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Die Prioritäten der Machtpolitik (II)

Die Prioritäten der Machtpolitik (II)

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03/18/2013

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Die Prioritäten der Machtpolitik (II)18.03.2013BERLIN/ADDIS ABEBA(Eigener Bericht) - Unter Protest von Menschenrechtsorganisationen ist BundespräsidentJoachim Gauck am gestrigen Sonntag in Äthiopien eingetroffen. Das Land, mit dessen politischer Führung Gauck bei seinem aktuellen Besuch konferiert, gehört aufgrund seiner geostrategischen Lage zu den wichtigsten Verbündeten der Bundesrepublik Deutschland inAfrika. Weil es hilfreich dabei ist, die Kontrolle über die Region im äußersten Osten desKontinents zu erlangen, kooperiert die Bundesregierung eng mit der dortigen Regierung.Äthiopien erweist sich dabei seit Jahren als zuverlässiger Partner. Zugleich geht das Regimeim Landesinnern mit brutaler Gewalt gegen Oppositionelle vor; auch sei es weltweit das Land"mit der höchsten Zahl ins Ausland geflohener Journalisten", berichtet etwa das EthiopianHuman Rights Committee. Kritik aus Berlin muss Addis Abeba nicht befürchten, da dasRegime eine für Deutschland nützliche Funktion ausübt. Dabei werden nicht nur dieStreitkräfte Äthiopiens von der Bundeswehr unterstützt; laut Berichten können dieäthiopischen Repressionsapparate auch bei der Unterdrückung der Opposition deutscheTechnologie nutzen.In ÄthiopienBundespräsident Joachim Gauck ist am gestrigen Sonntag zu einer mehrtägigen Reise nachÄthiopien aufgebrochen. Für gestern abend waren Gespräche mit Premierminister Hailemariam Desalegn vorgesehen; heute steht eine Zusammenkunft mit StaatspräsidentGirma Wolde-Giorgis auf dem Programm. Anschließend sollen Treffen bei der AfrikanischenUnion folgen, die in Addis Abeba ihren Sitz hat; zudem sind Gespräche mit Vertreternnichtstaatlicher Organisationen sowie mit Vertretern von Religionsgemeinschaftenvorgesehen. Gauck wird sich mehrere Tage in Äthiopien aufhalten; er wird erst am Mittwochabend in Berlin zurückerwartet.Der innere MachtzirkelDer Zeitpunkt der Reise ist nicht unbedeutend. Letzten Sommer ist der langjährigePremierminister Meles Zenawi gestorben, auf den der äthiopische Staat in hohem Maße fixiertwar. In der darauf folgenden Neustrukturierung der Herrschaft in Addis Abeba hat sichHailemariam Desalegn an der Macht behaupten können. Schon im Herbst 2012 hatte Berlinauf einen näheren Austausch darüber gedrungen, wie die Meles-Nachfolge sich gestalte. ImOktober war Sebhat Nega, ein Mitgründer der in Addis dominierenden Tigray People'sLiberation Front (TPLF), eigens in die deutsche Hauptstadt gereist, um dort Gespräche zuführen. Sebhat gehört zum inneren Machtzirkel in Addis; ihm wird die Beteiligung anMenschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Unter anderem habe er Repressionsmaßnahmenmit vorangebracht, mit denen die Opposition nach den Wahlen des Jahres 2005 zerschlagenwurde, heißt es.[1] Dementsprechend protestierten äthiopische Menschenrechtler undOppositionelle, als Sebhat im Oktober im Deutschen Bundestag auftrat. Formal amtiert er alsVorsitzender des Ethiopian International Institute for Peace and Development (EIIPD), dasvon der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung als einer ihrer Kooperationspartner in AddisAbeba bezeichnet wird. Gaucks aktuelle Gespräche setzen in diesen Tagen den Austauschüber die Neustrukturierung des äthiopischen Regimes fort.Vormacht am Horn von AfrikaFür Berlin besitzt die Entwicklung in Addis Abeba erhebliche Bedeutung, weil Äthiopienaufgrund seiner geostrategischen Lage zu den wichtigsten Verbündeten der Bundesrepublik inAfrika gehört. Im äußersten Osten des Kontinents kann Äthiopien als Vormacht gelten: Esverfügt in der Region über die größte Bevölkerung und unterhält dort die stärkste Armee. Dieäthiopischen Streitkräfte operieren seit Jahren immer wieder in Somalia, wo sie dem Westen
 
