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MINDMAIL package- 16.3.2009 winnenden..."es sind die medikamente und nicht die waffen..."

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{updated 17. & 21.3.2009} -
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05/10/2014

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Guten Abend, meineDamen und Herren,Sie sehen dieAbendnachrichten.
Es hat einen Amoklauf an einer Schule gegeben. Schrecklich,schrecklich. Wir zeigen Ihnen nun grausame Bilder.Im Anschluss daran eine Live-Schaltung zu unserem Reporter vor Ort.Wie grausam war es denn, Herr Kollege? "Oh, es war schrecklich. Hier ein paar weinende Mitschüler, die ich vor die Kamera gezerrt habe. Undhier spreche ich mit geschockten Eltern. Und jetzt einStraßeninterview mit verschiedenen Anwohnern, die nichts zum Fallsagen können, aber alle sehr betroffen sind." Nun ein Besuch unseres Reporters bei einem Lehrer, an dessen Schulevor einigen Jahren ein Amoklauf geschah: "Unser TV-Team hat ihm dieschrecklichen Bilder von heute gezeigt. Er war ganz schockiert, dasser diese schlimmen Ereignisse sehen musste. Hier seine Tränen inGroßaufnahme." Oh, wir alle fühlen mit ihm. Schlimm, was er dadurchleben musste, während zufällig unser TV-Team bei ihm war. "Danke,das wird ihm bestimmt helfen."
 
Jetzt ein kurzes Interview mit einem Experten. Er ist seriös, weil er Hemd und Krawatte trägt und weiße Haare hat. Und weil wir Ihnen sagen,dass er ein Experte ist. Wir haben ihn in der Redaktion auf Kurzwahl,denn er kann knallig formulieren und lebt so richtig auf, wenn wir mitunserer Kamera vorbeikommen.Herr Experte, was wissen Sie über den Täter? "Eigentlich nichts." Aber haben Sie eine Vermutung über sein Motiv? "Ja, selbstverständlich istdie Jugendkultur schuld. Der Täter hat mit großer SicherheitComputerspiele auf seinem PC. Ich fordere schon seit langem, dassJugendliche wieder Halma spielen, so wie ich damals. Überhaupt, diesevorlaute Jugend von heute. Was die für Frisuren haben, und dann nochdiese schreckliche Musik. Die wollen uns alle umbringen, glauben Siemir." Danke, Herr Experte, das klingt nach einer nachvollziehbarenErklärung für die Tat, da muss ich als Journalist nicht mehr nachhaken. "Gern! Und bis zum nächsten Mal!"Politiker aller Fraktionen haben ihre Verhandlungen über weitereKürzungen im Bildungswesen unterbrochen, um ihre persönliche, ehrlichempfundene Betroffenheit über die Tat zum Ausdruck zu bringen. Morgenwerden bundesweit die Flaggen auf Halbmast stehen. Übermorgen sollendann im Parlament die unterbrochenen Verhandlungen fortgesetzt werden,um die bereits beschlossenen Mittelkürzungen für denschulpsycholgischen Dienst zu verabschieden.Ein in der Presse stets zu kurz gekommmener Regional-Innenministewiederholte heute seine Forderung, die Jugendkultur zu verbieten. Er werde seinen schon mehrfach abgeschmetterten Gesetzesentwurf zur Überwachung und Umerziehung Jugendlicher erneut einbringen. Dass essich hierbei um ein zynisches Wahlkampfmanöver handeln könnte, bezeichnete er als bösartige Unterstellung.Unsere Redaktion hat in der Zwischenzeit mit Hilfe ihresRecherchewerkzeuges "Google" weitere exklusive Informationen über denTäter auf sogenannten "Websites" in einem "Internet" gefunden. Hier sein Profil aus einem sogenannten "sozialen Netzwerk". Hier dieProfile seiner Opfer. Hier die Profile seiner Freunde, die unsereRedaktion nach der Sendung aufsuchen will. Hier Blog-Beiträge undForenkommentare des Täters, aus denen unser andere seriös erscheinendeExperte nun für Sie live zwischen den Zeilen interpretieren wird.Hier private Fotos vom Täter. Sehen sie nur: Er posiert mit seiner Waffe! Wie ein Actionheld auf einem Kinoplakat! Und wir haben hier einBekennervideo von ihm gefunden, dass wir nun ausstrahlen. Ekelhaft,dieses Video, aber es ist unsere journalistische Pflicht, Ihnen das zuzeigen.Hier Bilder früherer Amokläufer, die sich ebenfalls in martialischenSelbstportraits in Szene gesetzt haben. Man könnte ja fast glauben,Amokläufer spekulieren darauf, dass diese Bilder groß in der Presseveröffentlicht werden, aber darüber wollen wir hier nicht weiter 
 
nachdenken. Stattdessen ein Bericht über ein "Twitter", wo Menschen,die überwiegend nicht einmal Journalisten sind, substanzlose Gerüchteaustauschen und es sogar wagen, unsere Berichterstattung zukritisieren. Dieser Pöbel im "Internet" - die haben ja keine Ahnung,was Qualitätsjournalismus ist.Und zum Abschluss schalten wir noch einmal um zu unserem Kollegen vor Ort: "Der Trauergottesdienst war sehr ergreifend. Für die Menschenhier wird nach dem heutigen Tag nichts mehr so sein, wie es vorher war. Wir fahren jetzt zum Elternhaus des Täters, das wir zusammen mitden TV-Teams der anderen Sender die nächsten Tage belagern wollen. Unddamit zurück ins Funkhaus." Danke für diese Eindrücke.Sollten Sie sich zu Hause nun Gedanken über Ihre oder unsereVerantwortung machen, können wir Sie beruhigen - der Täter war andersals wir, deshalb kann die Gesellschaft keinerlei Mitschuld an dieser schrecklichen Tat treffen. Auch unsere Berichterstattung hatsicherlich keinen Einfluss auf spätere Nachahmer.Das, verehrte Zuschauer, waren die Abendnachrichten.Im Anschluss zeigen wir als Sondersendung eine Gesprächsrunde mit fünf alten Herren, die über Jugendkultur diskutieren werden. Danach einBericht über Computerspiele und dieses "Internet", den wir bereits beim letzten und vorletzten Amoklauf gezeigt haben.Die im TV-Programm ursprünglich angekündigte Dokumentation über dieBildungsmisere und die Diskussionsrunde über journalistische Ethik fallen aus.Artikel-URL:http://www.hanno.de/blog/2009/guten-abend-meine-damen-und-herren-sie-sehen-die-abendnachrichten/
Es sind die Medikamente und nicht dieWaffen
Eigentlich wollte ich über diese traurige Geschichte nichts schreiben,nur, offensichtlich beschäftigt es viele von euch und deshalb gebe ichmeine Meinung dazu.Die Medien überschlagen sich mit Meldungen über den Amoklauf vonWinnenden und suchen überall die Schuld, nur nicht dort wo siewirklich liegt. Es werden selbstverständlich sofort weitereWaffenbeschränkungen verlangt, dann ist der Vater schuld, weil er die

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