die eines Christoph Columbus , Vasco da Gama und auch die derSeeräuber, der Vitalienbrüder, Klaus Störtebecker und GödeckeMichels. Der Zusatz „christlich“ lässt sich mit alledem kaum inVerbindung bringen.Und dennoch scheint mir gerade in der Verbindung mit Piraterieein möglicher Ursprung für den Begriff „christliche Seefahrt“ zuliegen. Noch bis ins vorige, also 19. Jahrhundert hinein kämpftenFranzosen im Mittelmeer gegen nordafrikanische Piraten, die, aus Tunis und Algier kommend, bis in die Nordsee die Meere unsichermachten und z.B. die Hamburger Schiffe zwangen, im Konvoi zufahren, im Schutze eines Kriegsschiffs. Dies reichte allerdings oftnicht aus. Deutschland hatte keine Kriegsflotte, und Hamburgallein konnte keine stellen. So waren die deutschen Schiffeletztlich schutzlos und oft genug Opfer von Überfällen. Schlimmfür die betroffenen Seeleute war dann vor allem, dass sie zugleichOpfer eines Kampfes zwischen Christentum und Islam wurden. Einbekannter Seefahrtshistoriker, der beim Untergang der Pamir den Tod fand, schreibt darüber in seinen „Gedanken undErinnerungen“: Viele Tausende Seeleute wurden auf See von Borddes heimischen Schiffes geholt und vom Feind zur Arbeit auf denRuderbänken gepresst… Natürlich wehrten sie sich ihrer Haut, dieSeeleute der Kauffahrtei, Sie waren geübt im Gebrauch ihrerFeuerrohre und Schwerter, und sowie ein verdächtiges Schiff gesichtet wurde – und welches Segel wäre damals beimInsichtkommen nicht verdächtig gewesen! – dann verloren siekeine Zeit, sonder, machten ihre Seelen und ihre Waffen bereit,wie es in Berichten jener Jahrhunderte lakonisch heißt.“ Oft genugzogen die Kauffahrer in solchem Kampf den kürzeren. Werüberlebte, wurde in die Sklaverei verschleppt. In dieser Situationgriffen die Seeleute zur Selbsthilfe. Sie gründeten die sogenannten Sklavenkassen, führten jeder einen gewissenProzentsatz ihres Verdienstes einem gemeinsamen Fonds zu, derzur Auslösung gefangener Kameraden verwendet wurde. So wares seit dem Jahr 1629 üblich, dass jedem Lübecker Kapitän undSteuermann von jeder Mark seiner Heuer ein Schilling zugunstender Sklavenkasse abgezogen wurde, jedem Matrosen aber sechsPfennige. Rat und Kaufmannschaft wollten sich dann nichtbeschämen lassen, deshalb führten sie eine geringe Abgabe auf alle Ausfuhrwaren ein, etwa ein Sechszehntel des dafür üblichenZolls, die ebenfalls der Sklavenkasse zufiel. In andern Häfenverfuhr man in ähnlicher Weise, und so wurde manchem Seemanndie Heimkehr in die Freiheit erkauft, der sonst den Rest seinesLebens als Sklave vertrauert hätte.“
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