gegenüber kooperationsbereite Kräfte an die Macht zu bringen suchen. Unter Meles hat AddisAbeba außerdem Truppen in den Sudan entsandt, die ebenfalls Ordnungskonzepte desWestens durchsetzen helfen sollen (german-foreign-policy.com berichtete [2]). Nicht zuletztgilt das Land, das mehrheitlich christlich geprägt ist, in Europa und in den USA auch alsBollwerk gegen islamistische Kräfte; damit besitzt es umso größere Bedeutung, als es auswestlicher Sicht fatal wäre, wenn antiwestliche Islamisten am Horn von Afrika und damit anden Seewegen aus Europa in den Mittleren Osten und nach Ostasien die Kontrolle an sichreißen könnten. Die Bundesrepublik arbeitet deshalb schon seit Jahren eng mit Addis Abebazusammen. Das schließt umfangreiche Entwicklungshilfezahlungen ebenso ein wie dieUnterstützung der äthiopischen Streitkräfte durch die Bundeswehr.[3]Kein Feigenblatt Nach Meles' Tod im vergangenen Sommer hegten Menschenrechtsorganisationen für kurzeZeit die Hoffnung, mit der Neustrukturierung des Machtzentrums in Addis Abeba könntenauch Verbesserungen der Menschenrechtssituation und Erleichterungen für die Oppositioneinhergehen. Recht rasch ließ sich jedoch erkennen, dass die Hoffnung trog. Im November teilte deswegen die Heinrich-Böll-Stiftung (Bündnis 90/Die Grünen) mit, sie werde ihreAußenstelle in der Hauptstadt Äthiopiens schließen: Als Feigenblatt für das Regime und seineRepression wolle sie nicht dienen. Gegenwärtig weist etwa das Ethiopian Human RightsCommittee darauf hin, dass Äthiopien das Land "mit der höchsten Zahl ins Auslandgeflohener Journalisten" sei; dabei flüchteten die Medienvertreter nicht ohne Grund: VieleJournalisten seien zur Zeit in Äthiopien inhaftiert. Auf ein Beispiel hat zu Jahresbeginn dieMenschenrechtsorganisation Human Rights Watch aufmerksam gemacht - auf denJournalisten Eskinder Nega. Eskinder wurde bereits nach den Wahlen von 2005 und der anschließenden Niederschlagung der Massenproteste festgenommen. Zwei Jahre später ausder Haft entlassen, wurde er kontinuierlich überwacht und mit einem Publikationsverbot belegt. 2011 wurde er erneut festgenommen und nach dem äthiopischen Anti-Terror-Gesetzzu 18 Jahren Gefängnis verurteilt - eine Strafe, die Menschenrechtsorganisationen schlicht für absurd erklären.[4]AusspioniertJüngsten Berichten zufolge wird bei der Unterdrückung der äthiopischen Opposition auchdeutsche Technologie genutzt. Demnach haben Security-Experten in einer Analyse für dasCitizen Lab der Universität Toronto einen Trojaner mit der Bezeichnung FinSpy entdeckt, der nach Äthiopien kommuniziert. Er ist von der deutschen Firma Gamma Internationalentwickelt worden. Wie es heißt, installiere der Trojaner sich, sobald man ein Foto anklicke;dann würden die Aktivitäten des PC-Nutzers protokolliert, Skype-Gespräche könntenaufgezeichnet, Mikrofone als Wanzen genutzt werden. Die Mitschriften würden an denstaatlichen äthiopischen Telekommunikationsanbieter gesendet. Die Fotos, die als Lockmittelfür den Installations-Klick dienten, zeigten Aktivisten der Oppositionsgruppierung "Ginbot7". "Das indiziert, dass es sich hier um politisch motiviertes Targeting handelt", wird einSecurity-Experte zitiert.[5] Ganz ähnlich sei die Opposition auch in Bahrain ausgeforschtworden - ebenfalls mit Hilfe deutscher Technologie.[6]Weitere Informationen zur deutschen Äthiopien-Politik finden Sie hier:Schlüsselpositionen,Regionale Hegemonialmacht, Sonderbericht,Interessen der Supermächte, Ordnungsmächte, Militär für Afrika (I), Menschenrechte in Afrika (I),Machtpolitisch ohne Alternative, Diktatorenhilfe, Inhärent rassistisch, Disziplinierungshilfe,Ordnungsmacht in Ostafrika, Kein Platz für Menschenrechte, Stütze der Repression,Statthalter des Westens,Folternder  Statthalter  undEinen Freund verloren undDie Ruhe des Dampfdrucktopfs. [1] s. dazu Unveräußerliche RechteundGovernance-Aspekte[2] s. dazuStatthalter des WestensundDie Ruhe des Dampfdrucktopfs [3] s. dazuDiktatorenhilfeund Stütze der Repression [4] Civil Society Crackdown in Ethiopia; www.hrw.org 04.01.2013

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