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Bürgerinitiative Mobilfunk Stuttgart – WestVerein zum Schutz der Bevölkerung vorElektrosmog e.V
. März 2009
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Justiz: Ein mutiger Artikel zur richtigen Zeit
Ein Richter stellt die Lex Mobilfunk inFrage
Immer wieder sind Bürger verzweifelt oder resignieren übereine absurde Rechtssprechung in der Mobilfunkfrage. In derNeuen Zeitschrift für Verwaltungsrecht 3/2009 erschien nunder Artikel „
Mobilfunk versus Menschenrechte – Techni-scher k. o. oder Kompromiss?“,
verfasst von
Bernd IrmfridBudzinski, Richter am Verwaltungsgericht Freiburg. Er kriti-siert diese Rechtssprechung. Sein Fazit nach der Erörterungder Gesundheitsgefahren des Mobilfunks:
„Berücksichtigt man all dies, so erscheint auch der „weiteErmessensspielraum des Staates" bei der Gestaltung der Mo-bilfunkversorgung, der nach Meinung des
EGMR
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wohl geradewegen ihrer „gerechten Ausgeglichenheit" gegeben sein soll, nichtmehr sachgerecht gewahrt.
Es wurde eben nicht das Möglicheund Gebotene getan, um schon vorbeugend die Gesundheit zuschützen
(wie es auch Art. 174 II EG gebietet). Vielmehr wurde einMaximalkonzept kompromisslos zugelassen. Insoweit ist in der 26.BImSchVO („bewusst") kein „Vorsorgekonzept" für hochfrequenteStrahlung enthalten, das von der „dafür zuständigen Regierung jenach dem Fortschritt der Wissenschaft lediglich zu kontrollieren"wäre, wie der
EGMR
weiter für ausreichend hält. Ganz imGegenteil vermissen die deutschen Strahlenschutzbehörden selbstschon eine „ausreichende Rechtsgrundlage für die derzeitunkontrollierte Strahlenexposition der Bevölkerung" und haltendarüber hinaus Vorsorgemaßnahmen für „unabweisbar". Ausdiesem Grunde und angesichts von inzwischen in die Tausendegehender Betroffener kommt (auch) den Gerichten die Aufgabe zu,durch Abstriche von einer Maximalversorgung Kompromisse zusuchen und zu finden. Dass dies möglich wäre, ohne den Mobilfunkgrundsätzlich in Frage zu stellen, mag im Ansatz schon obigenAusführungen entnommen werden, wäre aber auch jederzeit einer -durchaus gebotenen - Beweiserhebung zugänglich.“
Kritik an der positivistischen Rechtsauffassung
Budzinski argumentiert nicht mehr nur formal oder baurecht-lich, sondern ausdrücklich mit der Vorsorgeverpflichtungund bereits aufgetretenen Gesundheitsgefährdungen. Erwendet sich ab von der unsäglichen herrschenden positi-vistischen Rechtsauffassung
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, die mit der Begründung, die26.BISchV habe die Grenzwerte festgelegt und könne voneinem Gericht nicht in Frage gestellt werden, die Wirklich-keit ausblendet und Klagen auf Gesundheitsgefährdung nichtbefasst. Die Gerichte lehnen eine Überprüfung der durchMobilfunk bedingten Krankheiten mit dem Verweis auf die
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Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
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Die grundlegende Option des Rechtspositivismus weist den Richter an,nach einer Rechtslage zu urteilen, die der Staat vorgegeben hat. Das recht-lich Gegebene ist und erzeugt die Wirklichkeit, nicht die Wirklichkeit dasRecht. Das eigene Ermessen des Richters zählt nicht, er darf bestehendeGesetze nicht in Frage stellen. Eine aktuelle praxisbezogene Kritik desPositivismus als Rechtsfertigungsideologie herrschender Interessen : Quast,Thomas, Der Positivismus, Denkmethode im Interesse der Herrschenden, inDokumentation 5. Offene Akademie 2008, Gelsenkirchen.
26. BISchV ab, weil durch sie festgelegt ist, dass manunterhalb des Grenzwertes nicht krank wird. Der verord-nungswidrig krank gewordene Bürger wird zumpsychosomatischen Fall erklärt. Es sei an die Behördendia-lektik erinnert: wenn in der Verordnung festlegt ist, dass derGrenzwert 10.000.000 µWatt/m
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beträgt, dann kann man beiseiner Einhaltung nicht krank werden. Das ist dannverordnet, die Behörde ist entlastet und muss nicht handeln.Wer dann trotzdem krank wird, ist ein Hypochonder.Dieser Rechtspositivismus treibt groteske Blüten. So machtsich die Rechtssprechung in grotesker Weise die Tatsachezunutze , dass der Mensch im Unterschied zu vielen Tierenkein Sinnesorgan besitzt, mit dem er elektromagnetischeFelder wahrnehmen kann. Das Verwaltungsgericht Stuttgartwies so im November 2008 die Klage auf Gesundheits-gefährdung durch den Mobilfunkmasten in der Bismarck-straße u.a. zurück, „weil diese Anlage weder Lärm-oderGeruchsimmissionen verursacht noch einen ständigenBesucherverkehr zur Folge hat und auch nach außen nichtstörend in Erscheinung tritt “
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. Verehrte Justiz: die Wolkevon Tschernobyl im Jahr 1986 haben wir auch nicht gehörtund gerochen. Die Argumentation der Justiz ist grotesk undeine Arroganz.Budzinski konfrontiert diese absurde Rechtsauffassung mitder Wirklichkeit. Er weist auf den Widerspruch des„Interesses der Allgemeinheit an einer Mobilversorgung“und der gesundheitsgefährdenden Zwangsbestrahlung hin:
„Das Recht auf Achtung der Wohnung umfasst das Recht, sie auchunbeeinträchtigt von unsichtbaren oder nicht körperlichenVerletzungen wie Lärm, Immissionen, Gerüche oder ähnlichenEinwirkungen zu nutzen, erklärte der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte - EGMR
- in bemerkenswerter Deutlichkeit...Allerdings darf der in 20 Meter Entfernung stehendeMobilfunksender uneingeschränkt weiter Haus und Hof desBeschwerdeführers durchstrahlen, obwohl nach schlüssigemVorbringen neben Schlafstörungen erhebliche gesundheitlicheProbleme wie Tinnitus und Herzrhythmusstörungen sowie (bei derTierhaltung) sogar Missbildungen verursacht worden sein sollen
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.Bis zum (wissenschaftlichen) Nachweis der Schäden genüge es,meinte das Gericht, dass die Genehmigung in einem formelleinwandfreien Verfahren erteilt und ein „gerechter Ausgleich" desInteresses der Allgemeinheit an einer Mobilfunkversorgung mitdem Gesundheitsinteresse des Beschwerdeführers erfolgt seien. AnLetzterem bestehen hier indessen erhebliche Zweifel.“
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Verwaltungsgericht Stuttgart, Aktenzeichen 13 K 4465/06, 4.11.2008
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Fußnote Budzinski: „Dabei scheint es sich eher um die Spitze einesEisbergs als um einen Einzelfall zu handeln: Nach einer Schätzung desBundesamtes für Strahlenschutz sind derzeit rund 25 000 Menschenregelrecht auf der „Flucht" vor Mobilfunksendern; d. h. sie schlafenzumindest zeitweise im Keller, in Wohnwagen im Wald oder in einerabgelegenen Zweitwohnung (so Financial Times Deutschland v. 1. 8.2008).“
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