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filmecho
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filmwoche
8/2009
international
AKTUELL
Im Frühjahr 2009 bricht für JeffreyKatzenberg von DreamWorks, Holly-woods unermüdlichen 3D-Propheten,endgültig ein neues Zeitalter an.Klar: Sein Studio bringt um diese Zeit„Monsters vs. Aliens“ auf die Lein-wand – pardon: in den Saal. Weite-res Motiv für die Behauptung: In denUSA werden dann vermutlich 3 000stereofähige Digitalsysteme laufen–genug, um landesweit wenigstenszwei verschiedene Spielfilme diesesFormats gleichzeitig auswerten zukönnen. Europa dürfte Anfang 2009vielleicht über 300 solcher Systemeverfügen und ein Schwellenland wieBrasilien (mit eigener Filmindustrie)über circa 40.
Die jeweilige Abspielbasis einesder drei Territorien ist zahlenmäßigmit den beiden anderen nicht ver-gleichbar, die Probleme der Film-theater mit der Entscheidung füroder gegen 3D sind es hingegenschon. Auch in Brasilien meintnämlich die Mehrheit der Kinobe-sitzer, eine Umrüstung auf Digital-technik komme solange nicht in Be-tracht, wie die Finanzierung, sei esdurch einen Virtual Print Fee (VPF)oder ein anderes Verfahren, nichtgeklärt sei. Eine risikofreudige Min-derheit behauptet dagegen: Da einVPF nicht die Gesamtkosten füreine 3D-Installation decke, die Er-löse von damit ausgestatteten Spiel-stellen aber beträchtlich stiegen,lohne sich der Aufwand auch auf ei-gene Rechnung – allerdings nur beiNeubauten, weniger bei der Umrü-stung existierender Kinos.Das Ergebnis des 3D-Einsatzesvon „Journey to the Center of theEarth“ bestätigte sogar in Brasiliendiese Behauptung erneut eindrucks-voll: Die Stereofassung lief zwar nurauf vier Prozent aller Startleinwän-de, brachte Kinosund Verleih aber 20Prozent der Ge-samtbesuche desFilms und 25 Pro-zent der Kassener-löse.Ihre Feuerprobehat die neue Tech-nik damit aber nochnicht bestanden.Denn gleich ob inden USA, inEuropa oder in Bra-silien kommt risi-kofreudigen Kinobesitzern derzeit ja noch ihre Exklusivstellung amPlatz zugute. Niemand weiß dage-gen, wie die wirtschaftliche Lageeinmal aussieht, wenn nach einemvollständigen Roll-out in NewYork, Paris, München oder Riozehn 3D-Titel miteinander um dieGunst des Publikums wetteifernmüssen. Schon möglich, dass dieVerleiher im Blick auf dieses Dilem-ma das 3D-Angebot auch dann eherknapp halten, wenn es schon genugStereokinos für den Einsatz solcherFilme gibt.Vorerst jedenfalls scheint lokaleExklusivität eine fast unerlässlicheVoraussetzung für den Kassenerfolgvon 3D-Filmen. Außerdem dürftees beim Raumfilm wohl ebensolang dauern wie beim Tonfilm, biser wie dieser zum landesweitenStandard wird. Denn beide Techni-ken erfordern bzw. erforderten ei-nen investiven Eigenbeitrag der Ki-nos, was die Scheu vieler Betreibervor der technischen Umrüstungverständlich macht. Sie rechtfertigtaber nicht, dass einige von ihnen die-sen Aufwand manchmal durch denHinweis auf die angeblich man-gelnde künstlerische Qualität vonRaumfilmen verweigern.Es stimmt natürlich schon: Rich-ten sich in einem 3D-Film eine Lan-ze oder ein Kanonenrohr drohendauf die Brust des Zuschauers, ist daskeine Kunst, sondern Kintopp. Nur:Gibt es solche „Effekte“ in 2D etwanicht? 80 Prozent aller in Holly-wood vom Stapel laufenden Action-Kracher enden mit der berüchtigtenFeuerkugel. Welcher Kinobetreiberwird das Genre aber allein deshalbschon naserümpfend aus dem Hausverbannen?Es gibt beim Raumfilm ferner inder Tat beispielsweise missglückte
Die Umrüstung der Kinos aufs Raumfilmformat istriskant. Sie mit dem Hinweis auf mangelnde Qualitätdes Angebots zu verweigern, trotzdem wenig sinnvoll.
