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Ozeandüngung - eine Methode zur Erzeugung künstlicher CO2 Senken? Eine Kritik.

Ozeandüngung - eine Methode zur Erzeugung künstlicher CO2 Senken? Eine Kritik.

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Published by Stefan Thiesen
Ist die großflächige Düngung der Ozeane eine sinnvolle Methode zur Reduzierung des Treibhauseffektes, insbesondere vor dem Hintergrund der möglichen Privatisierung des Meeres, und der Erzeugung völlig neuer FInanzinstrumente die mehr dem Profitum als der Umwelt dienen?
Ist die großflächige Düngung der Ozeane eine sinnvolle Methode zur Reduzierung des Treibhauseffektes, insbesondere vor dem Hintergrund der möglichen Privatisierung des Meeres, und der Erzeugung völlig neuer FInanzinstrumente die mehr dem Profitum als der Umwelt dienen?

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Published by: Stefan Thiesen on Mar 11, 2009
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06/16/2009

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Sind künstliche CO
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Senken durch Ozeandüngung ein möglicherLösungsbeitrag zum Problem des globalen Klimawandels?
Eine Anregung zur Diskussion
(c) 1999 by Stefan Thiesenthiesen@uni-muenster.deAbstract
 Zur Lösung des "Treibhausproblems" planen verschiedene nordamerikanische und  japanische Interessengruppen die Erzeugung künstlicher CO
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Senken durchOzeandüngung im großen Maßstab. Konkrete technische Vorbereitungen für einenGroßversuch in der Region der Marshall Islands sind bereits im Gange. Man erhofft  sich ökonomische Vorteile durch eine wesentliche Erhöhung der Produktivität bei dennutzbaren Arten (ähnlich wie in den nährstoffreichen Auftriebsgebieten), sowie einen signifikanten Beitrag zur Eindämmung der globalen Erwärmung. Dabei wurden jedoch zahlreiche Risiken und komplexe Zusammenhänge ignoriert.
Vor allem in den USA und Japan kann man verstärkt eine mechanistische Betrachtungder Natur beobachten. Umweltprobleme werden vielfach als ein Defekt angesehen, der mit technischen - und finanziellen - Mitteln behoben werden kann. Die mühsamgewonnene Einsicht über die synergistische Natur der Natur wird ignoriert - stattdessenwird sie als ein zwar kompliziertes, letztlich aber beherrschbares System betrachtet.Ein Beispiel für diese Entwicklung sind die jüngsten Vorschläge verschiedener US-amerikanischer und japanischer Konzerne und Interessengruppen,
den Treibhauseffektdurch gezielte Ozeandüngung - letztlich also "Geo-Engineering" auf planetarerEbene - zu kontrollieren.
 Diese Vorschläge gehen zurück auf die ursprünglich nicht ganz ernst gemeintenhypothetischen Überlegungen des Ozeanographen John Martin, der die Hypotheseaufstellte, die Produktivität in bestimmten Regionen des Ozeans sei durch dievorhandene Eisenmenge begrenzt. Tatsächlich haben kürzlich durchgeführteExperimente z.B. im tropischen Pazifik gezeigt, daß eine Eisendüngung zu kurzfristigenAlgenblüten des Phytoplanktons führen kann (Coale et al., 1996, Chisholm, 2000).Eines der Unternehmen, das kurzfristig plant, in die kommerzielle Ozeandüngungeinzusteigen, ist "Ocean Farming Inc." Das Unternehmen plant die Düngung von100.000 Quadratmeilen offenen Ozeans im Bereich der Marshall Islands. Es hat sich bereits die nötigen Verfahren patentieren lassen und sogar die notwendigenGenehmigungen eingeholt. Dr. Michael Markels jr. - Geschäftsführer von OceanFarming - argumentiert mit simplistischen Argumenten: Man täte nichts anderes als das,was die Natur in den Auftriebsgebieten wie an der Küste Perus ebenfalls tue. Er gehtvon einer um mindestens 400-fach erhöhten Produktivität aus, die sich direkt in der Fischausbeute niederschlägt. Zudem berechnet er bereits aus diesem Vorhaben eineCO
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-Fixierung, die dem CO
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-Ausstoss der USA entspricht.Prof. Chisholm vom MIT geht dagegen davon aus, daß die anfangs erhöhteProduktivität auf einen Kaltstarteffekt der Nahrungskette zurückzuführen ist, der unter 
 
