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Nikolaus Wegscheider - Der Groove des techno und die Herrschaft über die Zeit1.pdf

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09/28/2014

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tonlichtmusik.tumblr.com präsentiert:
Der Groovedes technound dieHerrschaftüber dieZeit
 von Nikolaus Wegscheider
Einleitung – The Reputation of Repition
1
 
D
ieser Artikel beruht hauptsächlich auf wissenschaftlichdurchgeführten Studien, Berichte und Erkenntnisse. Trotzdem erhebt er keinen (!) Anspruch auf  Wissenschaftlichkeit es sind nämlich einige persönliche Ansichten und Ideen enthalten. Begriffe werden daher auchnicht genauer definiert. Das könnte eine unerwünschteEinschränkung möglicher Reflexion seitens des Lesersbedeuten. Eine mehrdimensionale Reflexion ist anstelle einer Vorführung eindimensionaler Fakten bei dem hier vorliegenden Text das Ziel. Dieser Vorgabe folgt auch dieForm. Allein möchte ich darauf hinweisen, dass
techno
als sehr weitzu fassender Überbegriff und nicht als (Sub-)Genre zu verstehen ist. techno ist hier maschinenartige Musik zu dermöglicherweise (und meistens auch tatsächlich) getanzt wird – „techno ist, wenn techno gertanzt wir“, wie es impopscriptum steht. Ferner werden (wie
 jetzt hier 
 ) immer wieder Klammern/Schrägstriche verwendet. Diese habenmeistens den Zweck dem Leser unterschiedliche Optionenund Lesarten zu bieten.
.
Man nimmt mit der ständigen Flut von Information an, dasssich die Welt dem Menschen immer weiter öffnet undumgekehrt der Mensch sich auch immer mehr der Welt.Eigentlich ist die Zeit der/historischen Epoche der Aufklärung vorbei und trotzdem, so scheint es, muss man dieOffenheit des Wahrnehmens und des Denkens immer wieder
 
 von neuem propagieren. Wir laufen Gefahr wieder vermehrtgeistige Dämme vor der herrschenden Informationsflut zuerrichten. Man ist nicht gewillt wertlos hinzunehmen undInformation einfach vorbeilaufen zu lassen, sondern glaubtbei jeder alltäglichen Erscheinung in unserem Innerenangestrengt nach Wertungen suchen zu müssen. Das ist nichtnur mühsam, sondern auf Dauer auch ziemlich sinnlos.Zugegebenermaßen soweit aber auch nichts Neues. Wir leben heute schon seit einigen Generationen mit den Technologien, die unsere Zeit zu einer rasenden beschleunigthaben. Die gesamte Welt ist in jedem Dorf zu finden. Technologie scheint den urbuddhistischen Gedankenrealisiert zu haben („Eins mit allem sein.“ Oder: „all-at-onceness“, wie es McLuhan formuliert). Durch die Masse an verfügbarer Information ist auch der Zugang zu einerunüberblickbaren Fülle von Musik gegeben. Die uns soweitbekannte, abendländische Musikkultur ist daher (schon lange)mit vielen fremden musikalischen Konzepten durchzogen.Das Globale boxt sich durch lokale Lautsprecher und trifft(trotzdem) nicht immer auf tolerante Gehörgänge.Die Verteufelung ausgesuchter Musiken hat trotzdem stark abgenommen. Es ist zum Beispiel in das kollektiveBewusstsein getreten, dass das gesamte sonische Spektrumzwischen harmonischem Klang und nervenaufreibendemGeräusch zur Bildung von Musik beiträgt. Einer der offenenFragen, die (mir als ‚House’-DJ) immer wieder gestellt werdenist folgende: Warum denn nur diese ständigen, plumpen undunbarmherzig präzisen Wiederholungen?! Die Antwort liegtmeine ich in dem, das man Groove nennt. Um gleich eines vorwegzunehmen: der Groove wird nur in den Ohrenunaufgeschlossener Zuhörer zur stupiden Wiederholung.Direkt emotionaler körperlicher, gestischer Ausdruck 
ausgedrückt 
durch Interfaces (vom Theremin über JimiHendrix bis zu Beschleunigungssensoren in Smartphones) istdem Pop als körperlich-emotional – im Gegensatz zu‚geistig’-reflektiert – komponierter Musik von vornhereineingeschrieben. Das direkt körperliche Spiel ist eindefinitorisches Element des Pop und Grundlage des techno.Der Körper ist aber auch auf anderer Ebene in dasGeschehen Pop involviert. Nämlich durch das Repetitive und Vereinheitlichende des Grooves. Groove verbindet dieeinzelnen tanzenden Körper zu einem gesamten, sich imRhythmus wiegenden, ‚übermenschlichen’ Gebilde. Diesergemeinschaftliche Aspekt ist nicht für alle Arten derRezeption von Pop wesentlich, aber – so möchte ichargumentieren – ein wesentlicher Grund für den mittlerweile Jahrzehnte andauernde, weltweiten ‚Siegeszug’ der‚Körpermusik’ im ‚Abendland’.
1
Luis-Manuel Garcia:
On and On 
,
Repitition as Process and Pleasure in  Electronic Dance Music.
Music Theory Online, 2005.
 
