis17. Mai
an. Kosten:
199 Euro
(eigene Anreise). EZ-Zuschlag 69 Euro.Darin enthalten sind
3 ÜF
im guten Mittelklasse-hotel,
Begrüßungsempfang
mit Wodka, geführte
Radexkursion
durch Krakau und Umgebung, Rad-miete,
geführtes Clubbing
durch das KrakauerNachtleben. Das komplette Programm und die An-meldung finden sich auf
www.queer.bird.pl 
. Veran-stalter Maciej Zimowski spricht deutsch und gibtgerne telefonisch Auskunft, individuelle Verlänge-rungen möglich (DZ 42 Euro, EZ 65 Euro).Das Programm beginnt in Krakau. Eine günstigeReisemöglichkeit bietet die neue Air-Berlin-Verbin-dung von Berlin-Tegel nach Krakau. Alternativ: mitdem Nachtzug ab Hamburg über Berlin nach Kra-kau, tagsüber zurück.
Infos und Anmeldungen: 
www.queer.bird.pl www.airberlin.com 
hinnerk 
02/0969
 
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SIS 2-1
Krakau ist die Stadt von Karol Woytila, dem späterenPapst Johannes Paul II. Das Andenken an den polni-schen Pontifex ist in Krakau allgegenwärtig. Im Jahr2005 musste der geplante zweite Toleranzmarsch ab-gesagt werden, weil Woytila seinen Besuch ankün-digte und alles Lusttreiben deshalb vorsorglich ver-boten wurde. Janusz erklärt rundheraus: „Die katho-lische Kirche ist ein Mühlstein um den Hals dieser Ge-sellschaft“. In diesem Jahr, zur fünften Parade in sechsJahren werden rund 2000 Teilnehmer erwartet. Dasist im Vergleich zu Hamburg, Berlin, Köln oder Mün-chen niedlich, aber von erfrischender Authentizität.Die Emanzipation ist noch jung, die Ziele noch sehrpolitisch und die Szene noch nicht in Gruppen undMarketinginteressen zersplittert. Die Gefahr ange-griffen zu werden, wie Volker Beck einst in Moskau,besteht für Besucher heute nicht mehr. Die schwarzgekleideten Herren nationaler Gesinnung bekommenCSD-Besucher vermutlich dennoch zu sehen – eingroteskes Schauspiel. Sie hüpfen am Rande der Para-de hinter der Polizeiabsperrung unermüdlich auf undab und skandieren dazu: „Wer nicht hüpft, ist schwul!“Vor sechs Jahren waren es noch 1000 hüpfende Glat-zen, im letzten Jahr noch schätzungsweise 100.Die Rechtsradikalen versuchen aber auch andereVeranstaltungen zu stören, wie zum Beispiel den Welt-frauentag am 8. März. Generell rechnet in Krakau je-der Veranstalter, der für Progressives eintritt, mit ei-ner Gegendemo der Skinheads. Die geistige Vorar-beit für die Glatzen kommt von reaktionären Grup-pen wie der Vereinigung Piotr Skarga, benannt nacheinem Geistlichen aus der Geschichte Krakaus.Diese Gruppe kleistert im Vorfeld der Parade dieStadt jedes Jahr mit Plakaten zu, auf denen zum Wi-derstand gegen den Verfall der Sitten und insbeson-dere gegen die „Werbung für Homosexualität“ aufge-rufen wird. Der skurrile Gedanke, öffentliches Auftre-ten von Schwulen und Lesben könnte Heteros umpo-len, inspirierte das Internetportal
www.innastrona.pl 
zur Verteilung von Feuerzeugen mit dem Aufdruck„Dieses Feuerzeug wirbt für Homosexualität“. Humorist eine gesunde Art, mit dem Getöse der Ewigges-trigen umzugehen.Angst hat indes niemand. „Die Gegendemos sindStraßentheater. Wo es keine Öffentlichkeit gibt, tau-chen die Glatzen auch nicht auf“, meint Radek Oliva,der Chefredakteur von Innastrona.pl. „In den Clubsherrscht jedenfalls Ruhe.C
LAUS
E
SCHEMANN
 
hinnerk 
03/0970
reise
Jürgen Klimke (CDU) über Reisen und Menschenrechte
Verantwortungübernehmen
Herr Klimke, in 85 Staatender Erde ist gleichgeschlechtli-che Liebe strafbar. In mindes-tens sieben islamischen Länderndroht sogar die Todestrafe. Waskann deutsche Politik hier aus-richten?
Wenn wir Kontakte in diese Länderhaben, können wir an die Entwick-lungszusammenarbeit bestimmteBedingungen knüpfen. Dazu gehörenauch Fragen wie die Einhaltung derMenschenrechte und die Akzeptanzsexueller Minderheiten.
Das heißt: Cash nur gegenMenschenrechte?
Wenn man so will, ja. Wir nennendas offiziell Budgethilfe. Die Frageder Akzeptanz von Minderheitenist hier in der Vergangenheit nichtimmer oben auf der Agenda gewe-sen.
Wie lässt sich das ändern?
Es gibt beispielsweise die Länderbe-richte des Auswärtigen Amtes, die je-der lesen kann, der sich für ein be-stimmtes Ziel interessiert. Beispiel:Sie möchten nach Sri Lanka reisenund wollen wissen, was dort los ist.Da gibt es bestimmte Reisewarnun-gen, weil es Aufstände in einer Re-gion gibt, oder die Warnungen vorStränden bei Dunkelheit. UnsererAuffassung nach sollte hier auch de-zidiert auf die Situation von Homo-sexuellen aufmerksam gemacht wer-den.
Das dient dem reisendenBundesbürger, aber nicht denBetroffenen vor Ort.
Aber die betroffenen Länder sehen,wie sie hier dargestellt werden. Wennsie ein Interesse an einer positivenDarstellung haben, etwa unter touris-tischen Aspekten, dann wird das nichtohne Folgen bleiben. Es muss ein brei-ter Konsens herrschen, auch bei uns.Das heißt, dass sich das AuswärtigeAmt oder das Ministerium für wirt-schaftliche Zusammenarbeit dieserFragen annehmen müssen.
Deutschland wird aber seineBeziehungen zu Reiseländernwie Polen oder Ägypten nichtgefährden, weil dort die Men-schenrechtssituation fürHomosexuelle problematisch ist.
Man kann das sogar noch weiterspin-nen und sagen: Dann machen wir dieGrenzen zu Dänemark dicht, weil dieDänen uns beim UN-Menschenrechts-rat in Genf auf das Thema angespro-chen haben: Dänemark hat uns einenMissstand in Deutschland vorgehal-ten, weil es hier Übergriffe auf Schwu-le gibt und Homosexuelle nicht diegleichen Rechte haben. Die Dänen mi-schen sich also auch bei uns ein – unddas ist ja auch in Ordnung! Und mitdem gleichen Recht können wir auchgegenüber Polen oder Ägypten auf-treten.
Gibt es Länder, in denen sieerkennen, dass das Pochen auf
Somme2009: Ibiza,Sitges,Gan CanaiadasganzeGapogammbeiuns
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