OFFENE TORE: Jahrbuch 20072
Wenn man diese Worte aus der Heiligen Schrift buchstäblich auf sich wirken lässt,dann empfiehlt uns der Herr als Anleitung zur Erreichung des erstrebten Gottesreich inkindlichem Vertrauen, arm, hungrig und traurig zu sein. Bestimmt ist dies ein sehr gu-ter Rat von unserem Herrn, aber wie sollen wir, die wir in einer ganz anderen Zeit undin einem anderen Kulturkreis leben diesen Ratschlag bei den heutigen Sachzwängenumsetzen?Zu unser aller Glück hat es der göttlichen Vorsehung gefallen, uns mit den Schriften von Emanuel Swedenborg bekannt zu machen. Durch die von ihm wiederentdeckte Ent-sprechungslehre ist es nun möglich herauszufinden, was denn Begriffe wie Senfkorn,Sauerteig, verborgener Schatz, Kaufmann und Fischernetz mit dem Himmelreich, vor al-lem aber mit uns persönlich zu tun haben.Nach dieser Lehre entspricht das Senfkorn dem keimhaften geistigen Guten des Men-schen, welches aus dem Wahren sein Anfang nimmt. Dieses kleine Gute, kann immenschlichen Gemüt Wurzeln schlagen und zu einem riesengroßen Erkenntnisbaumheranwachsen in dessen Zweigen die Vögel des Himmels nisten.Der Sauerteig ist ein Gärungsmittel, das den inneren Kampf des Falschen mit dem Wah-ren symbolisiert. Die geistigen Kämpfe oder Versuchungen des Menschen sind Gärun-gen im geistigen Sinn, denn dann will das Falsche sich mit dem Wahren verbinden, dieWahrheiten aber stoßen es zurück und werfen es endlich gleichsam zu Boden, und wer-den somit geläutert.Durch den verborgenen Schatz wird in das göttlich Wahre in der Heiligen Schrift be-zeichnet, und durch den Acker die Kirche und ihre Lehre. Alles verkaufen, was man hat,bedeutet, sich von allem Eigenen losmachen und das göttlich Wahre erwerben, das inder Kirche des Herrn enthalten ist.Durch die Perlen welche der Kaufmann erwerben will, werden die Wahrheiten desHimmels und der Kirche bezeichnet, und durch die eine gute Perle die emotionale An-erkennung des Herrn. Dass jener Kaufmann alles verkaufte, was er hatte, und die köst-liche Perle kaufte entspricht der unbedingten Liebe zu den Wahrheiten.Das Fischernetz symbolisiert die Trennung des natürlichen Guten vom natürlichen Bö-sen. Der Grund hierfür liegt darin begründet, dass Fische eine Entsprechung für die na-türlichen Erkenntnisse des Menschen sind.Diese stark gestraffte Auflösung der Worte durch die swedenborgsche Entsprechungs-symbolik lässt schon erahnen, was der Herr meint, wenn er von dem Gottesreichspricht. Ganz offensichtlich ist es ihm sehr wichtig, seine Anhänger darauf aufmerksamzu machen, dass sich dieses Reich nicht irgendwo in den fernen Weiten des Univer-sums befindet, sondern seinen Platz im Inneren des Menschen hat. Wie heißt es doch so
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