Hieronymus Bosch vor Augen.Doch das relative Bevölkerungswachstum der Erde hat sich ja verlangsamt. Allerdings bedeutetreduziertes Bevölkerungswachstum noch lange keine Entwarnung, denn die Bevölkerung wächstnach wie vor, und gerade bei so gewaltigen Anfangszahlen ist auch ein scheinbar geringes prozentuales Wachstum mehr als bedenklich. Selbst bei nur einem Prozent wären es noch immer ca.16 Milliarden Menschen im Jahre 2100 – eine Zahl, die weit jenseits der langfristigen Tragfähigkeitder Erde liegt, die tatsächlich längst überschritten ist. Und bereits für 2025 wird eineWeltbevölkerung jenseits der acht Milliarden Marke erwartet. Es gibt seriöse Schätzungen, nachdenen beim Lebensstil des westlichen Massenkonsums die Erde lediglich eine Bevölkerung in der Größenordnung von zwei bis fünfhundert Millionen tragen kann – eine Bevölkerungszahl in der Größenordnung der Bevölkerung der USA oder der Europäischen Union.
Politische Illusionen
Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA zeigt allerdings mehr als deutlich, worum es in der Politik wirklich geht: ums Verkaufen. Die Kandidaten werden mit den Mitteln modernstenMarketings beworben, wobei die ihnen angedichteten Eigenschaften in etwa so zutreffend sind, wiedie Vermutung, ein gewöhnliches Familienauto könne lässig über das Wasser sausen, nur weil diesin der Fernsehwerbung zu sehen ist. Es geht nicht um Realitäten, sondern um die Vermittlung vonIllusionen. Dabei scheint es auch, dass in unseren Demokratien die Realität niemanden wirklich sorecht interessiert – jedenfalls lassen sich mit dem ehrlichen Streben nach Realität und Wahrheitoffenbar keine Mehrheiten gewinnen.Zu den längst bekannten aber höchst unbeliebten und in der tatsächlichen Politik kaum beachtetenRealitäten gehört eben auch, dass Wirtschaftswachstum sich nur in sehr unzuverlässiger Weise alsirgendwie gearteter Vorteil für den Durchschnittsbürger niederschlägt. Ich sage hier bewusst"irgendwie", denn die amerikanische "trickle down" Theorie geht eben davon aus, dass der Reichtum der Superreichen und Megakonzerne "irgendwie" bis auf die untersten Ebenen hinunter tröpfelt, wie das Wasser in einer Tropfsteinhöhle. Selbst wenn dies so wäre, so ist es auf denuntersten Ebenen der Höhle noch immer dunkel, feucht und kalt...Wali Osman, Professor für Ökonomie mit Spitznamen "Greenspan des Pazifik" und ehemalsDirektor der volkswirtschaftlichen Forschungsabteilung der Bank von Hawaii, analysierte denZustand der US-Wirtschaft bereits Anfang der 90-er treffend. Demnach – wen sollte das wundern – wurden seit den Siebzigern in den USA die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer.Trotz Wirtschaftswachstum sanken in dieser Zeit die realen Einkommen der unteren und mittlerenEinkommensklassen. Osman sagte schon Mitte der Neunziger zu mir: "Auf Dauer funktioniert esnicht – kann es nicht funktionieren."
Der eiserne Würgegriff
Es gibt nichts umzuverteilen sagen die, die von der Situation profitieren und alles daran setzen, denBoden unter ihren Füßen so zu versiegeln, dass ja nichts nach unten hindurch sickert. Dabei hatetwa Bernhard Lietaer, der unter anderem den Euro mit entwickelte, nachgewiesen, dass unser gesamtes Kredit- und Geldsystem ständig Reichtum von Unten nach Oben umverteilt. Das ist auchleicht nachzuvollziehen. Die, die haben, verleihen ihr Geld gegen Zinsen an die, die nichts haben.Zinsen mit Zinseszinsen aber sind nichts anderes, als eine ständig andauernde Umverteilung desReichtums von denen die Nichts haben zu denen, die haben – eine Situation, vor der Dichter undDenker aller Epochen immer wieder eindringlich gewarnt haben. Das irgendwie im Laufe desneunzehnten Jahrhunderts sang und klanglos vergessene katholische Dogma des Zinsverbotes etwahatte durchaus seine Begründung. Zinseszinsen produzieren sowohl Macht als auch Reichtum3
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