Wenn der Entwicklungsstand einer Region oder einer Volksgruppeobjektiv eingeschätzt werden soll, dann ist es zunächst nötig zuentscheiden, was Entwicklung bedeutet.Die Definition als wirtschaftliche Entwicklung und Festlegungstarrer statistischer Indikatoren ist für den hohen Anspruch derObjektivität wenig hilfreich, da sie lediglich einen Ausschnitt derrealen Situation widerspiegeln und spezifische kultur- undnaturräumliche Gegebenheiten außer acht lassen. Statistische Datenwie pro-Kopf BIP, Lebenseinkommen, Kaufkraftentwicklung oder auchSäuglingssterblichkeit und Lebenserwartung sind sehr verlockend, dasie sich leicht in scheinbar objektiven Zahlenwerten erfassen,vergleichen und repräsentieren lassen. Dennoch geben sie häufig einvöllig falsches oder zumindest verzerrtes Bild wieder.Die WTO sieht es als positive Entwicklung an, wenn in einemLand, in dem 2000 Jahre lang erfolgreich von intakten dörflichenStrukturen Subsistenzwirtschaft betrieben wurde, die GeldwirtschaftEinzug hält, obwohl diese die Bevölkerung in tiefeAbhängigkeitsverhältnisse führt, die Selbstversorgung zum Erliegenkommt und mehr und mehr Menschen in den Armenvierteln amRande großer Städte unter menschenunwürdigen Verhältnissenleben.Das herrschende Entwicklungsparadigma bewertet einen schlechtbezahlten Industriearbeiter, der mit seiner Familie in einer vonArmut, Krankheiten und Kriminalität geprägten Favela lebt, als höherentwickelt, als traditionelle Subsistenzbauern in intaktentraditionellen Gemeinwesen die z.T. seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden existieren.Ein objektiver Bewertungsansatz für den Entwicklungsstand mußsoziokulturelle Veränderungen und damit einhergehende Verluste anLebensqualität (weiche Faktoren wie "Familienverbände","Sinngefühl" etc.) sowie Umweltfaktoren mit einbeziehen.
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