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Die Europäische Union (EU) ist ein aus 27 europäischen Staaten bestehender Staatenverbund.Die Bevölkerung in den Ländern der EU umfasst derzeit rund eine halbe MilliardeEinwohner. Gemeinsam erwirtschaften die Mitgliedstaaten im Europäischen Binnenmarkt dasgrößte Bruttoinlandsprodukt der Welt.Das Ende des Zweiten Weltkrieges war einer der entscheidenden Ausgangspunkte für deneuropäischen Einigungs- und Integrationsprozess: Durch eine Vernetzung der militärischrelevanten Wirtschaftssektoren sollte ein neuer Krieg zwischen den früheren Gegnernunmöglich gemacht und in der Folge auch die politische Annäherung und dauerhafteVersöhnung der beteiligten Staaten erreicht werden. Daneben waren auch sicherheitspolitischeErwägungen von Bedeutung: Im soeben ausgebrochenen Kalten Krieg sollten diewesteuropäischen Staaten enger zusammengeschlossen und die Bundesrepublik Deutschlandin den westlichen Block eingebunden werden.Die Gründungsmitglieder und Flagge der EGKSAm 9. Mai 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman daher vor, diegesamte französisch-deutsche Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Behörde zuunterstellen. Dieser Schuman-Plan führte am 18. April 1951 zur Gründung der EuropäischenGemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, auch „Montanunion“) durch Belgien, dieBundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. DieInstitutionen dieser EGKS bildeten den Kern der späteren EU: eine Hohe Behörde mitsupranationalen Kompetenzen (aus der später die Europäische Kommission wurde), einMinisterrat als Legislative (heute Rat der EU) und eine Beratende Versammlung (das spätereEuropäische Parlament). Allerdings veränderten sich die Zuständigkeiten der verschiedenenOrgane im Lauf der Integration – so hatte die Beratende Versammlung noch kaumMitspracherechte, während das Europäische Parlament heute in der Legislative in den meistenBereichen gleichberechtigt mit dem Rat ist.Den nächsten Schritt bildeten 1957 diesogenannten Römischen Verträge, mit denen dieselben Staaten die EuropäischeWirtschaftsgemeinschaft (EWG) sowie die Europäische Atomgemeinschaft (EAG bzw.Euratom) gründeten. Ziel der EWG war die Schaffung eines gemeinsamen Marktes, in demsich Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräfte frei bewegen konnten. Durch dieEuratom sollte eine gemeinsame Entwicklung zur friedlichen Nutzung der Atomenergiestattfinden.EGKS, EWG und Euratom hatten zunächst jeweils eine eigene Kommission und
 
einen eigenen Rat. Mit dem sogenannten Fusionsvertrag wurden diese Institutionen 1967 jedoch zusammengelegt und nun als Institutionen der Europäischen Gemeinschaften (EG) bezeichnet.Neben den Stationen fortschreitender Integration gab es aber auch Rückschlägeund Phasen der Stagnation. So scheiterte der Plan einer EuropäischenVerteidigungsgemeinschaft (EVG) 1954 in der französischen Nationalversammlung. In den1960er Jahren bremste Charles de Gaulle als Präsident Frankreichs das Vorankommen der Gemeinschaft mit der sogenannten Politik des leeren Stuhls und mit seinem wiederholtenVeto gegen den britischen Beitritt zur EWG. In der ersten Hälfte der 1980er Jahre war es danndie britische Premierministerin Margaret Thatcher, die mit der Forderung nach einer Absenkung der britischen Beitragszahlungen weitere Integrationsfortschritte verhinderte.ErstEnde der achtziger Jahre gewann die Integration wieder an Dynamik. Mit der EinheitlichenEuropäischen Akte (EEA) 1987 entwickelte die EWG unter dem KommissionspräsidentenJacques Delors den Plan eines Europäischen Binnenmarkts, in dem bis zum 1. Januar 1993durch eine Angleichung des Wirtschaftsrechts sämtliche nationalen Hemmschwellen für deneuropaweiten Handel überwunden werden sollten.Das Ende der Ost-West-Konfrontation unddie damit im Zusammenhang stehende Wiedervereinigung Deutschlands führten zu weiterenIntegrationsschritten: Am 7. Februar 1992 wurde der Vertrag von Maastricht zur Gründungder Europäischen Union (EU) unterschrieben. Darin wurde zum einen die Gründung einer Wirtschafts- und Währungsunion beschlossen, die später zur Einführung des Euro führte; zumanderen beschlossen die Mitgliedstaaten eine engere Koordinierung in der Außen- undSicherheitspolitik und im Bereich Inneres und Justiz. Zugleich wurde die EWG inEuropäische Gemeinschaft (EG) umbenannt, da sie nun auch Zuständigkeiten in anderenPolitikbereiche als der Wirtschaft erhielt (etwa in der Umweltpolitik). Mit dem Vertrag vonAmsterdam 1997 und dem Vertrag von Nizza 2001 wurde das Vertragswerk der EU erneutüberarbeitet, um eine bessere Funktionsweise der Institutionen zu gewährleisten.Durch dasEnde des Ost-West-Konfliktes geriet nun auch die endgültige Überwindung der politischenSpaltung Europas in den Blickpunkt der EU. Schon zuvor war sie durch mehrereErweiterungsrunden (1973, 1981, 1986, 1995) von sechs auf fünfzehn Mitglieder angewachsen; nun sollten auch die mittel- und osteuropäischen Länder, die zuvor demOstblock angehört hatten, Teil der Union werden. Hierfür legten die EU-Mitgliedstaaten 1993die sogenannten Kopenhagener Beitrittskriterien fest, mit denen Freiheit, Demokratie,Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und die bürgerlichen Grundfreiheiten als Grundwerte der Union definiert wurden. 