Die Herrschaft über Zeit & Raum
 
1.
 
time, engl.: Zeit, Tempo. Als Tempo bezeichnet man in der Musik die Geschwindigkeit.2.
 
Mit den grundlegenden Themen des Artikels hab ich mich in meiner Masterarbeit „
Die Instrumentarisierung des Hörens als Paradigma einer techno culture 
ammusikwissenschaftlichen Zweig pop/music+medien/kunst in Graz bereits seit längerembeschäftigen dürfen. Die Motivation zum vorliegenden Text lag in dem gleich folgendzitierten Abschnitt aus „
Sternstunden der Menschheit
“ von Stefan Zweig.
D
er neue Rhythmus 
. Während all der Tausende und vielleicht Hunderttausende von Jahren, seit das sonderbare Wesen, genannt Mensch, die Erde beschreitet, hatte keinanderes Höchstmaß irdischer Fortbewegung gegolten als derLauf des Pferdes, das rollende Rad, das geruderte odersegelnde Schiff. Alle die Fülle des technischen Fortschrittsinnerhalb jenes schmalen, vom Bewußtsein belichtetenRaumes, den wir Weltgeschichte nennen, hatte keinemerkbare Beschleunigung im Rhythmus der Bewegung gezeitigt.“„Völlig unvermutet aber in ihren Auswirkungen erscheinendie ersten Leistungen der Elektrizität, die, ein Herkules schonin der Wiege, alle bisherigen Gesetze umstößt, alle gültigenMaße zertrümmert. [...] Daß der Spielzeugapparat derPhysikstube, gestern gerade noch fähig, durch Reibung einerGlasscheibe ein paar Papierstückchen an sich zu ziehen,potenziert werden könnte zum Millionenfachen undMilliardenfachen menschlicher Muskelkraft undGeschwindigkeit, Botschaften bringend, Bahnen bewegend,Straßen und Häuser mit Licht erhellen und wie Arielunsichtbar die Luft durchschwebend.
Erst durch dieseEntdeckung hat die Relation von Raum und Zeit dieentscheidendste Umstellung seit Erschaffung der Welterfahren.
„Das Wunder von gestern ist die Selbstverständlichkeit vonheute geworden, und von diesem Augenblick an hat die Erdegleichsam einen einzigen Herzschlag; sich hörend, sichschauend, sich verstehend lebt die Menschheit nungleichzeitig von einem bis zum andern Ende der Erde,göttlich allgegenwärtig durch ihre eigene schöpferischeKraft.“
3
 Die nicht halbwegs poetische Darlegungen Stefan Zweigsüber die technologische Beschleunigung der Menschheiterkennt schon die wesentlichsten Züge und Folgen derselben. Wie eng sich das Netz jedoch noch spannen wird und kleindie Welt werden wird, war damals sicher noch nicht absehbar.„ [...] von diesem Augenlich an hat die Erde gleichsam eineneinzigen Herzschlag.“ Und techno-Idealisten würden meinen,es ist der Herzschlag des techno.In der alltäglichen Welt der Technik versucht man Zeit undRaum zu manipulieren. Einerseits will man sie verkleinern,andererseits vergrößern. Das eine Mal dient die Manipulationdes ‚Raum-Zeit-Kontinuums’ dem Transport körperlicher

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