anderem damit zusammenhängt, dass die Fressfeinde des Phytoplanktons länger  brauchen, um sich auf das erhöhte Nahrungsangebot einzustellen.Markells wirbt für sein Vorhaben mit Worten wie "Schauen sie sich Peru an: Nährstoffreiches Wasser bedeutet glückliche Fische und glückliche Menschen" undfindet offene Ohren in Ländern der Dritten Welt, wie den Marshall Islands. Dabeiwerden die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren schlicht ignoriert:Der offene tropische Ozeans unterscheidet sich bereits physikalisch erheblich vonden natürlichen Auftriebszonen (Salinität, Temperatur). Das erhöhte Nährstoffangebot trifft zudem auf gänzlich andere Arten.Erste Untersuchungen zeigen bereits, daß Düngung zwar Blüten des Phytoplanktonshervorruft, sich aber die Anteile der verschiedenen Spezies auf den unterstentrophischen Stufen ganz grundlegend verändern, und somit ändern sichhöchstwahrscheinlich auch die Arten an der Spitze der Nahrungskette. Es ist nichteinmal sicher, ob unter den veränderten Bedingungen überhaupt größereFischpopulationen entstehen bzw. ob es sich dabei um die gewünschten Artenhandelt. Eine mögliche Verschiebung auf hohen trophischen Ebenen wäre z.B einestarke Vermehrung von Quallen auf Kosten der Fischpopulationen.Mögliche Szenarien schließen z.B. großflächige Algenblüten unerwünschter Phytoplankter und/oder Dekomposition durch Bakterien ein, die zur Freisetzung vonMethan und zusätzlichem CO führen und somit letztlich das Gegenteil des beabsichtigten Effektes bewirken. Begrenzung des Mengenwachstums durchAllelopathie (Beeinträchtigung der Vermehrung von Nahrungskonkurrenten durchdie Abgabe giftiger Substanzen) könnte an die Stelle der Ressourcenkonkurrenztreten (Stibor/Sommer, 1998).In nährstoffarmen Meeresregionen wie den Marshall Islands müssten für eineeffektive Düngung zusätzliche Nährstoffe wie Phosphor eingebracht werden, was,wie in anderen eutophierten Meeresregionen beobachtet, zu einer Massenvermehrung von Cyanobakterien führen würde, deren toxische Nebenprodukte bisher kaum abschätzbare Auswirkungen haben könnten. Dazugehören die mögliche Schädigung der Korallenriffe, möglicherweise sogar dieBeeinträchtigung - wenn nicht sogar Zerstörung - des gesamten marinenÖkosystems der Region.Bei geringen vertikalen Austauschraten kann es schnell zu Sauerstoffzehrung imTiefenwasser kommen. Eine mögliche Folge wäre z.B. die unerwünschteVermehrung anaerober Organismen. Boyd et. al. (2000) wiesen im nichttropischenSüdpazifik bereits nach, daß die Produktivitätssteigerung tatsächlich nur von kurzer Dauer ist und letztlich Sauerstoffzehrung, Faulprozesse und eine erhöhte Produktionunerwünschter Treibhausgase wie Methan und vermutlich auch Lachgas die Folgesind.Ein Resultat ist laut Sommer (1998) in jedem Fall zu erwarten: der Verlust anDiversität. Dies ist nicht zu verhindern, da es das erklärte Ziel der Ozeandüngungist, lange Nahrungsketten durch kurze zu ersetzen.Letztlich liegt dem gesamten Konzept der Ozeandüngung ein größerer Problemkreiszugrunde. Kommerzielle Interessen und ein einzig auf wirtschaftlichem Wachstum basierendes Entwicklungsmodell vereinen sich mit einer rein mechanistischen
 