2004 und 2007 kam es schließlich zu den beiden Osterweiterungen, bei denen zwölf neue Mitglieder in die EU aufgenommen wurden.Saal, in dem der Vertragüber eine Verfassung für Europa unterzeichnet wurdeIn der Gegenwart bestimmt die im Jahr 2000 verabschiedete Lissabon-Strategie für die Europäische Union das ökonomische undsoziale Ziel, „bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasiertenWirtschaftsraum in der Welt zu werden“. Außerdem soll die EU „im Rahmen des globalenZiels der nachhaltigen Entwicklung als ein Vorbild für den wirtschaftlichen, sozialen undökologischen Fortschritt in der Welt“ wirken.Durch die Erweiterungsrunden drohte allerdingsdie politische Handlungsfähigkeit der EU zunehmend eingeschränkt zu werden: Die Veto-Möglichkeiten für einzelne Mitgliedstaaten hätten eine Vielzahl von Entscheidungen blockieren können. Auf dem Gipfel von Laeken 2001 beschlossen die Staats- undRegierungschefs der EU daher die Einberufung eines Europäischen Konvents, der einenneuen Grundvertrag ausarbeiten sollte, mit dem die Entscheidungsverfahren der EUeffizienter und zugleich demokratischer werden sollten.Im Oktober 2004 wurde dieser Vertragüber eine Verfassung für Europa in Rom unterzeichnet. Um in Kraft treten zu können, hätte er von allen 25 damaligen Mitgliedstaaten ratifiziert werden müssen. Im Mai und Juni 2005lehnten ihn jedoch die Franzosen und die Niederländer in Volksabstimmungen ab. Als Ersatzfür die gescheiterte Verfassung erarbeitete daher eine Regierungskonferenz im Jahr 2007 denVertrag von Lissabon, der die wesentlichen Inhalte des Verfassungsvertrages übernahm.
 
Geplant war nun eine Ratifizierung bis zur Europawahl 2009. Am 12. Juni 2008 wurdeallerdings auch der Vertrag von Lissabon in Irland durch ein Volksreferendum abgelehnt.Dennoch wurde der Ratifikationsprozess in den übrigen Staaten fortgesetzt.Das Drei-Säulen-ModellDas politische System der Europäischen Union hebt sich voneinzelstaatlichen politischen Systemen deutlich ab. Als supranationaler Zusammenschlusssouveräner Staaten besitzt die EU anders als ein Staatenbund eigene Souveränitätsrechte;andererseits haben die EU-Institutionen keine Kompetenzkompetenz, anders als einBundesstaat kann die EU also die Verteilung der Zuständigkeiten innerhalb ihres Systemsnicht selbst gestalten. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat daher in einem Urteil ausdem Jahr 1993 den neuen Begriff Staatenverbund geprägt, um die EU staatsrechtlich zucharakterisieren.Die beiden wichtigsten Verträge, auf denen die EU derzeit basiert, sind der EG-Vertrag von 1957 und der EU-Vertrag von 1992. Mit diesen völkerrechtlichen Verträgenvereinbarten die Mitgliedstaaten, die Institutionen der EU zu schaffen und ihnen bestimmteSouveränitätsrechte und Gesetzgebungskompetenzen zu übertragen. Man bezeichnet siedeshalb als europäisches Primärrecht. Das gesamte Sekundärrecht, das die EU selbst gemäßihren eigenen Rechtsetzungsverfahren erlässt, ist aus diesen Verträgen und den daringenannten Kompetenzen abgeleitet.Dabei hat die EU in den Politikfeldern, die im EG-Vertraggeregelt sind, eigene supranationale (staatenübergreifende) Kompetenzen. Die Rechtsakte, diegemäß den Rechtsetzungsverfahren der EG von den europäischen Institutionen – Kommission, Rat und Parlament – beschlossen werden, werden durch die in den Verträgenfestgelegte Rechtsetzungskompetenz der Europäischen Gemeinschaften bindend.AndereBereiche, die nur im EU-Vertrag genannt sind, sind dagegen von intergouvernementalen(zwischenstaatlichen) Entscheidungsmechanismen gekennzeichnet. Das betrifft zum einen diegemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP), zum anderen die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (PJZS). Hier handelt es sich um eine reineZusammenarbeit zwischen den Regierungen der Mitgliedstaaten, wobei alle Entscheidungeneinstimmig zu treffen sind und auch nicht unmittelbar Rechtsgültigkeit haben.Aufgrund dieser Dreiteilung in EG, GASP und PJZS spricht man auch vom Drei-Säulen-Modell der EU. Eswurde 1992 durch den EU-Vertrag von Maastricht eingeführt. Zuvor hatte es lediglich die EGgegeben; die Bereiche Außen- und Sicherheitspolitik bzw. Inneres und Justiz waren allein der nationalstaatlichen Souveränität überlassen.Die Europäischen GemeinschaftenDieEuropäischen Gemeinschaften bilden den supranationalen Kernbereich der EU. Sie umfassendie Europäische Gemeinschaft (EG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom); dieEuropäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die zunächst ebenfalls zu den
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