Wenn 3D zumKino-Standard wird
GGG
Den leeren Raum füllen:
Ein-drucksvoller als einzelne „plasti-sche“ Gegenstände wirken in 3Dstets Dinge in großer Zahl wie Blät-ter, Vögel, Schmetterlinge, Schnee-flocken und Regentropfen. Siehe dieEingangssequenz zu „Meet the Ro-binsons” (2007), wo der Effekt sil-bern glitzernder Tropfen bei Nachtbei weitem den später durch dieAnimation tobenden Dino über-trifft.
GGG
„Innen“ wirkt mehr als „Au-ßen“:
Von „Bwana Devil“ (1952)bis „Beowulf“ (2007) hat sich im-mer wieder bestätigt, dass Szenenim Atelier oder auf dem Studioge-lände das Raumgefühl intensiver an-sprechen als noch so imposanteNaturkulissen. Denn in der Tota-len nimmt die Stereowirkung desBildes im Hintergrund ab.
GGG
Dem Auge des Zuschauers hel-fen:
In „Dial M for Murder“ (1954)verscherzte Alfred Hitchcock fastzehn Minuten lang die Stereowir-kung, weil er die 3D-Kamera an denSchnürboden hängte und eine be-sonders dramatische Szene aus derVogelschau filmte, ohne den Zu-schauer durch vertikale Bildele-mente wie zum Beispiel Säulen zuorientieren. So blieb sein Einfall op-tisch enttäuschend platt. Setzt da-gegen Jack Palance in „Flight toTangier“ (1953) zum Sprung von ei-ner Ladebühne in die Kameragru-be an, entsteht perfektes 3D aus derFroschperspektive, weil die Büh-nenkante im Vordergrund denräumlichen Eindruck des Bildesstützt.
GGG
Durch Wände schauen:
In„Andy Warhol’s Frankenstein“(1974) beobachtet die 3D-Kameraden Professor und seinen Adlatus beiihrer Sezierarbeit am Monster durchein Goldfischaquarium – da geht derWeg lang in den Raum. In „Comin’at Ya“ (1981) von Ferdinando Baldireitet ein Cowboy zwischen denMauern einer mexikanischen Klo-sterruine im Slalom aufs Publikumzu: Der Raum wird zum Erlebnis.
GGG
Weniger bringt mehr:
Ein Sofaaus dem Fenster eines Hochhausesins Publikum zu schleudern („Me-tro’s Plastische Parade“ von 1953)reicht gerade mal zum 3D-Mätz-chen. Ein Gefühl des Dabeiseinsschuf dagegen Budd Boetticher, alser in „Wings of the Hawk“ (1953)einen Colt durch die Dachluke indie Hand des Gefangenen baumelnließ. Nicht für den Zuschauer warder Revolver da „zum Greifen nah“,sondern für den Helden – aber je-der konnte sich mit ihm identifizie-ren, und zwar stärker, als es in 2Dmöglich wäre.
GGG
3D, wie der Star es sichwünscht:
Von der Stereokamerafrontal erfasste Schauspieler wirkenauch heute oft noch wie Pappkame-raden. Der gleiche Schauspieler, imleichten Winkel zur optischen Ach-se aufgenommen, erscheint plötz-lich verblüffend körperlich – was ervon 3D mit Recht erwarten darf.
GGG
Für künftige 3D-Oscar-Preis-träger:
Wenn bei einem Stereofilmalle fünf Minuten aus der Leinwand„etwas rauskommt“, ist das nochnicht unbedingt 3D. Wenn der Zu-schauer 90 Minuten lang fasziniertdurch die Raumhandlung mitwan-dert, gibt’s für den Cineasten eineTrophäe.
win
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Wo’s langgeht …
FAUSTREGELN FÜR 3D-FILMER
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