Weltsicht. Anstatt auf CO
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-Reduktion zu setzen, wird mit Konzepten von Quellen undSenken sowie Emmissionshandel experimentiert, durch welche die Industrieländer sichweitgehend von ihren Verpflichtungen zu befreien gedenken und zugleich inEntwicklungsländern Experimente mit ungewissem Ausgang anstellen. InsbesondereJapan und die USA sind Vorreiter dieser Entwicklung.Die geplante Arbeit soll den Versuch darstellen, eine möglichst umfassende integrierteRisikoanalyse mit Kosten-Nutzen Verteilung zu erstellen. Wer trägt welche Risiken?Wer hat den größten Nutzen?Die Untersuchung soll sich dabei möglichst eng an jüngst entwickelten UNEPStandards zur Umwelt-Impakt Abschätzung von Großprojekten halten.Eine wichtige Frage ist zunächst einmal, ob überhaupt die prinzipielle Möglichkeit besteht, mittels Ozeandüngung eine künstliche CO
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-Senke zu erzeugen, denn selbst diesist ja, wie oben angedeutet, bereits unsicher.Grundsätzlich wird das im Phytoplankton durch Photosynthese fixierte CO
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zunächst durch die Atmung der sich ebenfalls vermehrenden Fressfeinde wieder freigesetzt. Der größte Teil des so gebundenen Kohlenstoffes durchläuft mehrfach das Nahrungsnetz in den obersten Wasserschichten, und nur ein geringerer Teil wird in dasAbyssal transportiert, dessen größerer Teil wiederum von Bakterien freigesetzt undletztendlich durch Vertikalaustausch an die Oberfläche - und damit die Atmosphäre -abgegeben wird.Wird die Primärproduktion erhöht, nützt dies letztlich im Sinne der gewünschtenVerstärkung der ozeanischen CO
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Senke praktisch nichts, wenn zugleich dieSekundärproduktion und damit die Respirationsraten verstärkt werden.Die Effektivität dieser biologisch-physikalischen CO
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-Pumpe hängt darüber hinaus inhohem Maße von der Struktur des Nahrungsnetzes ab, die sich ja durch die massivenEingriffe auch massiv verändern dürfte. Aber in welcher Weise verändert sie sich?Zur Abklärung dieser Frage kann teilweise auf existierende Forschungsergebnissezurückgegriffen werden. In den letzten zwanzig Jahren wurden überall auf der Weltintensive Forschungen zur Auswirkung der Eutrophierung sowohl in Binnengewässernals auch Küstenregionen aller Klimazonen durchgeführt. Zudem gab es umfangreicheForschungsbemühungen im Bereich der Aquakultur in tropischen und gemäßigtenZonen, darunter auch das von der EU geförderte Meeresdüngungsprojekt MARICULT.Hier muß untersucht werden, in wieweit die vorhandenen Ergebnisse aussagekräftigsind und auf das vorliegende hochkomplexe Problem übertragen werden können. Zuden ganz großen Herausforderungen gehört hier vor allem auch die langfristigemesstechnische Erfassung der ozeanischen Stoffströme sowie die exakteQuantifizierung des Stoffaustausches an der Ozeanoberfläche. Auch in diesem Bereichexistieren einige vielversprechende Ansätze, u.a. im Rahmen der Klimaforschungsgruppe der University of East Anglia, wo ein System zur Echtzeiterfassung von CO
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Stoffströmen an der Meeresoberfläche entwickelt wird.Der Kontakt zu und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Institutionen undArbeitsgruppen weltweit ist ein Kernpunkt der Methodik der geplanten Arbeit. Der Grundansatz ist der einer Systemanalyse, angelehnt an die UNEP Richtlinien. Das Zielist die Erstellung eines Dokumentes, in dem der augenblickliche Stand der Forschungfestgestellt und nach Möglichkeit erweitert wird und die allgemeinen Unwägbarkeitenund Risiken herausgearbeitet werden.

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