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Offene Tore: Jahrbuch 2000

Offene Tore: Jahrbuch 2000

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OFFENE TORE
BEITRÄGE ZU EINEM NEUEN CHRISTLICHEN ZEITALTER
 Jahrbuch 2000
Das Weinwunder in Kana (Joh 2,1-11)
von Thomas Noack
Unsere Erzählung beginnt mit einer Zeitangabe: "Am dritten Tag war eine Hochzeit inKana in Galiläa" (Joh 2,1). Schon das erste Kapitel war durch Tageszählungen gekenn-zeichnet (Joh 1,29.35.43), die die geschilderten Ereignisse auf vier Tage verteilen.
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Dasalles geschieht noch vor der Gefangennahme Johannes des Täufers (siehe Joh 3,24). DieSynoptiker hingegen lassen die öffentliche Wirksamkeit Jesu erst nach der Gefangen-nahme des Täufers beginnen (Mt 4,12; Mk 1,14; evtl. auch Lk 3,20). Das JohEv ist dem-nach nicht nur dasjenige Evangelium, das die Abschiedsreden und -handlungen am aus-führlichsten schildert, sondern zugleich auch dasjenige, das die bei den Synoptikernfehlenden Anfangsereignisse nachträgt. Diese Beobachtung deckt sich mit einer Bemer-kung, die wir bei Eusebius von Caesarea (gest. 339/340) finden: "Nachdem die zuerstgeschriebenen drei Evangelien bereits allen und auch dem Johannes zur Kenntnis ge-kommen waren, nahm dieser sie … an und bestätigte ihre Wahrheit und erklärte, es feh-le den Schriften nur noch eine Darstellung dessen, was Jesus zunächst, zu Beginn sei-ner Lehrtätigkeit, getan habe." (HE 3,24,7). Das JohEv ist so gesehen das Evangeliumder Anfänge des öffentlichen Wirkens Jesu. John A. T. Robinson erwägt in seinem Buch"Johannes, das Evangelium der Ursprünge"
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den Gedanken, "daß die ersten Tage einerneuen Lebensform, vor allem nach einer Bekehrung, dahin tendieren, als besonders be- 
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Die vier Tage des ersten Kapitels in Verbindung mit dem dritten Tag der Hochzeit ergeben siebenoder sechs Tage. Die Kommentare sind in dieser Frage uneins. Auf jeden Fall scheint mir hier einAnklang an den Schöpfungsbericht Genesis 1 (sechs Tage) bzw. Genesis 1 und 2 (sieben Tage) vor-zuliegen, zumal schon der Prolog Joh 1,1-18 deutlich an Genesis 1 anknüpft. Demnach würde das Jo-hEv Jesus und seine Wirksamkeit als neue Schöpfung verstehen. Dies wäre ferner ein Hinweis dar-auf, dass auch die Apokalypse, die ja ebenfalls auf eine neue Schöpfung zuläuft, von demselben Ver-fasser wie auch das Evangelium stammt.
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Es erschien 1985 unter dem englischen Originaltitel "The Priority of John". Erst 1999 kam die deut-sche Übersetzung interessanterweise auf Betreiben eines Professors für Ostkirchenkunde auf denMarkt. Die griechischsprachige Kirche nennt Johannes seit dem 4. Jahrhundert "den Theologen"schlechthin.
 
OFFENE TORE: Jahrbuch 20002
deutsam erinnert zu werden."
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Der tagebuchartige Stil zu Beginn des JohEv könnte alsoein Indiz dafür sein, dass sich hier ein Augenzeuge (siehe Joh 21,24) daran erinnert, wiealles begann. Auch das Weinwunder in Kana gehört noch in diese früheste Zeit; es istder "Anfang der Zeichen" (Joh 2,11).Das Weinwunder geschah wie die Auferstehung am dritten Tag. Das zeigt: Das ersteZeichen blickt bereits auf das letzte voraus. Die Auferstehung geschah am dritten Tagnach der Versuchung am Kreuz. Ähnlich die Hochzeit. Auch sie geschah nach einerVersuchung, denn der dritte Tag bezieht sich hier auf die Rückkehr Jesu aus der Wüstebei Bethanien (siehe Joh 1,23.28). Diesen Wüstenaufenthalt füllen die Synoptiker mitden bekannten vierzigtägigen Versuchungen Jesu. In beiden Fällen, am Anfang und amEnde der Wirksamkeit Jesu, handelt es sich also um eine große Freude nach schwererBedrängnis.Es gibt weitere Hinweise darauf, dass das Weinwunder die Auferstehung anzeigen soll-te. So sagt Jesus: "Meine Stunde ist noch nicht da." (Joh 2,4). Historisch ist damit ge-meint, dass sich Jesus als Gast auf dieser Hochzeit um den Wein zumindest vorerstnicht kümmern musste. Doch darüber hinaus bezeichnet die Stunde im JohEv die Ver-herrlichung durch die Erhöhung am Kreuz (Joh 12,27; 17,1). Daher ist Jesu Wort, dassseine Stunde noch nicht da sei, typisch johanneisch vieldeutig. Wer nur den Wortsinnhört, verfehlt den Geistsinn. Ferner ist darauf zu achten, dass Jesus durch die Wandlungdes Wassers in Wein seine Herrlichkeit offenbarte (Joh 2,11); auch hier ist an die letztegroße Wandlung im Leben Jesu zu denken; an seine Verherrlichung, sprich Vergöttli-chung. So ist das erste Zeichen Alpha und Omega in einem. Noch war Jesu Mission den Juden, die immerhin die Ankunft eines Messias erwarteten, mehr oder weniger verbor-gen. Der Täufer hatte Verheißungsvolles von diesem in der Gegend bekannten Jesus ausNazareth gesagt (siehe Joh 1). Man lud ihn zu einer Hochzeit ein, - und dort enthüllte er,was die Anwesenden freilich nicht verstanden, sein künftiges, welterlösendes Schicksal.Er offenbarte in diesem Zeichen seine Herrlichkeit.Der Evangelist nennt es den "Anfang der Zeichen" (Joh 2,11); dabei verwendet er das-selbe Wort, mit dem er auch seine Frohbotschaft als Ganze beginnen läßt: "Im Anfangwar das Wort usw." Gemeint ist jeweils nicht bloß der zeitliche Anfang, sondern dasPrinzip, die Grundlage, die Ursache. Das Weinwunder ist daher nicht nur, wie meistübersetzt wird, "das erste Zeichen". Es ist der Inbegriff des gesamten Wirkens und allerZeichen Jesu. Es zeigt die große Vergeistigungswirksamkeit Jesu an.Dass die Wandlung von Wasser in Wein etwas Prinzipielles des Wirkens Jesu anzeigt,mag auch daraus ersehen werden, dass das Wasser im JohEv häufig eine Rolle spielt. Er- 
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 John A. T. Robinson, Johannes - Das Evangelium der Ursprünge, Wuppertal 1999, 174.
 
OFFENE TORE: Jahrbuch 20003
innert sei an die folgenden Sachverhalte der Kapitel 1 bis 7: Der Täufer und Fischer als Jünger (Joh 1), das Weinwunder in Kana (Joh 2), die Wiedergeburt aus Wasser und Geist(Joh 3), das Gespräch am Jakobsbrunnen mit dem Motiv des lebendigen Wassers (Joh 4),die Heilung am Teich Bethesda (Joh 5), Jesu Gang auf dem Wasser (Joh 6) und das Was-serwort anläßlich des Laubhüttenfestes (Joh 7). Und in den Abschiedsreden nennt sich Jesus den wahren Weinstock. Damit schließt das Evangelium gewissermaßen so wie esbeginnt: mit der Wandlung von Wasser in Wein. Denn die Aufgabe des Weinstocks istdie Veredelung des Wassers.Wein ist im inneren Sinn der Einfluß des Geistigen. Für diese Deutung gibt es einigeAnhaltspunkte im Text des JohEv: Die Stunde (Joh 2,4) ist die, in der Jesus zum Vatergeht, von wo er den Geist der Wahrheit (Joh 15,26) sendet. Nach Joh 2,9 weiß der Spei-semeister nicht, woher der Wein ist. Gleiches gilt nach Joh 3,8 für den Geist: "DerGeist/Wind bläst, wo er will; du hörst seine Stimme/sein Sausen, aber du weißt nicht,woher er kommt und wohin er geht." Echte Spiritualität ist unergründlich; ihr göttlichesWoher bleibt unerkannt. Wer im Wein die Gabe des Geistes erkennen kann, dem zeigtsich ein Zusammenhang der Kapitel 1 bis 3: Zuerst weist der Wassertäufer auf denGeistträger (Joh 1,29-34), dann offenbart dieser seine Herrlichkeit als Geistspender, in-dem er das Wasser der Taufe in den Wein des Abend- oder Hochzeitsmahls wandelt (Joh2,1-11) und schließlich spricht er von der Wirkung des Geistes, das heißt von der Wie-dergeburt aus Wasser und Geist (Joh 3). Das Weinwunder besagt: Aus Wissen sollWeisheit werden; aus Glaubenswissen Lebensweisheit, echte Spiritualität. Oder mitSwedenborgs Worten gesagt: "Der Herr machte Wasser zu Wein. Das bedeutet, er mach-te das Wahre der äußeren Kirche zum Wahren der inneren Kirche, indem er das Innere,das im Äußeren verborgen war, aufschloss." (AE 376).Das Geistwirken Jesu zielt auf das innere Verstehen der äußeren Begriffe und Rituale.Diese Vorformen oder Gefäße des Geistigen wurden durch die "sechs steinernen Was-serkrüge für die Reinigung der Juden" (Joh 2,6) angedeutet. Sie stehen zunächst für dieäußeren Reinigungspraktiken zur Zeit Jesu; dann aber auch für unsere Begriffsbildun-gen, mit denen wir glauben, den inneren Läuterungsprozeß zu erfassen. Jesu Wandlungdes Wassers in Wein knüpft an die vorhandenen Krüge an. Sie sind also nicht nutzlos;so sind auch unsere Vorstellungen, die wir uns vom Wiedergeburtsgeschehen bildennicht nutzlos, obgleich sie das Geheimnis nur sehr vorläufig darstellen können. Jesusknüpft an diese Krüge und dieses Wasser der Reinigung an. Indem er aus genau diesemWasser Wein macht, sagt er: Dieser Wein ist eure Reinigung. Denn in der Tat: Die Ver-geistigung der Begriffsbilder ist nicht nur ein Erkenntnisgewinn. Wo das mehr oder we-niger kühle Glaubenswasser zu Wein wird, da hüpft das Herz, da jubelt die Seele, dakehrt Freude in das Haus ein. Da geschieht das wahre Abendmahl, denn die reinigendeKraft des Weines bewirkt die Vergebung der Sünden (Mt 26,28).

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